Wirtschaftswurm-Blog

Schülerfragen zur Eurokrise

Acht Fragen von Oberstufenschülern und meine Antworten

Morgen in einer Woche, am Dienstag, den 19., bin ich wieder dabei. Zusammen mit Dirk Elsner und Eric Bonse diskutiere ich über Schülerfragen zur Eurokrise. Unsere Runde „Ökonomen live“ wird ab 20 Uhr über meinen Youtube-Kanal übertragen.

Achtung! Dieser Termin musste verschoben werden. „Ökonomen live“ findet nun eine Woche später, am 26.3 um 20 Uhr statt.

Dirk hat bereits acht Fragen von Oberstufenschülern zur Eurokrise gesammelt. Hier meine Antworten:

Wer ist schuld an der Krise?

Die schwierigste Frage gleich zu Beginn. Da muss ich etwas ausholen.

Die Eurokrise besteht im Kern darin, dass einige Länder in Europa mehr Güter und Dienstleistungen für sich beanspruchen, als sie selbst produzieren. Gemeint sind vor allem Griechenland, Spanien, Portugal und Italien: die Defizitländer. Die fehlenden Güter führen sie aus den Überschussländern (hauptsächlich Deutschland) ein und verschulden sich dafür. Die Überschussländer brauchen weniger Güter, als sie selbst produzieren.

Um ihre Schulden zurückzuzahlen, müssten die Defizitländer eigentlich mal mehr Waren ausführen als einführen und so Geld im internationalen Handel verdienen. Das ist aber bisher nicht absehbar und darum möchten nur noch wenige den Defizitländern neues Geld leihen.

Wenn ich von Ländern rede, dann meine ich immer die Volkswirtschaft als Ganzes mit allen Konsumenten, allen Unternehmen und dem Staat. Sicherlich gibt es auch in z.B. Griechenland viele Leute, die mehr Geld bekommen, als sie ausgegeben, die also einen Teil ihrer Einkünfte sparen. Diese sind nicht schuld an der Krise. Aber wenn man halt die Ersparnisse aller in Griechenland addiert und die Schulden aller in Griechenland davon abzieht, dann bleibt ein dickes Minus.

In Griechenland war es hauptsächlich der Staat, der die Schulden gemacht hat. In Spanien waren es häufig Leute und Firmen, die Immobilien gebaut haben. Alle, die in diesen Ländern Schulden gemacht haben, haben ihren Teil Schuld an der Krise.

Eurotower in Frankfurt/ Main, Sitz der EZB

Mitschuldig: die EZB mit Sitz in Frankfurt

Doch genauso sind die Banken schuld, denn sie haben die Kredite leichtfertig vergeben. Nun können sie viele Schulden nicht mehr eintreiben. Und dann ist auch die europäische Zentralbank, die EZB, schuld, da ihre Politik die Banken dazu ermutigt hat, Kredite leichtfertig zu vergeben.

Haben wir das Schlimmste hinter uns oder steht es uns noch bevor?

Die Eurokrise ist erst gelöst und das Schlimmste überwunden, wenn die Defizitländer nur noch genauso viele Güter beanspruchen, wie sie selbst produzieren. Bisher haben sie die Differenz zwischen beidem zwar verringert, aber noch nicht beseitigt. Außerdem fand diese Verringerung fast ausschließlich dadurch statt, dass Löhne gekürzt und Arbeitsplätze gestrichen wurden. Dadurch wurde die Bevölkerung zum Verzicht gezwungen. Besser wäre es, wenn in den Defizitländern auch die Produktion steigen würde.

Sind die Schulden eigentlich rückzahlbar?

Nie können alle Schulden zurückbezahlt werden. Selbst in guten Zeiten gibt es Pleiten, umso mehr gilt das für Krisenzeiten wie jetzt.

Staaten haben allerdings meistens die Möglichkeit, einfach Geld zu drucken, wenn es ihnen fehlt. Dann können sie nicht pleitegehen. Wenn sehr viel neues Geld in Umlauf gebracht wird, gibt es allerdings eine Geldentwertung und die Preise steigen. Wenn man das in einer Währungsunion wie der Eurozone macht, würden auch in Ländern wie Deutschland, die nicht direkt von einer Staatspleite bedroht sind, die Preise steigen.

Kann man den Politikern eigentlich noch trauen?

Um wiedergewählt zu werden, sind die Politiker gezwungen, die Lage schönzureden. Man sollte ihnen darum nicht trauen. Politikersätze wie „Deutschland profitiert vom Euro“ sind z.B. nachweislich falsch.

Warum bekommen die Banken Geld, die Armen aber nicht?

Die Armen bekommen auch Geld, aber nicht so viel. Der Grund ist, dass die Banken eine bessere Lobby haben.

Können Griechenland, Italien etc. eigentlich ihre Schulden abbauen?

