Analyse

Streit um Mario Draghi: Gute Gründe für Kritik am Zentralbankpräsidenten

Quelle: eigene Grafik nach

Während in Teil 1 dieses Artikels ein paar gängige Kritikpunkte an der EZB und Mario Draghi aufgezeigt wurden, die nicht wirklich überzeugen, geht es nun um die gut begründeten Kritikpunkte. Denn die Geldpolitik der EZB führt einerseits zu gefährlichen Marktverzerrungen und ist andererseits völlig wirkungslos.

Aber wie schon in Teil 1 geschrieben: Gut begründete Kritik an der EZB und Draghi bezieht sich nicht darauf, dass der nominale Leitzins null ist, sondern darauf, dass der reale Zins negativ ist. Der reale negative Zins ist vor allem dann schädlich, wenn er nicht nur auf die Sparzinsen, sondern auch auf die Kreditzinsen durchschlägt. Teilweise ist das bereits der Fall.

Bei negativen Kreditzinsen gibt es einen Anreiz, unsinnige Projekte, also Projekte, bei denen man einen Verlust erwartet, durchzuführen und über Kredit zu finanzieren. Wenn die erwarteten Verluste geringer sind als der Gewinn durch die Negativzinsen, den man als Schuldner macht, dann lohnen sich diese Projekte. Dass sie damit aber volkswirtschaftlich gesehen weiterhin Unsinn sind, versteht sich von selbst.

Gefahr von Finanz- und Immobilienblasen

Eng verwandt mit den Fehlanreizen bei Investitionen sind Finanzblasen. Besteht etwa eine Immobilienblase, werden Immobilien hauptsächlich aus spekulativen Zwecken gekauft, also weil man sich eine Wertsteigerung erhofft. Dann baut sich ein Schneeballsystem auf. Den letzten Käufer beißen schließlich die Hunde und die Blase platzt. Laut dem Blasenindex der „empirica ag“ besteht zur Zeit in 199 der 402 deutschen Stadt- und Landkreisen die Gefahr einer Immobilienblase.

Damit Finanzblasen entstehen, müssen die Realzinsen noch nicht einmal negativ sein, es reicht aus, wenn die Zinsen von der Zentralbank zu niedrig gehalten werden. Die Anleger schichten in riskante Anlagen um, weil bei den gängigen Anlageformen keine zufriedenstellende Rendite mehr erzielt wird.

Es ist aber nicht nur ein Fehler, nur auf den nominalen Leitins zu schauen, sondern auch, die Zinspolitik der EZB isoliert zu betrachten. Sie wird nämlich von Maßnahmen begleitet, die noch bedenklicher sind als die symbolischen 0,0%.

Im Rahmen ihres Kaufprogramms für staatliche Anleihen erwirbt die EZB riskante und langlaufende Wertpapiere und im Rahmen ihres Langzeitrefinanzierungsprogramms stellt sie den Banken jetzt Gelder für bis zu vier Jahre bereit.  Durch diese Programme greift die EZB in die Risikobewertung durch den Markt und in die Zinsstrukturkurve ein. (Die Zinsstrukturkurve beschreibt das Verhältnis von langfristigen zu kurzfristigen Zinsen). Es kommt damit zu Verzerrungen am Markt und falschen Marktanreizen. Zum einen sinkt der Vorteil, den Schuldner mit guter Bonität bekommen. (Also warum sich noch um seine Bonität Sorgen machen?) Zum anderen sinkt der Zinsvorteil bei langfristigen Geldanlagen. (Also warum noch langfristig sein Geld binden?)

Erwiesene Wirkungslosigkeit

In seinem Beitrag „Die Nullzinsdebatte – wenn Tore nicht mehr zählen“ kritisiert Adalbert Winkler die Gegner Draghis, weil sie sich angeblich auf Nebenkriegsschauplätze begeben, während doch der einzig wichtige Punkt für Draghi spreche: Die Inflation ist niedrig, sogar niedriger als erwünscht. Winklers Punkt wird aber schnell zu einem Boomerang. Wenn nach sechs Jahren realer Negativzinsen die Inflation immer noch niedriger ist als erwünscht, dann wirkt das Mittel offensichtlich nicht. Dann ist es auch unsinnig, immer noch mehr davon zu geben.

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3 Kommentare

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  3. Jimmy sagt

    Wenn der Herr Draghi uns sagen würde, wie lange er den EURO über Wasser hält wäre das schon ok. Wenn aus dem EURO nichts mehr wird, dann sollten wir lieber feiern.

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