Vermischtes

Vom Euro-Wahnsinn zum Gender-Wahnsinn

Yanis-Varoufakis-Berlin-2015-02-05

Ich mache nun zwei Wochen Blog-Urlaub. Damit euch nicht allzu langweilig wird, vier Leseempfehlungen aus dem Netz für hoffentlich schönes Sommerwetter und ein paar Anregungen dazu meinerseits zum Nachdenken.

Mark Schieritz

Die Zahl der Leute, die dem Euro-Wahnsinn nicht mehr folgen können, wächst von Tag zu Tag. Die Gipfelbeschlüsse vom 13. Juli haben viele Ökonomen, die bisher Pro-Euro eingestellt waren, zum Nachdenken veranlasst. Denn die Beschlüsse geben Ländern wie Griechenland keine wirtschaftliche Perspektive innerhalb des Euroraums.

Auch Mark Schieritz von der „Zeit“ ist inzwischen ins Lager der Euroskeptiker übergewechselt. So schreibt er in einem beachtenswerten Artikel:

Der Euro ist vielleicht eine der größten wirtschaftspolitischen Fehlentscheidungen des vergangenen Jahrhunderts

Leider bleibt er inkonsequent. Oder ist es nur die Linie der „Zeit“, dass der Euro nicht mehr in Frage gestellt werden darf, und Schieritz muss sich ihr unterordnen? Auf jeden Fall fordert Schieritz nicht die Auflösung des Euros, wie es logisch richtig wäre, sondern die vollständige Bankenunion.

Eine Bankenunion behöbe aber nur ein kleines Teilproblem der Eurozone. Zwar wären die Banken dann nicht mehr abhängig von ihrem Heimatland; sie würden nicht mehr gleichzeitig pleitegehen, wenn ihr Heimatland pleiteginge. Aber eine Eurozone, in der absehbar fünf Staaten, nämlich Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Frankreich, Bankrott gingen, wäre trotzdem ein ökonomisches Desaster. Das würde dann trotz Bankenunion auch viele Banken nicht überleben.

Es bleibt wieder einmal nur, die Wirtschaft der Länder durch eine Währungsabwertung außerhalb der Eurozone wettbewerbsfähig zu machen.

Jens Berger

Als Nachgang zu meinem Artikel über den finnischen Finanzminister Alexander Stubb sollte man übrigens ruhig die Analyse von Jens Berger zu den finnischen Wirtschaftsproblemen lesen. Offensichtlich wollen die Finnen tatsächlich Rüdiger Bachmanns Vorschlag übernehmen, die Löhne per Regierungsbefehl zu senken. Jens Berger kritisiert das aus einer linken Perspektive, hat aber auch keinen besseren Vorschlag. Dabei liegt er auch hier auf der Hand: Währungsabwertung nach einem Austritt aus der Eurozone.

Yanis Varoufakis

Apropos Linke. Lisa Neuhaus (FAZ) hat Varoufakis Buch „Time for Change: Wie ich meiner Tochter die Wirtschaft erkläre“ gelesen. Ihr Urteil: „Giftige Pillen”. Trotz vieler interessanter Gedanken im Buch kommt sie zum Schluss:

Das größte Manko von Varoufakis‘ Buchs war auch das größte Manko seiner Politik: Er bietet keine Utopie, nur Rebellion.

Aber vielleicht gibt es ja für Varoufakis‘ Plan B doch noch den Wirtschaftsnobelpreis.

Hadmut Danisch

Ein ganz anderes Thema: Der Genderismus, viele sagen auch Gender-Wahnsinn. Der Genderismus hat ja eine sehr starke wirtschaftliche Kompenente, wenn es darum geht Frauenquoten für alles und jedes zu fordern.

Ich habe mich schon einmal in der Vergangenheit mit den kruden Gerechtigkeitsvorstellungen beschäftigt, die hinter den Quotenkonzepten stehen.

Hadmut Danisch hat allerdings noch etwas anderes entdeckt. Ist die Quote einmal etabliert, entsteht durch sie ein Umverteilungssystem von den Männern in der Firma zu den Frauen in der Firma. Das ist also erstaunlich parallel zu Ehen mit traditioneller Rollenaufteilung – allerdings mit dem einen Vorteil (für die Frauen), dass sie nicht mehr von einem einzigen Mann materiell abhängig sind.

