Analyse

Welche Verluste entstehen Deutschland und den anderen Eurostaaten aus einem Grexit? Und wie kann man sie minimieren?

Hauptgebäude Bank von Griechenland

Auch wenn offiziell das Gegenteil gesagt wird, seit dem frühen Morgen des 13.7 ist der Grexit, also der Austritt Griechenlands aus der Eurozone, der Grexit, früher oder später fast unvermeidlich. Für Deutschland und den Rest der Eurozone stellt sich also weiterhin die Frage nach den unmittelbaren Verlusten durch einen Grexit und wie man sie begrenzen kann. Das größte Problem dabei ist das Target-2-Defizit der griechischen Zentralbank. Eine Analyse.

Die Auflagen für das dritte Hilfspaket vernichten jede wirtschaftliche Perspektive für Griechenland, wenn es in der Eurozone bleibt. Es war geradezu ein historische Fehler von Alexis Tsipras, den Grexit nicht durchzuziehen, nachdem bereits der erste Schritt, Bankenschließungen und Kapitalverkehrskontrollen, getan war. Nun war dies umsonst und man wird demnächst wieder von vorne anfangen müssen.

Die Probleme: Staatsbankrott und Schulden der Bank von Griechenland

Zunächst wäre mit dem Grexit ein griechischer Staatsbankrott verbunden, da die griechischen Schulden alle in Euro bezahlt werden müssen, in Griechenland selbst aber nur noch die neue Währung (die ich nicht Drachme, sondern Phönix nenne) erwirtschaftet wird. Die Folgen eines griechischen Staatsbankrotts für Deutschland brauche ich aber nicht zu wiederholen. Ich habe sie im zweiteiligen Artikel „Die griechische Staatspleite – Wie kann Deutschland seine Verluste minimieren?“ bereits beschrieben.

Zwei Probleme kämen bei einem Grexit jedoch hinzu:

  1. Die griechische Notenbank, die Bank von Griechenland, hat für 17,79 Milliarden € mehr Banknoten gedruckt, als ihr innerhalb des Eurosystems zusteht. Dadurch ist eine entsprechende Verbindlichkeit bei der EZB entstanden, die in der Bilanz der Bank von Griechenland verzeichnet ist.
  2. Griechenland hat im Rahmen des Target-2-Systems ein Defizit von 100,32 Milliarden € angehäuft. Das Target-2-System ist das System, über das in Europa grenzüberschreitende Überweisungen in Euro abgewickelt werden. Wer mit dem Begriff nicht so firm ist, sollte noch einmal meine Artikel „Target-2-Schieflage“ und „Target-2-Wortverdreherei“ nachlesen. 100,32 Milliarden € Target-Defizit bedeuten, es sind für 100,32 Milliarden € mehr Überweisungen von Griechenland in den Rest der Eurozone gelaufen als umgekehrt. Auch dies ist eine Verbindlichkeit der griechischen Zentralbank bei der EZB.

Die Stufe 1: Parallelwährung in Griechenland

Nun läuft der Grexit wahrscheinlich über zwei Stufen. Zunächst wird in Griechenland eine Parallelwährung eingeführt, während der Euro weiter offizielles Zahlungsmittel bleibt. Die griechische Zentralbank bleibt damit zunächst Mitglied des Eurosystems. Und sofern die griechischen Geschäftsbanken stabil sind, können weiterhin Euroüberweisungen problemlos über das Targetsystem abgewickelt werden.

Wird es in einer solchen Phase zu einer Ausweitung des griechischen Targetdefizits kommen? – Das ist natürlich möglich, aber genauso gut ist das Gegenteil möglich. Es gibt nämlich zwei wichtige Einflussgrößen auf das Targetdefizit, Kapitalexporte und Leistungsbilanz, die in jeweils verschiedene Richtung wirken:

  1. Die griechischen Kapitalexporte könnten steigen, wenn die Parallelwährung nur als Vorstufe zu einem vollständigen Austritt aus der Eurozone verstanden würde. Dann würden die Griechen weiterhin ihre Konten räumen und ihre Euros ins Ausland bringen.
  2. Die Leistungsbilanz sollte sich dagegen schon durch eine Parallelwährung verbessern. Je mehr griechische Unternehmen ihre Kosten in lokalem Phönix bezahlen, desto wettbewerbsfähiger werden sie international.

