Warum ich Keynesianer hasse

Eine längst überfällige Abrechnung

Ich rede von diesen vulgärkeynesianischen Perverskeynesianern. Pervers im ursprünglichen lateinischen Wortsinne: „Perversio“ hieß nämlich bei den alten Römern so viel wie Verdrehung, Umkehrung. Keine Ahnung, wozu die Römer dieses Wort brauchten, denn zu ihrer Zeit gab es noch keine Keynesianer, erst recht keine Perverskeynesianer; aber egal, sie haben es trotzdem erfunden.

Perverskeynesianer sind widerlich vom gesamten Grunde ihres Denkens her. Und dieser Grund ihres Denkens heißt Makroökonomik. Makroökonomik, das ist die sinnfreie Beschäftigung mit vollkommen nichtssagenden Größen. Die bekannteste Kennziffer der Makroökonomen ist das Bruttoinlandsprodukt BIP. Dem BIP gilt die große, aber leider nicht erwiderte Liebe der Makroökonomen.

Nun, dieses komische BIP ist über die Jahre und Jahrzehnte gestiegen; selbst in Deutschland zwischen 2001 und 2011 um 11,5%. Den Deutschen geht es trotzdem nicht besser. Auch der Zusammenhang zwischen BIP und Arbeitslosigkeit ist nur lose. 0,5 % jährliches Wachstum mehr oder weniger machen sich in der Arbeitslosenstatistik nicht bemerkbar.

Der Bundestag denkt nun darüber nach, das BIP durch andere Kennziffern zu ergänzen. So etwas würde einem Keynesianer natürlich nie einfallen. Undenkbar für eine Forschungsrichtung, in der 60 Jahre alte Lehrbücher noch immer die besten sind.

Den Mangel an neuen Ideen kompensieren Keynesianer durch Größenwahn. Nichts zeigt das besser als das 60er-Jahre-Wort „Globalsteuerung“. Für Keynesianer ist es immer noch aktuell. Aber jede Rezession zeigt erneut: Das Auf und Ab der Wirtschaft lässt sich nicht steuern. Wir müssen stattdessen mit Rezessionen leben lernen, sie auch sozial abfedern. Gegen Sturmfluten bauen wir auch Deiche, anstatt mit Windmaschinen gegen sie anzublasen.

Der ganze Keynesianismus führte nur zu völlig perversen Erwartungen. Bezeichnend z. B. die hysterische Diskussion auf Fox News, nachdem bekannt wurde, dass die US-Wirtschaft im dritten Quartal 2012 um 2 % auf Jahresbasis gewachsen war. Angeblich ein völlig unzureichendes Wachstum, tatsächlich aber gut über dem Durchschnitt der USA in den letzten zehn Jahren.

Richtig ekelhaft wurden die Perverskeynesianer aber erst im Zuge der Eurokrise. Vorher gaben die Keynesianer zumindest noch vor, für den kleinen Mann zu kämpfen. Mehr Kaufkraft für die Unter- und Mittelschicht, dann brumme die Wirtschaft, so war das Motto.

Natürlich spielten die Keynesianer niemals Robin Hood. Kein Keynesianer wollte jemals den Reichen nehmen, um den Armen zu geben. Die Idee war eher, dass sich das Mehr an Kaufkraft später aus dem Wirtschaftswachstum bezahlen ließe. Wenn’s funktioniert hätte, ein ökonomisches Perpetuum Mobile.

Wie häufig bei Ideen: Ihr Nicht-Funktionieren mindert nicht ihre Attraktivität. Keynesianismus war einfach zu angenehm für Salonlinke mit gut gefülltem Weinkeller – in der Mehrzahl übrigens Männer, die gemerkt hatten, dass ein paar Sprüche über die schreckliche Armut in der Welt bei manchen Frauen besser ankommen als Brüderle-Anmache.

Aber selbst damit ist es jetzt vorbei. Nun kämpfen Keynesianer nicht mehr für den kleinen Mann, sondern für die Banken. Denn die Banken gelten nun als systemrelevant, nicht mehr die Massenkaufkraft. Die ersten Perverskeynesianer sind vermutlich schon dabei, einen Banken-Multiplikator zu berechnen. Um wie viel Prozent wächst bzw. schrumpft die Wirtschaft, wenn die Bilanzsumme der Deutschen Bank um 1 Prozent wächst bzw. schrumpft? Beim Links-Sein stört das scheinbar nicht.

Gut, dass John Maynard Keynes das nicht mehr erleben muss.

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31 Gedanken zu „Warum ich Keynesianer hasse

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  2. AlienObserver

    Prima Post. Dem kann ich nur zustimmen.

    Das ist quasi der Kern der Wachstumskritik. Warum ich mir ständig sinnloses Gewäsch über dieses absurde BIP anhören muss frage ich mich schon lange. Und warum man diesen Begriff mit Wachstum verbindet ohnehin.
    (Sie wissen ja, in meinem Verständnis ist BIP Wachstum = Ausbeutung)

    Mit dem neuen Vorschlag einer Wachstumskenngröße kann ich allerdings nichts anfangen. Wann immer Politiker eine Kenngröße einführen kann man sicher sein, dass sie völlig unbrauchbar ist.

