Wirtschaftswachstum mal langfristig (2000-2010)

Der Blick auf langfristige Entwicklungen kann manche Irrtümer gerade rücken. Darum habe ich das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 25 Staaten im Zehnjahreszeitraum 2000-2010 berechnet.

Achtung: Ein Update 2012 dieses Artikels ist verfügbar!

Die Zahl sie zu knechten,
sie alle zu finden,
ins Dunkel zu treiben
und ewig zu binden.

Frei nach Tolkien habe ich vor einem Jahr meine Berechnungen zum langfristigen Wirtschaftswachstum der 25 größten Wirtschaftsmächte der Erde eingeleitet. Nun ist die Zeit für eine Aktualisierung gekommen. Dazu habe ich das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Zeitraum 2000-2010 für 25 Staaten berechnet. In die Berechnung aufgenommen wurden die 25 Staaten mit dem größten BIP (umgerechnet in US-Dollar auf Grundlage durchschnittlicher Wechselkurse) im Jahr 2010. Grundlage der Berechnung sind die Daten des IWF vom September 2011.

Staat Einheit der nationalen Währung BIP 2000 zu konstanten Preisen in nationaler Währung BIP 2010 zu konstanten Preisen in nationaler Währung Wachstum über 10 Jahre 2000-2010 durch-schnitt-liches Wachs-
tum pro Jahr
Australien Milliarden 961,977 1300,484 +35,2% +3,06%
Belgien Milliarden 299,130 342,226 +14,4% +1,36%
Brasilien Milliarden 1024,053 1455,195 +42,1% +3,58%
China Milliarden 5216,478 14119,782 +170,7% +10,47%
Deutschland Milliarden 2159,781 2364,092 +9,5% +0,91%
Frankreich Milliarden 1588,312 1774,492 +11,7% +1,11%
Großbritannien Milliarden 1142,372 1314,245 +15,0% +1,41%
Indien Milliarden 25331,255 51863,341 +104,7% +7,43%
Indonesien Billionen 1389,770 2310,690 +66,3% +5,22%
Italien Milliarden 1191,057 1221,160 +2,5% +0,25%
Japan Milliarden 503,120 539,881 +7,3% +0,71%
Kanada Milliarden 1100,515 1324,993 +20,4% +1,87%
Mexiko Milliarden 7519,529 8815,285 +17,2% +1,60%
Niederlande Milliarden 481,139 550,892 +14,5% +1,36%
Norwegen Milliarden 1937,415 2256,848 +16,5% +1,54%
Polen Milliarden 744,378 1089,724 +46,4% +3,88%
Russland Milliarden 24825,054 39579,498 +59,4% +4,78%
Saudi-Arabien Milliarden 632,952 871,644 +37,7% +3,25%
Schweden Milliarden 2702,002 3306,270 +22,4% +2,04%
Schweiz Milliarden 422,063 497,772 +17,9% +1,66%
Spanien Milliarden 546,886 670,862 +22,7% +2,06%
Südkorea Billionen 694,628 1042,111 +50,0% +4,14%
Taiwan Milliarden 9731,208 14213,925 +46,1% +3,86%
Türkei Milliarden 72,436 105,680 +45,9% +3,85%
USA Milliarden 11216,425 13087,975 +16,7% +1,56%

Das Ganze lässt sich in einem Diagramm veranschaulichen:

Wirtschaftswachstum 2000-2010

China und Indien führen 2000-2010 genauso wie für den Zeitraum 1999-2009 die Wachstumsliste an. Ihr Vorsprung ist sogar noch ein bisschen größer geworden. Indonesien konnte sich nun vor Russland auf Platz 3 schieben. Polen bleibt mit einem Zehnjahreswachstum von 46,4 % Spitzenreiter in der EU.

Der beste Eurostaat in der Liste bleibt Spanien mit einem Zehnjahreswachstum von 22,7 % (vor einem Jahr betrug es noch 29,1 %). Die anderen Eurostaaten belegen mit Japan zusammen die letzten sechs Plätze. Der Eurostaat Österreich kam überhaupt nicht mehr in die Gruppe der 25 größten Wirtschaftsmächte. Dafür findet sich nun der Ölstaat Saudi-Arabien (Platz 10) darin.

Trotz des guten Wachstums in Deutschland 2010 bleibt es auf dem drittletzten Platz. Ein Europrofiteur sieht anders aus. Es zeigt sich: Der Blick auf langfristige Entwicklungen kann so manche Irrtümer gerade rücken.

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12 Gedanken zu „Wirtschaftswachstum mal langfristig (2000-2010)

  1. Teufel

    Da hat das Hartwährungsland Schweiz ein über die gesamte Dauer von 10 Jahren betrachtet nahezu doppelt so hohes Wirtschaftswachstum wie die deutsche Euro-getriebene Exportweltmeisterei. Zum Glück profitieren “wir” vom Euro…

  2. Pingback: Wirtschaftswachstum mal langfristig | Wirtschaftswurm

  3. Wirtschaftswurm

    Die Schwäche vieler europäischer Staaten hängt natürlich auch mit der demografischen Entwicklung zusammen. Aber die Gegenüberstellung Schweiz-Deutschland zeigt, dass der Euro wohl eine zusätzliche Last ist.

  4. frage

    Interessant wäre zum Vergleich auch eine Betrachtung “Output excl. Finanz- und Immobiliensektor” um die Blase rauszurechnen. Aber das geben die IWF-Daten nicht her. Die OECD vielleicht? (Wobei die früher die “Dienstleistungen” in ihren Datensätzen eher ignorierten…)

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 27. Oktober 2011 | Die Börsenblogger

  6. Wirtschaftswurm

    @frage,
    dann stände natürlich Spanien erheblich schlechter dar. Insgesamt glaube ich aber nicht, dass man dadurch eine genauere Betrachtung bekommt. Außerdem bekommt der Finanzsektor ja Gebühren von den anderen Sektoren, die dann wieder diesen gut geschrieben werden müssten.

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