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35 Milliarden Euro Lehrgeld

35 Milliarden Euro überflüssiges Lehrgeld zahlten die Europäer, weil sie es verpassten, bei der Bankenrettung die Gläubiger der Banken angemessen zu beteiligen. Das ist zumindest das Ergebnis einer von der Grünen-Fraktion in Auftrag gegebenen Studie. Süddeutsche.de berichtet. Vorschläge, wie man es besser hätte machen können, gab es dabei genug. Auch hier im Blog habe ich darüber eine Artikelserie geschrieben:

Preissturz beim Gold: War es eine Blase?

Zwei starke Kursrutsche im April und im Juni diesen Jahres ließen Goldanleger zittern. Waren die hohen Goldpreise eine Spekulationsblase, wie auch FAZ-Mann Patrick Bernau glaubt? Und wenn ja, geht der Kursrutsch weiter?

Um es gleich vorweg zu sagen: Eine sichere Diagnose einer aktiven Spekulationsblase hat bislang weder die Wissenschaft noch die Praxis entwickelt. Zu diesem ernüchternden Ergebnis führte auch die letzte Blogparade der Wirtschaftsblogs, die dem Thema Spekulationsblase gewidmet war.

Das Problem liegt an der Bestimmung des inneren Werts oder Fundamentalwertes. Kennt man den inneren Wert, kann man auch sagen, ob der Marktpreis darüber oder darunter liegt, und also, ob eine Spekulationsblase vorliegt.

Der Fundamentalwert einer Anlage seinerseits hängt aber von ihren zukünftigen Erträgen (Zinsen, Dividenden usw.) ab. Damit fließen unsichere Zukunftsprognosen, aufbauend auf zum Teil subjektiven Erwartungen, in jede Bestimmung des Fundamentalwerts ein. Es gibt also keinen objektiven Fundamentalwert. (Ähnlich auch Patrick Seabird.)

Nur Gold mag eine Ausnahme sein. Gold in Form von Münzen oder Barren erbringt weder Zinsen noch Dividenden. Das ist objektiv. Der Fundamentalwert von Gold ist damit 0. So gesehen befinden wir uns in einer schon Jahrtausende dauernden Spekulationsblase beim Gold. Diese Erkenntnis hilft uns aber aktuell nicht weiter.

So bleibt uns nur, Spekulationsblasen im Nachhinein anhand des Kursverlaufs festzustellen. Als Referenz einmal der Chart für Technologieaktien zur Jahrtausendwende.

Nasdaq-Kurse fielen auf das Niveau vor der Dotcom-Blase

Nasdaq-Index 1994-2004

Zum Vergleich der Goldchart der letzten zehn Jahre:

Chart Historischer Goldkurs in Dollar USD

Von 2001 bis 2011 gab es einen steilen Aufwärtstrend beim Gold (auch gut zu sehen bei Dr. H.-D. Schulz). Im September 2011 erreichte der Goldpreis sein danach nie mehr erreichtes Hoch von 1.920$. Es folgte eine Konsolidierungsphase, die ab Oktober 2012 in einen Abwärtstrend mündete. Im April dieses Jahres dann der erste starke Kursrutsch, im Juni der zweite. Der vorläufige Tiefstkurs wurde mit 1.180$ am 28.6 erreicht; seitdem geht es mit dem Goldpreis leicht aufwärts.

Typisch für eine Blase ist, dass sie schnell platzt. Schnell ist allerdings sehr relativ. Die Technologieblase baute sich über mindestens sechs Quartale auf (Oktober 1998 bis März 2000) und die Phase starker Kurseinbrüche dauerte danach mindestens vier Quartale (bis März 2001). Und in der US-Immobilienkrise fielen die Häuserpreise nach einer etwa 10-jährigen Blasenbildung über etwa drei Jahre.

Der Verlauf des Goldkurses passt bisher gut ins Schema. Ab wann man von einer Goldpreisblase sprechen kann, ist allerdings unklar. Wohl kaum bereits ab 2001, eher mit dem sich verstärkenden Aufwärtstrend ab Juli 2005 und wieder ab November 2008.

Neben dem Kursverlauf ist ein weiteres Kennzeichen einer Blase, dass die Umsätze in der Aufbauphase stärker steigen als die Kurse, da immer mehr Anleger mitmischen wollen. Auch das war wohl beim Gold der Fall. Genaue Zahlen habe ich zwar nicht zur Verfügung, aber beim „Business Insider“ findet man eine schöne Grafik, die den Anstieg des Interesses bei Goldfutures seit 2005 zeigt.

Wenn die Diagnose Spekulationsblase also richtig ist, was bedeutet das für den weiteren Verlauf des Goldpreises?

Typischerweise wird beim Platzen einer Blase der gesamte Kursgewinn wieder vernichtet. Je nachdem, ob man nun den Beginn der Goldblase mit dem Juli 2005 oder dem Oktober 2008 ansetzt, folgt daraus: Der Goldkurs wird bis etwa 420$ bzw. 710$ fallen. Solche Preise sind dann allerdings eine Übertreibung nach unten.