Auch die Schulden der Griechen durch den übermäßigen Druck von Euronoten sollten sich durch eine Parallelwährung verringern. Es werden ja kaum noch Euros im Land gebraucht.

Stufe 2: Der endgültige Austritt aus der Eurozone

Ein Parallelwährungssystem ist jedoch für alle schlecht, die sich in Euro verschuldet haben, vor allem für die griechischen Banken, die Euroguthaben weiterhin in harter Währung auszahlen müssen. Darum denke ich, dass Griechenland sehr schnell komplett aus dem Eurosystem aussteigen wird und Schulden wie Guthaben auf Phönix umstellt.

Griechenland kann dann wie z.B. auch Polen Mitglied im Targetsystem bleiben. Notenbanken außerhalb der Eurozone dürfen allerdings kein Target-2-Defizit haben. Die Bank von Griechenland muss also sofort ihr Konto ausgleichen und 100,32 Milliarden € an die EZB überweisen. Natürlich unmöglich!

Für die Schulden durch den Banknotendruck findet sich keine Regelung, wann und wie sie nach einem Grexit zu bezahlen sind.

Die EZB wird für die ausstehenden Zahlungen der Griechen den Anteil der Bank von Griechenland an der EZB und ihren Devisenreserven einbehalten. Das sind allerdings nur 1,74 Milliarden €. Vielleicht kann man jedoch Griechenland zusätzlich stille Reserven der EZB anrechnen. Trotzdem werden hohe Forderungen der EZB an Griechenland verbleiben.

Ein origineller Vorschlag, wie man zumindest einen Teil dieser Forderungen eintreiben könnte, dann in Teil 2 dieses Artikels.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Foto: Zentralgebäude der Bank von Griechenland

7 Kommentare

  1. Pingback: Die griechische Staatspleite – Wie kann Deutschland seine Verluste minimieren? | Wirtschaftswurm

  2. Wenn Sie die Schulden eh streichen wollen, dann wäre es billiger, das einfach ohne Grexit zu machen. Dann sind nämlich nur die Staatsschulden weg und nicht wie bei einem Grexit noch viel mehr.

  3. Erich sagt

    Ein Streichen der Schulden ohne Grexit müsste dann wohl so alle drei bis fünf Jahre erfolgen. Und warum sollten dann all die anderen Defizitländer nicht das gleiche fordern? Wie soll das finanziert werden? Eine Verdoppelung der MWSt. bei uns würde dafür sicher nicht ausreichen.

  4. Pingback: Kleine Presseschau vom 21. Juli 2015 | Die Börsenblogger

  5. @Erich: Wieso? Ohne Schuldendienst hätte Griechenland ja jetzt schon einen Haushaltsüberschuss und das, ohne irgendeine Reform durchgeführt zu haben. Die bekämen ein A-Rating.

  6. Erich sagt

    @mister der
    Der Primärüberschuss war vor Tsipras. Inzwischen gibt es ein deutliches Primär Defizit. Die Renten wurden erhöht und die Steuereinnahmen gingen erheblich zurück. Die Banken haben Non Performing Loan in Höhe von circa 100 Mrd Euro, mit einem Kapital, das vorwiegend aus Garantien des Staates und künftigen Steuerguthaben besteht. Seit Tsipras wurden so gut wie keine Rechnungen an die private Wirtschaft bezahlt. So stehen etwa auch die Bezahlung von Medikamenten Rechnungen in Höhe von 1,2 Mrd Euro aus. Ein A Rating wäre nur möglich, wenn der Markt auch weiterhin von ständigen Rettungen über zeigt wäre.

  7. Griechenland wird in ein paar Jahren wieder pleite sein, ohne Schuldenschnitt wird sich das nie ändern.
    Danach hat man 2 Optionen, man überlässt Griechenland sich selbst oder alimentiert sie weiter bis eventuell irgendwann eine Wirtschaft die halbwegs mit der EU mithalten kann entsteht.

Kommentare sind geschlossen.