Gut analysiert und kurzweilig geschrieben von Hadmut Danisch.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Foto (von Jörg Rüger): Yanis Varoufakis in Berlin, Februar 2015 – Ausschnitt

12 Kommentare

  1. Thomas sagt

    Soll man in Deutschland in jedem Bundesland eine eigene Währung einführen? Nein, eine Bankenunion ist gut genug als Lösung aller Probleme in einem Währungsraum. Die Auflösung des Euro ist unnötig.

  2. So, ich hab jetzt auch mal den Danish-Link korrigiert, der führte anfangs zum falschen Artikel im Blog. (Und ganz am Anfang war er noch gar nicht da.)

  3. Ich versuche mittlerweile schon gar nicht mehr dem Geschehen in Griechenland zu folgen. Ist Griechenland überhaupt noch zahlungsfähig?

    Ich wünsche auf jeden Fall einen schönen Urlaub.
    Gruß,

    Claudius

  4. Wenn die einzelnen Bundesländer eine Finanzhoheit hätten, @Thomas, müsste man schon über eine eigene Währung für jedes Bundesland nachdenken. Die Schweiz zumindest hat für 8 Millionen Einwohner eine eigene Währung und fährt ganz gut damit.

  5. Stefan Rapp sagt

    Wenn man der Meinung ist das ein Grexit die sinnvollste Lösung für Griechenland ist, damit Griechenland wieder Wettbewerbsfähig wird, muss man sich doch aber auch mal fragen ob der Mechanismus der dadurch in Kraft gesetzt wird nicht auch auf andere weiße ermöglicht werden kann, so das der Grezit gar nicht real vollzogen werden muss sondern das er sich eben innerhalb des Währungssystems abspielt. Warum sollte es denn so schwer sein importierte Wahren auf der einen Seite zu verteuern und Exportwahren auf der anderen Seite zu vergünstigen. Prinzipiell könnte man Importwaren zusätzlich besteuern, während man diese Steuereinnahmen dazu benutzt um Wahren die Exportiert werden auf dem Weltmarkt günstiger anzubieten. Solange mehr Importiert wird als Exportiert, solange ist auch genügend Liquidität für die Subventionierung der zu Exportierenden Wahren vorhanden. Im Grunde geht es ja nur darum das man für die Importgüter eine größere naturale Gegenleistung erbringen muss was mit den Kapitalströmen so wie sie jetzt stattfinden eben nicht erreicht wird. Auch wäre dies ein Ansatz um Grexitgegner wie Befürworter wieder an einen Tisch zu bringen. In der Soziologie hängt ja bekanntlich vieles vom Glauben ab und wenn alle an einem Strang ziehen, strahlt die Akropolis vielleicht irgendwann wieder in ihrer vollen Bracht in den Herzen aller Europäer.

  6. In der Theorie würde das funktionieren. Ich habe allerdings einen Widerwilllen dagegen, dass Politiker massiv Marktpreise beeinflussen, wie das durch Importsteuern und Exportsubventionen der Fall wäre, zumindest dann, wenn es auch eine einigermaßen funktionierende Marktlösung gibt. Es ist nämlich politisch schwer, die Steuern der jeweiligen Wirtschaftslage schnell anzupassen.
    Nicht zuletzt wären solche Steuern ein Ende des Binnenmarktes (und sind darum unvereinbar mit EU-Recht). Den gemeinsamen Binnenmarkt aufzugeben, um die gemeinsame Währung beizubehalten, ist aber komplett sinnlos.

  7. Eumel sagt

    Was erwartet man von Wahnsinnigen sonst?
    Um Wahnsinn zu erkennen, muss man sich erst fragen,wie wahnsinnig bin ich selbst schon.

