Analyse

Wirtschaftswachstum und Lebenstandard langfristig gesehen (2004-2014) – Teil 2

Artikelbild Lebensstandards

Wie hat sich der Lebensstandard der Bevölkerung in den 25 größten Wirtschaftsmächten der Erde langfristig entwickelt? Wo geht es den Leuten heute spürbar besser und wo besteht Grund zu Unzufriedenheit? Nach dem Gesamt-BIP von 25 Staaten in Teil 1 betrachten wir in diesem zweiten Teil das BIP pro Kopf in Kaufkraftparitäten und seine Entwicklung in 25 Staaten 2004-2014.

Die BIP-Summen allein sagen nämlich noch nichts über den Lebensstandard aus. Um hierfür einen Maßstab zu bekommen muss man das BIP pro Kopf berechnen und dann dessen Kaufkraft ermitteln. Üblich ist dann die Angabe in Kaufkraftparitäten-Dollar, das ist die Kaufkraft, die einem Dollar in den USA entspricht.

Den höchsten Lebensstandard unter den 25 betrachteten Ländern hatte sowohl 2004 als auch 2014 die Schweiz. 2004 lag das Schweizer Pro-Kopf-BIP bei 41.892 Kaufkraftparitäten-$, 2014 bei 58.149 Kaufkraftparitäten-$.

Achtung, in den Kaufkraftzahlen ist die (Dollar-)Inflation nicht herausgerechnet , sie sind also über die Jahre nicht vergleichbar. Uns interessiert vielmehr der Vergleich der anderene Länder mit der Schweiz. Dafür habe ich das Niveau der Lebensstandards in den anderen Ländern als Prozentwert vom Schweizer Niveau berechnet, und zwar sowohl für 2004 als auch für 2014.

In der folgenden Tabelle und im folgenden Schaubild sind die 25 größten Wirtschaftsmächte geordnet nach dem Lebensstandard, den sie 2014 erreichten.

Staat Pro-Kopf-BIP in KKP-$ Pro-Kopf-BIP in KKP-$ … relativ zum Niveau der Schweiz 2004 … relativ zum Niveau der Schweiz 2014 Differenz 2014 zu 2004 in Prozentpunkten
1. Schweiz 42891,569 58148,746 100,0% 100,0% 0,0
2. Vereinigte Staaten 41838,455 54369,826 97,5% 93,5% -4,0
3. Saudi-Arabien 34227,855 52310,953 79,8% 90,0% 10,2
4. Niederlande 37017,771 47959,903 86,3% 82,5% -3,8
5. Australien 34139,076 46550,051 79,6% 80,1% 0,5
6. Schweden 34754,113 46219,389 81,0% 79,5% -1,5
7. Deutschland 32649,668 46215,705 76,1% 79,5% 3,4
8. Kanada 34047,138 44967,266 79,4% 77,3% -2,0
9. Belgien 34066,653 43139,151 79,4% 74,2% -5,2
10. Frankreich 32252,237 40537,541 75,2% 69,7% -5,5
11. Großbri-tannien 31120,106 39826,063 72,6% 68,5% -4,1
12. Japan 28885,798 37518,75 67,3% 64,5% -2,8
13. Südkorea 21244,697 35379,021 49,5% 60,8% 11,3
14. Italien 32003,847 35131,053 74,6% 60,4% -14,2
15. Spanien 28230,134 33835,011 65,8% 58,2% -7,6
16. Polen 14090,034 25247,214 32,9% 43,4% 10,6
17. Russland 14654,431 24448,671 34,2% 42,0% 7,9
18. Argentinien 12522,149 22301,678 29,2% 38,4% 9,2
19. Türkei 12162,809 19698,302 28,4% 33,9% 5,5
20. Mexiko 13090,994 17950,007 30,5% 30,9% 0,3
21. Brasilien 10530,693 16155,338 24,6% 27,8% 3,2
22. China 4414,648 13224,002 10,3% 22,7% 12,4
23. Indonesien 5696,024 10651,34 13,3% 18,3% 5,0
24. Nigeria 3196,948 6053,532 7,5% 10,4% 3,0
25. Indien 2644,584 5808,428 6,2% 10,0% 3,8
Lebensstandards 2004 2014

