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Konsequenzen eines Excel-Fehlers

Zwei prominente Ökonomen, Carmen Reinhard und Kenneth Rogoff, wurden eines Excel-Fehlers in ihrer ebenso prominenten Studie „Growth in a time of debt“ überführt. Und nun?

Kenneth Rogoff, Ökonom und Professor in Harvard

Kenneth Rogoff, Ökonom und Professor in Harvard

Die magische Zahl ist verschwunden, die magischen 90 %. Ab einer Schuldenquote von 90 %, so glaubten Reinhard und Rogoff ursprünglich herausgefunden zu haben, sinke das Wirtschaftswachstum eines Staates. Das lässt sich so nun nicht mehr halten.

Auch für die Medien, die sonst nie über ökonomische Forschung berichten, ist das ein gefundenes Fressen. So steht laut SPON nun Europas Sparpolitik in Frage. Dass sich zudem Keynesianer wie Heiner Flassbeck oder Albrecht Müller ereifern, versteht sich von selbst. Wer glaubt, Schuldenmachen sei ein wichtiges Mittel, um die Wirtschaft zu stimulieren, dem war eine feste Obergrenze wie die 90-%-Quote ein Dorn im Auge.

Dass es magische Zahlen in der Ökonomie nicht gibt, hätte aber auch vor Bekanntwerden des Excel-Fehlers klar sein müssen. Dazu ist Ökonomie zu komplex. Umgekehrt ist staatliche Verschuldung durch den Fehler keineswegs rehabilitiert. Selbst Rogoff-Kritiker Paul Krugman (den die Nachdenkseiten dankenswerterweise ins Deutsche übersetzt haben), gibt zu: „Es gibt eine gewisse Korrelation von hoher Verschuldung und geringem Wachstum …“

Der grundsätzliche Zusammenhang kann also nicht geleugnet werden. Und wenn es keine allgemeinen Obergrenze für die Schuldenquote gibt, bedeutet das nur, dass der Schwellenwert stark von den konkreten Umständen abhängt. Zwar mag manchmal auch eine Schuldenquote von weit über 90 % unproblematisch sein, manchmal aber auch eine von weit unter 90 % zu Problemen führen. Diese neue Unsicherheit sollte die Finanzpolitiker eher zur Vorsicht gemahnen.

Natürlich wird wieder die Debatte geführt, ob nun eine hohe Schuldenquote das Wachstum drosselt oder doch eher ein schwaches Wachstum die Schuldenquote steigen lässt. Vehemenz in dieser Debatte ist aber unnötig, denn natürlich ist beides richtig. Gerade dies macht die Sache gefährlich. Es macht eine Negativspirale, ein Teufelskreislauf durch hohe Verschuldung möglich.

Wichtiger ist allerdings die Frage: Wenn die Schuldenquote das falsche Maß ist, welches ist dann das richtige?

Machen wir uns dazu einmal klar, warum staatliche Schulden überhaupt einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben können. Was ist das Bindeglied zwischen beiden? Richtig, der Zins. Braucht der Staat viele Anleihen, erhöht das die Kreditnachfrage und nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage steigen die Zinsen allgemein. Bei hohen Zinsen werden aber die Unternehmen und die Privathaushalte ihre Kreditnachfrage reduzieren. Sie werden dann auch weniger investieren bzw. konsumieren. Dies beeinflusst das Wirtschaftswachstum negativ.

Nicht die Gesamtschuldenquote eines Staates steht demnach im Blickpunkt, sondern seine aktuelle Kreditnachfrage. Relevant ist dabei im Wesentlichen die Nettoneuverschuldung. Die darüber hinausgehenden Schuldenaufnahme für die Tilgung von Altkrediten erhöht zwar auch die Kreditnachfrage, gleichzeitig aber auch das Kreditangebot und spielt per Saldo daher keine Rolle. Die Anleger werden nämlich das durch eine Tilgung erhaltene Geld typischerweise wieder neu anlegen.

Ergänzend zum Thema: „Falsche Prognosen des IWFs – Was folgt?

