Archiv für den Autor: Arne Kuster

EZB-Neubau bei Nacht

Drei Vergleiche, um die Geldschwemme der EZB zu beurteilen

Die Zahlen sind raus: 60 Milliarden Euro monatlich, 1.140 Milliarden über den gesamten Zeitraum von März 2015 bis September 2016. Und eine Verlängerung will Draghi nicht ausschließen. Aber wie ist diese riesige Summe einzuschätzen? – Drei relevante Vergleiche.

Man kann die Summe pro Kopf umrechnen. Das macht 3400 Euro für jeden Einwohner der Eurozone.

Aber vielleicht führt einen diese Rechnung eher auf die falsche Fährte. Denn die 3400 Euro sind für mich weg, wenn ich sie ausgebe. Das Geld an und für sich ist damit aber natürlich nicht vernichtet, es zirkuliert weiter in der Eurozone.

Allerdings gibt es einen Prozess, durch den die neuen 1.140 Milliarden wieder vernichtet werden. Das neue Geld soll ja für Staatsanleihen ausgegeben werden. Und immer, wenn die Staaten nun für ihre Anleihen Zinsen oder Tilgung an die EZB zahlen, fließt Geld an die EZB zurück und wird also aus dem Geldkreislauf wieder herausgenommen.

Das heißt auch: Zahlt ein Staat nicht zurück (was ja gar nicht so unwahrscheinlich ist), erhöht sich die Geldmenge dauerhaft. Dann sind andere Maßnahmen notwendig, wenn man die Geldmenge wieder zurückführen will. Eine Extra-Zinserhöhung z.B. mit negativen gesamtwirtschaftlichen Folgen.

Ich schreibe übrigens der Einfachheit halber EZB, tatsächlich sollen ja 80% der Staatsanleihen von den nationalen Notenbanken gekauft werden. Die nationalen Notenbanken bilden aber zusammen mit der EZB ein System, man könnte auch sagen, einen Konzern.

Man kann die Summe von 1.140 Milliarden im Verhältnis zur bisherigen Bilanzsumme der EZB setzen. Die Bilanzsumme der EZB beträgt 2.050 Milliarden. Durch die Anleihekäufe werden also noch einmal 56% draufgesattelt. Damit erhält man eine (eher vorsichtige) Schätzung, um wie viel die Euro-Geldbasis ausgeweitet wird. Und das gibt wiederum einen Anhaltspunkt, um wie viel die Geldmenge insgesamt nun ausgeweitet werden kann: um 56%. Ob dieser Rahmen ausgeschöpft wird, hängt natürlich vom Verhalten der Geschäftsbanken ab.

Die EZB will ja die Anleihen über die Börsen kaufen, auch von Privatanlegern. Man muss sich aber klar machen, dass es für die Geldmenge egal ist, ob die EZB von Banken oder von Privatanlegern kauft. In jedem Fall wird der Kontostand einer Geschäftsbank bei der EZB durch neu geschaffenes Geld erhöht. Kauft die EZB von Privatanlegern, muss sie das Geld nämlich auch erst an die Depotbank dieses Anlegers leiten. Die Depotbank erhöht dann den Kontostand des Privatanlegers und darf danach noch das erhaltene Zentralbankgeld bis zu 99 mal weiterverleihen. So sind die Regeln.

Auf die Frage, ob die große Ausweitung der Geldmenge die Wirtschaft ankurbelt oder nur Inflation und Vermögenspreise anheizt, möchte ich mal (ausnahmsweise) nicht eingehen. Die Diskussion darüber scheint mir ziemlich verhärtet.

Wichtig ist aber noch eine weitere Relation, die OpenEurope, eine britische Denkfabrik, für die verschiedenen Länder ausgerechnet hat. Der Umfang der Anleihekäufe im Verhältnis zu den überhaupt am Markt erhältlichen Papieren.

Anteil der am Markt gehandelten Staatsanleihen, die die EZB nun aufkaufen will Quelle: Open Europe

Demnach will die EZB für vier Staaten ein Drittel aller auf dem Markt erhältlichen Staatsanleihen aufkaufen. (Das ist die Obergrenze für das Anleihekaufprogramm.) Aber auch 24% der portugiesischen und 23% der deutschen Anleihen sollen am Ende in der Hand der EZB sein. Diese Nachfrage wird die Kurse erheblich in die Höhe treiben und die Zinsen weiter senken. Übrigens will die EZB auch bei negativen Renditen weiter kaufen.

Die Staaten wird es freuen. Und Politiker aus allen Euroländern werden immer mehr fragen, warum der Staat nicht noch mehr Schulden mache, wo doch die Zinsen so niedrig sein. An der Schuldenspirale kann man nun leichter drehen.

Foto: EZB-Neubau bei Nacht (von Blueduck4711)

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Nicht ganz unwichtig: Wenn die Geldpolitik tatsächlich große Verteilungswirkungen hätte (zu wessen Lasten auch immer), dann würde sie massiv allgemeinpolitische Probleme aufwerfen und dann könnte man sie nicht allein einer unabhängigen Zentralbank überlassen.

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