Linktipp: Wie gefährlich ist Fliegen?

Germanwings storniert kostenlos Flugbuchungen. Für Passagiere, die nach dem jüngsten Flugunglück nun Flugangst bekommen haben. Damit provoziert Germanwings allerdings vielleicht noch mehr Verkehrstote. Patrick Bernau von der FAZ hat sich nämlich mal die Daten angeschaut, wie gefährlich Fliegen und seine Alternativen sind:

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Exporte der Euroländer Ausschnitt

Deutsche Übermacht?

Der aktuelle „Spiegel“ titelt „The German Übermacht“. Der Text dazu berichtet allerdings hauptsächlich von Stimmungen und Meinungen. Fakten findet man kaum. Schaut man sich die Fakten an, muss man nämlich ein ganz dickes Fragezeichen hinter die „deutsche Übermacht“ stellen.

Schon dort, wo der „Spiegel“ selbst Fakten liefert, passen sie nicht ins Bild der „deutschen Übermacht“: Laut “Spiegel” wird Deutschland 2015 voraussichtlich 29,0% der Wirtschaftsleistung der Euroländer liefern. Aber im Jahr 2000 waren es mehr, nämlich 30,1%. Dieser Rückgang widerspricht der Behauptung, dass Deutschland „am meisten vom Euro profitiert“ hat. Und die BIP-Größe spricht auch nicht für Übermacht. Frankreich erwirtschaftet 21,1% des BIPs der Eurozone und Italien 16,0% (BIP von 2014 bezogen auf die aktuell 19 Eurostaaten). Die Nr. 2 und die Nr. 3 zusammen können also spielend Deutschland übertrumpfen.

Das gilt noch mehr für andere wichtige Länderdaten, nämlich Fläche und Einwohnerzahl. Bei der Fläche steht Deutschland sowieso erst an dritter Stelle in der Eurozone. Die Nr. 1 ist Frankreich und umfasst 23,3% des Gebiets der Eurozone, nämlich 669.000km2 inklusive Überseedepartements. Die Nr. 2 ist Spanien mit 17,6% des Gebiets der Eurozone. Erst dann kommt Deutschland, das 12,4% der Eurozone bedeckt.

Bei der Einwohnerzahl steht Deutschland mit 80,8 Millionen auf Platz 1. Hier wohnen 23,9% der Gesamtbevölkerung der Euroländer. Aber der Abstand zu Frankreich und Italien, den Nummern 2 und 3 ist nicht wirklich groß. In Frankreich wohnen 19,5% der Euro-Bevölkerung und in Italien 18,0%. Keine Übermacht also.

Noch viel mehr: Nach gegenwärtigen Prognosen wird Frankreich Deutschland in den 2050er Jahren an Bevölkerung überholen.

Doch wie steht es mit dem deutschen Außenhandel? Beruht die deutsche Übermacht nicht auf Deutschlands überragender Stellung im internationalen Handel? – Selbst das kann man so nicht sagen.

Die deutsche Exportleistung machte 2014 29,6% der addierten Exportleistung aller Euroländer aus. Der deutsche Exportanteil ist also kaum größer als der deutsche BIP-Anteil. Frankreich und Italien, die Nr. 2 und 3 beim BIP, sind allerdings relativ schwache Exportnationen. Auf Frankreich entfallen nur 13,6% der addierten Exportleistung aller Euroländer und auf Italien nur 10,6%. Und zwischen beiden schiebt sich noch Holland, das 12,1% der Exporte aller Euroländer verzeichnen kann. Hier muss man also schon die drei nächsten Verfolger zusammenrechnen, um Deutschland zu übertrumpfen.

Exporte der EuroländerAber wohlgemerkt: Es ist weniger Deutschlands Stärke als Frankreichs und Italiens Schwäche, die Deutschland eine gewisse Übermacht bei den Exporten verschafft.

Alle Daten von Eurostat, die Flächenangaben aus Wikipedia.

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Linktipp: Erbschaftssteuer steigert Wohlstand

Und besonders wohlsstandsteigernd ist die Erbschaftssteuer, wenn Familienbetriebe nicht ausgenommen werden:

Die deutsche Politik will dagegen krampfhaft an Ausnahmen für Familienbetriebe festhalten, obwohl die bisherigen Regeln vom Bundesverfassungsgericht bereits beanstandet wurde.

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Gebauer Ausschnitt Buchumschlag

Die schwachen rechtlichen Fundamente der EU

Die Europäischen Verträge sind ein Sammelwerk schlechter Gesetze. Das legt Carlos Gebauer in seinem Buch „Rettet Europa vor der EU“ da. Die Folgen sind jedoch noch weitreichender als Gebauer denkt und beeinflussen auch den aktuellen Umgang mit gutmeinenden Neuerern wie den Griechen Varoufakis und Tsipras.

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Gebauer Ausschnitt Buchumschlag

Rettet Europa vor der EU – aber vorher Kritik am Geldsystem

Rettet Europa vor der EU: Wie ein Traum an der Gier nach Macht zerbricht“, so lautet der Titel des aktuellen Buches von Carlos Gebauer. Bevor Gebauer darin allerdings zum Thema EU gelangt, gibt es ein überlanges Vorwort und falsche Kritik am Geldsystem.

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Schuldenquoten extrapoliert

Schuldenbremsen wirken – aber anders (Teil II)

Wir sollten beim Thema Staatsschulden moralisch abrüsten. Das meint zumindest mein Gastautor Stephan Ewald in seinem zweiten Beitrag zum Thema. (Der erste findet sich hier.) Denn Staatsschulden sind in manchen Phasen volkswirtschaftlich sehr hilfreich und bewahren uns auch sonst vor noch schlimmeren Ideen.