„Geordneter“ Ausstieg aus der Eurozone? – Die wirtschaftliche Seite

Macht die Forderung der Partei Sinn, oder handelt es sich um gefährliche Anti-Europa-Politik?“ Diese Frage zur Alternative für Deutschland (AfD) stellt Focus-Chefredakteur Jörg Quoos im heute erschienen Heft. Die angekündigte Analyse ist dann aber schwach und geht auf volkswirtschaftliche Fragen gar nicht ein. Darum hier im Blog meine Analyse als Ergänzung (nein besser als Ersatz) zur Focus-Titelgeschichte.

Immerhin erläutert AfD-Vorsitzender Bernd Lucke im Focus-Interview sein Konzept für den Euroausstieg. Lucke möchte die jetzige Währungsunion durch einen Ausstieg der Südländer (einschließlich „wahrscheinlich“ Frankreichs) beenden. Dabei geht er von einer vier- bis fünfjährigen Übergangsphase aus, in der diese Länder neben dem Euro eine neue, eigene Währung parallel benutzen.

Ob Deutschland ein solches Konzept politisch in der EU durchsetzen kann, habe ich mich bereits im Beitrag „‚Geordneter‘ Ausstieg aus der Eurozone? – Die politische Seite“ gefragt. Mit den heutigen EU-Institutionen schien mir das so gut wie unmöglich.

Ergänzen möchte ich allerdings, dass sich Luckes Parallelwährungen automatisch vor Ort, auch ohne Segen aus Brüssel, entwickeln können. Wenn nämlich keine weiteren Hilfen an die Südschiene fließen, stehen die dortigen Staaten vor dem Problem, wie sie Gehälter und andere Ausgaben bezahlen. Aus der Not heraus werden sie dann wohl beginnen, neue, bunte Zettelchen zu drucken, mit denen sie bezahlen. Wie „geordnet“ so ein Weg ist, das zu beurteilen, überlasse ich mal anderen.

Mit dem Konzept der Parallelwährung selbst habe ich mich mal im letzten Jahr auseinandergesetzt („Soll Griechenland nur halb aus dem Euro raus?“). Und auf die Probleme einer Parallelwährung, die ich damals sah, hat auch Lucke keine Antwort.

Der große Vorteil einer Parallelwährung ist, dass die Konten nicht umgestellt werden, die Sparer in den Südländern also ihre Euros behalten können. Und damit besteht kein Anlass zu einer Kapitalflucht.

Wenn aber Guthaben in Euro bestehen bleiben, müssen auf der anderen Seite auch die Schulden in Euro bestehen bleiben, ansonsten sind die Banken sofort pleite. Die Unternehmen und Privathaushalte hätten damit Schulden in einer Hartwährung, bekommen aber ihre Einnahmen in den Südländern nur noch in den neuen Weichwährungen. Viele würden darum unter der Schuldenlast zusammenbrechen.

Lucke setzt darauf, dass die Wirtschaft der Südländer nach der Einführung der Parallelwährungen schnell anspringen wird. Denn da die Unternehmen dann z.B. ihre Löhne größtenteils in Weichwährung bezahlen, bekommen sie einen großen Wettbewerbsvorteil. Die historische Erfahrung mit Währungsabwertungen gibt ihm Recht.

Das Problem: „Schnell“ wird meist nicht schnell genug sein. Die Hartwährungsschulden der Unternehmen belasten nämlich nicht nur schnell, sondern sofort.

Aus ebensolchen Gründen haben auch Roger Bootle und sein Team das Parallelwährungskonzept ausgeschlossen, als sie ihren Plan für einen Euroausstieg vorlegten. Statt langer Übergangsfristen wollten sie eine schnelle und komplette Währungsumstellung, möglichst an einem Wochenende. Dieser Bootle-Plan gewann dann auch den mit 250.000 Pfund dotierten Wolfson Prize für das beste Ausstiegskonzept aus der Eurozone.

„Geordneter“ Ausstieg aus der Eurozone? – Die politische Seite

Sollte Deutschland aus der Eurozone aussteigen, wie es die „Alternative für Deutschland“ (AfD) fordert, wird das wohl nicht ganz so reibungslos ablaufen, wie das die Eurogegner darstellen. Trotzdem kein Grund, den Euroaustritt zu scheuen.

Mit der Gründung der neuen Partei „Alternative für Deutschland“ und ihrem ersten großen Parteitag ist das Thema eines deutschen Ausstiegs aus der Eurozone wieder in den Medien. Stammleser dieses Blogs und Leser meines E-Books „Die ersten drei Jahre Eurokrise“ werden sich nicht wundern, dass ich das gut finde.

