WiWo-Lunchtalk: Wie steht es um den Euro? Und um die Wirtschaftsblogs?

Heute Mittag haben Franziska Blum und Sebastian Matthes von der Wirtschaftswoche mit mir ein Video-Interview gemacht. Hier die Aufzeichnung:

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Spekulationsblasen: Finale der Ökonomenblogparade ÖBP

Am 12. Mai endete die Ökonomenblogparade mit dem Thema Spekulationsblasen. Wieder sind interessante Beiträge der Blogger zusammengekommen. Es gab zudem einige ausführliche Kommentare. Ein Überblick.

Seifenblase

Seifenblase, Foto: Claudia Schmuck

Der Chaosökonom beschäftigte sich ausführlich mit der Frage, was Spekulationsblasen eigentlich sind. So lehnt er die Wikipedia-Definition ab, da sie davon ausgeht, dass es für Aktien oder Anleihen einen objektiven Fundamentalwert oder intrinsischen Wert gibt, und eine Spekulationsblasen dann vorliegt, wenn der Marktwert weit über diesem „wahren“ Wert liegt. Tatsächlich aber seien alle Werte nur subjektiv, ergeben sich durch die subjektiven Einschätzungen der Anbieter und Nachfrager auf dem Markt.

Für den Chaosökonom ist es wichtig, festzuhalten, dass Spekulationsblasen entstehen, wenn sich „eine ganze Menge Leute“ über zukünftige Entwicklungen irren. „Ein großer Teil der Ausgaben/ Investitionen fließt“ dann „ in Güter , die sich später nicht rentieren.“ Im Übrigen glaubt er, dass der Häusermarkt in Deutschland bereits überbewertet ist.

Die Herleitung des Chaosökonom zeigt immerhin, warum es so schwierig ist, Spekulationsblasen zu erkennen. Dazu müsste man nämlich die zukünftigen Entwicklungen genau wissen.

Warum sich aber häufig viele Leute gleichzeitig irren, damit beschäftigt sich Blogger Holger auf „Der Privatanleger“. Sein Ausgangspunkt sind „irrationale“ Anleger, die Wertpapiere deshalb kaufen, weil sie zuvor im Preis gestiegen sind und diese Entwicklung gedanklich fortschreiben.

Meiner Meinung nach sollte man dieses Verhalten allerdings nicht pauschal als „irrational“ bezeichnen. Besser scheint mir festzustellen, dass solche Anleger nur einfache Modellvorstellungen von den Wertpapiermärkten besitzen.

Dann kommen allerdings besser informierte „Arbitrageure“ (Holger) hinzu. Die wissen zwar, dass das Wertpapier bereits überbewertet ist, kaufen aber trotzdem, da sie an eine anhaltende Blase glauben. Der kleinanleger.com spricht in diesem Zusammenhang von der „Bigger-Idiot-Theorie“. Man kauft zu einem überhöhten Preis, weil man glaubt, dass es noch größere Dummköpfe gibt, an die man noch teurer verkaufen kann. Das verlängert natürlich die Blase.

Für Blogger Holger ist das aber immer noch nicht alles. Gezielte Falschinformationen und Betrug spielen seiner Meinung nach eine bedeutende Rolle in Spekulationsblasen und er gibt dafür Beispiele. Selbst staatliche Autoritäten würden Spekulationsblasen oftmals anheizen. Blogger Think Tank ergänzt diese Feststellung mit seiner Warnung, dass die gegenwärtig globalen Niedrigzinsen Spekulationsblasen provozieren.

Auch Andreas Plecko vom Wallstreet Journal Deutschland hebt die Verwandtschaft zwischen Spekulationsblasen und betrügerischen Systemen wie Schneeballsystemen hervor. Der Unterschied liege dabei lediglich in der Anfangsphase (und in der Behandlung vor Gericht). Denn im Gegensatz zu reinen Betrugsmodellen basierten Spekulationsblasen auf im Kern richtigen Ideen über technologischen bzw. wirtschaftlichen Wandel, die erst im Laufe der Blase übertrieben und pervertiert werden.

Kommentator Stoertebeker wiederum ruft im Umgang mit Spekulationsblasen zu Gelassenheit auf: „Platzende Blasen sind im Grunde das Kernstück einer pulsierenden Marktwirtschaft.“

Kategorie(n): Geld/ Währung/ Finanzwesen | Schlagwort(e): , | 2 Kommentare

1. Preis gewonnen

Der Wirtschaftswurm ist Sieger des “comdirect finanzblog awards” 2013.

40 Blogs hatten sich beworben. Und ich hatte es ja bereits (hier) bekannt gegeben, dass ich für den “comdirect finanzblog award” als einer von neunen nominiert war. Gestern war dann die Preisverleihung auf der re:publica in Berlin in der vollbesetzten Halle 5.

