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Spekulationsblasen: Finale der Ökonomenblogparade ÖBP

Am 12. Mai endete die Ökonomenblogparade mit dem Thema Spekulationsblasen. Wieder sind interessante Beiträge der Blogger zusammengekommen. Es gab zudem einige ausführliche Kommentare. Ein Überblick.

Seifenblase

Seifenblase, Foto: Claudia Schmuck

Der Chaosökonom beschäftigte sich ausführlich mit der Frage, was Spekulationsblasen eigentlich sind. So lehnt er die Wikipedia-Definition ab, da sie davon ausgeht, dass es für Aktien oder Anleihen einen objektiven Fundamentalwert oder intrinsischen Wert gibt, und eine Spekulationsblasen dann vorliegt, wenn der Marktwert weit über diesem „wahren“ Wert liegt. Tatsächlich aber seien alle Werte nur subjektiv, ergeben sich durch die subjektiven Einschätzungen der Anbieter und Nachfrager auf dem Markt.

Für den Chaosökonom ist es wichtig, festzuhalten, dass Spekulationsblasen entstehen, wenn sich „eine ganze Menge Leute“ über zukünftige Entwicklungen irren. „Ein großer Teil der Ausgaben/ Investitionen fließt“ dann „ in Güter , die sich später nicht rentieren.“ Im Übrigen glaubt er, dass der Häusermarkt in Deutschland bereits überbewertet ist.

Die Herleitung des Chaosökonom zeigt immerhin, warum es so schwierig ist, Spekulationsblasen zu erkennen. Dazu müsste man nämlich die zukünftigen Entwicklungen genau wissen.

Warum sich aber häufig viele Leute gleichzeitig irren, damit beschäftigt sich Blogger Holger auf „Der Privatanleger“. Sein Ausgangspunkt sind „irrationale“ Anleger, die Wertpapiere deshalb kaufen, weil sie zuvor im Preis gestiegen sind und diese Entwicklung gedanklich fortschreiben.

Meiner Meinung nach sollte man dieses Verhalten allerdings nicht pauschal als „irrational“ bezeichnen. Besser scheint mir festzustellen, dass solche Anleger nur einfache Modellvorstellungen von den Wertpapiermärkten besitzen.

Dann kommen allerdings besser informierte „Arbitrageure“ (Holger) hinzu. Die wissen zwar, dass das Wertpapier bereits überbewertet ist, kaufen aber trotzdem, da sie an eine anhaltende Blase glauben. Der kleinanleger.com spricht in diesem Zusammenhang von der „Bigger-Idiot-Theorie“. Man kauft zu einem überhöhten Preis, weil man glaubt, dass es noch größere Dummköpfe gibt, an die man noch teurer verkaufen kann. Das verlängert natürlich die Blase.

Für Blogger Holger ist das aber immer noch nicht alles. Gezielte Falschinformationen und Betrug spielen seiner Meinung nach eine bedeutende Rolle in Spekulationsblasen und er gibt dafür Beispiele. Selbst staatliche Autoritäten würden Spekulationsblasen oftmals anheizen. Blogger Think Tank ergänzt diese Feststellung mit seiner Warnung, dass die gegenwärtig globalen Niedrigzinsen Spekulationsblasen provozieren.

Auch Andreas Plecko vom Wallstreet Journal Deutschland hebt die Verwandtschaft zwischen Spekulationsblasen und betrügerischen Systemen wie Schneeballsystemen hervor. Der Unterschied liege dabei lediglich in der Anfangsphase (und in der Behandlung vor Gericht). Denn im Gegensatz zu reinen Betrugsmodellen basierten Spekulationsblasen auf im Kern richtigen Ideen über technologischen bzw. wirtschaftlichen Wandel, die erst im Laufe der Blase übertrieben und pervertiert werden.

Kommentator Stoertebeker wiederum ruft im Umgang mit Spekulationsblasen zu Gelassenheit auf: „Platzende Blasen sind im Grunde das Kernstück einer pulsierenden Marktwirtschaft.“

6 Kommentare

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  2. PotzBlitzDonner sagt

    Betrachten wir mal die Wirtschaft als einen Raum oder auch meinetwegen eine Kugel, die mit vielen großen und kleinen Blasen gefüllt ist. Zwischen den Blasen befindet sich so was wie ein Äther, den wir mal die Rolle der realen Wirtschaft zuschreiben, falls es die den gibt. Die reale Wirtschaft dient lediglich dazu unsere existenziellen Bedürfnisse zu befriedigen.
    Das Volumen der ganzen Kugel wächst natürlich ständig durch das Aufblähen der Blasen. Hin und wieder Platzt eine instabile Blase weil sie dem Gesamtdruck im Raum nicht mehr Stand halten kann. Es werden auch manchmal dabei andere instabile Blasen durch deren Schockwelle mitgerissen. Der ganze Raum wird in dem Moment auch etwas kleiner, aber nach einer gewissen Zeit ist das alte Niveau wieder erreicht weil der Prozess immer weiter geht und der innere Druck groß genug ist damit der Raum weiter wächst.
    Das Gesamtvolumen des Raumes ist quasi mit unserem Wohlstand gleichzusetzen. Er sieht aus wie eine eigene riesige Blase. Die Quelle für die Energie die diesen Expansionsprozess antreibt scheint mir von dem Vertrauen auf die Zukunft und eines noch besseren Wohlstands oder manchmal auch der Gier genährt zu werden.
    Jedes mal wenn aber eine solche innere Blase platzt wird das Vertrauen aber auch erschüttert. Das führt dazu, dass der äußere Druck auf die Kugel dadurch ansteigt. Ich hoffe nur das der äußere Druck nicht irgendwann mal den inneren übersteigt weil dann…

  3. Wirtschaftswurm sagt

    Patrick, das tut mir leid. Aber die automatischen Pingbacks funktionieren nicht immer zuverlässig und so ist in den Kommentaren zum Startartikel der Blogparade kein Link zu deinem Beitrag eingetragen worden. Beim nächsten Mal noch einmal nachschauen und zur Not von Hand den Link eintragen.

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