Wirtschaftswurm-Blog

Ökonomenblogparade (ÖBP) im April: Spekulationsblasen

Wirtschafts- und Finanzblogger werden aufgerufen, im April über das Thema Spekulationsblasen zu schreiben.

Die erste gut dokumentierte Spekulationsblase fand bereits in den 1630er Jahren in den Niederlanden statt. Auf dem Höhepunkt der Tulpenmanie wurden für eine Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ 10.000 Gulden geboten, so viel wie damals ein nobles Haus an einer Amsterdamer Gracht kostete.

Bis heute sind Spekulationsblasen ein fast regelmäßig wiederkehrendes Phänomen. So erreichte die Dotcom-Blase im März 2000 ihren Höhepunkt. Aktien kleiner, junger Internetunternehmen wurden damals zu horrenden Preisen gehandelt. Der Chart des Indexes der New Yorker Technologiebörse Nasdaq dokumentiert die Preisblase anschaulich.

Nasdaq-Kurse fielen auf das Niveau vor der Dotcom-Blase

Nasdaq-Index 1994-2004

Die nächste Blase platzte 2007. Dieses Mal betraf es den Häusermarkt. Während die Dotcom-Blase allerdings ein weltweites Phänomen war, betraf die Immobilienblase hauptsächlich nur die USA, Irland und Spanien. Wieder lässt sich die Preisblase am besten durch Charts zeigen:

Das Platzen von Spekulationsblasen hat oft Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Sowohl nach der Dotcom-Blase als auch nach der Immobilienblase gab es eine schwere Rezession. Ja, die Immobilienblase mündete sogar in eine weltweite Finanzkrise, die bis heute nicht überwunden wurde.

Es gibt also Gründe genug, sich mit Spekulationsblasen zu beschäftigen. Und es gibt viele offene Fragen zu Spekulationsblasen:

  • Wie entstehen Spekulationsblasen? Sind sie rein irrational? Welche Rolle spielt die Geldpolitik der Zentralbank? Welche Rolle spielen staatlich gesetzte Anreize?
  • Welche Folgen haben Spekulationsblasen für die Gesamtwirtschaft?
  • Wie lassen sich Spekulationsblasen möglichst frühzeitig erkennen? Droht uns bereits die nächste Spekulationsblase und wenn ja, wo? Viele haben ja Angst vor einer Häuserpreisblase in Deutschland. Zurecht?
  • Was kann man gegen Spekulationsblasen tun? Ist die Finanztransaktionssteuer ein wirksames Instrument gegen Spekulationsblasen?
  • Wie sind vergangene Spekulationsblasen verlaufen? Was können wir aus der Wirtschaftsgeschichte lernen?

Genug Stoff für uns Wirtschaftsblogger. Also, liebe Wirtschafts- und Finanzblogger, veröffentlicht bitte bis zum 30.4 einen neuen Artikel zum Thema Spekulationsblasen. Verlinkt den Artikel hier in den Kommentaren und nehmt so an der achten Ökonomenblogparade (Twitter-Hashtag #ÖBP) teil. Wer keinen eigenen Blog hat, aber etwas zum Thema beizutragen hat, kann mir auch einen Gastbeitrag schicken.

Zu Beginn des Monats Mai werde ich dann hier im Blog einen Überblick über alle Beiträge zur Blogparade veröffentlichen.

Achtung! Ich werde die nächsten Tage noch nicht dazu kommen, eine Zusammenfassung der Blogparade zu schreiben. Darum verlängere ich die Blogparade bis zum 12.5. Dadurch kommen vielleicht noch ein paar mehr Beiträge zusammen.

PS: Die Zusammenfassung der ÖBP kann man nun auf http://www.wirtschaftswurm.net/2013/spekulationsblasen-finale-der-oekonomenblogparade-oebp/ lesen.

16 Kommentare

  1. ChaosÖkonom sagt

    Lass uns von null beginnen.

