Wirtschaftswurm-Blog

Portugal ist der Nächste

Das kommt uns doch alles bekannt vor. So meint der Eurogruppenvorsitzende Jean-Claude Juncker laut Handelsblatt: Die Krise Irlands werde nicht auf Portugal übergreifen. Die Situation der beiden Länder sei nicht direkt vergleichbar … Portugal unternehme außerdem große Sparanstrengungen, um sein Haushaltsdefizit unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zurückzuführen. Portugals Regierunschef Socrates sieht das selbstverständlich genauso: „Wir haben niemals eine Immobilienblase gehabt, und unser Haushalt ist mit dem irischen nicht zu vergleichen.“

Nach der Griechenland-Krise war allerdings monatelang Ähnliches über Irland zu hören. Irland sei ganz anders als Griechenland, Irland sei reich, habe nie mit Zahlen getrickst und überhaupt … Und nun kommt Irland trotzdem nicht mehr ohne Kredite aus dem Euro-Stabilitätsfonds aus.

Beschwichtigende Stellungnahmen von Politikern sind ein guter Indikator dafür, dass es brodelt. Und es brodelt tatsächlich in Portugal. Der heutige Generalstreik im Land zeigt das ebenfalls.

Aber schauen wir uns die Zahlen an. Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 9,3 % des BIPs und wird dieses Jahr wohl bei 7,3 % des BIPs liegen. Das ist hoch, aber immerhin deutlich unter den Werten Griechenlands und Irlands. Der Schuldenstand liegt dagegen gegenwärtig bei 86,4 % des BIPs, während Irland 83,5 % aufweist.

Letztlich sind jedoch andere Daten wichtiger: In Portugal mag es keinen Immobilienboom gegeben haben, trotzdem sind dort auch die privaten Haushalte hoch verschuldet. Öffentliche und private Verschuldung zusammengerechnet machen 200 % des portugiesischen BIPs aus. Die portugiesische Wirtschaft wächst dagegen kaum merklich, die Arbeitslosigkeit ist hoch und das durchschnittliche Monatseinkommen eines Arbeitnehmers liegt bei gerade mal 1100 Euro brutto. Wie soll man so Schulden zurückzahlen? Vor allem ist die portugiesische Wirtschaft kaum wettbewerbsfähig. Das Leistungsbilanzdefizit liegt bei 10 % und damit nur wenig niedriger als das griechische.

Bei allen schlechten Zahlen, wahrscheinlich wäre weder der griechische noch der irische Hilferuf notwendig gewesen ohne die Finanzspekulationen, die die Kurse der Anleihen dieser Länder in den Keller geschickt haben und damit die Renditen auf diese Anleihen in die Höhe. Und so wird es auch bei Portugal sein.

Aktuell werfen griechische Papiere mit 10 Jahren Laufzeit 11,8 % Rendite ab, irische 8,5 %. Portugiesische Anleihen erreichen bislang „nur“ 6,9 % (deutsche zum Vergleich 2,6 %). Aber warten wir mal ein paar Monate ab, dann haben auch die Portugiesen mindestens irisches Niveau erreicht. Und dann wird es für Portugal sehr schmerzhaft, weitere Anleihen auszugeben und seinen Finanzbedarf auf dem freien Kapitalmarkt zu decken.

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