Aber auch hier gibt es keine Sicherheit. Nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA stiegen die Häuserpreise bereits wieder, bevor die ganze Blase abgebaut war.

Entwicklungen im deutschen Warenhandel 2000-2011 – Teil 2: Die Spaltung Europas

Nimmt man das Saldo der Leistungsbilanz als Kriterium, kann man die europäischen Staaten in drei verschiedene Blöcke einteilen. Und der deutsche Warenhandel mit diesen drei Blöcken entwickelte sich in den vergangenen Jahren ganz unterschiedlich. (Dies ist übrigens der zweite Teil eines Artikels. Den ersten findet man unter: Teil 1 – Der Bedeutungsverlust Europas.)

Das von der Bertelsmann-Stiftung entwickelte interaktive Online-Tool Gedviz erlaubt, Staaten nach bestimmten Kennzahlen zu sortieren. Für Visualisierung 1 habe ich mal die europäischen Staaten im Uhrzeigersinn nach dem Saldo der Leistungsbilanz im Jahr 2007 geordnet.

Macht man das für verschiedene Jahre, erkennt man schnell, dass es in Europa einen stabilen Block an Ländern gibt, die fast jedes Jahr Leistungsbilanzüberschüsse produzieren. Das sind die skandinavischen Länder, die Beneluxländer sowie die deutschsprachigen Länder.

Alle anderen Länder weisen dagegen fast immer ein Leistungsbilanzdefizit auf. Es gibt eine Ausnahme: Frankreich. Frankreich hatte 2000-2005 einen Überschuss, wechselte dann aber auf die Defizitseite. Vielleicht entwickelt sich auch Estland zu einer Ausnahme. Nachdem es bis 2008 immer ein Minus in der Leistungsbilanz hatte, erzielte es 2009-2011 ein Plus.

Die Defizitländer (inklusive Frankreich und Estland) kann man weiter in zwei Blöcke unterteilen. Da sind zum einen die 10 west- und südeuropäischen Staaten von Island über Frankreich und Portugal bis Zypern und zum anderen die 10 osteuropäischen Staaten von Estland bis Bulgarien. Die Überschussländer (ohne Deutschland als „Nordeuropa 9“ bezeichnet) bilden dann den dritten europäischen Block.

Visualisierungen 2 bis 4 oben zeigen nun die relative Entwicklung des deutschen Warenhandels mit den drei europäischen Blöcken von 2000 über 2007 bis 2011. Die entscheidenden Daten habe ich noch einmal in einer Tabelle zusammengefasst. Die Prozentzahlen beziehen sich auf die deutschen Gesamtexporte in bzw. Gesamtimporte aus den 46 Staaten des Datensatzes.

Deutsche … 2000 2007 2011
… Exporte nach Nordeuropa 9 30,6% 30,9% 29,0%
… Importe aus Nordeuropa 9 30,4% 30,9% 28,6%
… Exporte nach West-/ Südeuropa 10 34,8% 32,1% 28,2%
… Importe aus West-/ Südeuropa 10 32,7% 27,9% 25,4%
… Exporte nach Osteuropa 10 8,2% 12,0% 12,0%
… Importe aus Osteuropa 10 9,2% 12,4% 14,3%

Die Werte zeigen: Die wettbewerbsfähigen Länder Nordeuropas fielen in ihrer relativen Bedeutung für den deutschen Warenhandel nach 2007 leicht ab, konnten aber ihre Stellung einigermaßen behaupten.

Die Bedeutung Osteuropas für den deutschen Warenhandel nahm zu. Interessanterweise verzeichnet Deutschland im Warenhandel mit diesen Ländern häufig ein Defizit. (Der Wert der Einfuhren in € übertrifft den der Ausfuhren.)

Als Problemkind für den deutschen Handel erweist sich die Gruppe „West- und Südeuropa 10“. Das ist die Gruppe, die die bedeutendsten europäischen Volkswirtschaften neben Deutschland umfasst: Großbritannien, Frankreich, Italien. Die Bedeutung der Gruppe „West- und Südeuropa 10“ für den deutschen Export sank von 34,8% im Jahr 2000 auf 28,2% 2011. Und beim deutschen Import sank der Anteil dieser Gruppe von 32,7% auf 25,4%.

Die Bedeutung der Gruppe „West- und Südeuropa 10“ nahm dabei zunächst als Herkunftsland für deutschen Einfuhren ab und danach erst als Zielland für deutsche Ausfuhren. So erfolgte der größte Anteilsrückgang beim Import bereits 2000-2007, der größte Anteilsrückgang beim Export dagegen 2007-2011.

