Analyse

Italien – Erwachen aus dem Dornröschenschlaf?

Italien Ausschnittstitelbild

In dieser Woche gab es mehrere positive Wirtschaftsmeldungen aus Italien. Selbst die Arbeitslosigkeit geht inzwischen zurück. Ein stabiler Wirtschaftsaufschwung wäre allerdings für Italien eine echte Epochenwende. Denn anders als in den anderen Staaten der Europeripherie gab es in Italien nie einen Euro-Boom. Seit 15 Jahren befindet sich das Land in einer „Zeit der Stagnation“.

Interessante Daten und Grafiken illustrieren weiter unten die italienische Misere. Daten, Fakten und Grafiken zum geliebten Nachbarn im Süden.

Zunächst zu den aktuellen Zahlen: Der vom italienischen Statistikamt Istat gemessene Geschäftsklimaindex verbesserte sich und die gemessene Kauflaune der Verbraucher erreichte sogar das höchste Niveau seit 13 Jahren.

Viel wichtiger noch: Die Arbeitslosigkeit geht zurück. Im August lag die Arbeitslosenquote bei 11,9%. Das ist zwar immer noch hoch, andererseits so niedrig wie seit März 2013 nicht mehr. Dass die italienischen Firmen wieder Leute einstellen, zeigt, dass sie von einem stabilen Aufschwung ausgehen.

Doch kommt nun wirklich Italiens Epochenwende? Das letzte Boomjahr der italienischen Wirtschaft liegt immerhin schon 15 Jahre zurück. Im Jahr 2000 wuchs die italienische Wirtschaft noch um 3,7%. Das Jahr 2000 war auch das letzte Jahr, in dem das italienische Wachstum zumindest annähernd den europäischen Durchschnitt erreichte. Das seht ihr in folgendem Diagramm:

Wirtschaftswachstum Italien EU-Staaten 2000-2014

Quelle: eigene Berechnungen und eigene Grafik nach Daten von Eurostat (BIP zu Marktpreisen, verkettete Volumen)

Die Folgen lassen sich anhand eines anderen Diagramms erahnen. In ihm habe ich die Quartalszahlen des realen BIPs seit dem 2. Quartal 2001 genommen und so indexiert, dass sie bei 100 starten. Zum Vergleich gibt es nicht nur die EU-28, sondern auch die Daten von Deutschland und Griechenland.

Quelle: eigene Berechnungen und eigene Grafik nach Daten von Eurostat (BIP zu Marktpreisen, verkettete Volumen, nicht saisonbereinigt)

Quelle: eigene Berechnungen und eigene Grafik nach Daten von Eurostat (BIP zu Marktpreisen, verkettete Volumen, nicht saisonbereinigt)

Man sieht: Bis etwa Mitte 2006 lief die Wirtschaft in Deutschland und Italien etwa gleich schlecht. Danach begann Deutschland langsam seinen Rückstand gegenüber der Gesamt-EU aufzuholen. Nach dem Einbruch 2008/09 bis etwa Ende 2011 war die Aufholjagd Deutschlands besonders schnell, seitdem wächst die deutsche Wirtschaft mit dem EU-Durchschnitt.

In Italien gab es dagegen nie ein Aufholen. Ganz im Gegenteil sackte die Wirtschaft nach dem Einbruch 2008/09 ab der zweiten Hälfte 2011 noch einmal deutlich ab. Im Ergebnis lag die Leistung der italienischen Wirtschaft im letzten Quartal, also dem zweiten Quartal 2015, immer noch niedriger als 14 Jahre zuvor. Aktuell befindet sich die italienische Wirtschaft auf dem Niveau des Jahres 2000!

Man kann also zurecht für das Italien der letzten 15 Jahre einen Ausdruck verwenden, den der letzte Staatschef der Sowjetunion, Gorbatschow, geprägt hat. Die Herrschaftszeit seines Vorgängers Breschnew nannte er eine „Zeit der Stagnation“. Genau das trifft es für Italien.

Interessant ist noch der Vergleich mit Griechenland im Diagramm. Griechenland legte erst einen phänomenalen Boom hin, dann einen spektakulären Absturz. Sehr viel (positive und negative) Dynamik also, aber das Ergebnis ist gleich. Auch Griechenland bewegt sich heute auf dem Niveau von etwa 2000.

Wer die Leidtragenden der italienischen Stagnation sind und ob sich nun Italien von Griechenland absetzen kann, dazu mehr in Teil 2 von „Italien – Erwachen aus dem Dornröschenschlaf?

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