Vermischtes

Dreimal Griechenland, einmal Paul Krugman und einmal Hans-Werner Sinn

Hans_Werner_Sinn

Über Eigenverantwortung für Griechenland, die EZB, Paul Krugman, den Grexit und Hans-Werner Sinn.

Gestern sah alles nach einem Scheitern der Gespräche mit Griechenland aus, heute scheint eine Einigung auf eine Verlängerung des Hilfspakets in Reichweite und morgen platzt vielleicht das Ganze durch einen Streit um die Höhe der Hundesteuer. Kann man dieses Europa noch ernst nehmen?

Was falsch gelaufen ist, so dass Europa von einer inspirierenden Idee zu einer zweitklassigen Tragikomödie wurde, beschreibt Gérard Bökenkamp im Open Europe Berlin Blog recht gut: Das demokratische Selbstbestimmungsrecht wurde mit den Rettungsgeldern ausgeschaltet. Demokratie heißt aber Eigenverantwortung.

Hauptstütze der Rettungsmaschinerie für Griechenland ist dagegen zur Zeit die EZB mit ihren Notkrediten an griechische Banken. Aktuelle Fakten und Hintergründe dazu bringt Philip Plickert.

Ganz witzig übrigens „Krugman battles the Austerians“ von Bloomberg Business. Die gute grafische Aufmachung täuscht aber darüber hinweg, dass wir es hier mit einem Boxkampf der dritten Liga zu tun haben. Denn zumindest im Fall Griechenland können weder Krugman, noch die Anhänger einer strengen Sparpolitik überzeugen. Das Schlüsselelement für eine Neubelebung der griechischen Volkswirtschaft bleibt der Grexit.

Apropos Grexit. Anfang der Woche habe ich ja ein Szenario für einen Grexit beschrieben. Dieses Szenario beinhaltet einen Euroausstiegs über drei Stufen, nämlich erst die Einführung eines Notgelds zusätzlich zum Euro, dann die Umstellung der Konten der Griechen auf die neue Währung und am Schluss irgendwann auch der formale Ausstieg aus der Währungsunion. Es ist das wahrscheinlichste Szenario für einen Grexit. Es ist allerdings keinesfalls das optimale. Das optimale Szenario ist ein schneller, rascher Ausstieg aus dem Euro innerhalb eines Wochenendes. Denn jeder Tag, der bis zum endgültigen Grexit vergeht, ist für die griechische Wirtschaft ein verlorener Tag. Man sollte sich also auch noch einmal meine beiden älteren Artikel zum Bootle-Plan anschauen: Teil 1 genauso wie Teil 2.

Und zum Schluss, für jeden volkswirtschaftlich Interessierten hörenswert: Hans-Werner Sinns Abschlussvorlesung als Präsident des ifo-Instituts:


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14 Kommentare

  1. „Das Schlüsselelement für eine Neubelebung der griechischen Volkswirtschaft bleibt der Grexit.“

    Nur wenn entsprechend auch Schulden in Höhe von mehreren hundert Milliarden Euro gestrichen werden. Spanien hat übrigens ein noch viel höheres Defizit als Griechenland und die Schuldenquote wächst noch viel schneller und liegt jetzt bei rund 100% gar nicht so weit weg von Griechenland.

    http://www.mister-ede.de/politik/finanzstatistiken-eurolaender/3875#Spanien

    Sollen wir nach Ihrer Empfehlung auch dort den Spexit machen, damit das Land wieder auf die Beine kommt? Naja, zahlt dann halt wieder Deutschland, aber wir haben es ja. Und Italien und Portugal könnten wir dann eigentlich auch noch, oder was meinen Sie?

  2. Griechenland ist jetzt akut. Danach sollte Deutschland sich aber überlegen, ob es nicht selbst am besten aus dem Euro austritt. Unkalkulierbare Kosten heißen übrigens nicht unbedingt große Kosten.

  3. Stimmt, das ist ja auch noch eine Möglichkeit. Wenn Griechenland aus dem Euro kann, dann geht das ja auch für Deutschland…

    Merken Sie, wie der Grexit an allen Ecken und Enden der Eurozone sägen würde? Grexit, ick hör dir trapsen oder so ähnlich.

