Schlagwort-Archiv: EZB

Schuldenquoten extrapoliert

Schuldenbremsen wirken – aber anders

Die Schuldenbremse ist populär bei den Deutschen und wurde durch sie populär gemacht in der Eurozone. Dabei funktioniert der Geldkreislauf ohne Schulden nicht. Und das neue Anleihekaufprogramm der EZB könnte durch die Schuldenbremsen Probleme bekommen. Behauptet zumindest mein heutiger Gastautor: Stephan Ewald

  • Congressman Patman: “How did you get the money to buy those two billion dollars’ worth of Government securities in 1933?”
  • Governor Eccles: “Out of the right to issue credit money.”
  • Patman: “And there is nothing behind it, is there, except our Government’s credit?”
  • Eccles: “That is what our money system is. If there were no debts in our money system, there wouldn’t be any money.”

Schuldenbremsen wirken. Sie bremsen.

Der obige Dialog stammt aus einer Anhörung von Marriner Eccles, dem Gouverneur des US Federal Reserve System, vor dem US Kongress 1941. Es ging um die Frage wo denn das Geld herkam für den New Deal der Roosevelt Administration während der Großen Depression in den 30er Jahren in Amerika. So ein unerhörtes und unverantwortliches Verhalten einer Zentralbank im Zusammenspiel mit einer Regierung ist zum Glück im 21. Jahrhundert in der Eurozone nicht möglich. Denn wir haben nicht nur eine Zentralbank, die ausschließlich der Preisstabilität verpflichtet ist, sondern auch ganz viele Schuldenbremsen.

Wie es sich gehört ging die deutsche Bundesregierung mit gutem Beispiel voran und führte 2009 die Schuldenbremse via Grundgesetz ein. Die deutsche Schuldenbremse ist kompliziert und als Sandkiste für Statistiker und Ökonometriker konzipiert. Mehr darüber kann man hier „The German ‘debt brake’ – a shining example for European fiscal policy?“ (PDF) nachlesen. Nichtsdestotrotz funktioniert sie momentan im Sinne des Erfinders – die deutschen Staatsschulden wurden ausgebremst und die schwarze Null steht – und alle anderen Staaten und Institutionen in der Eurozone sind seitdem auch fleißig dabei auf „Anregung“ der Bundesregierung ihre eigenen Schuldenbremsen zu installieren.

Ein Beweis, dass die Schuldenbremse im Sinne ihres Erfinders funktioniert kommt interessanterweise von der EZB und der Bundesbank. Laut dem Wall Street Journal „ECB Faces Struggle in Sourcing Enough Bonds for QE“ (Paywall) gibt es scheinbar nicht mehr genug Staatsschulden in der Eurozone damit die EZB ihr geplantes Programm der Quantitativen Lockerung (QE) überhaupt durchführen kann. Dumm gelaufen. Zuerst predigt man den europaweiten Staatsschulden-Abbau und dann schaut man in die Röhre weil es nicht genug Staatsschulden zu kaufen gibt, um wenigstens via QE zu probieren die Inflationsrate zu heben.

Und die Schuldenbremse funktioniert nicht nur im Sinne des Erfinders, sie ist auch sehr populär bei den deutschen Bürgern. Laut einer Umfrage der Universität Marburg „The Debt Brake in the Eyes of the German Population“ (PDF) finden 60,6% der Deutschen die Schuldenbremse toll und für 17,0% ist sogar die derzeitige Schuldenbremse zu lasch. Wenn man sich also richtig unbeliebt in Deutschland machen will erklärt man seinen Freunden bei einem Bier am Abend, dass diese ganzen Schuldenbremsen völliger ökonomischer Unfug sind oder man schreibt einen Beitrag darüber wie ich es gerade mache. Gesagt getan könnte ich jetzt natürlich mit dem Deutschland-Bashing – vor allem der deutschen Ökonomen – beginnen, aber das mache ich als Gast in diesem schönen Land natürlich nicht.

