Analyse

Ungleichheit – Einige Fakten und Ursachen (Teil 2)

Ungleichheit in Großbritannien

Die Daten in Teil 1 dieses Artikels zeigten eindrücklich, dass zunehmend ungleichere Einkommen ein Phänomen fast aller reichen Staaten sind. Doch was sind die Ursachen? Welche Rolle spielt die technologische Entwicklung für die zunehmende Einkommensspreizung? Kann Migration auch eine Rolle spielen, wie die besonders negative Entwicklung in Schweden vermuten lässt?

Der Einfluss neuer Technologien

Die Volkswirte können die wachsende Ungleichheit durchaus als ein Ergebnis von Prozessen auf dem Arbeitsmarkt betrachten. Schon der Ökonom Jan Tinbergen beschrieb 1975 das Rennen zwischen einerseits einer wachsender Nachfrage nach qualifizierten Kräften, angetrieben durch neue Technologien, und andererseits der Steigerung der Qualifikation der Erwerbsbevölkerung durch mehr Aus- und Weiterbildung. Eine wachsende Ungleichheit spiegelt demnach wieder, dass die Qualifikationsbestrebungen in einer Gesellschaft mit der wachsenden Qualifikationsnachfrage nicht mehr mithalten können. Die Einkommen der Qualifizierten steigen überdurchschnittlich.

Mehr Bildungsinvestitionen sind die logische, politische Forderung, die sich aus einer solchen Beschreibung ergibt.

Das Bild Tinbergens wurde in den 90er Jahren dadurch ergänzt, dass viele einfache Tätigkeiten im Zuge der Globalisierung der Industrieproduktion in Niedriglohnländer verlagert wurden. Und Zahlen aus dem in Teil 1 erwähnten OECD-Bericht ergeben ein weiter differenzierteres Bild. Es entspricht dem, was auch hier im Blog schon einmal vor längerem thematisiert wurde:

  • Die Digitalisierung hat bisher vor allem Stellen vernichtet, die mit Routineentscheidungen beschäftigt waren, z.B. Stellen in der Buchhaltung. Das sind Stellen im mittleren Einkommensbereich.
  • Dagegen ist der Anteil an Stellen mit hauptsächlich einfacher manueller Tätigkeit gestiegen. Man denke z.B. an die vielen Paketzusteller.
  • Noch stärker ist der Anteil an Stellen für Hochqualifizierte gestiegen.

Es ergibt sich eine Stellenpolarisierung, die sich dann in einer zunehmenden Einkommensspreizung niederschlägt.

Um zur Amtszeit Margaret Thatchers zurückzukehren, die in Atkinsons Diagramm sehr prominent hervorsticht. Natürlich spiegelt sich darin auch ihre drastische Senkung des Spitzensteuersatzes nieder. Die stark zunehmende Ungleichverteilung in ihrer Amtszeit geht aber hauptsächlich auf den großen Strukturwandel zurück, den sie durch Privatisierungen und Subventionsstreichungen (z.B. für den Bergbau) eingeleitet hat. Dieser Strukturwandel beförderte die Stellenpolarisierung.

Nicht-Normalarbeitsverhältnisse

Zurück in die Gegenwart: Im OECD-Bericht „In it togeher …“ heißt es:

People are more likely to be poor or in the struggling buttom 40% of society if they have non-standard work

Doch hier fehlt es mir an einer Begründung, warum die Zunahme von „Nicht-Normalarbeitsverhältnissen“ eine weitere eigenständige Quelle von Ungleichheit sein soll. Diese Zunahme scheint doch eher eine weitere Folge der Stellenpolarisierung. Dazu passt, dass zwar viele, aber keineswegs alle Nicht-Normalarbeitsverhältnisse unterdurchschnittlich bezahlt sind. Nicht-Normalarbeitsverhältnisse finden sich vor allem am unteren und am oberen Rand der Einkommensskala, also dort, wo die Zahl der Stellen besonders zugenommen hat.

Dagegen wird meiner Meinung nach eine wichtige Ursache von Ungleichheit weder bei Atkinson noch im OECD-Bericht erwähnt. Ich meine ein gerade besonders aktuelles Thema: Migration. Mehr dazu in „Der Flüchtlingsschock …„. Nicht zuletzt hat die Einkommensspreizung am stärksten unter allen OECD-Ländern in Schweden zugenommen. Schweden ist auch für seine bislang besonders liberale Einwanderungspolitik bekannt.

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2 Kommentare

  1. Pingback: Ungleichheit – Einige Fakten und Ursachen | Wirtschaftswurm

  2. Jimmy sagt

    Die OECD sind die Vertreter des Modells ‚Alle sind angestellt‘ und alle Unternehmen sind ‚Industriebetriebe‘. Der Einfluss der Digitalisierung den wir merken war der Einfluss auf die Kostenrechnung.

    Damit ist eines passiert. Ein Kunde kauft ein Gut entweder da er ein Bewirtschaftungsprozess im Haushalt anreichert, ergänzt oder substituiert oder einfach der ‚Gestalt‘ des Gutes an sich willen. Insbesondere mit der Prozesskostenrechnung hat man eher die jene bevorzugt die einen Bewirtschaftungsprozess ablösen. Es hat sich die Sicht auf die Interpretation von Verschwendung geändert.

    Der Buchhalten ist abgelöst wurden durch ein hochbezahlten IT Menschen bspw. Der Taschenrechner hat der Welt Mathematiker freigesetzt aus den Rechenstuben und erlaubten anderen Rechnungen durchzuführen die nie hätten angestellt werden sollen.

    Das hat den Tausch entzaubert und die Welt wurde eine schlechtere. 😉

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