  8. Erich sagt

    Prinzipiell könnte man die Probleme in Griechenland natürlich auch über Importsteuern lösen, nur widerspricht dies natürlich den Grundsätzen der EU. Auch andere Handelsabkommen stehen dem womöglich im Weg. Wenn Griechenland solche Einfuhrzölle einführen darf, dann kommen da sehr schnell auch andere Länder mit gleichen Forderungen, wie etwa Italien, … Ein Handelskrieg wäre dann nicht mehr auszuschließen, und dies würde letztlich für alle Länder nachteilig.

  9. Pingback: Kleine Presseschau vom 3. August 2015 | Die Börsenblogger

  10. Häschen sagt

    Wenn im Sozialismus eine Knappheit auftritt, dann handelt es sich um ein Politikversagen.

  11. Stefan Rapp sagt

    Die Frage ist doch wie kann ich in einer Währungsunion in der noch keine Fiskalunion gegeben ist einen Mechanismus zumindest temporär etablieren die den dadurch gegebenen Konstruktionsfehler erst mal kompensiert. Natürlich schaff ich dadurch was was nicht das ideale Ziel ist. Wenn ich in eine Apotheke gehe stehen dort die Regale auch nur voll mit Giften, der Biologe würde auch sagen, das ist doch Wahnsinn einem geschwächtem Organismus dann auch noch irgend ein Gift zuzumuten. Der Mediziner sagt aber was ganz anderes, wenn das Gift über einen bestimmten Zeitraum mit einer ganz bestimmten Menge nach vorgegebenen Regeln verabreicht wird dann wird der Patient wieder gesund und wird die Medizin nicht mehr brauchen. Ich will ja nicht da jetzt irgendwelche Politiker in irgend einem Land völlig unkoordiniert anfangen einen Aderlass nach dem anderen zu starten oder irgendwelche sinnlosen Voodootänze ausführen sondern hier geht es um moderne Chirurgie die mittels Ökonomen entwickelt und durch die EU umgesetzt wird. Dies wird mindesten Innerhalb der EU auch erst mal diskutiert und mit allen Ländern dort abgesprochen. Die Gesetze dazu müssen entsprechend angepasst werden, das ganze soll praktisch auch als eine Art Vorstufe zu Fiskalunion verstanden werden, die Politik schafft sich damit ja auch Zeit mit der Einführung selbiger zu warten, da Europa für so einen Schritt offensichtlich noch lange brauchen wird. Der Binnenmarkt kann ohne Transferleistungen langfristig nur Funktionieren wenn aus einem Land nur so viele Werte raus fließen wie auch hineinströmen. Es soll in diesem Fall nicht Griechenland entscheiden in wie weit es Einfuhrzölle einführen darf und wie mit den eingesammelten Mittel die Exportindustrie Subventioniert werden kann, dies soll zentral gesteuert werden, am besten an den Länderparlamenten vorbei, nach festen Regeln. Nach diesen Regeln können auch andere Länder gestützt werden, wenn es denn sein müsste. Weg vom Hals über Kopf freien Binnenmarkt hin zu einem teilweise standardisierten Binnenmarkt der aber immer noch frei genug ist seine Potenziale auszuspielen.
    Griechenland wird das jetzt erst mal noch nicht so viel bringen dies eröffnet aber eine gesamteuropäische Perspektive in der es wieder mehr Sinn macht dieses Land zu stützen, weg von der primären Sparpolitik hin zur Strukturtransformationspolitik bei gleichzeitiger realer Anschubfinanzierung mittels der EU. Beispiel für Strukturtransformation wäre: für jeden Beamten der noch an einer Stelle eingespart wird muss an anderer Stelle wo Beamte gebraucht werden eine neue Stelle entstehen, im Katasteramt, beim Finanzamt, Steuerfahndung usw. erst wenn Griechenland wieder auf ausreichender Wachstumsfahrt ist kann man auch wieder Netto Beamte entlassen wenn man in Summe doch nicht so viele braucht.
    Warum sollte es VW stören ob seine Autos wegen Importzöllen teurer werden oder weil Griechenland seine neue Währung abwertet. Die Wirtschaft weiß ja auch das es keine Willkür von Griechenland ist sondern das es eine notwendige Voraussetzung ist damit VW auch in Zukunft noch Autos nach Griechenland liefern kann.
    Wenn Europa eine Frau ist, dann ist der Grexit männlich!

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