    1. Wie entstehen Spekulationsblasen?

    Dazu braucht man eine allgemeingültige Definition einer Spekulationsblase in der Ökonomie. Nach Wikipedia:

    „Als Spekulationsblase (häufig auch: Finanzblase; englisch: speculative bubble, economic bubble, financial bubble) wird in der Makroökonomie eine Marktsituation bezeichnet, in der die Preise eines oder mehrerer Handelsgüter (zum Beispiel Rohstoffe oder Lebensmittel), Vermögensgegenstände (Immobilien und Wertpapiere wie zum Beispiel Aktien oder Anleihen) bei hohen Umsätzen über ihrem inneren Wert (auch: Fundamentalwert oder intrinsischer Wert) liegen.“

    Wir erkennen an dieser Wiki-Aussage die intellektuelle Schwäche des Schriftstellers – irgendjemand sollte es mal korrigieren. Es gibt leider keinen intrinsischen Wert. Alle Werte sind relativ und werden subjektiv ausgehandelt.

    -Wieso wird dann häufig ein Fundamentalwert angenommen? Das liegt daran, dass es eine langfristige subjektive Bewertung durch die Mehrheit der Wirtschaftsteilnehmer gibt. Wenn 99% der Bevölkerung den gleichen Preis für dasselbe Gut über einen langen Zeitraum zahlt, spielt es untergeordnete Rolle, ob der Preis subjektiv ist und sich jederzeit schlagartig ändern kann.

    – Was ist Spekulation? Hier hilft Wiki:

    -in der Alltagssprache eine Hypothese oder auch eine als unbeweisbar geltende Aussage
    -Spekulation ist in der Wirtschaft eine auf Gewinnerzielung aus Preisveränderungen gerichtete Geschäftstätigkeit.
    -Spekulation (von lateinisch speculari = beobachten) ist eine philosophische Denkweise zu Erkenntnissen zu gelangen, indem man über die herkömmliche empirische oder praktische Erfahrung hinausgeht und sich auf das Wesen der Dinge und ihre ersten Prinzipien richtet.

    Wenn der Gewinn gleich Nutzen gesetzt wird -> Eine triviale Aussage, dass wir aus aus unserem bisherigen Erfahrungsschatz heraus versuchen werden, Dinge über die Zukunft anzunehmen und zu unseren größtmöglichsten Nutzen verwenden werden. Da aber jede unsere Handlungen darauf beruht..

    – Was ist jetzt eine Spekulationsblase? Man kann eher von einer Fehlspekulationsblase sprechen. Fehlspekulation ist, wenn man sich über die zukünftigen Ereignisse geirrt hat.

    Eine Fehlspekualtionsblase entsteht, wenn sich eine ganze Menge Leute oder wenige Leute mit sehr sehr viel Geld geirrt haben. Ein großer Teil der Ausgaben/Investitionen fließt in Güter, die sich später sich nicht rentieren.

    2. Sind sie rein irrational?

    Es spielt keine Rolle. Diesen Gedankenfehler macht man auch bei der Diskussion, um die Kritik des neoklassischen Homo oeconomicus. Bei einer Fehlspekulation ist von Interesse, dass der Mensch sich über zukünftige Ereignisse geirrt hat und somit seine Erwartungen an dem sich daraus ergebenen Nutzen nicht bewahrheit hat. Im Allgemeinfall kann der Homo oeconomicus sich natürlich auch bei gegenwärtigen Entscheidungen durch Informationsdefizite irren – was er in neoklassischen Modellen komischerweise auch zukünftige Folgen trotz allen komplexen und existierenden Interdependenzen nicht kann. Die Rationalität seiner Entscheidung spielt dementsprechend keine Rolle.

    Man kann auch aus rein rationalen Gründen irren. Wie man auch aus rein irrationalen Günden ein Millionenrätsel gewinnen kann.

    3. Welche Rolle spielt die Geldpolitik der Zentralbank?

    Sie kann die Menschen dazu verführen, falsche Annahmen zu treffen und sie somit zu aus ihrer Sicht falsche Entscheidungen verleiten. Eine andere Geldpolitik kann vielleicht die Auswüchse falscher Entscheidungen eindämmen, sie aber nie ausschließen. Man muss schauen, welche Politik die Menschen zu dem für die Gesellschaft passenden Ergebnissen führt, denn natürlich kann die Geldpolitik auch zu mehr subjektiv richtigen Entscheidungen führen.

