Zwischenruf

Ist wirtschaftliche Ungleichheit eine Ursache von Terrorismus?

Frankreichs Trikolore

Schon einen Tag nach den Massakern in Paris mit über 130 Toten trat der OECD-Generalsekretär Angel Gurria vor die Presse und erklärte laut Agenturberichten, dass wirtschaftliche Ungleichheit auch eine Ursache von Terrorismus sei. Aber kann man das wirklich so sagen?

Doch zunächst etwas zur Einordnung von Gurrias Aussagen: Der Passus über den Zusammenhang zwischen Ungleichheit und Terrorismus findet sich nicht in der schriftlichen Erklärung vom 14.11. Wahrscheinlich hat Gurria den Einschub spontan während der Pressekonferenz gemacht. Das ist natürlich nicht verboten.

Aber auch in der 300-Seiten-Studie der OECD zum Thema Ungleichheit vom Mai diesen Jahres findet sich kein einziger Satz zum Thema Terrorismus. Gurria scheint also lediglich seine persönlichen Ansichten vorgetragen zu haben, die nicht durch Untersuchungen der OECD gedeckt sind.

Vielleicht wollte Gurria auch nur das aktuelle Thema Terrorismus nutzen, um Aufmerksamkeit für die bereits vorhandene Agenda der OECD zum Thema Ungleichheit zu erhalten. Das hätte schon ein Geschmäckle, auch wenn der OECD-Generalsekretär damit keineswegs allein stünde. Nun muss Gurria nicht allein deswegen schon falsch liegen.

Die Massaker von Paris wurden nach bisherigem Stand der Ermittlungen von einer gemischten Gruppe begangen. Insbesondere EU-Bürger mit arabischem Migrationshintergrund waren beteiligt.

Wenn ich mir die Lebensläufe einiger IS-Unterstützer aus Europa ansehe, z.B. die der IS-Kämpfer Denis Cuspert oder Saïd und Chérif Kouachi, der Attentäter auf Charlie Hebdo, fallen mir vor allem die problematische Familienverhältnisse auf (die Gebrüder Kouachi waren sogar Waisen). Aber selbst wenn die finanziellen Verhältnisse ebenfalls schlecht waren, ist Angel Gurrias These damit noch lange nicht richtig.

Beim Thema Ungleichheit betrachtet die OECD allgemeine Indikatoren wie den Gini-Koeffizienten. Der Gini-Koeffizient ist 0, wenn alle das gleiche Einkommen haben und 1, wenn einer alles bekommt und die anderen nichts. Doch familiäre Probleme, schulische Probleme, auch Probleme beim Berufseinstieg, die vielleicht zu einer Radikalisierung von jungen Muslimen führen, können wir nicht mit allgemeinen Indikatoren wie dem Gini-Koeffizienten erfassen.

Oder glaubt jemand tatsächlich, mit 50€ Hartz-IV mehr würde ein muslimischer Jugendlicher davon abgehalten sich zu radikalisieren? Er würde sich doch nach wie vor als am Rande der Gesellschaft stehend betrachten.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

5 Kommentare

  1. Es geht ja wohl auch mehr um den Neokolonialismus und zügellosen Neoliberalismus, der per Krieg und Ausbeutung die Lebensgrundlagen der Menschen in Nahost, Afrika und anderswo und übrigens zunehmend auch in Europa zerstört.

  2. Ergänzung zu eins weiter oben:

    … und so die Menschen entwurzelt, indem er Hass in ihre Herzen sät und / oder sie zwingt oder zumindest veranlasst, die Heimat zu verlassen und an Orte zu gehen in denen viele von ihnen niemals heimisch werden wollen oder können.

  3. „Es geht ja wohl auch mehr um den Neokolonialismus und zügellosen Neoliberalismus“ Zumindest Angel Gurria hat das so definitiv nicht gemeint.

  4. Häschen sagt

    Es macht wenig Sinn die Zuwanderungsfrage mit dem Terror zu verknüpfen. Die Konsequenz daraus wäre, dass das gesamte Umfeld eines potentiell Terrorverdächtigen präventiv müsste abgeschoben werden. Wer die Kommunikation nicht kann erschweren, dem bleibt allein die Ansiedlung weit weg von potentiellen Anschlagszielen und damit folgt der Ausweisende eher dem Floriani-Prinzip. Damit erspart man sich das Spitzelwesen. In Europa ist Meldepflicht, die sollte eigentlich jeden davon befreien, dass seine Transaktionsdaten werden überwacht. Beides in Kombination ist schlicht totalitär. In den U.S. hat man eben kein verpflichtendes Meldewesen und schon gar nicht einheitlich, soviel ich weiß. Die Autonummer ist eher spannend usw….

    Der Geldsozialismus in der Form gegenwärtigen Ausprägung Neo-Feudalismus spielt auf mehreren Ebenen mit. Der Neo-Feudalismus ist nichts anderes als der mengenmäßig unbegrenzte und unbeschrankte Geldsozialismus.

