Analyse

Welche Verluste entstehen Deutschland und den anderen Eurostaaten aus einem Grexit? Und wie kann man sie minimieren? Teil 2

Hauptgebäude Bank von Griechenland

Wenn der Grexit kommt, verbleiben hohe Forderungen der EZB an die griechische Notenbank. Warum, steht in Teil 1 dieses Artikels. Der größte Teil dieser Forderungen sind Targetschulden der griechischen Notenbank. Auch im November beliefen sie sich auf 97,25 Milliarden Euro, kaum weniger als im Frühsommer. Wie könnte man zumindest einen Teil dieser Schulden wieder eintreiben?

Über die Rückzahlung der Schulden der griechischen Notenbank an die EZB wird man nach einem Gexit ebenso wie über die der anderen griechischen Staatsschulden im Pariser Club verhandeln. Aber ob man nun 100 Milliarden € Forderungen auf die 320 Milliarden € griechische Staatsschulden noch draufsattelt oder nicht, Griechenland wird deswegen nicht mehr zurückzahlen können. Die EZB braucht sich also von solchen Verhandlungen nichts zu erhoffen.

Die Auslandskonten von Griechen

Stattdessen sollte man folgende Frage aufwerfen: Wenn in Griechenland alle Konten auf die neue Währung Phönix umgestellt werden, und zwar 1:1, und die Griechen dadurch einen Verlust erleiden, weil der Phönix abwertet, warum sollen die Auslandskonten von Griechen verschont bleiben?

Im Oktober 2015 hatten in Griechenland Ansässige 4,0 Milliarden auf deutschen Konten und 2,3 Milliarden auf zyprischen Konten. Allerdings liegen der EZB nicht für alle Eurostaaten entsprechende Statistiken vor und Guthaben von griechischen Finanzinstituten sind noch nicht eingerechnet.

Durch eine Umstellung all dieser Guthaben auf Phönix könnten die Banken der Eurozone wohl einen Gewinn in zweistelliger Milliardenhöhe machen. Diesen Gewinn wiederum kann man über eine Sondersteuer als Ausgleich für die Targetverluste der EZB zuführen.

Obwohl ein solches Vorgehen gerecht wäre – behandelte man doch nur Fluchtkapital von Griechen genauso wie das im Inland gehaltene –, verstieße es allerdings gegen das Diskriminierungsverbot in der EU. Griechenland müsste darum zumindest vorübergehend aus der EU ausscheiden, um das griechische Fluchtkapital zu belasten.

Die rechnerische Insolvenz der EZB

Ob mit oder ohne Belastung des Fluchtkapitals, die EZB wird nach einem Grexit auf jeden Fall ihr gesamtes Eigenkapital (etwa 36 Milliarden € nach dem letzten Jahresabschluss) aufgebraucht haben – und noch mehr. Ein negatives Eigenkapital muss allerdings für eine Zentralbank kein Problem sein. Während jedes normale Unternehmen dann pleite ist, kann eine Zentralbank weiterhin alles Geld selbst drucken, das sie braucht. Die tschechische Zentralbank war 12 Jahre lang rechnerisch insolvent, ohne dass die Tschechen es im Alltag gemerkt haben.

Die EZB wäre nach einem Grexit allerdings wohl 30 Jahre und länger rechnerisch insolvent. Nur langsam käme sie wieder in den grünen Bereich, indem sie jedes Jahr ihren Gewinn einbehalten würde. (Der EZB-Gewinn belief sich 2014 auf 1,44 Milliarden €.)  Die Staatshaushalte der Eurozonenstaaten müssten also während 30 oder mehr Jahre ohne die Gewinnausschüttung der EZB auskommen.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Foto: Zentralgebäude der Bank von Griechenland

6 Kommentare

  1. Pingback: Welche Verluste entstehen Deutschland und den anderen Eurostaaten aus einem Grexit? Und wie kann man sie minimieren? | Wirtschaftswurm

  2. Häschen sagt

    Österreich hat auch bald 100 Mrd. Target 2 Saldo, gut ein Weilchen dauert es noch. Jetzt stellt sich mir die Frage, wenn Griechenland eine Tourismusenklave Deutschlands werden soll, was passiert mit den EUROs in bar die nach Griechenland mitgenommen werden? Gehen wir mal davon aus, dass keine Außenhandelsbilanzdefizite mal vorliegen. Ich habe mir versucht zu überlegen was dann passierte… ganz schlau wurde ich draus nicht. Gehen wir davon aus, dass 10 Mio Deutsche 3000 EUR in Griechenland bar für den Urlaub ausgeben.

    So halb habe ich das verstanden, dass wenn ein Tourist bspw. aus Deutschland EUROs nach Österreich bringt, wandert das Bargeld mal zur Bank und die begleicht ihre Kredit bei der OeNB. Aber dann hat es mich ein wenig … Klar ist, dass die Buba eine Forderung gegenüber der OeNB hat. Schickt die OeNB in dem Fall die EUROs nach Deutschland einfach zurück und gleicht die Forderung aus? Auf der Ebene des Tausches läuft – tausche Urlaub gegen Auto so ca.

  3. Häschen sagt

    Klar ist, dass die DB eine Forderung gegenüber der OeNB hat.

  4. @Häschen,
    und du meinst nicht die DB, sondern die Buba, hab’s dann mal gleich mitkorrigiert.
    Bargeld läuft nicht über die Targetkonten. In Teil 1 hab ich’s aber schon erwähnt. Die Nationalbanken können sich nicht nur über die Targetkonten Kredit holen, sondern auch mehr Bargeld drucken, als ihnen eigentlich nach dem Schlüssel zusteht. Das erscheint dann ebenfalls als Verbindlichkeit gegenüber der EZB. Wenn also alle Deutschen nach Österreich stürmten und da viel Bargeld mitnähmen, müsste wahrscheinlich die Buba zusätzlich Bargeld drucken und würde dadurch eine Verbindlichkeit gegenüber der EZB eingehen.

  5. Und um die Sache ganz klar zu machen, nehmen wir noch mal den Fall, dass die Deutschen nicht das Bargeld mitnähmen, sondern sich in Österreich am Geldautomaten bedienen würden. Dann müsste die OeNB mehr Geld drucken und würde dadurch eine Verbindlichkeit gegenüber der EZB eingehen. Gleichzeitig würde aber von deutschen Konten Buchgeld über die OeNB an die österreichischen Banken mit den Geldautomaten fließen. Dadurch würde die OeNB eine Targetforderung bekommen. Für die OeNB gleichen sich Bargeldverbindlichkeit und Targetforderung aus. Bei der Buba würde eine Targetverbindlichkeit bleiben.

Kommentare sind geschlossen.