Stattdessen würde ich vorschlagen wir schauen zurück in die Vergangenheit und über den Atlantik. Das machen wir aber erst im zweiten Teil meines Beitrags, der am Donnerstag erscheinen wird.

geschrieben von Stephan Ewald

Grafik (von Karl-Ludwig Poggemann): Schuldenquoten ausgewählter Eurostaaten extrapoliert

EZB-Neubau bei Nacht

Drei Vergleiche, um die Geldschwemme der EZB zu beurteilen

Die Zahlen sind raus: 60 Milliarden Euro monatlich, 1.140 Milliarden über den gesamten Zeitraum von März 2015 bis September 2016. Und eine Verlängerung will Draghi nicht ausschließen. Aber wie ist diese riesige Summe einzuschätzen? – Drei relevante Vergleiche.

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Alexis Tsipras

Muss Griechenland aus dem Euro raus, wenn Tsipras seine Pläne durchsetzt?

Stellt Griechenland seinen Schuldendienst ein, bedeutet das noch lange nicht, dass es aus der Eurozone raus muss. Letztlich wird es wohl wieder an Mario Draghi hängen und ob er (endlich) den Daumen über Griechenland senkt.

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EZB-Neubau bei Nacht

Nicht nur negative Zinsen: Das Ende des Kapitalismus?

Viel einschneidender als der viel diskutierte negative Zins der EZB für Bankeinlagen sind zwei andere Beschlüsse der Notenbank von letzter Woche: die neuen langfristigen Operationen und ein mögliches weiteres Anleihekaufprogramm. Das Ende des Kapitalismus, wie von Thomas Straubhaar beschworen, droht trotzdem nicht.

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Ökonomen live, morgen, 5.6 um 20 Uhr: Nach den Entscheidungen der EZB

Morgen tagt der Zentralbankrat und es wird eine weitere Lockerung der Geldpolitik erwartet. Das nehmen wir, also Eric Bonse, Dirk Elsner und ich, zum Anlass nach langer Pause wieder ein “Ökonomen live” zu veranstalten. Unsere Videodiskussion zur Geldpolitik der EZB können Sie ab 20 Uhr live oder später als Aufzeichnung auf unserem Youtube-Kanal “Ökonomen live” verfolgen. Auch hier im Blog werde ich morgen Abend das Video in einem eigenen Beitrag einbetten.

EZB-Neubau bei Nacht

Die EZB und das Deflationsgespenst

In Japan ist bereits Ernüchterung eingekehrt, was die „Abenomics“ anbelangt, also die Stimulierung der Wirtschaft durch eine Geldschwemme der Zentralbank. In Europa dagegen sinniert man noch darüber, wie man diese Geldschwemme endlich bewirken kann. EZB-Präsident Mario Draghi verhieß zumindest für den Juni neue geldpolitische Lockerungsmaßnahmen. Aber brauchen wir die wirklich? Ist die Angst vor einer Deflation berechtigt?

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EZB-Neubau bei Nacht

Nullzinsen sind auch in der aktuellen Phase nicht alternativlos

Die Leser des Blogs „Herdentrieb“ der „Zeit“ haben in der letzten Woche von Dieter Wermuth gehört, dass Niedrigzinsen gefährlich sind. Das wird sie etwas verwirrt haben, denn wer regelmäßig den „Herdentrieb“ liest, muss eigentlich zu der Ansicht gekommen sein, dass Nullzinsen bei hoher Inflation das Paradies auf Erden bringen. Gut, dass Dieter Wermuth nun die Sache mal richtig stellt. Doch fälschlicherweise bezeichnet er Nullzinsen in der aktuellen Phase trotzdem als alternativlos.

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BVerfG_Sitzungssaal

OMT und Verfassungsgericht: Weichenstellungen für die Europäische Zentralbank – der Nach-Schlag

Ist die Kompetenzüberschreitung der Europäischen Zentralbank bei ihrem Anleihekaufprogramm OMT wirklich so offensichtlich? Und sollte die EZB das Verdikt des Verfassungsgerichts zu OMT nun umgehen?

Nachdem ich schon zwei wichtige Kritikpunkte am Beschluss des Verfassungsgericht zum OMT-Programm widerlegt habe, siehe „OMT und Verfassungsgericht – Teil I“, will ich auf einen weiteren Kritikpunkt von André Kühnlenz in seinem Artikel „Die Verfassungsrichter blamieren sich bis auf die Knochen …“ eingehen. Aber auch auf Wolfgang Münchaus Vorschlag, wie man den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts umgehen kann,verdient eine Erwiderung.

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