Zwischenruf

Tote durch Grexit? Die Süddeutsche Zeitung schürt Panik

Akropolis in Athen

Nicht nur Griechenland gleitet ins Chaos. Die Dauerbeschäftigung mit der Krise wirbelt inzwischen viel Unsinn auf die Monitore der Leser. Ein besonders krasses Beispiel findet sich, nein, nicht bei der Bild, sondern bei der Süddeutschen Zeitung. Hans von der Hagen glaubt, der Grexit werde Menschen töten.

Hans von der Hagen hat in Griechenland einen Mann ausfindig gemacht, der an Mukoviszidose leidet. Und der macht sich Gedanken darüber, ob das Land nach einem Grexit noch seine lebensnotwendigen Medikamente bezahlen kann. Anstatt nun etwas volkswirtschaftliche Aufklärung zu betreiben, schürt Hans von der Hagen Panik: „Wenn beim Referendum die Mehrheit der Leute mit Nein stimmt wird, droht ihm womöglich in wenigen Jahren der Tod.“ (Grammatikfehler im Original)

Tatsache ist, Griechenland muss die Medikamente für den Mann importieren. Die kosten 3.000 bis 5.000 Euro im Monat. Es ist darüber hinaus unbestritten, dass eine neue Währung für Griechenland drastisch gegenüber dem Euro abwerten würde. Anders als von der Hagen behauptet, gibt es aber keine bekannten Ökonomen, die glauben, die neue Drachme würde auf ein Drittel ihres Wertes zum Euro fallen.

Standard & Poors geht z.B. von einer Abwertung von 40% anfänglich aus. Danach erhole sich die Drachme wieder, so dass eine Abwertung von 30 % übrig bleibe. Man kann sogar noch weiter gehen: Sobald die Drachme einen längeren Zeitraum stabil gewesen ist, werden viele Griechen ihre aus dem Land geschafften Euros wieder nach Hause bringen und in Drachme umtauschen. Dadurch wird die Drachme weiter an Wert gewinnen.

Aber woher kommen nun nach einem Grexit die Euros für den Import der Medikamente?

Die Sache ist volkswirtschaftlich ganz simpel und gähnend langweilig. Wenn Griechenland wieder die Drachme einführt, erwirtschaftet die Binnenwirtschaft natürlich nur Drachme. Von ihr können also in der Tat keine Euros mehr kommen. Aber die inländischen Konsumenten verbrauchen auch nur noch Drachme. Für sie werden also auch keine Euros mehr gebraucht.

Es verbleibt die griechische Exportwirtschaft einschließlich des Tourismus. Durch sie werden auch weiterhin Devisen ins Land fließen, während für die Importe (inklusive Medikamente) Devisen herausfließen.

Zuletzt war die Leistungsbilanz Griechenlands positiv. Und das wird auch nach einem Grexit so bleiben, die Exporte werden aufgrund der besseren Wettbewerbsfähigkeit sogar steigen. Dank der positiven Leistungsbilanz hat Griechenland nach dem Grexit mehr Devisen zur Verfügung als es für alle seine Importe inklusive Medikamente braucht. Es bleibt also sogar etwas für die Bezahlung der Schulden übrig.

Politisch muss dann geregelt werden, dass die Krankenkassen genügend Mittel bekommen, um sich die Devisen für die Medikamente zu beschaffen. Angesichts des Unwillens der Syriza-Regierung, einen Plan B für einen Grexit zu erarbeiten, kann man Zweifel haben, dass das reibungslos klappt. Das ist dann aber allein Regierungsversagen.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Foto (von LennieZ): Akropolis in Athen

6 Kommentare

  1. jovaber sagt

    Irgendwan habe ich mal etwas uber mms geleen, chlordioxid sollte bei dieser Krankheit helfen.
    Aber bitte selber informieren

  2. Ich glaube nicht, dass es Tote durch den Grexit geben wird. Es wird an vielem gespart werden aber nicht an medizinischer Versorgung. Das könnte sich Europa nicht erlauben.
    Das ist zumindest meine Meinung. Ich bin mal gespannt, was das Referendum ergeben wird. Dann wissen wir mehr…

    Gruß,

    Claudius

  3. Der Aufstand sagt

    Die gegenwärtige Politik der EU tötet, nicht der Grexit oder wie man das nennen will – undefinierte Begriffe, schwammig wie es Politiker mögen……

  4. Tim sagt

    34 Jahre lang durfte Griechenland aus rein politischen Überlegungen Mitglied der EU sein. Weder in Griechenland noch in Resteuropa hat sich irgend jemand dafür interessiert, dieses Land strukturell auf europäisches Niveau zu bringen. Es wird auch nie gelingen.

    Man sollte den Menschen in der EU endlich reinen Wein einschenken. Griechenland ist eine Art Vorposten der westlichen Welt in einer schwierigen Gegend, der ewig auf externe Finanzierung angewiesen sein wird. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Der Euro ist nur Mittel zum Zweck.

    Die Verlogenheit der politischen Diskussion in den vergangenen 5 Jahren hat unglaublich viel Vertrauen in die europäische Idee zerstört. So kann und wird es nicht weitergehen. Entweder wird Europa ehrlicher – oder das radikale politische Spektrum in vielen Mitgliedsstaaten wird stärker.

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 6. Juli 2015 | Die Börsenblogger

  6. Eine Rückkehr zur Drachme hätte einige positive Auswirkungen gehabt.
    Mehr Export, weniger Importe und interessantere Investitionsmöglichkeiten.
    Wer weiß, vielleicht hätte sogar das ein oder ander Pharmaunternehmen in Produktionsstätten vor Ort investiert.
    So bleibt nur ein Schuldenschnitt in irgendeiner Form und die Aussicht auf einen Europaweiten Länderfinanzausgleich (Transferunion).

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