Archiv für den Autor: Arne Kuster

Schweizer Nationalbank

Zur Schweizer Goldinitiative

Am 30. November stimmen die Schweizer über die Goldinitiative ab. Damit muss das Schweizer Volk eine Frage beurteilen, die wirtschaftswissenschaftliche Detailkenntnisse voraussetzt. Ich hoffe, die Schweizer folgen der überwältigenden Mehrheit der Ökonomen, die ein Nein zur Goldinitiative empfehlen.

Doch worum geht es in der Goldinitiative genau?

Die Initiatoren fordern dreierlei:

  1. Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind unverkäuflich.
  2. Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind in der Schweiz zu lagern.
  3. Der Goldanteil an den Aktiven der Schweizerischen Nationalbank darf 20 Prozent nicht unterschreiten.

Weitreichende ökonomische Folgen können dabei die Punkte 1 und 3 haben.

In einem guten Video erklärt Professor Erwin Heri den Aufbau einer Notenbankbilanz wie der der SNB. Die Goldreserven der Bank stehen auf der Aktivseite der Bilanz. Hier finden sich auch die Devisenreserven. Auf der Passivseite stehen dagegen unter anderem die ausgegebenen Banknoten und die Einlagen auf den Konten, die die Notenbank für den Staat und für die Geschäftsbanken führt.

Heri macht völlig zurecht gleich auf ein drängendes Problem aufmerksam, sollte die Goldinitiative angenommen werden. Die Bilanz der SNB wurde nämlich im Laufe der Eurokrise enorm aufgebläht. Während Ende 2007 die Bilanzsumme noch 127 Mrd. Franken betrug, sind es aktuell (September 2014) 522 Mrd. Hauptursache ist die Politik, den Euro nicht unter 1 Franken 20 fallen zu lassen. Hierfür musste die SNB große Mengen Euros aufkaufen. Die machen nun einen großen Teil der Bankaktiven aus, während entsprechend der Goldanteil geschrumpft ist, ohne dass nennenswerte Goldreserven verkauft wurden.

Und was ist jetzt das Problem, sollte die Goldinitiative angenommen werden? Nun, ganz schnell müsste die SNB Gold im Wert von über 60 Mrd. Franken nachkaufen. Das würde nicht nur den Goldpreis in die Höhe treiben und die Goldspekulanten erfreuen, sondern die SNB-Bilanz weiter aufblähen.

Danach wiederum macht es die Goldinitiative umso schwieriger, die SNB-Bilanz wieder auf ein Normalmaß zu stutzen. Einmal geschaffene Goldreserven sollen ja nicht mehr verkauft werden. Zum Verkauf blieben nur die Devisen, hauptsächlich die Euros. Der Eurokurs würde durch die Verkäufe einbrechen, der Schweizer Franken durch die Decke schießen – zum Nachteil der Schweizer Wirtschaft und zum Vorteil dieses Mal der Devisenspekulanten. Nichts ist für Spekulanten ja besser, als genau zu wissen, dass ein Marktteilnehmer zu Käufen oder Verkäufen gezwungen ist, ganz gleich wie hoch der Preis ist.

Bei diesen konkreten Nachteilen fragt man sich, was der Nutzen der Goldinitiative sein soll oder sein könnte. Auf den Seiten der Goldinitiative heißt es:

„Das Fundament jeder stabilen Währung sind werthaltige Reserven.“

Angesichts der großen Schwankungen des Goldpreises (auch im Vergleich zu vielen anderen Anlagen) kann man sich natürlich schon fragen, ob Gold wirklich die beste Reserve ist. Aber der Satz ist bereits ganz grundsätzlich falsch.

Der Wert einer Währung (und damit ihre Stabilität) hängt hauptsächlich von zweierlei ab:

  1. vom Wert der in einer Volkswirtschaft verfügbaren Waren, also von der Stärke ihrer Wirtschaft, und
  2. von der vorhandenen Geldmenge.

Zwar sind traditionelle Konzepte der Geldmenge wohl im heutigen Finanzkapitalismus überholt. Sehr viel Geld „verschwindet“ im Finanzsektor und produziert dort Vermögenspreisblasen, aber keine Inflation. Auf dieses Problem will ich aber nicht näher eingehen.