Kleines Fazit

Ich will meine kleine Analyse des deutschen Warenhandels nun beenden. Vielleicht erbrachte sie ja einige Muster, die darüber hinaus allgemein für den internationalen Warenhandel gelten? Solche Muster könnten sein:

  • Dauerhaft stabile Handelsbeziehungen gibt es vor allem mit wettbewerbsfähigen Staaten, die einen Leistungsbilanzüberschuss aufweisen. Das sind z.B. die Länder der Gruppe „Nordeuropa 9“.
  • Bei Staaten mit Leistungsbilanzdefizit scheint es von weiteren Faktoren abzuhängen, ob die Handelsbeziehungen sich über- oder unterdurchschnittlich entwickeln.
  • Ein Alarmsignal für den Handel mit Defizitstaaten kann sein, dass bereits die Einfuhren aus diesen Ländern (relativ) sinken. Dann muss damit gerechnet werden, dass in einer späteren Phase als Ausgleichsreaktion auch die Ausfuhren in diese Staaten sinken.

Die Spaltung Europas, die sich in der Entwicklung des deutschen Außenhandels zeigt, wirft darüber hinaus ein fahles Licht auf die Währungsunion.

Entwicklungen im deutschen Warenhandel 2000-2011 – Teil 1: Der Bedeutungsverlust Europas

Die Bertelsmann-Stiftung hat ein neues, frei zugängliches, interaktives Online-Tool entwickelt, das sie GEDVIZ nennt. Man kann damit sehr schön nachvollziehen, wie sich Austauschbeziehungen zwischen den Ländern verändern. Ich habe es mal benutzt, um einige interessante Entwicklungen im deutschen Warenhandel in den Jahren 2000-2011 aufzuzeigen.

Die Bedeutung Europas

Insgesamt kann man die Warenhandelsströme zwischen 46 Staaten mit GEDVIZ analysieren und visualisieren. Einbezogen sind alle OECD-Staaten, alle EU-Staaten sowie die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Bisher sind Daten für die Jahre 2000-2011 in GEDVIZ verfügbar. Das ermöglicht schon einmal einen Vergleich der Entwicklungen vor und nach der Zäsur, die die Finanzkrise 2008 bedeutete.

Meine erste Frage, die GEDVIZ beantworten sollte, war: Wie hat sich die Bedeutung Europas als Herkunftsregion deutscher Einfuhren und Zielregion deutscher Ausfuhren zwischen 2000 und 2011 entwickelt? Die Antwort liefert Präsentation 1 mit sechs Folien. Zwischen den Folien kann man übrigens unten links hin- und herschalten. Beim Überfahren einzelner Elemente mit der Maus werden zusätzliche Infos angezeigt.

Im Jahr 2000 hatte der deutsche Warenexport in die 45 anderen Länder des Datensatzes einen Wert von 526 Milliarden €. Das waren 88 % der gesamten deutschen Ausfuhren. Von den 526 Milliarden gingen 73,6% in die 29 europäischen Staaten (EU, Schweiz, Island und Norwegen) und 26,4% in die 16 außereuropäischen Staaten inklusive Russland und der Türkei. (Folie 1)

Interessant ist nun die weitere Entwicklung.

Bis zum Vorkrisenjahr 2007 stiegen nicht nur die deutschen Warenexporte rapide auf 832 Milliarden € nominal. Auch der Anteil der Gruppe „Europa 29“ stieg mit leichten Schwankungen weiter, nämlich auf 75,1%. (Folie 2)

Dann kam der Umschwung. Seit Beginn der Finanzkrise sank die Bedeutung der europäischen Länder für die deutsche Exportwirtschaft rapide. 2011 gingen nur noch 69,1% der Exporte in die Gruppe „Europa 29“, dagegen 30,9 % in die 16 außereuropäischen Länder. Diese Verschiebung vollzog sich vor dem Hintergrund eines vorübergehenden Einbruchs des internationalen Handels. Der Wert der Warenausfuhr betrug 2009 nur noch 677 Milliarden €, erholte sich dann aber bis 2011 auf wieder 892 Milliarden nominal. (Folie 3)

Überraschenderweise verlief die Entwicklung bei den deutschen Importen etwas anders. Im Jahr 2000 kamen 72,6% der Importe aus der Gruppe „Europa 29“ (Folie 4). Die Bedeutung Europas für die deutschen Importe war damals also nur etwas geringer als für die deutschen Exporte. Der Anteil fiel jedoch bereits bis 2007 leicht auf 71,3 % (Folie 5). Die Entwicklung der Export- und Importanteile der Gruppe „Europa 29“ war in dieser Zeit also gegenläufig. Nach 2007 sank dann der Anteil Europas an den Einfuhren Deutschlands noch weiter und erreichte 2011 nur noch 68,3%. (Folie 6)

Leistungsbilanzen

Wenn sich Ein- und Ausfuhren unterschiedlich entwickeln, schlägt sich das auch im Saldo der Handelsbilanz nieder, die wiederum wichtiger Bestandteil der Leistungsbilanz ist. Das gilt auch für die (zeitweise) gegenläufige Entwicklung zwischen den deutschen Ein- und Ausfuhren aus bzw. nach Europa.

Das Jahr 2000 war eines der wenigen Jahre, in denen Deutschland ein Leistungsbilanzdefizit aufwies: -1,77% des BIPs. Die Gruppe „Europa 29“ (ohne Luxemburg, für das keine Daten vorliegen) hatten dagegen damals zusammen ein leichtes Leistungsbilanzplus von 0,09%.