    4. Welche Rolle spielen staatlich gesetzte Anreize?
    siehe 3.

    -Welche Folgen haben Spekulationsblasen für die Gesamtwirtschaft?

    Das hängt von dem Umständen ab. Wir groß ist sie? Wieviele Arbeitsplätze hingen von ihr ab? War sie kreditbasiert? Wieviele Banken sind mit wieviel Geld involviert?

    In unserer Kreditwirtschaft, wo Geld bei Tilgung eines Giralgeldkredits aus dem Kreislauf entnommen wird, tritt beim Minsky-Moment einer sehr großen bankkredit-basierten Fehlinvestition die Irving Fishers Schuldendeflation auf. Es gibt weniger Geld im Kreislauf, es wird noch schwieriger an Geld zu kommen, die Banken befinden sich in einer Krise. Wenn Deflation herrscht, wird es schwieriger Löhne zu zahlen, Arbeiter werden zusätzlich zu den ehemaligen Fehlinvestitionsjobs entlassen. Es herrscht Rezession und damit Sparsamkeit – wir sitzen in Keynes paradox of thrift, welche den Wirtschaftskreislauf erlahmen lässt und zusätzlich zur Deflation beiträgt, da Geld entnommen wird. Wir sitzen in Koon´s Bilanzrezession. Wenn die Notenbank und der Staat bisher geschlafen hat: Well played, wir sind in einer Depression.

    Ansonsten muss es gar nicht soweit kommen:
    – Ist die Menge klein, ist es einfach ein übliches Fehlinvestment.
    – Ist es nicht kreditbasiert, dann hat das Geld nur den Besitzer gewechselt.
    – Sind nur wenige Jobs betroffen, tritt Keynes paradox of thrift nicht (sofort) ein.
    – Ist es kreditbasiert, aber nicht von einer Bank, dann hat Geld nur den Besitzer gewechselt.

    Und natürlich kann die Notenbank und der Staat nicht pennen.

    5. -Wie lassen sich Spekulationsblasen möglichst frühzeitig erkennen?

    Das lässt sich nur bei Gütern machen, die man lange kennt. Wenn der ehemals funktionierende Häusermarkt plötzlich 50% mehr wert ist, dann sollte man handeln. Ist der Boom zudem auf Bankkrediten-basiert, dann sollten die Kreditsicherheiten steigen. Ansonsten lässt sich sowas nie zu 100% vorhersagen. Was ist, wenn ein Sturm ein Großteil der Wohnfläche vorher zerstört hat? Woher hätte man den Wert einiger heutiger IT-Riesen abschätzen können?

    6. Droht uns bereits die nächste Spekulationsblase und wenn ja, wo? Viele haben ja Angst vor einer Häuserpreisblase in Deutschland. Zurecht?

    Ja, der Häuser-Markt ist überbewertet. Rede mit einigen ausländischen Investoren. Der Häuserboom dient derzeit dazu die Deutschen zu beruhigen. „Fette Katzen rebellieren nicht.“ Wie Blase gemanagt wird, hängt von der Regierung ab.

    7. Was kann man gegen Spekulationsblasen tun? Ist die Finanztransaktionssteuer ein wirksames Instrument gegen Spekulationsblasen?

    Spekulationsblasen sind wie schon gesagt nicht immer ein Problem. Wenn aber um die Eindämmung eines Crashs geht:

    Eigenhandel von Giralgeld-schaffenden Banken verbieten. Haftung dann auf die Teilnehmer ausweiten, da bisher Konteninhaber Kreditgeber der Banken sind. Fractional Banking für Privatbanken abschaffen. Für öffentliche Banken die Reservequote mindestens auf das Niveau der Chinesen. Höhere Sicherheiten. Entkoppelung von US-Ratingagenturen. Demurrage System einführen, um Keynes paradox of thrift zu kontern.

    Ansonsten kann man es auch so machen wie bisher. Bei jedem Crash springt kurz der Staat oder die Notenbank kurz ein. Irgendiwe hat man es ja bisher immer überlebt. Ob es fair ist, ist eine andere Frage.