    Zu viele Abhängigkeiten müssen Einfliessen um alle Interessensvertreter zu befriedigen. Am Ende kommt eine Zahl raus die wieder völlig Nichssagend ist, da man ja nicht weiss welche der vielen Abhängigkeiten eine Änderung herbeigeführt hat.

    Sinnvolle Erkenntnisse erhält man nur wenn man die Zahl wieder in ihre Komponenten aufschlüsselt, aber warum dann überhaupt die Messgröße existiert bleibt unklar.

    Ähnlich verhält es sich mit der “offiziellen” Definition von Nachhaltigkeit als Dreisatz von ökologischen, sozialen und ökonomischen Interessen. Am Ende, so hat es sich gezeigt, blieben die Ökologischen und sozialen interessen immer hinter den ökonomischen auf der Strecke.

    Im Falle des neuen Index besetzt man dann das wort Wachstum ebenfalls mit einem Begriff der eigentlich dem Wortsinn nicht gerecht wird.

    In beiden Fällen bemächtigt man sich der Sprache und zerstört jegliche Kommunikation über diese Themen. Mittels der Manipulation der Sprache verändert man die Wahrnehmung der Realität.

    “The basic tool for the manipulation of reality is the manipulation of words. If you can control the meaning of words, you can control the people who must use them.” (Philp K. Dick)

    Wachstum und Nachhaltigkeit sind positiv besetzte Begriffe. Schafft man es die Durchsetzung der eigenen Ziele mit diesen Begriffen zu Verbinden, in dem man diese Begriffe einfach neu Definiert, kann man die eigene Agenda durchsetzen und jegliche Kritik abschmettern.

    Ich habe Versucht auf meinem Blog Definitionen dieser Begriffe zu Definieren die dem Wortsinn gerecht würden und als wissenschaftliche Kenngröße tatsächliche Aussagekraft hätten. Link

    Mein Versuch interessiert natürlich niemand, da mache ich mir keinerlei Illusionen. die verwirrung über die Begriffe wird weitergehen und der Ruf nach Wachstum im Munde aller Politiker bleiben. Was damit gemeint ist wird keiner verstehen, aber alle werden es toll finden.

  3. Wirtschaftswurm

    @AlienObserver,
    eine einzige Wachstumskenngröße wurde aber doch gerade vom Bundestag abgelehnt. Das finde ich auch richtig. 10 Kenngrößen, wie von der Enquete-Kommission nun vorgeschlagen, finde ich dann aber auch wieder zu viel des Guten. Zumindest auf den ersten Blick scheint mir der Vorschlag der Grünen mit 4 Indikatoren am besten: BIP pro Kopf, ökologischer Fußabdruck, ein Verteilungsindikator und eine Indikator, der sich aus einer Befragung nach der Lebenszufriedenheit ergibt. Ein Indikator für den ökologischen Fußabdruck ist dabei wahrscheinlich am problematischsten.
    Deinen Vorschlag werde ich mir noch mal genauer anschauen.

  4. Wirtschaftswurm

    Stefan Ewald hat mir in seinem Blog die Frage gestellt, ob ich auch die Kennzahl Staatsschulden/BIP ablehne.

    Meine Antwort:

    Zunächst sprech ich ja nicht für alle Ordoliberalen, schon der Wirtschaftsphilosoph scheint meinen Rant ja zu missbilligen, wahrscheinlich sprech ich noch nicht einmal für die meisten.
    Dann verteufele ich nicht das BIP, sondern nur die Keynesianer die darauf starren wie das Kaninchen auf die Schlange und die jeden kurzfristigen Ausschlag mit hysterischen Kommentaren begleiten.
    Die Kennzahl Staatsschulden/BIP halte ich für sinnvoll, wenn auch sicherlich nicht perfekt. Um Staatsschulden zu bewerten, muss man sie mit der materiellen Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft in Relation setzen. Besser wäre es sicherlich noch, man hätte statt des BIPs in einem Jahr einen langfristigen Indikator.

  5. Bobo

    Perverskeynesianer passt ganz gut, da die zum grossen Teil richtigenGedanken total verdreht, falsch interpretiert und teilweise ignoriert bzw durch Neoliberalismus ersetzt wurden. Mit Keynes hat die derzeitige Politik nichts mehr zu tun. Keynesianismus wahr die Richtung der SPD vor Schröder Die Agenda 2010 ist das Gegenteil von Keynes und auch von Sozialdemokratie. Wir sind dank der Agenda relativ gut durch eine Kriese gekommen, die es ohne A. in dieser schärfe garnicht gegeben hätte. Keynes wollte z.B. kein Geld drucken und auch keine Banken retten. Funktioniert zu mindest teilweise nach Keynes z.B. in Schweden oder Island ganz gut.

  6. Häschen

    Keynes vermutete respektive vertrat die Ansicht große (globale) Wirtschaftskrisen seien ein Resultat mangelnder Steuerung auf globaler Ebene.