Bis zum Jahr 2007 hatten sich die Verhältnisse mehr als umgekehrt. Deutschland erwirtschaftete ein Riesen-Plus in der Leistungsbilanz von 7,51% des BIPs, während „Europa 29“ mit -1,51% des BIPs ins Defizit gerutscht war.

Nach 2007 gab es wieder eine leichte Gegenbewegung. Das deutsche Plus schrumpfte auf 5,63% des BIPs, das europäische Minus schrumpfte ebenfalls auf -0,34%.

Ausblick

Dass die Bedeutung Europas für den deutschen Warenhandel geschrumpft ist, mag inzwischen nicht mehr überraschen. Machen wir uns das auch beim nächsten Mal bewusst, wenn Bundeskanzlerin Merkel Europa und den Euro beschwört!

Interessant ist nun der zeitliche Versatz zwischen dem Einbruch bei den Exportanteilen und den bei den Importanteilen. Eine weitere Analyse wird hier weitere Erkenntnisse bringen. Die bewahre ich mir aber für einen zweiten Artikel zum Thema (wahrscheinlich schon morgen) auf.

Der Wirtschaftswurm im zweiten Quartal

Ein Quartal ist gerade wieder zuende gegangen. Anlass, sich meine Blogstatistiken bei Google Analytics anzuschauen.

In den Monaten April, Mai und Juni hatte der Wirtschaftswurm 34.291 Seitenaufrufe. Das sind 28% mehr als im ersten Quartal 2013 und das ist der beste Wert überhaupt seit Bestehen des Wirtschaftswurms. Die Zahl der Besuche lag bei 24.708 und damit sogar 32,2% höher als im Vorquartal.

Neben der Startseite wurden folgende zehn Seiten am häufigsten aufgerufen:

  1. Wirtschaftswachstum mal langfristig (Für diesen Artikel aus 2010 gibt es jedoch schon längst eine Aktualisierung: Wirtschaftswachstum mal langfristig 2001-2011)
  2. Geordneter Ausstieg aus der Eurozone? – Die wirtschaftliche Seite (Eine Analyse des wichtigsten Programmpunkts der neuen Partei AfD)
  3. Ungleiche Vermögensverteilung in der Eurozone und seltsame Argumente (Über eine Studie der EZB, nach der z.B. Griechen mehr Vermögen haben als Deutsche)
  4. Griechenlands angeblicher Aufschwung
  5. Die EZB will das Bundesverfassungsgericht für dumm verkaufen
  6. Konsequenzen eines Excel-Fehlers
  7. „Geordneter“ Ausstieg aus der Eurozone? – Die politische Seite
  8. Fernbusse: Das Dilemma der Marktliberalisierung
  9. Miese Arbeitsbedingungen in Bangladesch – die Lösungsangebote von Jauchs Talkshowgästen auf dem Prüfstand
  10. Doch keine Gefahren durch die Anleihekäufe der EZB?

Interessant ist natürlich auch, wie die Besucher zum Wirtschaftswurm kamen.

6.573 oder 26,6% fanden den Wirtschaftswurm über Suchmaschinen, 5.540 oder 22,4% gelangten direkt (z.B. durch Eingabe in der Adressleiste des Browsers) zu meinen Seiten. Während also die Bedeutung von Google für meinen Blog relativ (und auch etwas absolut) zurückgegangen ist, stieg die Zahl der Direktzugriffe um 20,3% zum eh schon hohem Vorquartalswert. Das zeigt, dass der Wirtschaftswurm in den Köpfen der Interessierten immer stärker verankert ist.

Noch stärker, nämlich um 84,1%, stieg allerdings die Zahl derjenigen, die durch Links auf diesen Blog gekommen sind. Das ergab insgesamt 12.499 Besuche. Vielen Dank an alle, die den Wirtschaftswurm verlinkt haben.

Die wichtigsten Quellen waren:

  1. cashkurs.com,
  2. net-news-express.de,
  3. alles-schallundrauch.blogspot.de,
  4. google.de (andere Google-Dienste neben der Suchmachine),
  5. Twitter,
  6. finanzblog-award.de und
  7. re-publica.de.

Von den Wirtschafts- und Finanzblogs brachten mir Querschuesse und „Die Börsenblogger“ die meisten Besuche.

Ökonomenblogparade ÖBP: Ursachen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

Wie entsteht internationale Wettbewerbsfähigkeit? Oder um mit Michael Porter zu fragen: „Warum haben einige Länder im internationalen Wettbewerb Erfolg, und warum scheitern andere?“ Mich interessieren diese Fragen speziell am Beispiel Deutschland und darum möchte ich eine Blogparade zum Thema starten.

Meine Frage an alle Wirtschafts- und Finanzblogger lautet also: Was ist die Ursache der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands? Ist es Hartz-IV, der Euro oder das deutsche Bildungssystem? Liegt es am deutschen Fleiß, an einer klugen Politik, guter Infrastruktur oder ist es historischen Umständen geschuldet?