    Die Finanztransaktionssteuer wird Fehlspekulationen nicht ausschließen können. Andererseits wäre es aus ökonomischer Sicht interessant, welche Effekte sie in der Realität hat. Wiklich viel schaden, kann sie bei der derzeitigen niedrigen Besteuerung nämlich nicht.

    8. Wie sind vergangene Spekulationsblasen verlaufen?

    Wir leben.

    9. Was können wir aus der Wirtschaftsgeschichte lernen?

    Der Großteil der Menscheit wird die Erleuchtung niemals erreichen und manche sind es schon als Kinder. That´s life.

  2. „Wir erkennen an dieser Wiki-Aussage die intellektuelle Schwäche des Schriftstellers – irgendjemand sollte es mal korrigieren. Es gibt leider keinen intrinsischen Wert. Alle Werte sind relativ und werden subjektiv ausgehandelt. “
    Na na, natürlich gibt es intrinsische Werte genauso wie Fundamentaldaten von Unternehmen. Keiner behauptet, diese Daten seien völlig objektiv bzw. gar nicht relativ. Tatsächlich ist die Bezeichnung „intrinsischer Wert“ als innerer Wert ein Versuch, die Bewertung des Unternehmens von den „äußeren“ – ohne Sinn und Zweck .-) – rumflukturierenden Werten abzugrenzen ein sinnvolles Unternehmen, nämlich den Unternehmenswert auf etwas mutmaßlich stabileres zurückzuführen, mehr bei der Realwirtschaft zu bleiben.
    Insofern finde ich das Unterfangen selbst, intrinsische Wert, Fundamentalwert oder am schönsten: „wahrer“ Wert eines Unternehmens und einer Aktie hilfreich. Denn es führt weg vom Tohuwabohu der Aktienmärkte auch wenn es bei keinem objektiven Wert ankommt. Könnte man sagen ein „etwas weniger relativer Wert“?

    Grüße

  3. Wirtschaftswurm sagt

    @ChaosÖkonom
    Dass sich während einer Spekulationsblase mehr Anleger irren als sonst, scheint mir noch nicht ausgemacht. Die Irrtümer gleichen sich nur nicht aus, sondern gehen mehrheitlich in eine Richtung.

  4. Chaosökonom sagt

    @Ktrd

    Die Bewertungsmaßstäbe wählt man subjektiv aus. Es spielt zudem keine Rolle wie der angebliche Fundamentalwert aussieht, wenn er z.B. an der Börse anders gehandelt wird. Bei „objektiven“ Maßstäbe geht es um Bewertungsmethoden, die sich aus unserer Sicht in der Vergangenheit bewährt haben und eine gewisse Sicherheit/Korrelation zu einem Wert bieten.

    @Wirtschaftswurm
    Du hast Recht. Die Investoren irren sich nicht zwangsläufig öfter oder mehr, sondern geben mehrheitlich zuviel Geld für etwas aus, was sich später nicht rentiert. Von einer Spekulationsblase sprechen wir deshalb, weil wir ein Gut/Gütergruppe ausgemacht haben bei der dies exzessiv aufgetreten ist.

    Gibt es aber irgendeinen Grund anzunehmen, dass sich Irrtümer in der Realität ausgleichen?

  5. Häschen sagt

    Blasenbildung ist im Labor nachgewiesen zumindest das Hype Phänomen. Preise steigen eigentlich eher kurz und beginnen zu sinken. Die Menschen handeln frisch fröhlich weiter, obwohl sie bereits den theoretischen Preisverfall sehen (der wird am Monitor angezeigt). Ein Weilchen später kommt der Absturz. Es ist ein Rausch. Der Mensch glaubt sich es geht sich noch aus, dieses mal.

