Wirtschaftswurm-Blog

Der Goldpreis und die effizienten Märkte

Nasdaq-Index Dotcomblase Ausschnitt

Patrick Bernau hat uns jüngst in der FAZ an Eugene Fama erinnert, der (noch immer) aktueller Wirtschaftsnobelpreisträger ist. Famas These, die Märkte, auch die Finanzmärkte, seien immer effizient, wirkt heutzutage provokant – auch auf mich.

Bernau stellt allerdings in seinem Artikel ganz gut klar, wie Fama diese These meint: nämlich gerade nicht im Sinne von „Der Markt weiß alles“ wie es die falsche Schlagzeile über Bernaus Artikel behauptet, sondern im Sinne von „Niemand weiß mehr als der Markt“.

Das schließt nicht aus, dass sich Märkte oft und häufig irren. Aber sie irren sich, so der Kern von Famas Hypothesen, auch nicht öfter und häufiger als die jeweils besten Experten. Denn wenn z.B. die Experten der Ansicht sind, eine Aktie sei unterbewertet, dann werden sie selbst diese Aktie kaufen oder können Investoren (für die sie arbeiten) dazu veranlassen, diese Aktie zu kaufen. In der Folge steigt der Preis der Aktie und wird nicht mehr unterbewertet.

Ein eigener Versuch, besser sein zu wollen, als der Markt, scheint erst einmal Famas These der effizienten Märkte zu bestätigen.

Vor gut einem Jahr habe ich hier im Blog geschrieben (und später in einem DAF-Interview wiederholt), beim Gold würde gerade eine Blase platzen und der Goldkurs würde bis spätestens diesen Sommer auf unter 800 Dollar fallen, bevor er sich wieder erholen könne.

Dem war nicht so. Anfang des Jahres mussten Goldinvestoren noch einmal etwas zittern, aber dann kamen Krim- und Ukrainekrise. Gold als „Krisenwährung“ stieg wieder. Gold bewegt sich damit seit über einem Jahr in einem Band von ungefähr 1200 bis 1400 Dollar.

Das kann nun verschiedenes bedeuten: Entweder gab es überhaupt keine Goldblase. Oder es gab diese sehr wohl, hatte aber nicht den von mir unterstellten typischen Verlauf. Oder vielleicht gibt es einen typischen Verlauf auch gar nicht?

Nasdaq-Kurse fielen auf das Niveau vor der Dotcom-Blase

Gilt als typischer Chart einer Blase: Verlauf des Nasdaq-Index 1994-2004

Märkte steigen und fallen. Famas Effizienz-These unterstellt, dass sich alle Kursbewegungen erklären lassen. Wenn Märkte erst steigen, hat das einen nachvollziehbaren Grund, wenn sie danach wieder fallen, hat das wieder einen nachvollziehbaren Grund und sei es der, dass einige zunächst fundiert erscheinende positive Annahmen widerlegt wurden. Keine Blasen.

Doch bestimmte menschliche Verhaltensweisen werden damit einfach ausgeblendet. Was ist mit dem Herdentrieb? Warum leugnet Fama, dass manchmal Wertpapiere oder auch Gold nur gekauft werden, weil man an einen positiven Trend glaubt und dabei sein will? Und warum leugnet Fama, dass solches Verhalten massiv Einfluss auf den Kurs haben kann?

Ich glaube, es geht dem Wissenschaftler letztlich nur darum, die schöne Modellwelt rein zu halten. Die Evidenz für Finanzblasen scheint mir dagegen überwältigend. Mit dem Herdentrieb kann man erklären, warum Kurse über die Maßen steigen oder warum sie über die Maßen fallen. Die Wendepunkte kann man allerdings bislang nicht erklären, geschweige denn prognostizieren. Insofern ist die Theorie der Finanzblasen unvollständig.

Und so verwundert es nicht, dass auch meine Prognose darüber, wann der Goldpreis aufhören könnte zu fallen, falsch war.