Und meine Freude war groß. Nachdem der dritte Preis an Christian Kirchner von menschen.zahlen.sensationen ging und der zweite Preis an Michael Schulte von Mr. Market vergeben wurde, durfte ich jubeln. Und feiern! Ulrich Hegge, Generalbevollmächtigter der comdirect, übergab mir den 1. Preis!

Das ist eine schöne Anerkennung für über 2 1/2 Jahre Bloggen und eine gute Motivation für die nächsten Jahre. Auch die Kommentatoren hier im Blog dürfen sich eine kleine Scheibe von diesem Preis abschneiden.

Der Sonderpreis ging übrigens an Olaf Storbeck, mit dem ich bereits zwei “Ökonomen live” gemacht habe, und an Lothar Lochmaier.

Ein paar Fotos der Veranstaltung findet man bereits hier.

PS: Und hier kann man die Laudatio nachlesen.

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Die Vollbeschäftigung kommt! Bloß wann und wie?

„Die Vollbeschäftigung kommt!“ Das verkünden FAZ und FAS diese Woche in ihrem Themenschwerpunkt. Und ich glaube sogar, dass sie recht haben werden. Doch bis es soweit ist, kann es noch lange dauern. Und wenn es dann soweit ist, wird es auch nicht so toll sein, wie es uns die FAZ (hier) ausmalt.

FAZ-Redakteur Patrick Bernau setzt unter der Überschrift „Vollbeschäftigung? Unglaublich aber wahr“ vor allem auf die Demografie. Die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge gehen nun nach und nach in Rente. Die Nachwuchsjahrgänge, die neu ins Erwerbsleben treten, sind viel schwächer. So wurden 1947-71 mehr als 1 Million Kinder jedes Jahr in Deutschland geboren, 2011 waren es dagegen nur noch 660.000.

Doch die Demografie wirkt nur langsam, sehr langsam. Der Jahrgang 1971 wird erst 2038 das Rentenalter erreichen. Das sind noch 25 Jahre.

Zudem setzt das Szenario „Vollbeschäftigung durch Demografie“ voraus, dass die geburtenstarken Jahrgänge zwar nach und nach aus dem Erwerbsleben ausscheiden, aber als Rentner und Pensionäre weiterhin eifrig konsumieren und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage hoch halten.

Das kann noch schwierig werden.

Natürlich könnte man Renten und Pensionen durch höhere Beiträge zur Rentenversicherung und höhere Steuern finanzieren. Dann würden wir zwar Vollbeschäftigung bekommen, hätten vielleicht auch hohe Bruttolöhnen, netto bliebe allerdings nicht mehr viel übrig.

Mit der kapitalgedeckten Rente glaubte man eine Zeit lang, das Ei des Kolumbus gefunden zu haben. Unsere Rentenfonds investieren jetzt z.B. im sonnigen Süden und die Griechen und Spanier zahlen später, wenn wir alt sind, alles mit Zins und Zinseszins zurück.

Dann kam allerdings die Eurokrise.

Andere Lösungsmöglichkeiten für das Problem zielen darauf, den Anteil der arbeitenden Bevölkerung an der konsumierenden Bevölkerung wieder zu erhöhen bzw. zumindest nicht ganz so stark sinken zu lassen. Das ist der Fall, wenn man das Renteneintrittsalter erhöht. Aus der Möglichkeit, immer arbeiten zu können, würde so die Pflicht, lange arbeiten zu müssen. Den Anteil der arbeitenden Bevölkerung kann man gleichfalls erhöhen, wenn man die Einwanderung fördert.

Es bleibt jedoch ein Dilemma. In dem man versucht, den Anteil der arbeitenden Bevölkerung hoch und die Renten finanzierbar zu halten, schwächt man genau den Faktor, der die Vollbeschäftigung herbeiführt.

Wie man das Dilemma löst, ist letzlich eine politische Entscheidung. Vollbeschäftigung, so mein Eindruck, hat dabei keine hohe Priorität. Im gerade beginnenden Bundestagswahlkampf ist Vollbeschäftigung zumindest bislang kein Thema.

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Verlängerung der Blogparade zu Spekulationsblasen

Noch mal in einem eigenen Beitrag, damit es nicht übersehen wird: Die Blogparade zu Spekulationsblasen wird noch bis zum 12. Mai verlängert. Ich komme in dieser und der nächsten Woche nicht dazu, die Zusammenfassung für das Finale zu schreiben. So bin ich z.B. am 6. und 7. auf der re:publika in Berlin (falls mich da einer treffen will).

Aus meiner Not könnt ihr aber eine Tugend machen, indem ihr weitere Beiträge zum Thema schreibt.

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