    Lassen sie es mich so formulieren. Das BIP ist das geplante Finanzierungserfordernis. Wenn sie Menge mit Preis multipliziert in einer Zahl ausdrücken, verliert die daraus resultierende Zahl die Charakteristik jener Elemente aus denen sie sich zusammensetzt, wie ein Schwarzes Loch. Das hat auch keine Haare schon gar nicht auf den Zähnen. Sie müssen bei jeder Kennzahl wissen woraus sie sich zusammensetzt.

    Einfaches Beispiel: Sie stellen Rosenkränze her. Sie haben einen bestimmten Umsatz. Den möchten sie verdoppeln. Der Staat nimmt im entsprechenden Ausmaß Geld auf und gibt den Kredit der Gemeinschaft der Tuareg. Deswegen kaufen die noch lange keine Rosenkränze im Angesicht der gleißenden Mittagssonne. Jetzt kann man dagegen argumentieren, dann erzählen wir den Tuareg einfach, das ist neuer Modeschmuck speziell konzipiert für die Blumen der Wüste. Das hört sich nach Gaunerei an, stimmt, genau das macht der gesamte Westen im Vertrieb jeden Tag bei ‘jeder’ Transaktion. Ist das Gesund?

    Solch ein Zustand kann allein finanziert werden. Somit stimmt das BIP zwar als key figure of last resort. Es wäre ratsam sich Gedanken zu machen, warum das so ist. Aus meiner Sicht sagt Staatsverschuldung/BIP einiges über den Verwesungsgrad einer nach keynscher Sicht gesunden Volkswirtschaft aus. In dem Sinne muss man Keynseaner nicht hassen, aber man kann sie bedauern.

  7. Keynesianer

    Keynesianer können makroökonomisch denken.

    Dafür werden sie von denen gehasst, die nur mikroökonomisch denken können, also den sprichwörtlichen Schwäbischen Hausfrauen.

    Keynesianer beschäftigen sich kaum mit dem BIP, jedenfalls nicht dass ich wüsste. Sie beschäftigen sich dafür mit makroökonomischen Zusammenhängen und können erklären, wie die Geldpolitik die Wirtschaftskrisen immer absichtlich verursacht hat und wie man die Wirtschaftskrisen mit expansiver Geldpolitik überwinden kann, wenn es nur gewollt wird.

    Dafür wieder werden die Keynesianer von den Neoliberalen gehasst und von den Rentiers, die von ihren Zinsen leben. Rentiers finden Inflation ganz abscheulich und Deflation ganz hervorragend, weil dabei ihr Geld auf der Bank immer mehr wert wird. Irgendwelche makroökonomischen Argumente sind den Rentiers völlig wurst, weil das doch immer nur zu Inflation führt und ihr vieles Geld auf der Bank dann weniger wert ist.

  8. Susanne

    @Keynesianer: Keynesianer können gar nicht denken, schon gar nicht makroökonomisch, das glauben die nur, damit sie sich ihren Gehirn-Quatsch schön reden können! Man kann Tatsachen nicht verdrehen, nur damit sie einem in den Kram passen! Auf Argumente hört ein Keynsianer schon mal gar nicht, er ist viel zu sehr mit dem Rausschmeißen von Geld beschäftigt!
    Also lieber Wirtschaftswurm, ich hoffe, der Artikel wird oft gelesen und verinnerlicht! Irgendwann müssen doch auch die Keynesianer zu Verstand kommen!!!

  9. Beate

    Ich schlage den Feudalkoeffizienten als Wohlstandsmass vor.

    Je mehr Arbeitnehmer sich niedrig entlohnte Arbeitsplätze teilen und je höher der Aussenbeitrag ist desto höher ist der Feudalkoeffizient.

    Was hat Keynes zum BIP. dem Aussenbeitrag und Handelsbilanzungleichgewichten gesagt.

    Menschen sollten sich nicht selber hassen. Sondern sich bemühen dazu zu lernen.

    Gibt es gar keinen Zusammenhang zwischen dem steigenden Aussenbeitrag Deutschlands und keynsianischer Wirtschaftpolitik in den USA, GB, China , …

    Gibt es gar keinen Zusammenhang zwischen einer merkelantistischen Wirtschaftspolitik , Lohnzurückhaltung, Änderung der Nachfrage über sinkende Einkommen in den unteren zehnteln und Strukturänderungen der Volkswirtschaft?

    DAS SIND AUCH MARKTEINGRIFFE oder?

    Das verhindert Lernerfahrungen.

  10. Bobo

    Ich glaube, hier wird Keynesianismus mit Neoliberalismus verwechselt. Nur Geld zu verschwenden z.B. für Bankenrettung ist ziemlich das Gegenteil. Die Kriesen bei Keynes enstehen durch mangelde Nachfrage unter anderem durch zu niedrige Löhne. Da die Löhne nicht schnell genug angehoben werden können muss vorübergehend der Staat einspringen. Lohnzurückhaltung müsste dann die Kriese verschärfen. Keynesianische Politik hatten wir seit Kohl nicht mehr. Auch wenn das oft behauptet wird.
    Ein Ausgleich der Handelsbilianz ergibt sich normalerweise ohne Euro durch ein Auf- oder Abwerten der Währung. Die Zwangswährung führt zu Fehallokationen in gigantischen Umfang auf Kosten des Lebensstandard in ganz Euroland. dabei ist egal, an welcher Wirtschaftstheorie man sich orientiert.

