Vermischtes

Euromär, Eurourteil und Euromerkel

Angela Merkel Cebit

Über Fehler bei der Beurteilung des Erfolgs der Währungsunion, Fehlentscheidungen der obersten Gerichte sowie den fundamentalen politischen Fehler Angela Merkels. Drei Sachen, um am Wochenende darüber nachzudenken.

Währungsunion und Wirtschaftswachstum

Man hat es oft gehört und von ganz verschiedenen Seiten: Der Euro habe Deutschland und Europa Wirtschaftswachstum gebracht. Schaut man allerdings auf die Daten, was Konstantin Wacker für die Ökonomenstimme getan hat, so kann man beim besten Willen nichts von einem Euroboom nach 1998/99 entdecken. Die einzige Ausnahme: Griechenland. Und wie das ausgegangen ist, wissen wir.

Im Durchschnitt war das Wirtschaftswachstum der Euroländer aber nach 1998 weder höher als vorher noch höher als in vergleichbaren Nicht-Euroländern. Insbesondere schwächelte auch der angebliche Euro-Profiteur Deutschland. Damit deckt sich Wackers Analyse mit meinen eigenen Kommentaren zum langfristigen Wirtschaftswachstum im weltweiten Vergleich. Weitere Details von Wacker kann man auf Ökonomenstimme nachlesen.

Das EZB-Urteil des Europäischen Gerichtshofs

Der Europäische Gerichtshof sieht kein Problem darin, wenn die EZB Anleihen von Krisenländern kauft. Was aus dem aktuellen Urteil folgt, schreibt Gerard Bökenkamp im Open Europe Blog.

Im letzten Abschnitt wird Bökenkamp allerdings unpräzise. Das Bundesverfassungsgericht hat ja bereits notwendige Bedingungen genannt, unter denen das Anleihekaufprogramm OMT der Europäischen Zentralbank mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Man lese hierzu meinen hochaktuellen Text vom Februar 2014. Den Karlsruher Bedingungen ist der EuGH aber nicht vollständig gefolgt. Nun müssen die Verfassungsrichter entweder eine Teilnahme der Bundesbank am OMT-Programm verbieten oder aber ihre eigene, erst ein gutes Jahr alte Entscheidung als Fehlentscheidung verdammen.

„Ausgemerkelt“

Merkel ist mit ihrer Europolitik in Griechenland gescheitert. Das Prinzip „Zeit kaufen und Probleme aussitzen“ hat in der Eurokrise nicht funktioniert. Der Euro ist eine Fehlkonstruktion, die nicht durch Abwarten repariert wird. Tobias Straumann schreibt darum zurecht „Ausgemerkelt“ im Blog „Never Mind the Markets“.

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Foto (von Ralf Roletschek): Angela Merkel bei der Eröffnung der Cebit 2012 – Ausschnitt

2 Kommentare

  1. Häschen sagt

    Echtes Wachstum ist eine mentale Frage. Wenn man den Weg des Wachstums geht, dann passiert es und sonst nicht.

    Euroland ist Schwabenland. Es hat sich auch vor dem EURO nicht viel abgespielt. Die Veränderung der Wirtschaft passierte zuvor zumindest bei uns in Österreich. Warum hätte sich etwas ändern sollen?

    Die Frau Merkel hat ja allein kommuniziert. In dem Sinne ist sie der Überbringer der Nachrichten die Unbehagen verbreiten. Der Rabe hat es nicht leicht. Irgendwann muss er Federn lassen, obwohl er nichts dafür kann. Wie sagte der Steven Ballmer mal, ‚Es ist für jeden eine Freude in einer High-Performance Organisation zu arbeiten‘. Gähn … Man kann sich Aufschwung nicht herbeiarbeiten sondern bestenfalls herbeitauschen. Die Expansion verzeiht viel mehr, herbeisparen kann man sich Wachstum nicht.

    Es wird ja keiner für die Arbeit bezahlt mit Geld. Es gibt welche deren Lebensarbeitszeit als Verechnungseinheit für die Leistung wird herangezogen. Technisch bitte regelt ein Arbeitsvertrag, dass die Kaufkraft die über einen Kredit bereitgestellt wird 12 (oder 14mal) im Jahr zum beim Halter des Vertrags einerseits vorbeikommt und andererseits vorbeikommen soll respektive muss (Unternehmen). In meinem bescheidenene Modell schlagt das damit verbundene Kapital 12mal um. Die Großkonzerne die im Markt beherrschen hebeln nicht allzuviel damit ist die Umschlagshäufigkeit ähnlich oder am Limit.

    Früher haben die Hausfrauen das Geld vom Mann verprasst, mit dem eigenen Geld gehen die vorsichtiger um davon mal abgesehen, dass kaum einer mehr Zeit hat einkaufen zu gehen. Es ist eh recht dass alle Geld verdienen, aber Zeit zum Einkaufen wäre schon kein Schaden. Seit 3 Jahren predige ich – gebt den Menschen die Bedarf haben Tauschmittel. Der Mensch gibt aus dem laufenden Einkommen eher aus und nicht vom Ersparten.

    Mit der Angstmacherei ‚keine Zinsen‘ erwischt man ein paar die vorher geglaubt habe, dass ihr Geld auf der Bank wirklich Kaufkraftzugewinn bringt oder zumindest nicht verliert. Aus Sicht des BIP ist ein Sparbuch praktisch tod, sonst hätten früher schon viel Menschen viel lauter geschrien wie am Spieß. Die Kaufkraft ist neutralisiert. Die Kaufkraft hat nie jemand wirklich gebraucht möglicherweise ein anderer.

    Die Preise steigen mal mit der ‚Verschwendung‘ (wenn auch aus der Retrospektive betrachtet) und im Anschluss wird mehr Geld umverteilt im Spielraum. Wenn dem Konsument nicht mehr viel bleibt, … Wundern darf sich keiner. Unternehmen die exportieren ist die Inlandsnachfrage an sich egal.

    Es bleibt die Möglichkeit einfach mehr Kaufkraft in den Süden reinzujagen. Die Diskussion ist schon so verkommen, dass heute gesagt wird, ‚Die bösen Griechen haben sich unsere Güter gekauft. Solche Lauser‘. Der ehrbare Grieche hat eine Geiß im Wohnzimmer und lebt von einer kargen Schale Milch pro Tag. Mit so einer Einstellung macht man bezüglich Wachstum keine Meter. Eines haben die Griechen bewiesen – Tauschfreude.

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 22. Juni 2015 | Die Börsenblogger

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