Nein, selbst, wenn die oben angesprochene Differenz zwischen Ein- und Ausfuhr beseitigt ist, heißt das ja erst einmal nur, dass keine neuen Schulden gemacht werden. Wie die Defizitländer jemals wirklich die Altschulden zurückzahlen sollen, weiß keiner. Im Moment zahlen sie die Altschulden lediglich mit dem Geld zurück, das sie durch neue Schulden bekommen. Und da die Banken keine Kredite mehr vergeben wollen, verleihen die anderen europäischen Staaten nun das benötigte Geld. Hierfür wurde der ESM eingerichtet. Letztlich verschiebt man so aber nur das Problem der Schuldenrückzahlung.

Was würde passieren, wenn diese Länder keinerlei finanzielle Unterstützung mehr bekämen?

Die Defizitländer müssten dann die Rückzahlung ihrer Altschulden einstellen. Die Banken würden kein Geld mehr bekommen und einige von ihnen würden in der Folge vielleicht selbst pleitegehen. Ich halte allerdings eine Kettenreaktion, durch die eine Bank nach der anderen pleitegeht, für unwahrscheinlich. Das ist ein Schreckensszenario, das lediglich erfunden wurde, um von der Politik Unterstützung zu bekommen.

Bei einer Bankpleite gibt es zudem Möglichkeiten, nur den Teil der Bank zu retten, der für Sparer und Wirtschaft wichtig ist. Das würde die Steuerzahler erheblich weniger Geld kosten als die Unterstützung ganzer Staaten.

Was können wir Bürger zur Verbesserung der Finanzen/Weltwirtschaft beitragen?

Na, diese Frage hebe ich mir für „Ökonomen live“ am 19.3 auf – genauso wie eine Begründung meiner These, dass ohne Währungsunion und ohne Euro alles einfacher wäre.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

15 Kommentare

  1. Pingback: 5 vor 10: Suchmaschinisten, Eurokrise, Mensaklau, Ernährung, Wirtschaftswissen | INSM Blog

  2. popper sagt

    Die Antworten auf die erste Frage: „Wer ist schuld an der Krise“ sind so hanebüchen, dass man versucht ist, sie für Satire zu halten. Oder ist das nur Provokation. Die Länder beanspruchen mehr Güter und Dienstleistungen für sich, als sie selbst produzieren. Ja und Deutschland produziert mehr, als es beansprucht und nennt das auch noch Beispiel gebend für Europa und die Welt. Da stellt sich just die Frage nach der Henne und das Ei. Wer war nun zuerst da, der Nachfrager oder der Anbieter.

  3. Häschen sagt

    Ich hab eine Video gefunden … das passt ganz gut zum Thema. Von Prof. Bontrup – möglw. ganz gut auch für die Eltern … mit guter Diskussion.

  4. Wirtschaftswurm sagt

    @popper,
    „Wer war nun zuerst da, der Nachfrager oder der Anbieter.“ – Die Nachfrager, da bin ich ganz Keynesianer. Im Übrigen soll meine Antwort nur ein Einstieg in die Diskussion sein. Natürlich hätte man noch erwähnen müssen, dass der Euro dafür sorgte, dass sich so mancher Grieche oder Spanier reicher fühlte, als er eigentlich ist.

  5. willihope sagt

    @wwurm
    sind die menschen aufgewacht und dachten „hach was würde ich drum geben einen ford-t zu haben“?
    oder wollten die menschen erst den strom um danach festzustellen dass sie auch eine lampe brauchen?

    also zumindest fragwürdig ist es dass die nachfrager die ersten gewesen sein sollen! da würde ich nochmal drüber nachdenken.
    vom existenziellen abgesehen schafft wohl eher das angebot erst die nachfrage, zumindest in meinem universum.

  6. Pingback: Hangout und Blogparade: Schülerfragen zur Eurokrise

  7. Harald G. sagt

    „Sind die Schulden eigentlich rückzahlbar?Nie können alle Schulden zurückbezahlt werden. Selbst in guten Zeiten gibt es Pleiten, umso mehr gilt das für Krisenzeiten wie jetzt.“

    Das ist aber ein Witz von Ihnen oder? Die Gesamtheit aller Schulden und Guthaben heben sich immer auf! Schulden verrechnet mit Guthaben ergibt Netto (Saldiert) immer NULL!

    Was Netto wirklich existiert ist das „anfassbare“ Sachvermögen.

    Eigentlich ganz einfache Saldenmechanik und ökonomisches Grundwissen.

    Bitte singen Sie nicht auch noch das Lied von den nicht rückzahlbaren Schulden. Es stimmt einfach nicht.

  8. Wirtschaftswurm sagt

    Und warum gibt es dann Pleiten? Beruhen die nur auf einem Missverständnis? Nein, Pleiten gibt es, weil man seine zukünftige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu gut eingeschätzt hat. Und dann kann man plötzlich die Raten für seinen Kredit nicht mehr zurückzahlen. Das passiert ständig und ist auch ganz normal, weil die Zukunft immer unischer ist.