Quelle: Eigene Grafik nach eigenen Berechnungen

Auf die Schweiz folgen die Vereinigten Staaten, Saudi-Arabien und die Niederlande. Deutschland steht auf Platz 7. Ganz unten stehen China (trotz allem rasanten Wirtschaftswachstum), Indonesien, Nigeria und Indien. Japan liegt in dieser Auflistung nur im Mittelfeld zwischen Großbritannien und Südkorea. Aufgrund der hohen Preise in Japan ist der Lebensstandard dort gar nicht so hoch, wie es auf dem ersten Blick scheint.

Interessant ist, dass alle ärmeren Länder besser abgeschnitten haben als die Schweiz. Die Kluft zwischen Arm und Reich mag innerhalb der Staaten steigen, zwischen den Staaten sinkt sie. Insgesamt wurden die bedeutendsten Fortschritte in China und Polen gemacht, aber auch Saudi-Arabien steht sehr gut da.

Relativ zu den anderen Staaten ist der Lebensstandard dagegen in Italien am meisten gesunken. Auch Spanien hat sich sehr schlecht entwickelt. Das sind die beiden Länder unter den 25, die zur Europeripherie gehören.

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11 Kommentare

  1. Pingback: Wirtschaftswachstum und Lebenstandard langfristig gesehen (2004-2014) | Wirtschaftswurm

  2. Thomas Leppin sagt

    tolle Statistik. Schade, dass Österreich nicht dabei ist.

  3. Oliver sagt

    Also wenn ich das richtig verstehe, dann ist das einfach per Kopf aufgeteilt, richtig? D. h. wenn sich die Gehälter des Vorstandes der „Deutschen Bank“ von 2004 nach 2014 um 56 % erhöht haben, dann hat sich auch der „Lebensstandard“ für alle verbessert, deren sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz in zwei Mini-Jobs mit HartzIV Zuzahlung umgewandelt wurden?

    Wenn ja, was soll die Zahl dann aussagen?

  4. hubi stendahl sagt

    @Oliver

    Ich fürchte Sie haben recht. Das ist Voodoo VWL. Die gerade in den letzten 10 Jahren extremen Umverteilungen von unten nach oben finden so natürlich keine Gewichtung.
    Da sollte man sich doch besser die Statistiken auf querschuesse.de ansehen, die dort auch mit schlüssigen Erklärungen einhergehen.

  5. @Thomas Leppin,
    Österreich war mal eine Zeit lang unter den 25 größten Wirtschaftsmächten, hat es dann aber wieder verkackt.
    @Oliver,
    was ein Durchschnitt ist, was er aussagen kann und was er nicht aussagen kann, das setze ich mal voraus. Wenn du eine Zahl suchst, die Antwort auf alle Fragen ist, musst du bei Douglas Adams nachlesen: 42
    @hubi stendahl,
    nichts Voodoo, alles Mathematik.

  6. hubi stendahl sagt

    @Arne Kuster

    Ich stimme Ihnen zu. Alles Mathematik aber mit einer Einschränkung:

    Auf Hauptschulniveau! Denn ohne schlüssige und vor allem sinnvolle Ergebnisse macht es wenig Sinn eine Festplatte zu füllen. Dafür gibt es andere Ablagemöglichkeiten.

    Wenn man die tatsächlichen Entwickugen darstellen will, dann bitte mindestens die Einkommensgruppen-Verschiebungen mit einbeziehen. Dazu muss man weder Mathematik noch VWL studiert haben. Das ist Abi Niveau.