  11. http://www.makrointelligenz.blogspot.de

    Also das BIP scheint mir eher deshalb wichtig zu sein, weil es kurz und mittelfristig stark mit der Arbeitslosigkeit (negativ) korreliert. Ansonsten ein sehr merkwürdiger Zeitpunkt für einen solchen Beitrag, wo Keynesianer mit ihren Prognosen über die Wirkungen von Sparpaketen überwiegend richtig lagen und Millionen von Menschen aufgrund der Austeritätspolitik in der Eurozone nun arbeitslos sind.
    “Aber jede Rezession zeigt erneut: Das Auf und Ab der Wirtschaft lässt sich nicht steuern.”
    Die aktuelle Krise zeigt doch wie zielsicher man Staaten in eine Rezession/Depression führen kann, wenn man nur genug zusammenstreicht (v.a. wenn die Zinsen bei 0 liegen). Die Korrelation zwischen Sparmaßnahmen und Wirtschaftswachstum/AL in der EZ lässt sich kaum ernsthaft bestreiten. Die Entwicklung in der Eurozone in den letzten 2 Jahren war also relativ erfolgreich im Vergleich zu der in den USA (Seit Januar 2010, AL in EZ von 10 auf 12% gestiegen, in den USA von 10 auf 8% gesunken)? Der Unterschied wird sich dieses Jahr weiter ausweiten.
    Sich mit Konzepten zu beschäftigen, die bspw. 60% Jugendarbeitslosigkeit verhindern hätten können, ist also lediglich Anbiederung scheinheiliger Lügner, die damit Frauen beeindrucken wollen? ;)
    Sie diffamieren Menschen, die versuchen eher technischen Zusammenhänge zu optimieren , die eine große Relevanz für die Menschen haben.

  12. Andreas

    Lieber Wirtschaftswurm,
    eine Abrechnung habe ich mir irgendwie anders vorgestellt, aber vielleicht liegt es nur daran, dass ich pervers bin. Eine Abrechnung könnte, nach meinem römisch-verdrehten Verständnis, z.B. darin bestehen, dass man sich mit Theorien auseinandersetzt und sie mit logischen Argumenten zu wiederlegen versucht. Man könnte auch empirische Hinweise auf den Tisch legen, die die eigene Ablehnung einer Theorie bzw. deren Anwendung unterstützen. Bei Dir finde ich nichts davon. Stattdessen baust Du Dir selbst einen vulgärkeyanesianischen Pappkameraden mit einem großen roten Hering auf der Brust zusamme,n um den dann – Überraschung! – vulgär zu nennen. Klasse Argumentation.

    Wer sind denn eigentlich die widerlichen Perverskeynesianer, die Du meinst? Namen finde ich hier keine. Was sind ihre verdrehten Ideen? Ideen finde ich hier keine. Verdreht ist stattdessen vieles, was in Deinem Text steht. Mal ein paar Beispiele:

    - o,5%-Wachstum reichen zur Reduzierung der ALQ nicht aus? Schock, wer hätte gedacht, dass die Beschäftigungsschwelle bei über 0,5% liegt! Wohl jeder, außer dem Wirtschaftswurm…und zwar unabhängig davon, welcher wirtschaftstheoretischen Schule man sich zugehörig fühlt.

    - “Keynesianer würden nie daran denken, dass BIP durch andere Kennziffern zu ergänzen.” Schon mal den Namen Stiglitz gehört, so wie in Fitoussi-Stiglitz-Kommission? Aber Stiglitz ist natürlich kein Keynesianer…

    - “Das Auf und Ab der Wirtschaft lässt sich nicht steuern.” Nein, wirklich nicht. Aber dass es sich beeinflussen lässt, dass behaupten tatsächlich u.a. Keynesianer. Und auch sonst jedwede Wirtschaftstheorie der letzten 70 Jahre. Die Frage wäre eher: Sollte man es beeinflussen? Darüber wird heftig diskutiert, unter Ökonomen jeder Schule. Könnte man sich ja mal mit befassen, wenn man einen Wirtschaftsblog schreibt…

    - “Keynesianer” haben tatsächlich die Idee, ein Mehr an wirtschaftlicher Nachfrage heute durch Verschuldung könnte durch mehr Wachstum in der Zukunft bezahlt werden. Ist das ein Perpetuum Mobile, also der Blödsinn von verdrehten Makroökonomen? Hm, mal nachdenken. Heute investieren, um die Investitionen aus künftigen Rückflüssen zu bezahlen, kommt das nicht irgendwie auch im einzelwirtschaftlichen Bereich vor? Die müssen wohl alle pervers sein!