Wichtig ist allerdings, zu wissen, dass man die Geldmenge nicht in der Notenbankbilanz wiederfindet. Dort sind lediglich die Banknoten verbucht. Banknoten machen aber heutzutage nur einen geringen Teil der gesamten Geldmenge aus, der weitaus größere Teil ist Giralgeld, das von den Geschäftsbanken, nicht von der Notenbank, geschöpft wird. Es gibt darum auch nur eine sehr vage Korrelation zwischen dem Wert der Notenbankreserven und der Geldmenge. Während sich die Bilanzsumme der SNB z.B. seit Ende 2007 von 127 auf 522 Mrd. Franken mehr als vervierfacht hat, ist die Geldmenge M3 nur um 50% gestiegen, von 624 Mrd. Franken auf 942 Mrd. Franken.

Auf die Geldmenge hat die Notenbank letztlich nur einen indirekten Einfluss, und heute neigt man immer mehr dazu zu sagen, sie hat kaum Einfluss. Erst recht hat die Zusammensetzung der Notenbankreserven keinen Einfluss auf die inflationswirksame Geldmenge.

Die Notenbankreserven bieten allenfalls eine Untergrenze für den Wert der umlaufenden Währung, die nur schwer unterschritten werden kann, selbst wenn die gesamte Volkswirtschaft kollabiert. Dann aber ist Inflation die geringste Sorge.

Foto (Eugen Bittner): Schweizerische Nationalbank (SNB) in Zürich

Empfehlen Sie bitte den Beitrag weiter!

Rüdiger Bachmann – Ein deutscher Professor in den Vereinigten Staaten im Interview

FAZ-Redakteur Gerald Braunberger ist schon ziemlich in die Tiefe gegangen bei seinem Interview mit Rüdiger Bachmann. Bachmann singt ein Loblied auf die jungen empirisch arbeitenden Makroökonomen, Andererseits muss er aber auch mehrmals eingestehen, dass diese empirischen Arbeiten bisher nicht zu eindeutigen Ergebnissen und Handlungsempfehlungen geführt haben.

Empfehlen Sie bitte den Beitrag weiter!

Mittelaltermarkt in Deutschland

Konkurrenz durch den IS: Immer mehr Mittelalter-Schausteller geben auf

Dramatische Umsatzeinbrüche einer Traditionsbranche wegen Billigkonkurrenz aus Nahost. Die Betroffenen fordern nun Hilfe von der deutschen Politik.

Weiterlesen

Empfehlen Sie bitte den Beitrag weiter!

Vorurteile über Statistik

Mal eine gute Erläuterung, wie man mit Statistiken Meinung machen kann, und warum trotzdem Sprüche wie “Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe” nur die eigene Ignoranz offenlegen.

Empfehlen Sie bitte den Beitrag weiter!

BRD und DDR 1989

Helmut Kohl lag schon 1989 falsch

Zum Mauerfalljubiliäum gab es einige Aufregung, um ein Zitat von Helmut Kohl. Diese Debatte um den „Arsch des Propheten“ ermöglicht den Einstieg in eine weiterführende Diskussion, nämlich die über den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher und politischer Entwicklung.

Weiterlesen

Empfehlen Sie bitte den Beitrag weiter!

Wirtschaftswachstum 2003-13 Ausschnitt

Wirtschaftswachstum mal langfristig (2003-13)

Da immer wieder gerne gelesen, gibt es auch dieses Jahr eine Aktualisierung der Zahlen zum langfristigen Wirtschaftswachstum der 25 größten Wirtschaftsmächte der Erde. Die Unterschiede im Wirtschaftswachstum sind vor allem in der langfristigen Perspektive beeindruckend. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie sich die Machtverhältnisse in der Welt verändert haben.

Weiterlesen

Empfehlen Sie bitte den Beitrag weiter!

Straßenbaustelle

Investitionsprogramm? Jetzt bitte noch nicht!

Zwei französische Minister haben diese Woche die deutsche Debatte um ein Investitionsprogramm neu belebt. Emmanuel Macron und Michel Sapin schlugen vor, dass Deutschland innerhalb der nächsten drei Jahre 50 Milliarden zusätzlich investiert, während Frankreich spart. Deutschland sollte aber mit einem Investitionsprogramm bis nach dem Austritt aus der Eurozone oder ihren Zusammenbruch warten.

Weiterlesen

Empfehlen Sie bitte den Beitrag weiter!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Drei Gründe, warum Kleinstaaterei im Trend liegt

Auch wenn Schottland und Katalonien vorerst nicht unabhängig werden, drei große Gründe sprechen nach wie vor dafür, dass es auch in Zukunft immer mehr und dafür immer kleinere Staaten geben wird.

Weiterlesen

Empfehlen Sie bitte den Beitrag weiter!