Bitte schreibt zu diesem Thema einen Beitrag in eurem Blog und verlinkt den hier in den Kommentaren zu diesem Artikel. Alle Beiträge, die bis zum 31.7 veröffentlicht werden, werde ich dann Anfang August hier im Blog im Finale der Blogparade besprechen. Auch wer der Meinung ist, Deutschland sei gar nicht so wettbewerbsfähig, kann natürlich an der Blogparade teilnehmen; der schreibt dann bitte über die Ursachen der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands.

Ein bisschen Theorie

Internationale Wettbewerbsfähigkeit ist ein immer wieder heftig diskutiertes Thema. Angesichts der Tatsache, dass heutzutage unsere Volkswirtschaften stark vom internationalen Handel abhängen, erscheint internationale Wettbewerbsfähigkeit als entscheidend für unseren Wohlstand. So werden in Deutschland bei einem gesamten BIP von 2.645 Milliarden € (2012) Waren und Dienstleistungen im Wert von 1.365 Milliarden exportiert, das sind 51,6% des BIPs. (Nun werden allerdings auch Waren exportiert, die vorher importiert wurden oder von denen wichtige Komponenten vorher importiert wurden. Insofern überschätzen die Zahlen die Bedeutung des Exports für das deutsche BIP.)

Das Thema „Internationale Wettbewerbsfähigkeit“ weist allerdings ein paar Fallstricke auf.

Porträt David Ricardos

David Ricardo

Der Klassiker, wenn es um die Erklärung internationaler Handelsströme geht, ist David Ricardos Theorie der komparativen Kostenvorteile, die er 1817 veröffentlichte. Eine nationale Branche hat demnach dann im internationalen Wettbewerb Erfolg, wenn sie eine relativ hohe Produktivität aufweist. Diese Produktivität ist wiederum abhängig vom Umfeld, moderne Volkswirte sagen, von der Faktorausstattung. Hierzu kann man z.B. Klima, Rohstoffe, billige Arbeitskräfte oder gut ausgebildete Arbeitskräfte zählen.

Was häufig nicht verstanden wird: Ein Land kann nach Ricardo nicht in allen Branchen gleichzeitig wettbewerbsfähig sein. Der Begriff „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ ergibt also nur für nationale Branchen, nicht aber für ganze Nationen Sinn.

In Ricardos berühmten Beispiel produzieren die Portugiesen sowohl Wein als auch Tuch billiger als die Briten. Die portugiesische Weinproduktion ist jedoch so überragend, dass es sich für die Portugiesen lohnt, alle ihre Arbeitskraft auf den Weinanbau zu konzentrieren. Sie erhalten dann nämlich so viel Überschusswein, dass sie sich von den Exporterlösen auch das eigentlich überteuerte britische Tuch leisten können und trotzdem am Ende mehr Tuch erhalten, als sie selbst hätten produzieren können. (Für ein Zahlenbeispiel: Die Mär vom Standortwettbewerb.) Trotz absoluter Überlegenheit ist also die portugiesische Tuchproduktion im Beispiel nicht international wettbewerbsfähig.

Die Theorie Ricardos gilt immer noch, nur die Umstände sind komplizierter geworden. Die Faktorausstattungen sind heute in einem größeren Maße mobil. Kapital wandert um die Welt, in gewissem Maße auch Arbeitskräfte. Unter diesen Voraussetzungen ist in Ricardos Beispiel noch nicht das Optimum erreicht, wenn die Briten Tuch herstellen und die Portugiesen Wein, sondern erst dann, wenn alle britischen Arbeiter nach Portugal übergesiedelt sind. Denn dort lässt sich letztlich auch Tuch billiger herstellen.

Berücksichtigt man die Faktorwanderungen, muss man wohl internationale Wettbewerbsfähigkeit als die Fähigkeit definieren, Arbeitskräfte und Kapital anzuziehen. Dann geht es allerdings nicht mehr um internationalen Handel, sondern um Standortwettbewerb. Entscheidend dafür werden die Faktoren, die international immobil oder nur wenig mobil sind.

Als letzte Anregung Michael Porters (inzwischen schon ebenfalls klassische) Bestimmungsfaktoren des nationalen Wettbewerbsvorteils:

Bestimmungsfaktoren nationaler Wettbewerbsvorteile: Zufall, Faktorbedingungen, Nachfragebedingungen, verwandte und unterstützende Branchen, Unternehmensstrategie, Struktur und Konkurrenz, Regierung

Michael Porters Diamanten-Modell, Darstellung: Daniel Endres

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Abstimmung für den Smeil 2013

Die Börsenseite von Christian Drastil vergibt einen Preis, den Smeil 2013, für den besten Finanzblogger. Auch der Wirtschaftswurm wurde dafür nominiert. Im Gegensatz zum Comdirect-Preis für Finanzblogger dürfen hier auch Leser abstimmen. Das macht’s natürlich für einen Blog wie den Wirtschaftswurm, das auch mal Themen abseits des Massengeschmacks aufgreift, nicht einfach. Aber unterstützt einfach dieses Blog, votet für den Wirtschaftswurm! Abstimmen kann man noch bis zum 28. Juni 0:00 Uhr auf http://www.christian-drastil.com/smeil/vote.