    Wir können ja mal unsere Einkommen in einen Topf werfen. Ihren 410,–€ Job als Student und meine 10.000,– € p.M.. Das für die Zeit von 10 Jahren mit einer Steigerungsrate von 3 % p.a vorzusehen ist.. Bitte den Zinseszins-Effekt nicht vergessen. Das einfache arithmetische Mittel bringt wunderbare Zahlen. Nach Ablauf der 10 Jahre haben Sie als ehemaliger Student einen Job als Generaldirektor mit einem Einkommen von 15.000,– € und ich mit 2.500,– € da ich zeitgleich in Rente ging. Die Steigerungsrate dieser beiden Variablen beträgt für weitere 5 Jahre ebenfalls 3 %, damit Sie es nicht so schwer haben. Jetzt rechnen Sie bitte mal die durchschnittliche Steigerungsrate unseres kleinen Beispiel – „BIPS“ aus und erklären mir auch die Einkommensverschiebungen der Probanden.
    Eigentlich einfach. Was haben wir gelernt?

    Es ist wie bei den „Gutmenschen“. Sie sehen immer nur das Lineare, das Eindimensionale. Den Ursache/ Wirkungszusammenhang erfassen sie nicht. Ob in der abstrakten Mathematik oder in der Matrix, in der Sie sich offenbar befinden.

    Es geht eben nichts über Bildung! Dann wird´s auch was mit dem Verstehen.

  7. Oliver sagt

    Meine Frage war eher. Wenn man sich schon die Arbeit macht, diese Zahlen zu finden und sie in ein Diagramm zu packen, dann sollten sie doch auch etwas aussagen. Wenn ich also auf tagesschau.de die Jubelmeldung lese, dass es noch nie so viele Erwerbstätige gab (nach internationalem Standard!!!11einelf!) und die wichtige Information weg gelassen, dass noch nie so viele von ihrer Arbeit nicht leben konnten, dann weiß ich, dass bald Wahlen sind.

    Diese Zahlen sagen zwar genau so wenig aus wie die Zahlen hier, aber sie ergeben wenigstens für den Macher Sinn. Wo ist also der Mehrwert zu wissen, dass in Saudi-Arabien der König seine Gewinne gesteigert hat? Ich will das auch gar nicht übermäßig kritisieren, aber ich verstehe den Sinn des Diagramms nicht. Was soll es also aussagen?

  8. @hubi stendahl, Oliver,
    410€-Job auf der einen Seite und 10.000€-Job auf der anderen Seite, das ist allerdings nicht die typische Verteilung. Als typische Verteilung gilt noch immer die Glockenkurve, das heißt, relativ viele Objekte befinden sich in der Nähe des Durchschnitts. Eine solche Verteilung heißt nicht umsonst Normalverteilung und sie wird immer angenommen, wenn man nichts Näheres über die Verteilung weiß. Und genau darum sind Durchschnitte nicht irrelevant.
    In Deutschland geht es übrigens auch den Armen besser als in Indien. Wer Umverteilung will, muss nämlich erst einmal dafür sorgen, dass Masse für Umverteilung da ist. Wie viel Masse da ist und wie sie gewachsen ist, auch das wird in der Tabelle gezeigt.
    Ich hab mich in diesem Blog aber auch schon mal mit Verteilungsfragen genauer beschäftigt, das letzte Mal ist gar nicht so lange her: http://www.wirtschaftswurm.net/2015/ungleichheit-einige-fakten-und-ursachen/ Wer aber will, dass ich (noch) mehr Zeit in meinen Blog investiere, um Zahlen noch weiter aufzubereiten, sollte Förderer werden: http://www.wirtschaftswurm.net/foerderer-werden/

  9. Oliver sagt

    In Deutschland geht es übrigens auch den Armen besser als in Indien.

    Das war immer noch keine Antwort auf meine Frage. Auch die „Normalverteilung“ ist nicht unbedingt „normal“. Um am Beispiel Saudi-Arabiens zu bleiben. Deren BIP basiert hauptsächlich auf dem Export von Öl. Dieses kommt aber nur dem Königshaus und wenigen Auserwählten zu Gute. Die normale Bevölkerung hat da zunächst erstmal herzlich wenig von.

    Ähnliches gilt ja auch mehr oder weniger für Deutschland. Was nutzt es, wenn das BIP steigt, wenn Amazon, Apple und andere ihre Steuern nicht in Holland bezahlen? Das Diagramm suggeriert, dass die Lebensverhältnisse in einigen Ländern besser bzw. schlechter geworden sind, aber das BIP scheint mir dazu gänzlich ungeeignet. So kann ich dazu nur sagen „Toll, aber es sagt leider gar nichts aus“.

