Wirtschaftswurm-Blog

Das Kreuz mit der griechischen Wettbewerbsfähigkeit

Parthenon Ausschnitt

Vorgezogene Jubelmeldungen darüber, dass Griechenland möglicherweise/ unter Umständen/ vielleicht wieder Gelder von den Kapitalmärkten bekommen wird. Davor schon freudige Nachrichten darüber, dass Griechenland endlich einen Leistungsbilanzüberschuss aufweist. Da könnte man den Eindruck bekommen, dass das Problem der mangelnden griechischen Wettbewerbsfähigkeit gelöst ist. Dem ist leider nicht so.

Denn wenn man sich die Zahlen genauer anschaut, wie das Güther Grunert auf den Nachdenkseiten getan hat, dann stellt man fest: Nimmt man die ölbezogenen Produkte heraus, dann stagnierte der Export von Waren und Dienstleistungen aus Griechenland 2013 ein weiteres Mal – und dies trotz einer florierenden Tourismussaison.

Somit ist klar, dass der Leistungsbilanzüberschuss Griechenlands hauptsächlich durch ein weiteres Schrumpfen der Einfuhren erreicht wurde. Die verarmten Griechen leisten sich immer seltener Importprodukte. Eine Erfolgsmeldung ist das keineswegs.

Einen Hinweis darauf, warum die griechische Exportwirtschaft trotz gesunkener Lohnstückkosten nicht in die Gänge gekommen ist, findet man bei Ansgar Belke und Daniel Gros. Die beiden haben den World Economic Freedom Index analysiert. Danach ist die Qualität öffentlicher Institutionen in Griechenland nicht nur schlecht, selbst relativ zu anderen Eurokrisenländern wie Portugal. Die Qualität öffentlicher Institutionen hat sogar in den Krisen- und Reformjahren weiter abgenommen. Besonders verschlechtert haben sich dabei die Kennzahlen für die Verschwendung von Regierungsgeldern und die für die Zweckentfremdung öffentlicher Mittel.

Im Zusammenhang mit der schlechten Exportleistung Griechenlands interessant ist ferner eine weitere Beobachtung, die wir hier im Blog schon einmal diskutiert haben, weil Bernd Lucke von der AfD sie ins Spiel brachte: Die Preise der griechischen Exportprodukte sind bisher keineswegs gesunken (wohlgemerkt trotz gesunkener Lohnstückkosten).

Ich vermute, zwischen schlechten öffentlichen Institutionen und der mangelnden Preisflexibilität der griechischen Exportunternehmen besteht ein Zusammenhang. Hier müssen aber wohl weitere Forschungen ansetzen. Und neben schlecht funktionierenden öffentlichen Institutionen wird man dabei wohl auch schlecht funktionierende unternehmerische Institutionen in Rechnung stellen müssen.

Allerdings zeigt sich auch immer mehr, dass Griechenland ein Sonderfall ist. Selbst Portugals Exporte entwickeln sich inzwischen wesentlich besser. Bei einem Punkt gibt es aber selbst in Griechenland leichte Entwarnung. Die Deflation ist von 2,9% im November auf 1,1% im Februar gesunken (Zahlen auf Jahresbasis). Die Gefahr einer Deflationsspirale damit ebenfalls.

Trotzdem: Griechenland hätte nie in die Eurozone aufgenommen werden dürfen. Und Griechenland hätte nie durch „Rettungsschirme“ herausgekauft werden dürfen. Wie lange müssen wir dieses Mantra noch beten, bis die Politiker die Konsequenzen ziehen?

5 Kommentare

  1. Pingback: 5 vor 10: Studienkosten, Griechenland, Bankenrettung, Hacker, Vermögensverteilung | INSM Blog

  2. Pingback: Kleine Presseschau vom 1. April 2014 | Die Börsenblogger

  3. Andres Müller sagt

    „Griechenland hätte nie in die Eurozone aufgenommen werden dürfen“.

    Das würde ich anders formulieren. Es gibt nicht nur ökonomische Erwägungen, die für die Aufnahme einer Nation in die Eurozone sprechen, sondern auch Politische und Soziale.

    Aus meiner Sicht ist es die Konstruktion des Euro, was zu den schlimmsten Verwerfungen in der Eurozone führt. Man hätte für bestimmte Länder wie Griechenland eine Übergangsphase in das Euro Währungssystem schaffen müssen. Die Umrechnung der Landeswährung zum Euro hätte auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden müssen. Das wäre möglich gewesen durch eine jährliche Neuberechnung des Umrechnungskurses zur bestehenden griechischen Währung. Man hätte den Euro als offizielles Zahlungsmittel in der Volkswirtschaft einführen können, aber im Hintergrund der Notenbank die Drachme weiterführen können -bis dass die Umrechnung zum Euro eine mehr oder weniger stabile Prozentzahl erreicht hätte.

  4. @Andreas Müller, dein Vorschlag läuft auf ein kompliziertes Doppelwährungssystem hinaus. Ich bin da nicht unbedingt ein Anhänger davon, siehe Soll Griechenland nur halb aus dem Euro raus?. Der einzige nachvollziehbare politische Grund für die Euroeinführung war übrigens, die geldpolitische Vorherrschaft der Deutschen Bundesbank zu brechen. Dafür war ein Beitritt Griechenlands aber nicht notwendig. Alle anderen politischen Gründe sind reine Symbol- und Fetischpolitik.

  5. Pingback: Verwirrung um AfD | Wirtschaftswurm

Kommentare sind geschlossen.