    - Mit Keynesianismus kann man Frauen abschleppen. Ja genau, die Keynesianer sind die Alphamännchen unter den Ökonomen. Bei den Neoklassikern hingegen – und nicht zu vergessen bei den Betriebswirten! – findet man all die feministischen Ökonomen und die Frauenversteher. Hey, darauf muss man erstmal kommen! Schon fast wieder gut…

    - “Keynesianer kämpfen für die Banken.” Was ist hier gemeint? Man kann nur raten: Geht es um QE? Wenn dem so ist, sollte auch ein Wirtschaftswurm aufgeschnappt haben, dass Neokeynesianer im Moment kaum etwas mehr diskutieren, als die Wirkunglosigkeit von lockerer Geldpolitik an der Nullzinsgrenze. Und deshalb sind sie, dieser verrückte Haufen, in diesem – und nur diesem – speziellen Fall für espansive Fiskalpolitik. Vermutlich zum Wohle der Banken oder um Frauen aufzureißen…

  13. Wirtschaftswurm

    @Häschen,
    dein Rosenkranzbeispiel kapier ich nicht.
    @Keynesianer,
    Keynes selbst war ja viel weiter als die Keynesianer. Der hatte schon gesehen, dass expansive Geldpolitik nichts bringt. Zusätzliches Geld wird einfach gehortet, das ist die berühmte Liquiditätsfalle. Dass dann auch die von Keynes selbst propagierte Fiskalpolitik nichts bringt, hat man dann spätestens in den 70er Jahren gesehen.
    @Bobo,
    Bankenrettungen werden mit möglichen Dominoeffekten begründet. Das ist für mich eine keynesianische Argumentation – völlig analog zum keynesianischen Multiplikator. Es sind hauptsächlich Ordoliberale, die sich gegen Bankenrettungen aussprechen.
    @Makrointelligenz,
    ich bestreite Multiplikatoreffekte nicht grundsätzlich. Schließlich habe ich John Maynard Keynes ausdrücklich von meiner Keynesianerschelte ausgenommen. Ich bestreite, dass Keynesianer ihr Wissen sinnvoll anwenden/ anwenden können. Siehe auch meinen Beitrag Falsche Prognosen des IWFs.

  14. AlienObserver

    @Wirtschftswurm:
    Ich habe nichts gegen das BIP als wirtschaftliche Größe einzuwenden, auser, dass man ihren Zuwachs als “Wachstum” definiert und seine Politik danach ausrichtet.

    Die Menge der produzierten Güter und Dienstleistungen in unserer Gesellschaft ist eine wichtige Kenngröße. Eine Politik die nur danach strebt sie zu vergrößern ist unsinn.
    Ich will meine Argumente gegen dieses BIP Wachstum nicht noch einmal wiederholen.
    (Zusammengefasst hier )

    Weder Keynsianer noch Monetaristen oder Neoliberale sind in der Lage auf Basis ihrer Ideologie eine (Wrischafts)Politik vorzugeben die den Anforderungen der Zukunft nur ansatzweise gerecht wird.

    Jegliche Krititk und Hinweise am offensichtlichen Versagen des Wachstumskapitalismus jeglicher Ausrichtung wird mit Polemik abgewürgt.

    Das eklatanteste Merkmal des Versagens dieser Politik ist die Klimaerwäemung und das völlige Fehlen einer Antwort darauf eint die große Mehrheit der Ökonomen, seien sie Neoliberale, Keynsianer oder was auch immer. Gleiches gilt für das Ressourcenproblem und Peak Oil.

    (Ich werde übrigens in keinster Weise auf irgendeine Antwort eingehen die in Richtung Klimaleugner geht, so wie ich nicht mit Kreationisten oder Hohlwelttheoretikern über ihre Wahnvorstellungen spreche)

  15. Keynesianer

    Keynes war keinesfalls der Ansicht, dass zusätzliches Geld in jedem Fall gehortet werde. Er war der Ansicht, dass bei Deflation oder in einer schweren Krise mit ohnehin bereits sehr niedrigen Zinsen die Zins für langlaufende Anleihen wegen des Kursrisikos nicht weiter gegen Null fallen werde.

    Bei Deflation haben wir zusätzlich einen um die Deflation erhöhten Realzins, der Investitionen verhindert, den aber die Geldpolitik der Notenbank mit einer Senkung der Leitzinsen nicht mehr beeinflusst, selbst wenn sie die Leitzinsen negativ werden lässt. Dann ist Fiskalpolitik angesagt, also Deficit Spending der Regierung, bis die Deflation überwunden ist.

    In den 1970er Jahren hatten wir zuerst Vollbeschäftigung als Folge der keynesianischen Politik der Nachkriegsjahre. Die erste Ölkrise wurde dann 1973/74 von den Neoliberalen benutzt, um mit Hochzinspolitik die erste Welle von Massenarbeitslosigkeit zu verursachen. Dass die Staatsverschuldung die Notenbank nicht hindern kann, mit hohen Zinsen eine Massenarbeitslosigkeit auszulösen, war jedem Keynesianer klar. Nur dem Publikum nicht, dem die Neoliberalen anschließend eingeredet haben, die Massenarbeitslosigkeit hätte jetzt Keynes widerlegt. Da die Neoliberalen die Massenmedien beherrschen, wurde ihre Lüge zur herrschenden Meinung, dass der Keynesianismus in den 1970er Jahren gescheitert wäre und seine Wirkungslosigkeit wegen der Arbeitslosigkeit bewiesen worden sei.

