Wirtschaftswurm-Blog

Der eingeschränkte Sinn staatlicher Garantien

Die Bundesregierung muss einen Weg finden, ihre umfassende Garantie für Bankeinlagen einzuschränken.

Mittlerweile ist die Szene Bestandteil eines Mythos: Angela Merkel und Peer Steinbrück treten am 5. Oktober 2008 gemeinsam vor die Kameras. Der damalige Finanzminister erklärt:

Ich möchte gerne unterstreichen, dass wir in der Tat in der gemeinsamen Verantwortung, die wir in der Bundesregierung fühlen, dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren.

(Nachzulesen bei SPON)

Die Sparer glaubten es. Und so wurde ein Ansturm auf die Banken schon im Keim erstickt.

Die Frage, ob die Regierungsgarantie für Bankeinlagen im vollen Umfang noch heute gilt, wurde nach dem beschlossenen Schnitt bei zyprischen Bankeinlagen wieder aktuell. Auf Nachfrage beantwortete Regierungssprecher Seibert sie mit Ja. Ob er gut daran tat?

Türme der Banken und Versicherungen in Frankfurt

Auf staatlichen Garantien gebaut: Bankentürme in Frankfurt (Foto: Wolfgang Pehlemann)

Man kann sich ja auf den Standpunkt von Thomas Fricke stellen: „in einer Finanz- und Bankenkrise geht es darum, alles zu garantieren, was irgendwie zu wackeln beginnt.“ Bei einem vorübergehenden Liquiditätsengpass einer einzelnen Bank ist das auch nicht falsch. Ich frage mich aber, ob Thomas Fricke nicht bloß einer „kollektiven Selbsttäuschung“ (Dirk Niepelt) das Wort redet.

Warum? Nun, eine staatliche Garantie der Bankeinlagen vermindert in keinster Weise das grundsätzliche Risiko des Bankgeschäfts. Das ist das Risiko jeden Kredits, das Risiko einmal verliehenes Geld nicht zurückzubekommen. Die staatliche Garantie verlagert lediglich dieses Risiko weg von den Geldgebern der Bank, den Einlegern, hin zu den Steuerzahlern.

Ob der Bürger als Sparer oder als Steuerzahler geschröpft wird, kann ihm aber egal sein. Angesichts von 2,9 Billionen € Einlagen bei deutschen Kreditinstituten ist in einer Bankenkrise auch der Bundeshaushalt überfordert. (Die Einlagensicherungsfonds sowieso.)

Dagegen eliminiert eine staatliche Einlagengarantie das grundsätzliche Risiko des Bankgeschäfts aus dem allgemeinen Bewusstsein. Zuerst kümmern sich die Einleger nicht mehr um die Risikopositionen einer Bank. Im Laufe der Zeit verändert sich aber auch die Unternehmenskultur der Banken. Risiko wird sexy. Und die Erfahrung zeigt, dass eine staatliche Bankenaufsicht überfordert ist, dagegen zu halten.

Nun mag es sinnvoll sein, Kleinsparer von der Sorge um ihre Bankeinlagen zu befreien. Der Aufwand, die Risikopositionen einer Bank angemessen zu beurteilen, ist ihnen nicht zuzumuten. Schon bei großen Einlegern sieht dies aber anders aus. Bevor ich einer Bank 200.000€ gebe, darf ich mir schon Gedanken über diese Bank machen.

5 Kommentare

  1. Häschen sagt

    Eine staatliche Garantie wirkt psychologisch. Stellen sie sich mal vor, der Konsument beginnt zu sparen aus Angst, nachdem er aus dem Erwerbsleben austritt nicht mehr versorgt zu sein. Banken und Versicherungen machen Geschäft mit der Angst genauso wie Anlageberater.

  2. Wirtschaftswurm sagt

    Auch die psychologische Wirkung verbraucht sich schnell.

  3. Häschen sagt

    Das ist wahr Wirtschaftswurm. Genauso wie der Euro, hörte in einem Video mit Herrn Flassbeck, Inspired Economists glaubten an ein Wirtschaftswachstum von 10% und sei es etwas weniger … solche Informationen sind wertvoll, … zeigt die Idee. Ich bin an sich Optimist, aber wenn das Intention war … na dann ‚pfürt mi gott‘. Stellt sich zwar noch immer die Motivfrage … aber eigentlich hilft in solchen Fällen eine Einlagensicherung nicht mehr viel.

    Was soll der Staat garantieren? Der Staat ist an sich von der Gesellschaft berufen das Staatsgebiet zu verwalten. Mehr verlangt niemand. In Österreich beruft sich keiner so wirklich auf z. B. Arbeitslosenzahlen oder Wachstum. Allein die gesteigerten Exporte, die unserem Fall an sich ja eher das Defizient ausgleichen, das war schon ein ganz gute Sache.

    Zum Thema 10% Wachstum – in der Breite schafft man das kaum. Das wäre allein zu heben, wenn die EURO Einführung eine massive Entschuldung gewesen wäre – Währungsreform auf hohem Niveau. Die sog. gefühlte Inflation. Die 40%. Auf einem Ausgangsniveau von ca. 60% wieder wegwachsen. Alles andere hat irgendwo ein massiven Fassgeruch. Mir ist schon klar, wenn man das Business Modell ändert ist ein Anpassung zwischen Innen- und äußeren Wert einer Währung durchaus sinnvoll. Die Frage ist im Anschluss, was hat der Staat damals gedeckt
    a) die Aufrechterhaltung der Sozialstaatillusion … ‚Karotte‘ – Beruhigung der Bevölkerung, die an sich wenig investitionsfreudig ist … Verharren am Status Quo ist der Long Run der keinem etwas bringt.
    b) was auch immer …

    Auf jeden Fall, Politiker sind Lügner, aber das ist deren Job. Man darf ihnen nicht böse, sie sind dazu da. Menschen die sich selbst anlügen, wenn sie in den Spiegel schauen. Sie verkaufen Ideen. Verkaufen kann allein der glaubwürdig, der mangels Kenntnis der Sachlage überzeugend wirkt.

  4. PotzBlitzDonner sagt

    Irgendwie hat das schon alles was von einer Religion, da wird ein Götzenbild genannt Garantie, weit sichtbar für die ganze „Gemeinde“ Aufgestellt, weitere kleine Götzenbilder stehen Rings herum, Garantiezins Lebensversicherung oder auch die Garantien bei Riester usw. Wir müssen nur alle fest daran glauben. Wie nennen die Psychologen das, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Da kann die Aufklärung natürlich nicht mithalten. Die nüchterne Realität ist für viele doch viel zu langweilig, ich bin auch nicht besser. Gerade die Medien wovon sollen die denn auch dann Leben, die armen. Die eigene Identität muss immer mehr über Produkte erkauft werden, klingt pessimistisch vielleicht ist es ja auch ganz gut so…….. vielleicht ist der Homo sapiens gar nicht so weiße wie die Begriffserklärung das vermuten lässt und er lebt einfach besser als Homo „ilusionensos“

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 17. April 2013 | Die Börsenblogger

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