Vermischtes

Wirtschaftswachstum, Frauenförderung und Zeitarbeit

Andrea Nahles bei Unterzeichnung des Koalitionsvertrages

Ein Streifzug durch interessante Artikel zu Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaft in dieser Woche. Kritisch, immer wenn es angebracht ist.

Thema Wirtschaftswachstum

1,7% Wirtschaftswachstum 2015, Deutschland in Hochkonjunktur. Dieter Wermuth hat die Zahlen analysiert und seiner Analyse ist wenig hinzuzufügen:

Oder vielleicht doch zweierlei:

  1. Die Prognosen vor Beginn des Jahres lagen bei 1,0%.
  2. Nach dem Hoch geht es unweigerlich bergab. Und sollte die schlechte Weltkonjunktur 2016 auf Europa durchschlagen, droht wieder einmal ein Zerbrechen des Euros.

Thema „gender pay gap“

Die Leute von Freakonomics haben einen Dreiviertelstunden-Podcast über den „gender pay gap“ gemacht. Leute, die immer noch glauben, dass die 23% Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen auf Diskriminierungen zurückgehen, sollten ihn sich anhören oder das Transkript lesen. Leider alles auf Englisch:

Thema Frauenförderung

Die FAZ berichtet über eine Studie, nach der Frauenförderungsprogramme bzw. Diversity-Programme in Unternehmen keinen messbaren positiven Effekt haben. Sie vermiesen nur die Stimmung bei Männern und bei weiblichen wie männlichen Bewerbern, ohne die Motivation von Frauen zu heben.

Im Artikel heißt es auch:

Die Unternehmensberatungs-Gesellschaft McKinsey hat kürzlich ausgerechnet, dass es einem 12-Billionen-Dollar-Konjunkturprogramm für die Weltwirtschaft gleichkäme, wenn die Unternehmen endlich das volle wirtschaftliche Potential von Frauen nutzen würden.

Dazu fällt mir noch ein, dass wir auch das volle wirtschaftliche Potenzial von Kindern und Greisen nicht einmal ansatzweise ausbeuten, ich meine nutzen. Durch das Verbot der Kinderarbeit hat es da sogar enorme Rückschritte gegeben.

Thema Zeitarbeit

Über Andrea Nahles geplante Reform der Zeitarbeit hat sich Norbert Berthold von der Uni Würzburg lesenswerte Gedanken gemacht:

So erfährt man z.B., dass Zeitarbeiter nur 2,5% der Erwerbsfähigen ausmachen. Und einen signifikanten Lohnunterschied zwischen Zeitarbeitern und Stammbelegschaft gibt es vor allem in den Betrieben, die auch innerhalb der Stammbelegschaft große Unterschiede je nach Dauer der Berufserfahrung machen.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Foto (von Martin Rulsch): Andrea Nahles bei Unterzeichnung des Koalitionsvertrages

3 Kommentare

  1. Jürgen sagt

    Sollten wir nicht nur die Arbeitskraft von Frauen, Kindern und Greisen richtig ausnutzen, sondern auch die der zahlreichen Arbeitslosen und Unterbeschäftigten? Dafür hat McKinsey doch sicher auch eine Empfehlung.
    Wenn Mindestlohn und freie Wahl des Arbeitsplatzes (sowie einige andere unbedeutende Grundrechte – aber die spielen ja eh kaum noch eine Rolle) abgeschafft würden, könnte ich auf jeden Fall ein oder zwei beschäftigen. Biete täglich eine Schüssel Reis (na gut, „täglich“ ist nicht wörtlich zu verstehen, es meint sonn- und feiertäglich, an den anderen Tagen gibt es Hirse) und einen Liegeplatz im Garten (sogar überdacht unter einem großen Ahornbaum!). Neben Kleidung werden natürlich auch schicke Accessoires gestellt, wie z.B. eine rustikale Form von Fußkettchen (in Eisen statt Silber dafür aber sehr robust). Das steigert doch ganz bestimmt ganz gewaltis Sozialprodukt und Wohlstand?!

  2. Jimmy sagt

    Was Unternehmen mit der Hausfrau verbindet ist die Sicht auf den Mann als Zinsträger 🙂 . Mal abseits der grausamen Wahrheit…

    Negativselektion: Der unverhinderte Künstler der früher Handwerker wurde, wird im ‚Industriemodell‘ zur ‚Zinshure‘. Sie können nicht die Einkommen der Frauen ohne die Einkommen aus Umsatz messen. Frauen steigen schlicht zu einem späteren Zeitpunkt in die Arbeitswelt ein und damit in einen anderen Zustand der arbeitsteiligen Zerlegung. Die Industrie will sich die letzen noch verbliebenen Bewirtschaftungsprozesse krallen und bewerten.

    Ich würde sagen, es wäre einfacher einfach das Einkommen des Einkommensbeziehers auf 2 Konten zu überweisen 🙂 . Diese Konsequenzen draus sind ein anderes Thema. Aber selbst der Zustand als den Herd zu wechseln und aus der Beziehung in den Harem von Oligarchen zu wechseln.

    Überlegung. Wenn sie im Haushalt zwischen Mann und Frau keinen Trade mehr haben, dann kennen sie nicht nur den Käufer sondern auch den Kunden. Das Abendkleid der Frau ist das Produkt für den Mann und das Werkzeug im Hobbykeller ist das ‚gelungene‘ Möbelstück von morgen bspw.

    Die Kinder die so schöne Erlebnisse hatten nach dem Schulschikurs in ein Jugendzimmer zu kommen, das in meiner Abwesenheit wurde von den Eltern selbst tapeziert und eingerichtet, mit ‚Sekretär‘ (Schreibtisch) vom Opa, einem neuen Bett damals mit Radio und 2 Bruce Springsteen Poster an der Mauer usw… möchte ich heute kennenlernen.

    Die Diskussion um Gleichheit der Einkommen ist vielschichtiger als man glaubt. Denken sie an die Kinder die motiviert wurden in den Trade im Haushalt einzusteigen. Früher wurde einfach dem Einkommenbezieher das Geld mitgegeben und der sollte das Geld der Hausfrau übergeben damit sie Güter die er gedanklich in der Güterpool legt wieder rausholt. Zumal man den Kunden nicht kannte wurde die Konsumillusion projiziert.

    Die Scheidungen sind seit den 80ern aus einem simplen Grund gestiegen. Mit dem Vorrücken des Vermögens als Berg des idealtypischen Gutes Geld (das einem nicht gehört 🙂 ) begannen die Menschen aufzurechnen, die Emotionen anzuhäufen usw. Sie müssen in sehr kurzer Zeit sehr viel negative Emotionen anhäufen, sonst bügelt das Hirn die negativen wieder raus.

    Zeitarbeit ist tatsächlich für Tätigkeiten die nur zeitlich begrenzt gefordert sind. Die Vermittler rufen ja alle anderen an als jene die nicht im Job sind – Gut am Ladentisch. Sonst haben sie keinen Preis 😉 . So ist die Welt.

  3. Jimmy sagt

    Sry. Aber selbst dieser Zustand ist besser als von der Beziehung gedanklich in den Harem eines Oligarchen zu wechseln.

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