7 Kommentare

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  4. popper sagt

    Wo ist der wesentliche Unterschied zu „ Der Markt weiß alles“. Wenn angeblich niemand mehr weiß als der Markt, was ist dann mit dem „homo oeconomicus“, der auf mikroökonomischer Ebene vielleicht ganz gut zu funktionieren scheint. Allerdings erfüllt sein Pendant der „representative agent“ dieses Kriterium nicht. Denn gesamtwirtschaftliche Logik muss nicht mit einzelwirtschaftlicher Logik konform gehen, insbesondere weil auf der Ebene der Makroökonomie die Rückwirkungen aller Handlungen auf alle Akteure nicht ignoriert werden kann. Und das ist auch die Crux bei Fama, er verwendet, wie so viele dieser Ökonomie-Clowns, die ceteris paribus Klausel, weil sie im mikroökonomischen Kontext vielleicht halbwegs funktionieren könnte. auf der Makroebene taugt sie nicht viel. Und hier ist die Tatsache, dass es sich bei Fama um einen Nobelpreisträger handelt, von geringer Bedeutung. Entscheidend ist zuletzt immer, welche Theorie dahintersteht. Die Funktionsprinzipien, für die prototypisch die “unsichtbare Hand” oder der „effiziente Markt“ stehen, und welche die Summe der Individualhandlungen zu einem in gewissem Sinne optimalen Zustand führen, gibt es eben leider in dieser realen Welt nicht.

  5. Häschen sagt

    Die Prognose ‚wann‘ war etwas zeitnah, möglw. getrieben durch Bullen Mythen und Bärengeister Beschwörung… Es gibt durchaus Stimmen (fand mal eine Analyse bei Cash Kurs . Elliot Waves) die durchaus von weiter fallenden Preisen ausgeht. Ob die 750 bis 850 USD dieser Prognose in 2022 aber realistisch sind kann man mal so glauben.

    Wir wissen noch nicht mal ob der Wirtschaftswurm Blog in 2022 überhaupt noch in der Form existiert.

    Wir wissen nicht wie niedrig der Goldpreis allein aufgrund des ‚Verbots‘ und dem nachfolgenden Niederhalten des Preises durch die Hersteller die Menge zu erhöhen war.

    Zuvor kann ein Bullenmarkt gewesen sein über 2 Dekaden künstlich niedergehalten wurde und dessen Entfesslung erst durch ‚Papiergold‘ wurde beschleunigt. Was wäre wenn es echter Bärenmarkt war. Und wie lange liefen die.

    Wir wissen das faire Preisniveau nicht – wir kennen allein das Faktum der Übertreibung, aber nicht die Höhe der Übertreibung die an sich die spiegelbildlich in der Untertreibung wiederzufinden ist respektive sein kann.

    Meine Einschätzung war so bei 750 USD ging die Beschleunigung los. Korrektur bei über 1800. Im Mittel so bei gut etwas über 1250 USD (Boden nach dem ‚Bust‘).

    Die Einschätzung (eher gegen 1400) USD vs. Gold,

    nächste Ebene ist der nachhaltige Produktionspreis der ja limitiert ist nach unten über den Mischenpreis der Hersteller per se (Schließen von Mienen usw… so einfach geht das nicht)

    und dann eben eine Untertreibung.

    In Österreich würde man sagen – der Kompromiss liegt über 900 im schlimmsten Fall und wenn 800 USD eintreten – ‚Also an das hätte jetzt wirklich keiner geglaubt‘.

    In dem Sinne keine Sorge. Nichts Genaues weiß man nicht.

    Sie haben richtig erkannt dass die Blase im Papiergold geplatzt ist.

    Physisch – Wer kauf Gold auf Kredit?

  6. Pingback: Artikel über Wirtschaft, Finanzen und Devisen - 17. August 2014 | Pipsologie

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