  9. Harald G. sagt

    Lieber Wirtschaftswurm, die Argumentation ist nicht ihr Ernst oder? Ich bin gerade richtig stinkig, vor allem das Sie als Wirtschaftsblogger das ökonomisch falsche Mantra „Die Schulden können niemals zurückgezahlt werden“ auch noch nachplappern.

    Einzelwirtschaftliche Pleiten bewirken eine Verringerung der Geldmenge da die einzelwirtschaftlichen Schulden und Guthaben ausgebucht werden. In gleicher Höhe. Das ist dank Buchhaltung auch gar nicht anders möglich.

    Gesamtwirtschaftlich stehen sich alle einzelwirtschaftlichen Schulden und Guthaben aufaddiert in Summe gegenüber. Natürlich hat EINZELWIRTSCHAFTLICH mal einer viel Guthaben und keine Schulden, dafür hat ein anderer eben viel Schulden und kein Guthaben. ABER gesamtwirtschaftlich sind in Summe die Schulden und Guthaben exakt gleich hoch. Und zwar EXAKT gleich hoch. Deshalb sind auch alle Schulden rückzahlbar!

    Für eine Einzelperson gilt das natürlich nicht, die kann sehr wohl in die Situation kommen Schulden nicht mehr zahlen zu können! Aber eine Gesamtwirtschaft kann niemals überschuldet sein, niemals! Das ist logisch und buchhalterisch unmöglich!

  10. Wirtschaftswurm sagt

    Harald G., Sie verwirren mir nur die Schüler. Was sich wann und wie in der Buchhaltung ausgleichen muss, ist Sache der Buchhalter. „Die Gesamtwirtschaft“ gibt es nur als statistische Größe. „Die Gesamtwirtschaft“ geht nie zur Bank und nimmt einen Kredit auf. Darum kann „die Gesamtwirtschaft“ auch nie überschuldet sein. Aber Unternehmen, Konsumenten oder der Staat bekommen Kredit und manchmal können sie den nicht zurückzahlen und sind dann pleite. Auch Staatspleiten gab es in der Geschichte schon oft.

  11. Harald G. sagt

    @Wirtschaftswurm:

    Ok, stimme soweit zu. Nur die Intention eines Schülers ist ja nicht zu Fragen ob ein Unternehmen/Privat seine Schulden nicht mehr zahlen kann (das ist auch einem Schüler klar) sondern er fragt ja: Sind unser aller Schulden jemals zurückzahlbar (im Sinne von: „Unsere nachfolgenden Generationen können niemals die Schulden zahlen“ = Politiksprechweise)

    Und ich möchte eben sagen das wir immer und auch in 100 Jahren unsere Staatsschulden zurückzahlen können, da auch einer Staatsschuld von 100 Billionen Euro eben auf der anderen Seite in Bürgerhand 100 Billionen Guthaben stehen.

    Sry, für meine obige Emotionalität aber ich kann das „Die nachfolgende Generation kann die Schulden nicht zahlen“ nicht mehr hören. Die nachfolgende Genration hat mehr Schulden, na und? Sie hat ja auch mehr Guthaben.

    grüße

  12. Wirtschaftswurm sagt

    Wenn irgendjemand – sagen wir – 1 Million € Schulden hat, dann muss auch irgendjemand anderes 1 Million € Guthaben haben. Soweit, so gut. Wenn aber der Schuldner die 1 Million € Schulden nicht zurückzahlen kann, dann müssen seine Schulden gestrichen werden. Und gleichzeitig muss der Gläubiger das Guthaben streichen. Das ist alles, was aus der Buchhaltung folgt.
    Sofern man mal von den Auslandsbeziehungen absieht, haben Sie aber recht, dass eine Gesamtwirtschaft sich nicht verschulden kann. Da die Schulden des einen das Guthaben des anderen sind, gibt es per Saldo keine Schuldenlast, die auf nachfolgende Jahre übertragen wird. Für den einzelnen kann das aber anders aussehen. Wenn der Staat sich verschuldet, müssen in der Zukunft die Steuerzahler höher belastet werden, um die Schulden zurückzuzahlen, während die Anleihenhalter, diejenigen, die dem Staat das Geld geliehen haben, an den Zinsen verdienen. Staatsschulden haben also eine Umverteilungswirkung.
    Noch komplizierter wird es, wenn ein Land sich im Ausland verschuldet bzw. in ausländischer Währung. Das führt aber jetzt zu weit. Übrigens funktioniert der Euro für uns fast wie eine ausländische Währung.

  13. Wirtschaftswurm sagt

    Achtung! „Ökonomen live“ muss leider um eine Woche verschoben werden, da Eric Bonse morgen verhindert ist. Unsere Diskussion zu den Schülerfragen kann man sich also erst am Dienstag, den 26. ab 20 Uhr live anschauen.

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