    Dabei war die Massenarbeitslosigkeit absichtlich durch Hochzinspolitik verursacht und die Keynesianer hatten nie etwas anderes behauptet, als eben genau die damals zu erlebenden Folgen der Hochzinspolitik für die Beschäftigung. Die Neoliberalen haben natürlich wie üblich gelogen, dass das Geld doch neutral wäre und die Notenbanken ja nur die Geldmenge steuern würden.

  16. AlienObserver

    Übrigens bin ich der Meinung, dass sowohl John M.Keynes als auch Adam Smith heute nach belieben fehlinterpretiert werden um eine scheinbare Legitimation der Bereicherung der Eliten auf Kosten der Mehrheit zu schaffen.

    Ich Vermute weder Keynes noch Smith würden den interpretationen heutiger Ökonomen zustimmen, sie werden von den Kapitalisten genau so Missbraucht wie Marx von den Stalinisten missbraucht wurde.

  17. Wirtschaftswurm

    @Andreas,
    “Man könnte auch empirische Hinweise auf den Tisch legen, die die eigene Ablehnung einer Theorie bzw. deren Anwendung unterstützen.” – Das mache ich sogar gelegentlich hier im Blog. Siehe Keine Panik! Rezession!. Im Grunde genommen reicht aber die Verlinkung zu Wirtschaftswachstum mal langfristig, die auch oben im Text drin ist, um Keynesianer empirisch zu widerlegen. In den Industriestaaten erreicht das Wirtschaftswachstum selten die Beschäftigungsschwelle. Vielleicht ist es darum einfacher, die Beschäftigungsschwelle zu senken, statt das Wachstum anzukurbeln?
    “Heute investieren, um die Investitionen aus künftigen Rückflüssen zu bezahlen” – Da ist nichts gegen zu sagen. Aber die Verteilung von Geldern mit der Gießkanne, um die Massenkaufkraft zu stärken, ist keine Investition.
    “Geht es um QE?” Auch, aber vor allem geht es mir darum, dass keynesianische Argumente benutzt werden, um Banken vor der Abwicklung zu schützen.

  18. Wirtschaftswurm

    @Keynesianer,
    wann beginnt denn eine ernste Deflation? Sind 0,1% Deflation schon schlimm? Oder 0,5%? Zwischen 1929 und 32 gingen die Preise um 26 % zurück. Das sind doch Dimensionen, von denen wir heute weit, weit entfernt sind. Auch ich glaube, dass wir in den vergangenen 100 Jahren zweimal keynesianische Fiskalpolitik brauchten: 1930 und 2009. Aber in den anderen 98 Jahren sollte man auf Keynesianer keinen Pfifferling geben.
    @AlienObserver,
    ja, es ist vor allem der Missbrauch der Ideen, den ich auch mit dem Wort Perverskeynesianer ausdrücken wollte.

  19. Andreas

    @Wirtschaftswurm
    Danke für Deine Antworten. Aber: Ich habe den Eindruck, dass Dir nicht klar ist, was “keynesianische Argumente” sind. Der Domino-Effekt bei der Pleite sog. systemrelevanter Banken (Ich sehe diese Zuschreibung übrigens ebenfalls kritisch) hat mit keynesianischer Wirtschaftstheorie nichts gemein. Eine Theorie ist nicht deshalb keynesianisch, weil sie annimmt, dass ein bestimmtes Ereignis (Bankenpleite) einen Folgeeffekt hat (was für Dich mit einem Multilplikatoreffekt gleichbedeutend zu sein scheint).

    Keynesianische Wirtschaftspolitik bedeutet letztlich nichts anderes, als mithilfe geld- oder fiskalpolitischer Maßnahmen eine (zu) langfristige Unterauslastung der Produktionsfaktoren zu vermindern, wozu es aufgrund von verschiedenen Marktmängeln nicht von allein kommt. Man mag bestreiten, dass eine entsprechende “Feinsteuerung” gelingen kann, dass diese Maßnamen aber Wirkung zeigen, ist nicht nur empirisch ziemlich gut abgesichert, Du bestreitest es ja selbst nicht (1930, 2009).

    Warum also diese “Abrechnung”? Du rechnest doch nicht mit Keynesianismus ab, sondern beklagst eigentlich eine inkompetente, weil prozyklische und sich damit in komplettem Gegensatz zu keynesianischen Konzepten befindliche Wirtschaftspolitik. Die Verantwortlichen dieser Politik würden nichts weiter von sich weisen, als Keynesianer zu sein. Wir haben also weder eine keynesianische Politik noch Politiker, die Keynesianer sein wollen. Wo sind Deine Vulgärkeynesianer?

