Archiv für den Autor: Arne Kuster

Crash ist Lösung

Ist der Crash die Lösung?

In ihrem Buch „Der Crash ist die Lösung“ streifen Matthias Weik und Marc Friedrich durch die Gefahrenzonen der Weltwirtschaft. Leider etwas planlos.

Nun kursiert „Der Crash ist die Lösung“ der beiden Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich seit seinem Erscheinen im letzten Jahr auf den Bestsellerlisten. Das hat sicherlich auch Gründe.

Weik und Friedrich reden zum einen Klartext, wenn es um die zahllosen Missstände in unserem Finanz- und Wirtschaftssystem geht. So findet man in dem Buch immer wieder harte Sätze wie:

Das Geschäftsgebaren einiger Finanzkonzerne wird dem krimineller Organisationen immer ähnlicher …

Zum anderen fahren Weik und Friedrich eine altbewährte Marketingmasche, nämlich die Katastrophe vorhersagen und gleichzeitig den Weg zur persönlichen Rettung anbieten:

Sie haben nämlich durchaus eine Chance, Ihr Geld vor Entwertung und Enteignung zu schützen. Noch ist Zeit, sich auf den Crash vorzubereiten. Aber das Zeitfenster wird immer kleiner.

Um es aber gleich vorweg zu sagen: Die Tipps der beiden Autoren in Kapitel 7 „Wie schütze ich mein Vermögen?“ sind überwiegend vernünftig.

Und ansonsten?

Weik und Friedrich erzählen interessant sowie detail- und faktenreich. Dabei stellen sie auch einige populäre Irrtümer klar: Die große Mehrheit der Bürger unseres Landes profitiert eben nicht vom Euro. Einen Großteil unserer Exporte bezahlen wir schlicht selbst. Und das Geld auf unserem Konto gehört – das ist die Rechtslage – selbstverständlich nicht uns, sondern der Bank.

Aber beim Streifzug der beiden Autoren durch die Finanzskandale und bei der Auflistung der Ungereimtheiten der deutschen, der europäischen und schließlich der Weltwirtschaft wird der Leser zunehmend ratloser. Warum ist jetzt dieser oder jener Fakt bedeutend und muss zu einem Crash führen oder zumindest ihn befördern?

Das Problem von Matthias Weik und Marc Friedrich: Eine wirkliche Crash-Theorie fehlt ihnen. Stattdessen bleibt ihre Theorie sehr im Ungefähren. Sie beschränkt sich im Wesentlichen auf: Irgendwann kommt ein „Schwarzer Schwan“ und löst die große Weltwirtschaftskrise aus. „Der Schwarze Schwan“, das ist ja das Bild von Nassim Taleb für ein Ereignis, das niemand auf dem Radar hatte und für das niemand Vorkehrungen getroffen hatte, weil es sich einfach niemand vorstellen konnte.

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 sind ein typischer schwarzen Schwan, wenn auch einer von außerhalb der Wirtschaftswelt. Jüngere Leute, die 2001 noch Kinder waren, fragen heute: „Wie konnte man nur diese Möglichkeit damals übersehen?“ Aber auch das ist typisch für einen schwarzen Schwan.

Doch zurück zu Weik und Friedrich. Mit dem schwarzen Schwan als einzigen theoretischen Hintergrund kann natürlich alles oder nichts relevant für einen Crash sein. Das allermeiste ist wahrscheinlich irrelevant, Ausdruck einer normalen Konjunkturkrise oder eines Strukturwandels. Etwa das, was die beiden Autoren über die Autoindustrie schreiben.

Nur Weik und Friedrich hegen offensichtlich die feste Überzeugung, dass keine Volkswirtschaft der Welt ohne florierende Autoindustrie funktionieren könne. Entsprechend bestürzt erzählen sie vom Einbruch der Autoindustrie in Frankreich oder den USA.

Da kommt aber allein die schwäbische Prägung der beiden Autoren durch. In einer globalisierten Wirtschaft gibt es immer mehr internationale Spezialisierung und es ist schlichtweg unmöglich, dass jedes Land der Welt eine wettbewerbsfähige Autoindustrie hat. Länder wie die Schweiz oder Schweden zeigen, dass man auch ohne sehr gut leben kann.

Aber das müssen Schwaben wirklich nicht wissen.

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Gefährliche Erbschaften

Schlagende und nicht-schlagende Argumente zum Thema Erbschaftssteuer bei Familienbetrieben

Ein Artikel von Dr. Dagmar Schulze-Heuling zeigt: Inhaltlich kann ein Politikwissenschaftler zum Thema Erbschaftssteuer nichts beitragen. Schlagend sind dagegen die Argumente von Ökonomen, die die Anreizwirkungen der Erbschaftssteuer betrachten. Eine Priviligierung von Betriebserben kommt aber bei der Betrachtung durch Ökonomen gar nicht so gut weg wie gedacht.

Bekanntlich geht ja noch immer der Streit darüber, ob Firmenerben von der allgemeinen Erbschaftssteuer ganz oder teilweise ausgenommen werden sollen. Auslöser des Streits war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die bestehenden Privilegien für Firmenerben teilweise für unvereinbar mit dem Gleichheitssatz des Grundgesetzes hielt.

Mit einem Artikel im INSM-Ökonomenblog will sich auch Politikwissenschaftlerin Dr. Dagmar Schulze-Heuling an der Diskussion beteiligen. Doch Politikwissenschaftler wissen nichts über die ökonomischen Auswirkungen einer Erbschaftssteuer. Politikwissenschaftler haben keinen eigenen Begriff von Gerechtigkeit, sie können lediglich die Gerechtigkeitsvorstellungen übernehmen, die Ökonomen und Philosophen entwickelt haben. Entsprechen dürftig sind Schulze-Heulings Argumente.