  10. Jimmy sagt

    @Oliver Worüber sie wenig aussagen können bezüglich des hier abgebildeten Finanzierungsaufwands ist die dahinterstehende Struktur. Keine Chance.

    Ökonomische Kennzahlen sind nur in der Sicht auf Einkommen als Äquivalent zu einer angemessenen marktwirtschaftlichen Distribution (jeder Einkommensbezieher schreibt regelmäßig eine Rechnung mit der beide Seiten zufrieden wären) mal überhaupt aussagekräftig. Sobald sie mit Verteilungen arbeiten beurteilen sie nurmehr die sozialistische Hülle einer Planstellenbesetzung. Wenn es 80% ‚Arschlöchern‘, aus der Sicht der verbleibenden 20% gut geht,…. das ändert sich bei 10 : 90, eben in der Gegenrichtung auch nicht. Das heißt aber noch lange nicht dass die 10% sich vom Tellerwaschen haben befreit um andere diese waschen zu lassen, es ist fair genug, dass diese anderen sich um ihre Aufgaben selbst kümmern. Es gibt ganz feine Facetten im ‚Geld’sozialismus.

    Die Marktwirtschaft geht von freiwilligen Aufgabe von Bewirtschaftungsprozessen im Haushalt aus mit allen Vorteilen die draus erwachsen. Das Industriemodell geht schlicht davon aus, dass ein Haushalt genauso wie das Unternehmen (das Ideal eines Betriebs) eine Felsplatte ist auf der nichts wächst. Damit ignoriert diese Methode der Top Down Push Güterbereitstellung die Privatsphäre und negiert konsequent die Existenz von Privateigentum insbesondere jener Menschen die näher Güterbereitstellung sind, während hingegen dieses Modell den Nutznießern die Früchte zukommen lässt. Das einzige Modell, das an sich zur Industrie passt ist die Stadt. Irgendwann wird mal soviel Scheinkomplexität im Rahmen der Güterbereitstellung vorgetäuscht, dass die Aufrichtigkeit des Preises unglaubwürdig wird.

    Ökonomie kann nur versuchen eine Gesellschaft aus dem Blickwinkel der arbeitsteiligen Güterbereitstellung zu beleuchten, aber nicht umgekehrt. Wenn sie eine Doku über Andalusien mit 66% Jungendarbeitslosigkeit sehen und ihnen ein handvoll Jugendlicher erzählt, dass sie auf einen Job warten … dann werden sie nicht umhinkommen, das konkrete Umfeld in seiner Gesamtheit zu durchleuchten. Wenn sie dort ein trauriges junges Gesicht sehen, können sie vermuten, dass möglw. das Einkommen der Grund ist, aber nicht ob die Trauer der Unfähigkeit zur Entnahme aus dem Güterpool geschuldet ist. Oder die Trauer sei der Abwesenheit im Rahmen der Güterbereitstellung zum Wohle des Mehr an verfügbaren Guts geschuldet, das kann man so einfach nicht sagen . Industrie entkoppelt Talent vom Rohstoff.

    Das ist die alte Diskussion um verpflichtende Teilnahme an geldsozialistischen Gesellschaften und ein Ausdruck der Anhängigkeit zu selbigem ist der laute Ruf nach Unternehmenssteuern.

    Die Analyse wie es zu dieser Zahl kommt, wenn sie für ein Volkswirtschaft etwas aussagt … Diese Zahlen sagen soviel aus als wenn sie in 25 Wohnungen gingen und messen wie warm sie es empfinden.

    Österreich ist einfach erklärt. Die SPÖ sind sich verhindernde Sowejtkommunisten und der Rest nicht weit davon entfernt …

  11. @Jimmy,
    ich hoffe, das bleibt nicht der abschließende Kommentar in diesem Strang. Das würd‘ die Leser nur verwirren. Selbst ich habe dich nicht verstanden.

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