Vielen Dank!

Ein Jahrzehnt der Aktien?

Die Comdirect-Bank hatte für gestern Abend acht Journalisten, einen Blogger und Bert Rürup zu einem „Kamingespräch“ nach Frankfurt eingeladen. Das Thema der Runde war „Die Deutschen und die Angst vor Wertpapieren“. Der Blogger in der Runde war ich.

Warum der bekannte ehemalige Wirtschaftsweise Rürup eingeladen war, wurde schnell klar. Rürup glaubt nämlich daran, dass wir uns in einem „Jahrzehnt der Aktien“ befinden und das ist natürlich eine Botschaft, die bei den Leuten von der Comdirect, einer Bank, die einen Großteil des Geschäfts mit Aktienanlegern macht, gut ankommt.

Rürup sieht auch die Börsenturbulenzen der letzten Tage lediglich als „overshooting“, als Übertreibung. Die Sorge der Märkte vor einem Ende der Niedrigzinspolitik hält er für unbegründet. Die Ankündigung des Chefs der amerikanischen Zentralbank Ben Bernanke, bald kein neues Geld mehr für den Ankauf von US-Staatsanleihen zu schaffen, sei nicht als grundsätzliche Abkehr von der Politik des billigen Geldes zu verstehen.

Für Bert Rürup ist klar, dass schon allein deshalb die Zinsen nicht nur in Amerika niedrig bleiben werden, weil die Politik darauf angewiesen ist. Die Staatsschuldenkrise lasse sich nur mit einer Politik „finanzieller Repression“ bewältigen. Die niedrigen Zinsen, die damit verbunden sind, machen aber Aktien als alternative Anlageform interessant.

Wie man in meinen Blogartikeln nachlesen kann, ist meine eigene Meinung über das Thema gar nicht so weit von der Rürups entfernt. Etwas Zweifel habe ich, ob man die gewünschte finanzielle Repression auch tatsächlich über einen langen Zeitraum durchsetzen kann. Denn damit die Anleger tatsächlich bereit sind, bei Staatsanleihen Zinsen unter der Inflationsrate (und damit reale Verluste) zu akzeptieren, muss man ihnen nämlich immer wieder den Weg zu alternativen Anlagen verbauen. Das ist bei einem mehr oder weniger ungehindert fließenden weltweiten Kapitalverkehr nicht einfach. Und dies unterscheidet unsere heutige Zeit von der ersten Zeit finanzieller Repression, der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Diskussion gestern Abend drehte sich aber mehr um die Frage, warum die Deutschen trotz allem so wenig in Aktien investiert sind. Fehlende Bildung in Finanzdingen, ein schlechter Ruf des Aktienmarktes, Angst vor der hohen kurzfristigen Volatilität und mangelnde politische Unterstützung wurden als Gründe ausgemacht. Für den Comdirect-Mann Reitmeyer war auch ein Problem, dass es für Banken (bzw. ihre Angestellten) inzwischen aufgrund der umfangreichen Beratungshaftung problematisch geworden ist, Aktienanleger ihren Bedürfnissen entsprechend zu beraten.

Die Eurokrise war natürlich auch Thema. Das will ich aber hier nicht vertiefen. Nur eins: Ganz zum Schluss haben Bert Rürup und ich darüber gewettet, ob die Eurozone in vier Jahren größer ist als heute. Ich war natürlich der Meinung, dass das nicht der Fall sein wird und auch wenn Lettland demnächst beitreten wird, dafür andere Länder ausscheiden werden (müssen). Irgendwer meinte dann, eine Flasche Champagner müsse Wetteinsatz sein, aber ich denke, weder Bert Rürup noch ich werden den am 24.6.2017 nachhalten wollen.

Nachtrag zur Europäischen Gurkenverordnung

Muss die Geschichte darüber, wie Brüsseler Bürokraten die Krümmung von Salatgurken regeln, neu geschrieben werden?

Salatgurke im Gewächshaus

Salatgurke, Foto: Blumenbiene

Florian Kolf hat im Handelsblog unter der Überschrift „Bequemer Sündenbock EU“ nichts Geringeres vor, als einen Mythos umzuschreiben, nämlich den Mythos über die Verordnung Nr. 1677/88 EWG. Das ist die berühmt-berüchtigte Europäische Gurkenverordnung.

Okay, was vielleicht noch nicht alle mitbekommen haben, die Europäische Gurkenverordnung gibt es tatsächlich nicht mehr. Am 1. Juli 2009 wurde sie außer Kraft gesetzt. Sie ist als Beispiel für den Irrsinn der Brüsseler Bürokratie veraltet. Doch immerhin war sie 20 ½ Jahre in Kraft, nämlich seit Anfang 1989. Somit taugt sie weiterhin als Beispiel für Brüsseler Starrsinn und eine markante Behäbigkeit im Lernen.

