Analyse

Ungleichheit – Einige Fakten und Ursachen

Ungleichheit in Großbritannien

Die immer ungleichere Einkommensverteilung ist ein in der Öffentlichkeit heftig diskutiertes Thema. Aber wie war die Entwicklung in den reichen OECD-Ländern in den letzten 30 Jahren genau? Wie steht Deutschland dar im Vergleich zu anderen OECD-Ländern? Ist die Einkommensverteilung in den USA tatsächlich besonders ungleich? Und in welchen Ländern ist die Einkommensspreizung heute am geringsten?

Manchmal sind Grafiken ja sehr eindrücklich. In einem Diskussionspapier des bekannten britischen Ungleichheitsforschers Tony Atkinson findet sich eine, die die Entwicklung einiger Kennzahlen zur Einkommensverteilung in Großbritannien wiedergibt.

Quelle: Anthony Atkinson, Inequality – What can be done?

Quelle: Anthony Atkinson, Inequality – What can be done?

Die erste Kennzahl ist der vielen bekannte Gini-Koeffizient. Er beträgt 0, wenn alle gleich viel haben und 1, wenn einer alles und die anderen nichts haben. Normalerweise liegt er irgendwo dazwischen und ist umso größer, je größer die Ungleichverteilung ist.

Interessant nun, dass man schon mit bloßem Auge drei Phasen in der britischen Entwicklung der Einkommensverteilung erkennen kann. Eine stabile Phase mit relativ gleichen Einkommen, dann eine Phase vom Ende der 70er Jahre bis zum Anfang der 90er Jahre mit stark steigender Ungleichheit und seitdem wieder eine stabile Phase mit relativ großer Einkommensspreizung.

Alle Kennzahlen beziehen sich übrigens auf die Nettoeinkommen von Haushalten verteilt auf Erwachsenenäquivalente. Kinder zählen dabei nicht als volle Person.

Zufall, dass die Phase steigender Ungleichheit sich ungefähr mit der Regierungszeit von Maggie Thatcher deckt? Dazu weiter unten mehr.

In der Grafik finden sich noch zwei weitere Kurven, die nicht unbedingt mit der Entwicklung des Gini-Koeffizienten parallel laufen.  Die erste Kurve zeigt den Anteil der Personen, die weniger als 60% des Medianeinkommens zur Verfügung haben. Der Anteil dieser sogenannten Armutsgefährdeten stieg rasant während der Regierungszeit von Maggie Thatcher, fiel danach jedoch wieder langsam ohne bisher das niedrige Niveau der 70er Jahre erreicht zu haben.

Die zweite Kurve zeigt den Anteil der 1% Spitzenverdiener am gesamten Einkommen.  Dieser Anteil stieg von Ende der 70er Jahre an während der gesamten Zeit bis zur Weltwirtschaftskrise 2008/09. Für die Zeit danach kann man noch keinen Trend erkennen.

Zunehmend ungleichere Einkommensverteilung ist ein Phänomen vieler reicherer Staaten

Der genaue Verlauf der Entwicklung der Einkommensverteilung ist in den verschiedenen Ländern natürlich unterschiedlich. Interessant ist allerdings, dass in den meisten reicheren Ländern, die in der OECD zusammengeschlossen sind, die Ungleichheit der Einkommen seit Mitte der 80er Jahre stieg. Das zeigt auch eine Grafik in dem OECD-Bericht „In it together“ vom Mai diesen Jahres . Dargestellt sind die Gini-Koeffizienten der Einkommensverteilung für 22 Länder, einmal für 1985 und einmal für 2013.

Quelle: OECD, In it togeher: Why less inequality (Eine vollständige Kopie findet man auch über die Google-Suche)

Quelle: OECD, In it togeher: Why less inequality benefits all (Eine vollständige Kopie findet man auch über die Google-Suche)

Besonders stark stieg die Ungleichheit in Schweden, Finnland, Neuseeland und den USA, kaum Änderungen gab es dagegen in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Griechenland, während in der Türkei die Ungleichheit der Einkommen sogar nennenswert zurückging.

Deutschland steht aktuell beim Gini-Koeffizienten mit 0,29 etwa in der Mitte der OECD-Staaten. Am größten ist die Ungleichheit in Mexiko (0,48) und den USA (0,4), am geringsten in Dänemark und Norwegen. Dort beträgt der Gini-Koeffizient rund 0,25, genauso wie in der Slowakei und Slowenien, die beide nicht oben im Diagramm eingetragen sind.

Die Diagnose wachsender Einkommensspreizung gilt erst einmal nur für die reichen OECD-Staaten. In den armen Staaten ist zwar die Ungleichheit generell größer, sie hat aber dort in der Regel nicht weiter zugenommen und ist in manchen Ländern wie Brasilien sogar zurückgegangen.

Aber warum sind nun die Einkommen ungleicher geworden? Einige Ursachen finden sich in Teil 2 dieses Artikels.

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