Seit Beginn der Eurokrise bin ich dafür, dass Krisenländer aus der Eurozone ausscheiden. Seitdem EZB-Präsident Draghi erklärt hat, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen, bin ich dafür, dass am besten gleich Deutschland aus der Eurozone austritt („Deutschland ist nun verpflichtet, die Eurozone zu verlassen“).

Selbst George Soros und Wolfgang Münchau haben sich inzwischen die Forderung nach einem Euroaustritt Deutschlands zu eigen gemacht. Dabei teile ich übrigens ihre Analyse, dass mit Eurobonds die Währungsunion zu retten wäre. Der Preis eines Schuldensozialismus mithilfe von Eurobonds wäre allerdings für Europa und insbesondere für Deutschland langfristig gigantisch. Dann lieber weg mit dem Euro.

Bernd Lucke, VWL-Professor und einer der Vorstandssprecher der AfD

Bernd Lucke, VWL-Professor und einer der Vorstandssprecher der AfD

Doch wie „geordnet“ kann sich ein Ausstieg vollziehen? Betrachten wir zunächst die politische Seite. (Auf die wirtschaftliche werden ich in einem Folgeartikel zu sprechen kommen.)

Gegenüber dem WSJ Deutschland setzt Roland Vaubel, einer der Wirtschaftsprofessoren, die die AfD unterstützen, auf eine Verhandlungslösung. Zunächst soll ein Austritt aus der Eurozone in den EU-Verträgen abgesichert werden. Das ist auch die Linie, die AfD-Vorstandssprecher Lucke in Oberursel erläutert hat.

Die Eurozone ist kein optimaler Währungsraum, was auch heißt, dass die Währungsunion in der Summe mehr schadet als nutzt. Rein theoretisch sollte es darum möglich sein, eine Verhandlungslösung über einen Euroaustritt zu erreichen, mit der alle EU-Partner zufrieden sind. Praktisch spricht jedoch die „Tyrannei der Einstimmigkeit“ (Charles B. Blankart) in der EU dagegen. Mag die Regelung noch so unsinnig sein, meist gibt es einen, der von ihr profitiert. Und der kann eine Änderung blockieren. So ist es auch mit dem Euro.

Von der Währungsunion haben bis 2009 die Südländer sowie Irland massiv profitiert. Sie konnten große Summen Anlagegelder anlocken. Danach drehte sich die Lage. Deutschland wurde zum Krisengewinner. Doch auch diese Phase ist schon wieder vorbei. Deutschland profitiert zwar immer noch von den niedrigen Zinsen, seine Exporte leiden aber gleichzeitig durch den Wirtschaftseinbruch in den Südländern.

Die Schicht derjenigen, die noch vom Euro profitieren, ist nun in allen Ländern klein. Es sind diejenigen, die in den Südländern Finanzanlagen halten und die deren Abwertung bei einem Ende des Euros befürchten. Die Politik fügt sich aber ihrem Interesse.

Ohne Streit und Druck wird es darum nicht gehen. Das sieht auch Bernd Lucke. Er will die Auszahlung weiterer Hilfstranchen an die Krisenländer verweigern, bis man sich auf Ausstiegsklauseln geeinigt hat. Sachlich kann man das gut begründen, denn erst nach einem Ende der Währungsunion können die Krisenländer wieder dauerhaft Hoffnung schöpfen und damit auch ihre Geldgeber.

Ohne Streit und Druck geht übrigens auch die Eurorettung nicht. Der Vorteil des Euroaustritts wäre: Dieses Gezänk (das in der Tat gefährlich eskalieren kann) hätte irgendwann einmal ein Ende.

Trotzdem bleibt ein Widerspruch: Die Alternative für Deutschland hält Europa für unfähig, eine Währungsunion zu managen. Warum glaubt sie dann, Europa wäre fähig, das Ende einer Währungsunion zu managen?

Der eingeschränkte Sinn staatlicher Garantien

Die Bundesregierung muss einen Weg finden, ihre umfassende Garantie für Bankeinlagen einzuschränken.

Mittlerweile ist die Szene Bestandteil eines Mythos: Angela Merkel und Peer Steinbrück treten am 5. Oktober 2008 gemeinsam vor die Kameras. Der damalige Finanzminister erklärt:

Ich möchte gerne unterstreichen, dass wir in der Tat in der gemeinsamen Verantwortung, die wir in der Bundesregierung fühlen, dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.