„Initiator der Gurkenverordnung war nämlich nicht Brüssel, sondern der Gemüsehandel“, schreibt Florian Kolf. – Wieso dies die Brüsseler Verhältnisse in irgendeiner Weise entschuldigen kann, entzieht sich mir allerdings. Vielmehr zeigt sich hier der große Einfluss von Lobbyisten in Brüssel.

„Die Händler wünschten sich die Standardgurke, um sie besser verpacken und transportieren zu können“, so Kolf. – Es zählen eben in Brüssel die Interessen der Anbieter. Würde es nach den Interessen der Verbraucher gehen, dann stände garantiert nicht der Krümmungsgrad von Salatgurken im Blickpunkt der EU.

„Gegen den Widerstand der Regierungen der Mitgliedsländer kann weder eine Verordnung noch eine Richtlinie verabschiedet werden.“ – Hat wirklich jemals ein deutsches, britisches oder österreichisches Kabinett über die Krümmung von Salatgurken beraten? Entschieden hat wohl der Ministerrat. Der ist allerdings eine europäische Institution und tagt in Brüssel, auch wenn jeder Mitgliedsstaat einen Fachminister dorthin entsenden darf.

Im Übrigen sollte man mehr darüber diskutieren, wie sinnvoll es ist, dass Regierungsmitglieder der Nationalstaaten gleichzeitig in Brüssel Mitglied eines gesetzgebenden Organs sind. Das ermöglicht das oft beobachtete Spiel über Bande: Sachen, die man auf nationaler Ebene nicht durchsetzen kann, versucht man dann über den Brüsseler Umweg einzuführen.

Florian Kolfs vermeintlicher Joker ist aber das Subsidiaritätsprinzip, das in den Europäischen Verträgen verankert ist. Subsidiarität heißt, dass möglichst viel eigenverantwortlich und vor Ort entschieden wird und dass eine höhere Ebene nur dann tätig wird, wenn die unteren Ebenen nicht in der Lage sind, ein Problem zu lösen.

Doch wie so vieles, was in den Europäischen Verträgen steht, wird auch das Subsidiaritätsprinzip in der Praxis nicht beachtet. Hierzu kann man z.B. eine Studie von Jessica Koch und Matthias Kullas lesen (Subsidiarität nach Lissabon – Scharfes Schwert oder stumpfe Klinge?). Kurze Fristen und hohe Stimmenquoren bilden eine hohe Hürde für das Instrument einer „Subsidiaritätsrüge“ durch die nationalen Parlamente. Und unbestimmte Rechtsbegriffe erschweren es, Subsidiarität rechtlich einzuklagen.

Doch keine Gefahren durch die Anleihekäufe der EZB?

In einem Beitrag für das englische Magazin Vox behaupten die Ökonomen Paul De Grauwe und Yuemei Ji, Anleihekäufe der EZB im Rahmen des OMT-Programms seien zum Vorteil des deutschen Steuerzahlers. Können wir uns also beruhigt zurücklegen und unsere Angst, für die Eurokrise mit Steuererhöungen und Inflation bezahlen zu müssen, aufgeben?

Zumindest in einem Punkt haben De Grauwe und Ji recht. Für eine Zentralbank gelten andere Spielregeln als für eine private Bank oder ein privates Unternehmen: Eine Zentralbank kann nie insolvent werden. Eine Zentralbank hat immer genügend Geld, einfach weil es dieses Geld selbst herstellt. Daher muss es für eine Zentralbank auch keine Rolle spielen, ob sie noch Eigenkapital in ihren Büchern ausweist. Nur Privatunternehmen müssen spätestens dann als insolvent gelten, wenn ihr ausgewiesenes Eigenkapital unter 0 sinkt.

Die Schlussfolgerung, die De Grauwe und Ji für das OMT-Programm der EZB ziehen, ist allerdings kühn: Es brauche die Zentralbank gar nicht zu kümmern, wenn ein Staat, dessenen Anleihen sie gekauft habe, z.B. Griechenland, pleite gehe. Und wenn es die Zentralbank nicht kümmern muss, muss es auch ihre Eigentümer nicht kümmern. Eigentümer der EZB sind die nationalen Zentralbanken und damit letztlich die Nationalstaaten und ihre Steuerzahler.

Doch ganz so einfach ist es nicht. Ausfälle auf die von der EZB gehaltenen Anleihen mindern den Gewinn, den sie an ihre Eigentümer (letztlich die Nationalstaaten) ausschüttet. Für das Jahr 2012 betrug der Überschuss der EZB immerhin 2,164 Milliarden €. Im Extremfall, wenn also alle von der EZB gehaltenen Staatsanleihen im Wert von 208 Milliarden € ausfielen, müssten die nationalen Haushalte für rund 100(!) Jahre auf solche Ausschüttungen verzichten, um das auszugleichen.

