Analyse

Afrika – Armutsflüchtlinge und Wirtschaftswunder gleichzeitig (II)

Nordafrika Satellitenfoto

Das beeindruckende Wirtschaftswachstum in Afrika wird nicht zu einer Verringerung der Armutsmigration führen. Denn die Vorstellung, dass weniger Armut zu weniger Armutsmigration führt, ist naiv, wie bereits in Teil 1 dieses Artikels gezeigt. Außerdem wird das Wohlstandsgefälle zwischen Europa und Afrika noch mindestens mehrere Generationen bestehen bleiben. Machen wir uns einmal die Gründe dafür klar.

Das Wohlstandsgefälle zwischen Europa und Afrika

Nehmen wir das Wirtschaftswunderland Tansania als Beispiel. Bei einem Wirtschaftswachstum von geschätzt 7,4% und einem Bevölkerungswachstum von geschätzt 2,8% braucht das Land noch 70 Jahre, um auch nur das gegenwärtige deutsche Wohlstandniveau, gemessen in BIP pro Kopf in Kaufkraftparitäten, zu erreichen. Schon rein rechnerisch muss also das große Wohlstandsgefälle zwischen Europa und Afrika auf absehbare Zeit erhalten bleiben und bildet weiterhin einen Anreiz zur Auswanderung.

Zudem wird aber Wirtschaftswachstum immer schwieriger, je höher das bereits erreichte Wohlstandsniveau ist. Gegenwärtig kann Afrika noch ganze technologische Entwicklungszyklen einfach überspringen. So kommt das Telefon gleich als Mobiltelefon in die afrikanischen Dörfer. Den kostspieligen Aufbau eines Festnetzes, für den man in Deutschland über 80 Jahre gebraucht hat, spart man sich für immer.

Die Möglichkeiten zu einem solchen „Leapfrogging“ werden aber in Zukunft immer seltener. Und halbiert sich in Tansania auch nur das aktuelle Wirtschaftswachstum pro Kopf, dauert es schon 140 Jahre, bis das gegenwärtige deutsche Wohlstandniveau erreicht wird.

Die heimische Nachfrage als Wirtschaftsmotor

Wichtiger Motor des afrikanischen Wirtschaftsaufschwungs ist laut OECD die heimische Nachfrage. Das macht das Wirtschaftswachstum relativ unabhängig von den internationalen Zyklen. Den Verfall der Rohstoffpreise hat Afrika als Ganzes zumindest recht gut überstanden, selbst wenn es lokal gravierende Auswirkungen gab.

Die wachsende heimische Nachfrage wird auch von Vorteil sein, wenn nun China und andere Schwellenländer schwächeln. China ist allerdings seit 2009 vor den USA der wichtigste Einzelstaat als Handelspartner der Afrikaner.

Wichtiger Motor der heimischen Nachfrage ist wiederum das große Bevölkerungswachstum. Trotz langsam sinkender Geburtenraten wird sich die Bevölkerung Afrikas zwischen 2010 und 2050 von 1 Milliarde Menschen auf 2 Milliarden Menschen verdoppeln.

Günstig ist dabei, dass sich die sogenannte Aktivitätsrate in Afrika noch mehrere Jahrzehnte lang verbessern wird. Diese Aktivitätsrate gibt an, wie viele Arbeitende rein rechnerisch einen Nicht-Arbeitenden unterstützen müssen. Zu den Nicht-Arbeitenden zählen vor allem Kinder und Alte.

Das große Bevölkerungswachstum geht in Afrika mit steigender Schulbildung und einem besser werdenden Gesundheitssystem einher. Das große Bevölkerungswachstum ist aber auch gleichzeitig das Problem. Denn die Arbeitsplätze für die vielen Menschen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, müssen erst einmal geschaffen werden. Ansonsten wird die Auswanderung nach Europa noch einmal drastisch steigen. Europa sollte gewappnet sein.

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Foto: Satellitenbild Nordafrikas

2 Kommentare

  1. Mariele sagt

    Europa sollte gewappnet sein –
    Europa sollte einfach NEIN sagen lernen,
    denn Armut und Arbeitslosigkeit sind seit Jahren auch hier an der Tagesordnung,
    wenn auch auf einem anderen Niveau.
    Wenn jemand immer arm war und es nix gab,
    so wie meine Ur-Großeltern,
    dann arangiert man sich damit – irgendwie
    hier ebenso wie im Rest der Welt.
    Doch,
    wenn ein angeblich reiches Land
    das Volksvermögen verschleudert und nur einige wenige noch Teilhabe haben,
    wenn Menschen, die 15, 20, 30 oder 40 Jahre gearbeitet haben
    dann eine solche Minirente bekommen,
    mit der sie unter dem Existenzminimum liegen –
    DANN läuft HIER was völlig falsch in Europa
    und JEDER, der hinzukommt,
    dazu oft ohne Bildung, …
    dann MUSS Europa sich nicht wappnen,
    sondern sich seines gesunden Menschenverstandes und der Rückkehr zur Realwirtschaft
    wieder erinnern.

  2. Jimmy sagt

    Ob jetzt die solide Struktur der Bewirtschaftung in unseren Breitengraden nicht auch das Ergebnis von Festnetz ist, lasse ich mal dahingestellt sein… Korrekt ist wohl, dass die Diskrepanz allein zwischen US – Europa – Asien und Afrika gewaltig ist und sich allein die Differenz Afria zu Ausien zu gewaltig ausnimmt, relativ zueinander, wie zwischen Europa und Asien. (watch?v=6a0zhc1y_Ns) – ich denke der Herr spricht in dem Video das Verhältnis an.

    @Mariele … Die reine Marktwirtschaft, soll kein Plädoyer für selbe sein, ermittelt meines Dafürhaltens im Rahmen der Bepreisung die Passgenauigkeit der Menge des bereitgestellten Gutes am Ladentisch. … Der Haushalt ist was vom Selbstversorgungsbauernhof übrig blieb.

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