  6. Ktrd sagt

    @ChaosÖkonom

    „Es spielt zudem keine Rolle wie der angebliche Fundamentalwert aussieht, wenn er z.B. an der Börse anders gehandelt wird.“

    Eben: dieser Satz beinhaltet genau das: An der Börse kann alles zu irgendeinem Preis gehandelt werden, insofern ist die Börse so relativ wie noch was. Und der „wahre“ Wert (können wir uns darauf einigen, dass das eine wunderbare Beschreibung ist von etwas, was wir gerne wüssten 😉 ?!), also der z.B. Fundamentalwert sieht ganz anders aus. Ich ziehe daraus nicht den Schluss, dass der Fundamentalwert überhaupt „keine Rolle spielt“, sondern dass der Unternehmenswert und der v.a. kurz- bis mittelfristige Börsenwert KEINE Relation und vor allem keinen ursächlichen Zusammenhang ausweisen müssen. Ein bisschen tun sie es allerdings über die Jahre gemessen fast alle.
    Also hat man 2 Systeme: das *sehr relative* Börsensystem und das *weniger relative* System der Fundamentaldaten.

    Und daher zum Thema „Spekulationsblasen“: ich denke *sehr relative Werte* wie die Börsenwerte führen ein sehr freies Leben mit Exzessen. (Blase+Zusammenbruch) *Weniger relative Werte* müssen sich „vernünftiger“ verhalten. Sie neigen kaum zu Blasen, allerdings in gerechtfertigten Situationen zum Absturz.

    Und damit zur Frage von Wirtschaftswurm: „Was kann man gegen Spekulationsblasen tun?“ Man kann Werte – wie z.B. Börsenwerte – an andere Werte anbinden. Dann sind sie nicht so frei , abzuheben, was sich vielleicht nicht gut anhört, aber oft besser wäre. Wo anbinden? Ich denke an Fundamentaldaten. Welche? Das wäre ein Feld für sich.

    Verhindern kann man damit Spekulationsblasen damit nicht. Blasen sind allerdings nur schlimm, wenn sie was kaputt machen, nämlich die Realwirtschaft oder Staaten ins Wanken bringen. Wenn sie das nicht tun, sind nur ein Phänomen von Systemen mit *sehr relativen* Werten.

  7. Häschen sagt

    Bitte. Pamphalon lässt grüßen.

    Die Spekulation ist ja nicht das Übel. Das Problem ist die Scharlatanerie (Analysten) und Gauklerei (Rumor).

    Wer spekuliert kauft billig (es ist immer gut nicht zu teuer zu kaufen und sehr sparsam mit dem Cent umzugehen, dreimal umdrehen ist besser als einmal ausgeben) und verkauft teuer.

    Aktien dürfen nicht zu billig werden, sonst steigt das Übernahmerisiko gegebenenfalls. Genauso wie eine Bank nicht Verluste machen darf…. Teils kann ein Unternehmen sogar mit Hebeln die sich aus dem Bestand seiner eigenen Anteile zum Buchpreis und aktueller Preis an der Börse Geschäfte machen usw… es gibt auch nach dem Börsegang Alternativen mit Akteinpreisen zu wirtschaften.

    Aktien sind heute sehr dem Papier gleich … Hoffnung ist miteingepreist genauso wie virtuelle Werte – Bewertung der Marke usw… Der Preis der Aktie bezogen auf den Fundamentalwert ist eine pure Illusion – Hebelprodukt, wenn man an Werte denkt.

    Eines gebe ich dem Kleinanleger mit – wenn jemand etwas verkauft, dann hat es für ihn keinen Wert mehr. Warum soll der Kleinanleger, dann etwas kaufen, was ein angeblich wesentlich professionellerer Investor verkauft. Gibt keinen Grund. Die Illusion der meisten Kleinanleger ist, egal, dann kaufe ich mir die Aktien wenn sie noch mehr fallen. Aber genau zu dem Zeitpunkt, hat der die Verluste zu verdauen. Dieses Spiel ist das Übel im Boom – Bust an den Aktienmärkten. Man kauft, wenn die Leute auf der Straße sind. Das sollte auch der Kleinanleger tun.

    Ich möchte mal den Tag erleben an dem Investmentbanker demonstrieren gehen ihre Jobs zu erhalten. Dann kaufen die Kleinanleger ein und der Marktplatz kann wieder ehrlich Preise finden.