(Nachzulesen bei SPON)

Die Sparer glaubten es. Und so wurde ein Ansturm auf die Banken schon im Keim erstickt.

Die Frage, ob die Regierungsgarantie für Bankeinlagen im vollen Umfang noch heute gilt, wurde nach dem beschlossenen Schnitt bei zyprischen Bankeinlagen wieder aktuell. Auf Nachfrage beantwortete Regierungssprecher Seibert sie mit Ja. Ob er gut daran tat?

Türme der Banken und Versicherungen in Frankfurt

Auf staatlichen Garantien gebaut: Bankentürme in Frankfurt (Foto: Wolfgang Pehlemann)

Man kann sich ja auf den Standpunkt von Thomas Fricke stellen: „in einer Finanz- und Bankenkrise geht es darum, alles zu garantieren, was irgendwie zu wackeln beginnt.“ Bei einem vorübergehenden Liquiditätsengpass einer einzelnen Bank ist das auch nicht falsch. Ich frage mich aber, ob Thomas Fricke nicht bloß einer „kollektiven Selbsttäuschung“ (Dirk Niepelt) das Wort redet.

Warum? Nun, eine staatliche Garantie der Bankeinlagen vermindert in keinster Weise das grundsätzliche Risiko des Bankgeschäfts. Das ist das Risiko jeden Kredits, das Risiko einmal verliehenes Geld nicht zurückzubekommen. Die staatliche Garantie verlagert lediglich dieses Risiko weg von den Geldgebern der Bank, den Einlegern, hin zu den Steuerzahlern.

Ob der Bürger als Sparer oder als Steuerzahler geschröpft wird, kann ihm aber egal sein. Angesichts von 2,9 Billionen € Einlagen bei deutschen Kreditinstituten ist in einer Bankenkrise auch der Bundeshaushalt überfordert. (Die Einlagensicherungsfonds sowieso.)

Dagegen eliminiert eine staatliche Einlagengarantie das grundsätzliche Risiko des Bankgeschäfts aus dem allgemeinen Bewusstsein. Zuerst kümmern sich die Einleger nicht mehr um die Risikopositionen einer Bank. Im Laufe der Zeit verändert sich aber auch die Unternehmenskultur der Banken. Risiko wird sexy. Und die Erfahrung zeigt, dass eine staatliche Bankenaufsicht überfordert ist, dagegen zu halten.

Nun mag es sinnvoll sein, Kleinsparer von der Sorge um ihre Bankeinlagen zu befreien. Der Aufwand, die Risikopositionen einer Bank angemessen zu beurteilen, ist ihnen nicht zuzumuten. Schon bei großen Einlegern sieht dies aber anders aus. Bevor ich einer Bank 200.000€ gebe, darf ich mir schon Gedanken über diese Bank machen.

Ungleiche Vermögensverteilung in der Eurozone und seltsame Argumente

Nachdem schon Ende März einige Zahlen durchgesickert waren, gibt es die Studie der EZB zu Finanzen und Konsum der Haushalte seit zwei Tagen offiziell. Seitdem tobt die Diskussion auf den Wirtschaftsseiten und in den Wirtschaftsblogs. Nicht wenigen ist es ein großes Bedürfnis, die Deutschen reicher erscheinen zu lassen, als sie der EZB-Studie nach sind, darunter auch Blogger wie Egghat oder Jens Berger. Hierzu werden auch schon mal seltsame Argumente vorgebracht.

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Fernbusse: Das Dilemma der Marktliberalisierung

Wettbewerb ist gut, doch fairer Wettbewerb wäre besser. Eine Meinung zum liberalisierten Fernbusmarkt.

Bis Ende letzten Jahres waren Fernbuslinien innerhalb Deutschlands nicht erlaubt – nur in Richtung Berlin gab es historisch bedingt Ausnahmen. Nun sind sie möglich. Erforderlich ist allerdings ein Mindestabstand von 50 km zwischen den Haltestellen und eine amtliche Genehmigung.

Justus Haucap lobt im ÖkonomenBlog der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die Liberalisierung des Fernbusmarktes. Und tatsächlich hat sie schon jetzt zu mehr Wettbewerb geführt. Bald wird es wohl über 160 Fernbuslinien geben.