  20. Alex Hummel

    Kann mir jemand vielleicht erklären was das ganze soll ? Der ganze Post ist doch voll mit den “Perversitäten” (im römischen Sinne), gegen die es angeblich gerichtet ist. Jetzt habe ich doch tatsächlich mir den Beitrag von Fox News angesehen (wahrlich ein Hort der Keynesianer) und was sehe ich da – eine Wahlkampfsendung. Der Moderator eines republikanisch gesinnten Fernsehkanals diskutiert mit einer Obama-Vertreterin ob das 2%-Wachstum ausreichend ist. Schön und gut, aber was hat es mit Keynesianern zu tun ? Sind Republikaner etwa Keynesianer ? Wäre mir (und ihnen wahrscheinlich auch) neu.
    Dann kommt dieser merkwürdige Ausfall gegen BIP. Was hat denn BIP mit Keynesianern zu tun ? Alle makroökonomischen Modelle beinhalten diese Größe ob keynesianisch, postkeynesianisch, monetaristisch, neoklassisch oder was auch immer sonst, schlicht und einfach deshalb, weil es eine der Kennzahlen einer Volkswirtschaft ist (neben Inflation, Beschäftigung usw.). Oder will Wirtschaftswurm jetzt die Makroökonomie als ganzes abschaffen – ein legitimer Standpunkt, aber bei einem Wirtschaftsblog ??
    Und dann auf einmal die Behauptung “der Zusammenhang zwischen BIP und Arbeitslosigkeit ist nur lose”. Wie jetzt ? Heißt es, der Output einer Volkswirtschaft ist “nur lose” von der eingesetzten Arbeitskraft abhängig, die Hälfte von uns kann also morgen aufhören zu arbeiten und der BIP bleibt der gleiche. Eine wirklich sehr interessante These.

    Und zum Schluß könnte der Wirtschaftswurm für mich vielleicht netterweise einen logischen Widerspruch in seinen Aussagen auflösen:

    In einem Kommentar heißt es:

    “Dass dann auch die von Keynes selbst propagierte Fiskalpolitik nichts bringt, hat man dann spätestens in den 70er Jahren gesehen.”

    Und im anderen dann:

    “Ich bestreite, dass Keynesianer ihr Wissen sinnvoll anwenden/ anwenden können. Siehe auch meinen Beitrag Falsche Prognosen des IWFs.”

    Also was denn nun ? Bewirkt die Fiskalpolitik gar nichts, ist der Multiplikator also 0, oder ist es ganz im Gegenteil ziemlich groß und wurde sogar von Perverskeynesianern im IWF unterschätzt (der tatschliche Multiplikator, vom IWF unterschätzte Multiplikator im Süden Europas, ist gemäß heutigen Erkenntnissen 1,7).

  21. Stephan Ewald

    Also als Post-Keynesianer seh ich den Beitrag von Wirtschaftswurm ganz entspannt. Er hat sich seinen Ärger und Frust von der Seele geschrieben. Das muss halt manchmal auch sein. Dann ist wieder die Kraft da für den inhaltliche Streit. Es macht meiner Meinung nach wenig Sinn jetzt ein grosses Fass aufzumachen über die Inhalte dieses Beitrags. Der Beitrag ist ein Rant und so muss man Rants nun mal schreiben. Dass Vollidioten wie @Susanne dann begeistert in die Hände klatschen – also damit kann ich sehr gut leben.

  22. Werndt

    Und was macht den Keynesianer jetzt so besonders? Hier wird so getan als ob die Neoklassiker, Neoliberalen, Ordoliberalen, Monetaristen, Neukeynesianer, Austrians etc. auch nicht innerhalb der letzten 10 Jahre “voll auf Fresse” geflogen sind.

  23. Alex Hummel

    @Stephan Ewald
    “Er hat sich seinen Ärger und Frust von der Seele geschrieben. Das muss halt manchmal auch sein.”

    Sie meinen wenn jemand beginnt auf der Straße zu schreien und die ganze Welt zu beleidigen, sollte man erst gar nicht versuchen zu verstehen, was den armen Mann so aufgeregt hat und schon gar nicht mit logischen Argumenten kommen. Der wird sich ja schon wieder beruhigen und dann können wir vielleicht versuchen rauszufinden, was eigentlich sein Problem ist/war :-)
    Gut, wenn ich darüber nachdenke, klingt eigentlich ganz vernünftig, wahrscheinlich war mein voriger Kommentar wirklich überflüssig.
    Vielleicht sollte Wirtschaftswurm seine Rants besonders kennzeichnen, dann weiß man, womit man es zu tun hat :-)

  24. Wirtschaftswurm

    @Andreas,
    “Wo sind Deine Vulgärkeynesianer?” – Na, dann nenn ich mal ein Beispiel: Peter Bofinger.
    @Alex Hummel,
    ich kritisiere, dass bei der Aggregation von Größen in der Makroökonomik sehr viel Informationen verloren gehen. Das betrifft dann in der Tat nicht nur Keynesianer.
    Zum Multiplikator: Es gibt ihn überhaupt nicht. Man kann natürlich Quotienten berechnen, das kann man immer. Der fiskalische Multiplikator, den man als Quotient im Nachhinein berechnet, ist mal groß und ist mal klein. Aufgrund schlechten Timings und der Bedienung von Klientelinteressen durch keynesianischer Politik ergibt sich in der Praxis für keynesianische Konjunkturprogramme meist ein kleiner Multiplikator.
    @Werndt,
    die “austrians” sind nicht voll auf die Fresse geflogen. Dazu auch hier im Blog: Wie man die Krise in den Griff bekommt. Allerdings haben die “austrians” keine Idee zur Krisenbekämpfung, das gebe ich zu.