  4. Häschen sagt

    Die Animation sind lustig.

    Sehr interessante Ansprache mit einem versöhnlichen Ausklang.

    Möchte noch Ergänzen den Heiner Flassbeck im Ö1
    http://oe1.orf.at/artikel/410448

    Das Interview verbindet ganz gut das Thema Griechenland, E.U. und den Vortrag von Hans Werner Sinn , auch wenn die Argumente bekannt sind.

  5. Ja, der Flassbeck mal wieder. Natürlich hat er recht mit allem, was er zum Leistungsbilanzüberschuss sagt. Seine Alternative von Lohnerhöhungen durch die Bank 10 Jahre lang 5% wird allerdings zu massiver Arbeitslosigkeit führen.

  6. „wird allerdings zu massiver Arbeitslosigkeit führen“

    Bei der Einführung des Mindestlohns haben Sie ähnlich vor Arbeitsplatzverlust und einem Wirtschaftseinbruch gewarnt. Was sollte mich jetzt überzeugen, dass Ihre Zahlen und Vermutungen heute belastbarer sind? Hängt die Wettbewerbsfähigkeit wirklich nur mit den Lohnkosten zusammen oder nicht auch mit dem Wechselkurs des Euro?

  7. Das Problem ist nicht die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, sondern eine mögliche mangelnde Lohnspreizung. In Dienstleistungsbereichen wie etwa dem Frisörhandwerk gab es in den letzten 50 Jahren nur marginalen technischen Fortschritt. Wie sollen da Lohnerhöhungen bezahlt werden?
    Beim Mindestlohn war ich übrigens durchaus für ein vorsichtiges Experiment: Mindestlohn – warum nicht mal eine pragmatische Lösung?.

  8. Wenn mein Lohn um 5% steigt, darf gerne auch der Preis für Friseure um 5% steigen. Wo ist das Problem? Es geht explizit nur um die Wettbewewerbsfähigkeit und den Außenhandel weil innerhalb Deutschlands gilt: gezahlte Löhne = empfangene Löhne.

  9. Benzin, Energie und ähnliches wird relativ günstiger und auch die Miete ist nicht von Lohnkosten abhängig. Aber klar, wenn die Löhne um 5% steigen, muss dort, wo ein besonders hoher Lohnkostenanteil vorhanden ist, auch mit höheren Preisen gerechnet werden. Das ist doch aber offensichtlich.

  10. Stefan Rapp sagt

    Was ist den die spezielle griechische Situation bei der Wiedereinführung der Drachme zu bewerten. Griechenland hätte ja mit einem Schlag quasi ein rissiger Devisen Bargeldbestand in Form von ausgegebenen Euros die schrittweise dann nicht mehr als Tauschmittel in Griechenland Verwendung finden und dann gut benutzt werden können, nicht um ihre Altschulden zu bedienen, sondern um international wichtige Warenimporte weiter zu ermöglichen. Weiter wäre es dann auch interessant gerade für die reichen Griechen die ihr Geld aus Griechenland abgezogen haben wieder in Griechenland zu investieren weil sie vieles erstmal viel günstiger einkaufen können. Die EU wird Griechenland auch erstmal unterstützen. Alles denkbare Voraussetzungen, das Griechenland kurzfristig einen gewissen Wirtschaftsboom erleben könnte der diese mittelfristig auf ein Niveau bringt welches es sogar ermöglicht die Altschulden unter gewissen Bedingungen wieder weiter zu bedienen.

  11. Häschen sagt

    @Arne Kuster – Jeder soll mitreden dürfen. Der Hans Werner Sinn hat sich ja in anderen Videos als ‚Linker‘ geoutet.

    Über den Teil mit den 5% pro Jahr muss man diskutieren. Sehe diese Zahl aber eher politisch. Er diskutiert ganz klar mit Bezug auf den EURO Raum isoliert. Beide vertreten die an sich die Idee, dass wenn es so weitergeht die exportierten Güter am Ende hergeschenkt wurden. Diese Restriktion wird heute kaum mehr genannt.

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