Wettbewerb, das haben Ökonomen gelernt, ist gut. Er sorgt in der Regel für niedrigere Preise, bessere Qualität und Innovationen. Dass die Deutsche Bahn nun in allen ICE freies WLAN zum Standard machen will, führt Haucap auf den neuen Wettbewerb zurück. Die DB selbst würde dies allerdings bestreiten.

Ob Wettbewerb in der Summe wirklich gut ist, hängt allerdings von den Rahmenbedingungen ab. Schlecht kann es sein, wenn einzelne Wettbewerber vom Staat subventioniert werden. Dann kann es passieren, dass die subventionierten Anbieter bessere Anbieter niederkonkurrieren. Wenn die Guten weichen müssen, ist das zum Schaden der Kunden.

Im Falle des Fernbusmarktes drängt sich der Verdacht auf, dass der Wettbewerb durch Subventionen verzerrt wird. Denn Omnibusse werden auf verschiedene Weise bevorteilt:

  • Für einen Omnibus fällt keine Kraftfahrzeugsteuer an, wenn der Bus zu mehr als 50% im Linienbetrieb benutzt wird (§ 3 Punkt 6 des KraftStG). Für einen vergleichbaren 24t-LKW zahlt der Halter je nach Emissionsklasse dagegen zwischen rund 1.500 und 4.300 €.
  • Omnibusse zahlen im Gegensatz zu vergleichbaren LKWs keine Maut für Autobahnen.
  • Die Energiesteuer auf das von Bussen getankte Diesel ist 18,4 Cent niedriger als für Benzin.

Damit sind die Vergünstigungen gegenüber dem „normalen“ Straßenverkehr aufgezählt. Und vor allem Umweltverbände oder die Allianz Pro Schiene argumentieren, dass bereits dieser „normale“ Straßenverkehr subventioniert wird. Entsprechende Berechnungen sind allerdings umstritten, denn die errechneten Subventionen bestehen zum größten Teil aus den schwer einzuschätzenden externen Kosten des Straßenverkehrs. Damit sind die Umwelt- und Unfallfolgekosten gemeint, die der Allgemeinheit aufgelastet werden.

Außerdem bekommt auch die Bahn Subventionen. 2012 bekam die Deutsche Bahn 4,5 Milliarden für Erhalt oder Neubau von Netz und Bahnhöfen. Zumindest einen Teil dieser Summe muss man auch als Subvention für den hier als Konkurrent interessierenden Bahn-Fernverkehr betrachten.

Trotzdem: Der Omnibusverkehr scheint in besonderer Weise staatlich begünstigt zu werden. Wenn man will, dass die Liberalisierung für Fernbuslinien auch langfristig von Vorteil ist, sollte man die Subventionierung durch die Befreiung von Kfz-Steuer und Maut sowie durch die niedrige Energiesteuer auf Diesel beseitigen.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Der Wirtschaftswurm ist für den „comdirect finanzblog award“ nominiert.

COMD_LABEL_NOMINIERT_2013

Wie ich heute erfahren habe, ist der Wirtschaftswurm für den „comdirect finanzblog award“ nominiert. Neun Blogs wurden von der Jury für die Auszeichnung nominiert. Wer von den neun die vier Preise bekommt, wird am 6. Mai auf der re:publica bekannt gegeben. Insgesamt ist der Award mit 7.000 € dotiert. Weiteres kann man auf der Seite der Comdirect nachlesen.

Meine Zugriffsstatistik vom 1. Quartal 2013

Wieder mal ist ein Quartal um und damit steht traditionell ein Blick in meine Blogstatistiken auf dem Programm.

In den ersten drei Monaten 2013 registrierte Google Analytics 26.798 Seitenaufrufe und 18.695 Besuche. Gegenüber dem vorhergehenden Quartal ist das ein Plus von 22,2% bei den Seitenaufrufen und ein Plus von sogar 29,1% bei den Besuchen. Das Niveau des Sommerquartals 2012 wurde damit fast wieder erreicht. Der Besuchereinbruch Ende 2012 hat sich als vorübergehende Delle erwiesen.