    Wo ist das Problem. Warum wird Geld weitergeben
    a) Die Geldfunktion als Kulturgut würdigt die Güterbereitstellung durch andere Menschen
    b) Der Informationsträger wird von Betroffenen (Bedarfsträgern) weitergeben um einen Preis zu bilden und der Preis ist die qualifizierte Bewertung einer Entnahmemenge eines Gutes (Rohstoffs, Halbfertigprodukts oder Endprodukts) unter Ausschluss der Involvierten. Der Bedarfsträger sobald er substituiert ist nicht mehr betroffen.

    Der Kern ist einfach, dass die Weitergabe von Geld Informationsträger eben ein Bedarf voraussetzt. Wenn die Preise abgesenkt werden beschwert sich der Bedarfsträger solange nicht bis sich die Güterquelle zu erschöpfen beginnt. Den Involvierten ist die Verfügbarkeit eines Gutes eher egal, die denken sich, ‚Liegt schon ein Stück im Keller und verrottet. Wundert mich nicht, dass das keiner braucht. Hätte ich mir doch den Panzer nicht gekauft, jetzt steht er nur im Garten. Wenigstens die Friedenstauben freuen sich die drauf herumturnen 🙂 ‚.

    Der Sozialismus erweitert den Kreis der ‚Bedarfsträger‘ um immer mehr Involvierte, da an sich das Einkommen als Kredit immer eine Entnahme des Gutes aus dem Güterpool in der Zukunft darstellt. Deswegen wirken Sparguthaben nicht inflationär auf Preise. Es ist immer die Verwendung von Geld, sprich der Abbildung der Geldfunktion, der Treiber für Inflation. Daraus folgt, dass unbenutztes Geldvermögen nicht zinsberechtigt sein kann, da ja keine nachhaltige Ausweitung des Gebrauchs der Geldfunktion wird begründet. Letztgenanntes wäre das Ergebnis einer gelungen Investition.

    Was kann der Westen tun. Das was ich mache. Man kann jeden mal locker und lässig die Einkommen weiterzahlen und der Mensch schränkt seinen Verbrauch ein. Dann landet die gebuchte Kaufkraft des Einkommens mal im nicht verwendeten Geldvermögen. Im gleichen Atemzug muss man die Umverteilungsspielräume im rahmen der geldsozialistischen Umverteilung schließen. Mehr Netto bei jenen die heute weniger verdienen, dafür weniger Steuern und Abgaben. Die verminderte Entnahme wird durch Güter ersetzt deren Bereitstellung von Bedarfsträgern im ‚Exportland‘ bewertet werden.

    Aktuell hat schon die Weltbank und die Vorkommnisse rund um die Kreditvergabe für Waffenexporte zu einer Verschärfung der Situation in den Herkunftsländern der Zuwanderer beigetragen. Die Strategie zuvor einfach Geld zu vergeben ohne sich Gedanken über die Verwendung zu machen hat auch nicht dazu beigetragen, dass die Situation sich maßgeblich verbessert.

    Was wir nicht werden schaffen ist die Geldfunktion in fremden Kulturen auf einer interkulturellen Ebene konvertibel zu machen.

    Ein Argument hätte ich schon noch zu den Vermögen. Jemand der Aus dem Vermögen abgibt und Dritten zum Zwecke der Investition übergibt fordert Zins auf Konsum und nicht Investition. In dem Vertrag steht ja nicht drinnen, ‚Liebe Investmentbank, wenn du die Hälfte meines Vermögens versenkst, dann bin ich dir auch nicht böse‘. Also ist es mit der Fähigkeit die nachhaltige Verwendung von ‚Geld‘ zu begründen soweit auch nicht her.

    Vereinfacht gesagt ist es durchaus sinnvoll Geld aus dem Geldvermögen abzugeben damit die Bewertung eines Gutes im Umfeld der Bereitungstellung im Rahmen der Entnahme eine besser qualifizierte wird. Das wird ja wohl auf den Weg zu bringen sein?

    Damit geht schon einher was Arne Kuster hat angesprochen. Die angesprochen Probleme haben viel damit zu tun, dass viele involvierte und wenig die Betroffenen mitentscheiden.

    Ich persönlich hätte wenig Problem damit, wenn man die Grenzen abschafft im Gegenzug aber stark auf Marktwirtschaft und Volkswirtschaft setzt. Prinzipiell ist die Aufnahme und Ausbildung der ‚Flüchtlinge‘ nicht falsch. Ich denke im gleichen Atemzug müsste die Bevölkerung eben die Idee aufgeben, dass die Maßnahmen für den Verbleib vorort bestimmt sind. In einer Marktwirtschaft gibt jener der mehr vermag zu leisten mehr im Rahmen der Güterbereitstellung und im (Geld)Sozialismus jener der vermag sich mehr zu leisten, trägt aber gegebenenfalls weniger bei.

  5. Pingback: Von Nullzinsen über Saudi-Arabien zum Terrorismus | Wirtschaftswurm

Kommentare sind geschlossen.