Die Idee einer Schuldenbremse ist ein Dauerbrenner in der ökonomischen Debatte und immer wieder kommen Politiker auf diese „neue“ Idee. In den USA gab es den Vorschlag 1982 (der Kongress hat das abgelehnt) und der Ökonom Gardner Ackley hat dazu einen sehr interessanten Beitrag in Challenge veröffentlicht: „You Can’t Balance The Budget By Amendment“ (Paywall). Gardner Ackley schreibt:

Meine eigene Position über Defizite war immer und bleibt, dass Defizite an sich weder gut noch schlecht sind. Es gibt Zeiten, in denen sie nicht nur angemessen, sondern auch in hohem Maße wünschenswert sind, und es gibt Zeiten, wenn sie unangemessen und gefährlich sind. Während einer Rezession oder einem Zeitraum von „Stagflation“ sind Defizite fast unvermeidlich und sehr wahrscheinlich konstruktiv und nicht schädlich.

Das ist schon mal ein sehr wichtiger Punkt für Deutschland. Es wäre für eine rationale Debatte sehr hilfreich hier moralisch abzurüsten und nicht grundsätzlich staatliche Schulden und Defizite als ganz böse zu verdammen und deshalb Schuldenbremsen einzuführen. Was Gardner Ackley hier mit „Defizite in einer Rezession sind unvermeidlich und konstruktiv“ meint, ist: Es gibt zyklische Defizite, die eine Regierung gar nicht planen kann/soll!

Die zyklischen Defizite sind die sogenannten automatischen Stabilisatoren. In einer Rezession sinken automatisch die Steuereinnahmen und steigen die Sozialausgaben. Damit steigt das Defizit automatisch und das ist gut so. So war das von den Erfindern des Sozialstaats nämlich gedacht. Man kann natürlich die automatischen Stabilisatoren per Schuldenbremse teilweise ausknipsen, indem man die Steuern erhöht und die Sozialausgaben kürzt, wie das die Troika – also die Institutionen – so gerne macht. Das hat leider den kleinen Nachteil, dass dann große Teile der Bevölkerung etwas verarmen.

Der vorgeschlagenen Verfassungsänderung, sowohl das Defizit als auch die Höhe der Ausgaben der Bundesregierung im Verhältnis zum Volkseinkommen zu beschränken, fehlt jede ökonomische oder politische Rechtfertigung. Die Umsetzung, glaube ich, würde ernsthaft die Fähigkeit der Bundesregierung beschädigen ihren Aufgaben effektiv nachzukommen, und könnte das Wohl des amerikanischen Volkes deutlich reduzieren.

Tja. Da liegt Gardner Ackley meiner Meinung nach auch richtig, was die deutsche Schuldenbremse und das Wohl des deutschen Volkes betrifft. Nicht nur, dass viele deutsche Brücken bald nicht mehr befahrbar sind, die deutsche Schuldenbremse befördert zudem merkwürdige Ideen. Laut ILO „Demystifying a Shining Example: German Public Finances under The Debt“ braucht Deutschland staatliche Investitionen zwischen 60 und 150 Mrd Euro. Und da die Autoren sich mit der Idee „Schuldenbremse“ abgefunden haben fordern sie das volle Programm linker Steuerumverteilung – was auch nicht wirklich helfen wird.

Umgekehrt kommt wiederum die nicht links-verdächtige SPD unter Sigmar Gabriel auf die Idee, diese Investitionen über sogenannte Öffentlich-Private-Partnerschaften (ÖPP) auf die Welt zu bringen. Das ist sicher eine sehr schöne Idee für den FIRE (Finance Insurance Real Estate) Sektor, um zusätzliche Renditen via Renten und Subventionen einzufahren, aber wesentlich teurer für den deutschen Bürger. Denn der deutsche Staat kann sich via Defizit und ohne Schuldenbremse auf dem Kapitalmarkt viel billiger mit Geld für Investitionen versorgen als über dubiose Schattenhaushalte, nur damit die Schwarze Null steht.

Zusammenfassung: Ich bin einer Meinung mit Gardner Ackley, dass eine Schuldenbremse eine blöde Idee ist. Und wer einen Tipp von mir braucht, wie er mit dieser Meinung nicht ganz so unbeliebt bei einem Bier unter Freunden ist: Fast alle meine Freunde haben Schwierigkeiten, ihre Beschwerden mit der Schuldenbremse in Verbindung zu bringen. Warum müssen wir uns regelmäßig frei nehmen, um Klassenzimmer und Schülertoiletten zu putzen? Warum diskutieren wir in epischer Länge am Elternabend über ein gesünderes Mittagessen unter dem Vorbehalt, dass es nur 1,50 Euro kosten darf? Wegen der deutschen Schuldenbremse.

geschrieben von Stephan Ewald

Grafik (von Karl-Ludwig Poggemann): Schuldenquoten ausgewählter Eurostaaten extrapoliert

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Hans-Werner Sinn zum aktuellen Dilemma der Euroretter

Die Target-Debatte gehört neu belebt, denn die Target-Schulden Griechenlands bei der EZB steigen wieder enorm. Ich persönlich bin froh, dass wir Hans-Werner Sinn haben:

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Schuldenquoten extrapoliert

Schuldenbremsen wirken – aber anders

Die Schuldenbremse ist populär bei den Deutschen und wurde durch sie populär gemacht in der Eurozone. Dabei funktioniert der Geldkreislauf ohne Schulden nicht. Und das neue Anleihekaufprogramm der EZB könnte durch die Schuldenbremsen Probleme bekommen. Behauptet zumindest mein heutiger Gastautor: Stephan Ewald
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