Mein Klassiker „Wirtschaftswachstum mal langfristig“ war auch im letzten Quartal der Artikel, der am meisten aufgerufen wurde. Das ist allerdings auch etwas ärgerlich, denn von diesem 2 ½ Jahre alten Artikel gibt es inzwischen bereits die zweite aktualisierte Version mit neuen Zahlen. Die aktuelle Version schafft es aber bei Google bislang nicht an der alten Version vorbeizuziehen.

Weitere Artikel, die häufig aufgerufen wurden, waren:

38,9% der Besuche kamen durch Suchmaschinen zum Blog, 36,3% durch Links auf anderen Seiten und 24,6% durch direkten Zugriff. Die Bedeutung von Google für den Blog ist damit gegenüber dem vorangegangen Quartal etwas geschrumpft, während die von Links und direkten Zugriffen gestiegen ist.

Die häufigsten Suchwörter bei Google, mit denen der Wirtschaftswurm gefunden wurde, waren „wirtschaftswurm“, „hans werner sinn“ und „finanzielle repression“.

1.137 Besuche kamen über Links von Dirk Müllers Seite cashkurs.com. Auf Platz 2 der Linkquellen steht Twitter, auf Platz 3 Google.de. Hinter Google.de verbirgt sich wahrscheinlich hauptsächlich der Google-Reader, der leider demnächst eingestellt wird. Der Mehrpersonenblog Wiesaussieht schaffte es auf Platz 6 der Linkquellen, der Wirtschaftsphilosoph auf Platz 8 und der wohl bekannteste Wirtschaftsblog, Blicklog, immerhin noch auf Platz 9.

Ökonomenblogparade (ÖBP) im April: Spekulationsblasen

Wirtschafts- und Finanzblogger werden aufgerufen, im April über das Thema Spekulationsblasen zu schreiben.

Die erste gut dokumentierte Spekulationsblase fand bereits in den 1630er Jahren in den Niederlanden statt. Auf dem Höhepunkt der Tulpenmanie wurden für eine Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ 10.000 Gulden geboten, so viel wie damals ein nobles Haus an einer Amsterdamer Gracht kostete.

Bis heute sind Spekulationsblasen ein fast regelmäßig wiederkehrendes Phänomen. So erreichte die Dotcom-Blase im März 2000 ihren Höhepunkt. Aktien kleiner, junger Internetunternehmen wurden damals zu horrenden Preisen gehandelt. Der Chart des Indexes der New Yorker Technologiebörse Nasdaq dokumentiert die Preisblase anschaulich.

Nasdaq-Kurse fielen auf das Niveau vor der Dotcom-Blase

Nasdaq-Index 1994-2004

Die nächste Blase platzte 2007. Dieses Mal betraf es den Häusermarkt. Während die Dotcom-Blase allerdings ein weltweites Phänomen war, betraf die Immobilienblase hauptsächlich nur die USA, Irland und Spanien. Wieder lässt sich die Preisblase am besten durch Charts zeigen:

Das Platzen von Spekulationsblasen hat oft Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Sowohl nach der Dotcom-Blase als auch nach der Immobilienblase gab es eine schwere Rezession. Ja, die Immobilienblase mündete sogar in eine weltweite Finanzkrise, die bis heute nicht überwunden wurde.

Es gibt also Gründe genug, sich mit Spekulationsblasen zu beschäftigen. Und es gibt viele offene Fragen zu Spekulationsblasen:

  • Wie entstehen Spekulationsblasen? Sind sie rein irrational? Welche Rolle spielt die Geldpolitik der Zentralbank? Welche Rolle spielen staatlich gesetzte Anreize?
  • Welche Folgen haben Spekulationsblasen für die Gesamtwirtschaft?
  • Wie lassen sich Spekulationsblasen möglichst frühzeitig erkennen? Droht uns bereits die nächste Spekulationsblase und wenn ja, wo? Viele haben ja Angst vor einer Häuserpreisblase in Deutschland. Zurecht?
  • Was kann man gegen Spekulationsblasen tun? Ist die Finanztransaktionssteuer ein wirksames Instrument gegen Spekulationsblasen?
  • Wie sind vergangene Spekulationsblasen verlaufen? Was können wir aus der Wirtschaftsgeschichte lernen?

Genug Stoff für uns Wirtschaftsblogger. Also, liebe Wirtschafts- und Finanzblogger, veröffentlicht bitte bis zum 30.4 einen neuen Artikel zum Thema Spekulationsblasen. Verlinkt den Artikel hier in den Kommentaren und nehmt so an der achten Ökonomenblogparade (Twitter-Hashtag #ÖBP) teil. Wer keinen eigenen Blog hat, aber etwas zum Thema beizutragen hat, kann mir auch einen Gastbeitrag schicken.