Und was ist mit der Inflation? De Grauwe und Ji sehen hier keine Gefahr aufgrund der sogenannten Liquiditätsfalle. Liquiditätsfalle bedeutet aktuell konkret, dass die Banken Geld, das sie von der Zentralbank bekommen, nicht an Unternehmen und Haushalte weitergeben, sondern stattdessen dazu benutzen, ihre eigene wirtschaftliche Schieflage zu beseitigen.

Die Diagnose Liquiditätsfalle mag richtig sein. Aber kann eine Liquiditätsfalle jemals absolut dicht sein und alle Regionen und Sektoren umfassen? Gar in einer so heterogenen Währungsunion wie in der Eurozone?

Oder muss man sich so eine Liquiditätsfalle nicht vielmehr wie einen Wassersack mit Löchern vorstellen? Es mag viel Wasser darin verbleiben, wenn man von oben welches reinkippt, aber an einigen Stellen tritt es mit enormen Druck aus. Und wenn sich die Löcher vergrößern, der Wassersack gar reißt, bahnt sich auch das vorher darin gehaltene Nass seine Bahn. So mag es auch mit dem Zentralbankgeld sein. Da, wo es austritt, kommt es zu Spekulationsblasen. Und wenn sich die Liquiditätsfalle auflöst, mag das für die Zentralbank zu plötzlich kommen, um noch vorher „den Wassersack leer zu schöpfen“.

Was hat die Anhörung vor dem Bundesverfassungsgericht gebracht?

Im Wiwo-Lunchtalk zeigte sich Marcel Fratzscher, Präsident des DIW, „schockiert“ über den Verlauf der Anhörung vor dem Verfassungsgericht. Doch was ihn schockiert, gibt mir Anlass zu Hoffnung. Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Bundesverfassungsrichter Auflagen für die Käufe von Staatsanleihen durch die EZB (OMT – Outright Monetary Transaction genannt) formulieren werden. Denn aus den Experten-Stellungnahmen vor dem Bundesverfassungsgericht ging einmal mehr hervor, wie problematisch diese Käufe von Staatsanleihen durch die Notenbank sind.

Von den befragten Ökonomen hielt neben Fratzscher nur EZB-Vertreter Jörg Asmussen in seiner Stellungnahme die Anleihekäufe für notwendig. Ausgangspunkt seiner Begründung sind Marktturbulenzen, die angeblich den Preis für Anleihen aus den Südländern unverhältnismäßig niederdrückten und so die Zinsen in die Höhe trieben. Hierdurch hätte die Zinspolitik der EZB in den Südländern nicht mehr gewirkt. Das OMT-Programm diene lediglich dazu, die Wirkungskanäle der Geldpolitik wiederherzustellen.

In seiner eigenen Stellungnahme erwiderte Bundesbankchef Jens Weidmann allerdings richtig:

Die Antwort auf die Frage, ob Anleger den Risikogehalt der Anleihen bestimmter Mitgliedstaaten zutreffend bewerten, ist in hohem Maße subjektiv.

Genau dies folgt ja auch aus der Diskussion zu Spekulationsblasen in der letzten Ökonomenblogparade. Es gibt keinen objektiven Fundamentalwert. Der Wert eines Wertpapiers hängt sehr stark von den eigenen, größtenteils subjektiven Zukunftserwartungen ab. Und da es keinen objektiven Wert gibt, ist es auch Unsinn, über Abweichungen von einem solchen einen Markteingriff zu begründen.

Immerhin konnte Asmussen auch aus meiner Sicht einen Punkt machen. Das OMT-Programm habe zu einem Rückgang der Targetsalden beigetragen. Damit hat es die Risiken, die mit den hohen Salden der europäischen Notenbanken einhergehen, reduziert. Allerdings hat es diese Risiken nur durch andere ersetzt. Jens Weidmann:

Im Falle der Sekundärmarktkäufe der Notenbanken stellen sich die Risiken aus daraus resultierenden Verlusten für den Steuerzahler letztlich ähnlich dar wie bei etwaigen Anleihekäufen des ESM.

Ob ein drohendes Auseinanderbrechen der Währungsunion die EZB-Aktionen rechtfertigt, mit dieser Frage beschäftigte sich insbesondere Clemens Fuest, Präsident des ZEW, in seiner Stellungnahme vor den Richtern. Seine Argumente:

  • Ein Austritt eines Staates würde zwar viele ökonomische Probleme verursachen, aber die Preisstabilität in den verbleibenden Staaten wäre wohl nicht das Hauptproblem.
  • Umgekehrt berge die Ankündigung einer Notenbank zu tun, was immer notwendig sei, um die Währungsunion zusammenzuhalten, massive Risiken für die Preisstabilität. Eine solche Festlegung gefährde zudem die Unabhängigkeit der Notenbank.

Letztlich, so die Schlussfolgerung, sei es nicht Sache der EZB, deren Mandat ausschließlich die Preisstabilität ist, die Regierung eines Staates bei der Entscheidung zu steuern, ob er weiterhin Mitglied der Währungsunion bleibt.