  25. Stephan Ewald

    Tja, das ist die Krux mit solchen radikalen “Hau drauf” Beiträgen. Man steht eh schon an der argumentativen “Klippe” und wenn man nicht aufpasst fällt man runter und macht sich selbst zur argumentativen “Lachnummer” mit absurden Feststellungen wie “Zum Multiplikator: Es gibt ihn überhaupt nicht.”

  26. Stephan Ewald

    Habe ich. Das weisst du doch, mein Lieber. Allerdings versuche ich trotz allem “Hau drauf” nicht ins Absurde abzugleiten. Es ist logisch sehr problematisch zu schreiben: “Zum Multiplikator: Es gibt ihn überhaupt nicht.” Und dann zu verlautbaren: “Der fiskalische Multiplikator, den man als Quotient im Nachhinein berechnet, ist mal groß und ist mal klein.”

  27. Alex Hummel

    @Wirtschaftswurm

    “Zum Multiplikator: Es gibt ihn überhaupt nicht. Man kann natürlich Quotienten berechnen, das kann man immer.”

    Eee…m, was ??? Stephan Ewald hat zwar schon an meiner Stelle quasi geantwortet, aber ich möchte trotzdem aus Wikipedia zitieren:

    “Als Multiplikator wird in der Volkswirtschaftslehre ein Faktor bezeichnet, der angibt, in welchem Umfang sich der ursprüngliche wirtschaftliche Impuls (unabhängige Variable) auf eine zu erklärende Größe (abhängige Variable) auswirkt.”

    Also ist ein Multiplikator per Definition ein Faktor bzw. ein Quotent. Der einzige Sinn, den ich ihrem Satz abgewinnen kann, wäre, das Sie, vielleicht, bezweifeln, dass es einen Zusammenhang zwischen beiden Variablen Erhöhung bzw. Kürzung der Staatsausgaben und Wirtschaftswachstum gibt. Nun, es gibt, wie Sie sicherlich wissen, statistische Techniken (Ökonometrie), die einen solchen Zusammenhang (Korrelation) messen und ich bin mir sicher, dass die IWF-Studie, die Sie zitieren, sich genau dieser Techniken bedient hat. Den Multiplikator von 1,7, der in dieser Studie festgestellt wurde finde ich übrigens überhaupt nicht klein, er bedeutet ja dass 1 EUR Staatsausgabenkürzung in der heutigen Situation 1,7 EUR weniger BIP bewirkt.

    “Aufgrund schlechten Timings und der Bedienung von Klientelinteressen durch keynesianischer Politik ergibt sich in der Praxis für keynesianische Konjunkturprogramme meist ein kleiner Multiplikator”

    Das ist durchaus möglich, es kommt bei der Anwendung einer Theorie immer auf den Zeitpunkt und Situation an. Keynesianische Programme bei Vollbeschäftigung (genauer gesagt Arbeitslosigkeit nah an NAIRU) sind z.B. sinnlos, das wird auch jeder Keynesianer bestätigen.
    Es ist aber auch so, dass durch schlechten Timing und Bedienung von Klientelinteressen bei der Atompolitik auch schon mancher Schaden angerichtet wurde. Ziehen Sie deshalb auch Aussagen der Atomphysik in Zweifel ?

    “ich kritisiere, dass bei der Aggregation von Größen in der Makroökonomik sehr viel Informationen verloren gehen. Das betrifft dann in der Tat nicht nur Keynesianer.”

    Dem wird jeder, denke ich, uneingeschränkt zustimmen. Allerdings, ist das nicht eine Eigenschaft jeder “Makro”-Theorie? Wenn wir z.B. physikalische Systeme durch Gesetze der Thermodynamik beschreiben, gehen zweifellos viele Informationen der Quantenphysik verloren bzw. werden ignoriert. Trotzdem hat Thermodynamik durchaus ihren Nutzen. Zugegebenermaßen ist Makroökonomie, leider, noch weit davon entfernt so nützlich wie Thermodynamik zu sein.

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  29. Werndt

    @Werndt

    Der Busisness-Cycle und Minsky´s Ponzi-Fall sind einige der wenigen Lichtblicke der derzeitigen Ökonomie. Um die ging es mir aber nicht, sondern um solche Sachen:

    -Neutralität des Geldes
    -Saysches Theorem
    -Zeitpräferenz “immer” vor Liquiditätsprämie

    Und dann gibt es unabhängig von der Finanzrise lustige Sachen wie Free Banking.. Nicht, dass ich ein Fan von Fractional Reserve Banking bin, aber “das” ist auch lächerlich.

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