Zu Beginn des Monats Mai werde ich dann hier im Blog einen Überblick über alle Beiträge zur Blogparade veröffentlichen.

Achtung! Ich werde die nächsten Tage noch nicht dazu kommen, eine Zusammenfassung der Blogparade zu schreiben. Darum verlängere ich die Blogparade bis zum 12.5. Dadurch kommen vielleicht noch ein paar mehr Beiträge zusammen.

PS: Die Zusammenfassung der ÖBP kann man nun auf http://www.wirtschaftswurm.net/2013/spekulationsblasen-finale-der-oekonomenblogparade-oebp/ lesen.

Zypern und Europa nach der Einigung

Ein paar Schlussfolgerungen nach anderthalb Wochen Hoffen und Banken

Anderthalb Wochen lang überschlugen sich die Nachrichten im Falle Zyperns. Erst der Beschluss zu einem Rettungspaket, dann seine Ablehnung durch das zyprische Parlament, schließlich die Neuverhandlungen mit allem ihrem Hin und Her. Nun haben sich die Eurogruppe und Zypern auf ein neues Rettungspaket verständigt.

Zunächst ist festzuhalten: Das Vertrauen in das Brüsseler Krisenmanagement hat durch die Vorkommnisse massiv gelitten. Niemand hat das besser zum Ausdruck gebracht als der zyprische Erzbischof, der meinte: „Aber mit diesen Genies in Brüssel ist sicher, dass er [der Euro] nicht lange halten wird.“

Man hat den Eindruck, es war letztlich reines Glück, dass sich der unsägliche Vorschlag, die Konten von Kleinsparern anzutasten, nicht durchgesetzt hat. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass eine Währungsunion ohne zentrale Regierung schlecht funktioniert. Die zentrale europäische Regierung bleibt aber auf absehbare Zeit eine Illusion.

Dann ist festzuhalten: Die Theorie von den Dominosteinen aus Banken und Staaten, die alle nacheinander fallen, wenn nur irgendwo der erste Stein fällt, hat sich nicht bestätigt. Sie ist tatsächlich lediglich ein aufgebauschtes Angstszenario, mit dem Hilfsgelder locker gemacht werden. Börsen und Anleihemärkte sind zumindest auch dann nicht in Panik geraten, als es so schien, dass Zypern doch fallen würde.

Obwohl die anderthalb Wochen Bangen vermeidbar gewesen wären, haben sie sich gelohnt. Das neue Rettungspaket ist ein ganzes Stück besser als das alte. Der marode Banksektor wird nun direkt anvisiert. Die zyprische Laiki-Bank will man ganz abwickeln. Nur eine „good bank“ wird aus ihr herausgetrennt und in die Bank of Cyprus integriert. Die Bank of Cyprus selbst wird durch eine Fremdkapitalumwandlung rekapitalisiert, bei der allerdings nicht nur Anleihen, sondern auch Einlagen über 100.000 € in Bankanteile umgewandelt werden.

Das sind Lösungen, wie ich sie auch hier im Blog für strauchelnde Banken favorisiert habe.

Ein Schrumpfen des zyprischen Banksektors ist unvermeidlich. Mit diesem Schrumpfen wird sich allerdings auch die Rezession verstärken. Bisher wurde laut IWF lediglich erwartet, dass das zyprische BIP 2013 etwa 1,0 % zurückgeht. Nun wird es erheblich mehr werden.

Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Zypern 2013

Für die zyprische Wirtschaft wäre es natürlich nützlich, wenn Zypern eine eigene Währung hätte, und nun abwerten würde. Billige Preise würden dann z.B. zahlreiche Touristen anlocken.

Andererseits bin ich nicht der Meinung, dass jetzt jeder größere Landkreis oder kleinere Inselstaat eine eigene Währung braucht. Eine Währungsunion wäre für Zypern schon gut. Allerdings müsste es eine Währungsunion mit Staaten sein, mit denen es wirtschaftlich synchron läuft. Wie wäre es z.B. mit einer griechisch-zyprischen Währungsunion, nachdem Griechenland aus der Eurozone ausgetreten ist?