Wirtschaftswurm-Blog

Wirtschaftswachstum mal langfristig (2002-2012)

Mittlerweile ist es Tradition hier im Blog, dass ich alljährlich im Herbst langfristige Datenreihen zum BIP analysiere. Damit will ich einen bewussten Gegenpol zur sonstigen Wirtschaftspresse setzen. Dort ist ja jede Quartalszahl und jede kurzfristige Schwankung Anlass für ausufernde und größtenteils irrelevante Spekulationen. Betrachten wir stattdessen das 10-Jahres-Wachstum für die 25 größten Wirtschaftsmächt der Welt, also die Veränderung ihres realen BIPs 2012 gegenüber 2002, und vergleichen.

Achtung! Dieser Artikel ist veraltet. Es gibt einen aktualisierten und erweiterten Artikel:

Auf den Seiten des IWFs finden sich die langfristigen Datenreihen, mit deren Hilfe ich die gesuchten Wachstumsraten berechnen konnte. Ausgewählt habe ich die 25 Staaten mit dem höchsten BIP in US-$ 2012. Die Ergebnisse gibt folgendes Diagramm wieder:

1. China +170,0%, 2. Indien +109,6%, 3. Saudi-Arabien +83,6%, 4. Indonesien +73,9%, 5. Türkei +62,3%, 6. Russland +57,0%, 7. Polen +52,0%, 15. Schweiz +20,3%, 16. USA +19,8%, 18. Belgien +14,2%, 19. Großbritannien +14,0%, 20. Spanien +13,2%, 21. Deutschland +12,6%, 22. Niederlande +11,6%, 23. Frankreich +10,9%, 24. Japan +8,7%, 25. Italien -0,7%Wie immer bei langfristigen Daten fallen die Unterschiede in der Entwicklung besonders ins Auge. Während China auf Platz eins ein Wachstum von 170,0% verzeichnete, schrumpfte die italienische Wirtschaft seit 2002 um 0,7%. Erstmals überhaupt taucht eine negative Wachstumsrate in den Daten auf. Bei meinen vorangegangenen Analysen für 1999-2009, 2000-2010 und 2001-2011 gab es nur positive Wachstumsraten.

Neben China vorne mit dabei sind die bevölkerungsreichen Staaten Indien und Indonesien sowie das Ölland Saudi-Arabien. Die Schlusslichter im langfristigen Wachstum bilden neben Italien die Eurostaaten Spanien, Niederlande, Deutschland und Frankreich sowie Japan.

Gegenüber der Tabelle vor einem Jahr konnte Saudi-Arabien sechs Plätze gut machen. Den größten Absturz verzeichnete dagegen Spanien, das um vier Plätze von Rang 16 auf Platz 20 gefallen ist. Trotzdem liegt das 10-Jahres-Wachstum Spaniens immer noch knapp vor dem deutschen (Platz 21). Das relativiert die gegenwärtige spanische Wirtschaftskrise. Trotz aller Härten ist sie nicht mehr als die Korrektur einer vorangegangenen Blase.

Gegenüber der Tabelle für 1999-2009 verliert Spanien sogar neun Ränge. Aber auch Südkoreas Wachstumsdynamik schrumpft. Lag es 2009 beim langfristigen Wirtschaftswachstum noch auf Platz 5, ist es nun nur noch Platz 9. Zu beachten ist: 2009 gehörten Österreich und Taiwan noch zu den 25 größten Wirtschaftsmächten, während die Ölstaaten Iran und Saudi-Arabien nicht dabei waren.

Berechnet man die Differenz zwischen den Wachstumsraten 2002-2012 und 1999-2009 fallen noch ein paar Länder mehr auf. Russlands Wachstumsrate ging z.B. mit 11,5 Prozentpunkten noch stärker zurück als die Südkoreas. Die größten Steigerungen der 10-Jahres-Wachstumsraten findet man dagegen bei Indien und der Türkei. Weitere Zahlen im folgenden Diagramm:

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8 Kommentare

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  2. PotzBlitzDonner sagt

    „Trotz aller Härten ist sie nicht mehr als die Korrektur einer vorangegangenen Blase“

    Ist diese Wertung auch dann noch vernünftig wenn man berücksichtigt das die spanische Bevölkerung vor allem durch Einwanderung in dieser Zeit um grob 15% gestiegen ist !?

  3. Arne Kuster sagt

    Und jetzt wandern die Leute wieder ab. Das war also auch nur eine Blase.

  4. Häschen sagt

    Großes Lob, große Freude.

    Denke es wäre ja bestimmt spannend eine Ähnliche Grafik in 3D zu haben in der die einzelnen Jahre (seit Ende des WW2) oder sei es 5 Jahre oder Dekadenpakete (wie hier) abgebildet wären. Interessant wären dabei die Wellen anzusehen. Ozean des Wachstums.

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