  8. Pingback: Kleine Presseschau vom 2. April 2013 | Die Börsenblogger

  9. Ich habe auch mal einen Beitrag geschrieben, der sich mit dem vielleicht eher abseitigen Thema beschäftigt, welche Rolle Betrug und kriminelle Energie bei der Entstehung bzw. Verlängerung spekulativer Blasen spielen. Denn es ist ja nicht unbedingt so, dass sich während einer Blase alle Anleger gemeinsam in die gleiche Richtung irren. Vielmehr gibt es vermutlich in allen Phasen auch Akteure, die versuchen, auf die eine oder andere Art vom Verhalten der Masse zu profitieren. Das geht insofern ein wenig in die Richtung von Häschen.

    Link: der-privatanleger.de/entry/520/spekulationsblasen-welche-rolle-spielt-kriminelle-energie

    Viele Grüße
    Holger

  10. Wirtschaftswurm sagt

    Ich werd’s morgen (also heute) noch mal in einem kurzen Blogbeitrag verkünden: Ich werde die Blogparade bis zum 12. Mai verlängern. Zum einen habe ich die Hoffnung, dass noch ein paar mehr Beiträge kommen, zum anderen habe ich diese und nächste Woche nicht die Zeit, eine Zusammenfassung zu schreiben.

  11. Pingback: Verlängerung der Blogparade zu Spekulationsblasen | Wirtschaftswurm

  12. Stoertebeker sagt

    Ich bin zwar weder Ökonom, noch Blogger. Doch das Thema finde ich interessant genug (und mich zumindest im Grundlegenden kompetent genug), um doch eine Art Beitrag zu leisten.

    Wie entstehen Spekulationsblasen? Sind sie rein irrational? Welche Rolle spielt die Geldpolitik der Zentralbank? Welche Rolle spielen staatlich gesetzte Anreize?

    Spekulationsblasen sind nicht rein irrational. Es kann sich für risikoaffine Akteure durchaus lohnen, auf weiter steigende Kurse zu wetten, wenn sie davon ausgehen, dass viele andere noch nachfolgen.
    So entstehende Blasen können – müssen aber nicht – durch die Intervention von Staaten und Zentralbanken unterstützt werden. Billigeres Geld erhöht die Risikobereitschaft von Anlegern. Und eine vermeintliche staatliche Garantie von bestimmten Investitionen (etwa in Hypothekenkredite von Menschen mit zweifelhafter Bonität) kann das Verantwortungsbewusstsein weiter senken. Ebenso, wie eine von der Regierung ausgegebene „Too-Big-To-Fail“-Doktrin.

    Welche Folgen haben Spekulationsblasen für die Gesamtwirtschaft?

    Das hängt von mehreren Faktoren ab. Grundsätzlich sind Spekulationsblasen geldmäßig Nullsummenspiele: Die ersten Teilnehmer gewinnen, die letzten verlieren.
    Allerdings ist es für die Gesamtwirtschaft nicht unerheblich, wie Geld verteilt ist. Die negativen Folgen für die Wirtschaft hängen daher von zwei Faktoren ab:

    1. Wie viele Ressourcen kostet es, das überbewertete Gut bereitzustellen? Geht es um relativ einfach herzustellende Güter wie Tulpen oder reine Finanzpapiere (etwa in simplen Schneeballspielen), sind die direkten Kosten deutlich geringer, als wenn die Blase den Immobiliensektor betrifft, wo tatsächlich viele knappe Ressourcen (Arbeitskraft und Rohstoffe) verwendet werden, das Gut bereitzustellen.

    2. Wie viele Menschen sind involviert, wie groß ist der gesamte Umfang der Blase?

    Je je mehr Geld in reine Kursspekulation fließt, desto höher sind die Opportunitätskosten der Blasenbildung. Setzen viele Menschen ihre Hoffnungen und Energien auf das schnelle Spekulationsgeld, fehlt der Enthusiasmus anderswo. Es gab während der holländischen Tulpenblase Handwerker, die ihren Betrieb (an vermutlich unproduktivere Eigner) verkauft haben, in der Hoffnung mit einer Supertulpe das ganz große Geld zu machen.