Die Politikwissenschaftlerin rückt nämlich das ach so harte Leben der Erben ins Blickfeld. Schon als Kind müssten sie im elterlichen Betrieb mitarbeiten. Söhne und Töchter von Firmeninhabern lebten zudem ständig in Angst vor Entführungen. Von „anstrengungslosem Wohlstand“, wie den Erben häufig vorgeworfen werde, könne da wohl keine Rede sein.

Immerhin merkt Schulze-Heuling später selbst, wie irrelevant ihre Argumente sind:

Der Versuch, Lebensbedingungen gegeneinander aufzurechnen ist nicht nur anmaßend, sondern alleine deshalb zum Scheitern verurteilt, weil die Menschen unterschiedlich sind und unterschiedliche Dinge mögen und brauchen.

Ganz richtig, und darum sollte nicht zuletzt der Steuergesetzgeber unbedingt davon absehen, die angebliche Anstrengung beim Gelderwerb zum Maßstab für die Steuerlast zu machen. Das gilt nebenbei auch für die noch immer steuerlich begünstigte Feiertags- und Nachtarbeit.

Statt über „anstrengungslosen Wohlstand“ kann man über die Effektivität der Anreize reden, die der Staat mit seiner Steuergesetzgebung gibt. Angeblich werden ja massenhaft Arbeitsplätze gesichert, wenn die Erben von Unternehmen keine Erbschaftssteuer zahlen müssen. Das Problem: Aus empirischen Untersuchungen lässt sich dies nicht ableiten. Das haben übrigens auch die Verfassungsrichter zur Kenntnis genommen. Für ihre juristische Einschätzung war es bloß nicht relevant, siehe die Pressemitteilung des Gerichts:

Eines empirischen Nachweises von Unternehmensgefährdungen nicht nur im Ausnahmefall bedarf es nicht.

Gesunde Unternehmen wirft es eben nicht aus der Bahn, wenn der Erbe z.B. einen Kredit aufnehmen muss, um die Erbschaftssteuer abzuzahlen. Warum auch? Jeder Unternehmensgründer muss ebenfalls einen Kredit aufnehmen, um ins Geschäft einzusteigen. Die Erbschaftssteuer schafft lediglich mehr Wettbewerbsgleichheit mit Neugründungen. In der Konsequenz bedeutet das nichts anderes, als dass mehr Erbschaftssteuer mehr erfolgreiche Unternehmensgründungen bewirkt.

Und wie Volker Grossmann und Guy Kirsch auf Ökonomenstimme dargelegt haben, sind die Neugründungen im Durchschnitt sogar produktiver als weitergeführte Familienbetriebe. Sie kommentieren:

Dies lässt vermuten, dass das „Unternehmer-Gen“ alles andere als perfekt weitervererbt wird.

Privilegien bei der Erbschaftssteuer schaffen einen Anreiz auch für weniger fähige Unternehmersöhne und -töchter, den Familienbetrieb weiterzuführen, anstatt ihn an einen besser geeigneten Neueinsteiger zu verkaufen.

Bild: Buchcover aus den 50ern

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Alexander Stubb Oct, 2014

Wo Finnlands Finanzminister Alexander Stubb falsch liegt

16 Jahre Währungsunion, 16 Jahre Euro, aber wie eine Währungsunion ökonomisch funktioniert, haben einige Politiker noch immer nicht kapiert. Das jüngste Beispiel ist der finnische Finanzminister Alexander Stubb. Eine Widerlegung seiner Thesen.

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Chinesische Landschaft

China – eine Gefahr für die deutsche Konjunktur?

Der Einbruch am chinesischen Aktienmarkt rückt den inzwischen unvermeidlichen Konjunktureinbruch in China ins Blickfeld. Die Angst geht um. Wie stark kann Europa und speziell Deutschland durch eine mögliche Chinakrise getroffen werden?

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Hauptgebäude Bank von Griechenland

Welche Verluste entstehen Deutschland und den anderen Eurostaaten aus einem Grexit? Und wie kann man sie minimieren?

Auch wenn offiziell das Gegenteil gesagt wird, nach dem letzten Eurogipfel ist der Grexit, also der Austritt Griechenlands aus der Eurozone, früher oder später fast unvermeidlich. Für Deutschland und den Rest der Eurozone stellt sich weiterhin die Frage nach den unmittelbaren Verlusten durch einen Grexit und wie man sie begrenzen kann. Eine vorläufige Analyse.

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Sascha Lobo 2009

Sascha Lobo, dieser Spätmerker

„Sie haben mir Europa kaputt gemacht“ behauptet Sascha Lobo in seiner Kolumne und meint damit die Finanzminister und Staatschefs, die Montag in der Früh drakonische Maßnahmen für Griechenland beschlossen haben.

Nein, Sascha Lobo, stimmt nicht! Dein Europa ist bereits seit dem 2. Mai 2010 kaputt!

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Parthenon Ausschnitt

Immerhin zwei der drei für Griechenland unvermeidlichen Sachen finden sich in der Vereinbarung

Die am Sonntag ausgehandelte Vereinbarung mit Griechenland ist kein Ersatz für einen Grexit. Trotzdem werde ich mal versuchen, etwas Positives an der Vereinbarung zu sehen.

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Euromünzen_und_Scheine

Die griechische Staatspleite – Wie kann Deutschland seine Verluste minimieren?

Auf deutscher und europäischer Seite wird es langsam Zeit, sich mit den Folgen der faktisch schon eingetretene griechische Staatspleite und des möglichen Grexit zu befassen. Welche Verluste werden anfallen und vor allem, wie kann man diese Verluste minimieren? – Zahlen und Vorschläge.

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