    Zudem wird Kapital für bodenständigere Unternehmungen umso teurer, je größer die Blase ist.

    Wie lassen sich Spekulationsblasen möglichst frühzeitig erkennen?

    Das ist schwierig. Denn damit man eine Spekulation sicher als Blase entlarven kann, müsste man die künftigen Bedürfnisse der Verbraucher kennen. Das kann niemand. Ein
    Beispiel: Wer auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase auf Google gesetzt hat, konnte sich Jahre später über satte Gewinne freuen. Der google-Kurs beinhaltete zwar auch damals schon extrem hohe Erwartungen in den Nutzen, den die Nutzer aus Googles Angebot ziehen würden. Doch Google konnte diesen tatsächlich gerecht werden.
    Starke, kurzfristige Preissteigerungen sind jedoch insbesondere bei Gütern mit absehbaren Eigenschaften, wie Immobilien, ein gutes Indiz für eine Blasenbildung.

    Was kann man gegen Spekulationsblasen tun? Ist die Finanztransaktionssteuer ein wirksames Instrument gegen Spekulationsblasen?

    Die Finanztransaktionssteuer ändert nichts an den grunsätzlichen Faktoren, die zur Blasenbildung führen. Sie könnte Kursentwicklungen etwas verlangsamen, und damit Blasen (die ja von den unerhörten kurzfristigen Gewinnerwartungen getrieben werden) unwahrscheinlicher machen. Das allerdings zu einem hohen Preis. Denn auch wünschenswerte Kursanpassungen nach unten würden verlangsamt. Vermutlich gäbe es weniger, dafür aber größere Blasen.

    Generell dürfte das beste Mittel gegen Spekulationsblasen sein, Verantwortlichkeit zu stärken und Bailouts glaubhaft zu verneinen. Das ist natürlich kein Allheilmittel: Zu Zeiten der Tulpenblase gab es schließlich auch keine Bailouts.
    Doch mit einem vernünftigen Insolvenzrecht für Banken wäre bereits ein großer Schritt in die richtige Richtung getan.
    Blasen zu verhindern, die von Kleinanlegern getrieben werden, ist Aufgabe der ökonomischen Ausbildung. Schneeballsysteme sollten gleich in der Schule erklärt werden.

    Generell würde ich aber zu Gelassenheit aufrufen. Jede geplatzte Erwartung ist letztlich eine kleine, ökonomische Blase. Diese gehören zum Prinzip der schöpferischen Zerstörung. Platzende Blasen sind im Grunde das Kernstück einer pulsierenden Marktwirtschaft. Bisweilen ist es ärgerlich, wenn Blasen so groß werden, dass sie zu gesamtwirtschaftlich spürbaren Fehlallokationen führen. Es ist jedoch ein Gebot der Weisheit, sich nicht zu viel Wissen anzumaßen: Genau so, wie nicht alles Gold ist, was glänzt, ist nicht alles Blase, wo sehr hohe Erwartungen eingepreist sind.

    Wie sind vergangene Spekulationsblasen verlaufen? Was können wir aus der Wirtschaftsgeschichte lernen?“

    Spekulationsblasen konnten Volkswirtschaften schon deutlich zurückwerfen, jedoch nicht langfristig hemmen. Wir sollten uns vor allem von der Illusion befreien, ein perfektes Wirtschaftssystem mit ausschließlich rentablen Investitionen sei möglich. Die Geschichte lehrt uns, dass mit unvollkommenen Menschen kein vollkommener Markt zu machen ist. Lasst uns also mit der Unvollkommenheit abfinden und das Beste daraus machen.

    Staatliche Regulierung (abgesehen von einer konsequenten Ahndung von Betrugsfällen) führt meist zu noch ärgerlicheren Ergebnissen. Meine Lieblingsanekdote hierzu: Als in Australien die Cobras zu einer echten Plage wurden, setzte die Regierung ein Kopfgeld auf die Schlangen aus. Als Konsequenz entstanden Schlangenfarmen.

  13. Pingback: Spekulationsblasen: Finale der Ökonomenblogparade ÖBP | Wirtschaftswurm

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