Analyse

IWF-Studie: Flüchtlinge als Konkurrenten auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt

Containerbau_für_Flüchtlinge_in_Hannover_Linden

Werden die Neueinwanderer den Einheimische die Arbeitsplätze wegnehmen? Werden nun die Mieten steigen? Über diese Fragen macht sich Otto Normalo angesichts der Flüchtlingskrise Sorgen. Der IWF hat in einer Studie versucht, Antworten zu gegeben. Eine positive und eine negative.

Teil 2 des Artikels über die IWF-Studie zur Flüchtlingskrise. Der erste Teil findet sich unter dem Titel „Flüchtlinge senken durchschnittlichen Lebensstandard“.

Die Frage nach den Arbeitsplätzen ist die nach der Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen, also von Leuten, die offiziell aus humanitären Gründen Aufnahme gefunden haben. Der IWF hat dazu EU-Daten aus den Jahren 2002-12 analysiert. Flüchtlinge, die maximal 5 Jahre in der EU waren, hatten demnach eine Erwerbsquote, die 22 Prozentpunkte niedriger war als die von Einheimischen. Und diese Differenz schwindet nur sehr langsam. Erst bei Flüchtlingen, die mehr als 20 Jahre im Land sind, lässt sich ein Unterschied zu Einheimischen nur noch dann feststellen, wenn sie noch immer nicht die Sprache beherrschen.

Das Problem der Geringqualifizierten

Zwischen den Zeilen deutet der IWF an, dass bei der gegenwärtigen Flüchtlingswelle noch schlechtere Zahlen zur Arbeitsmarktintegration zu erwarten sind:

In Afghanistan, Iran, Irak, Syrien, Somalia, Eritrea und Ex-Jugoslawien geborene Einwanderer sind im Durchschnitt weniger gebildet als die Einheimischen oder als andere Einwanderer. Damit sind die Hauptherkunftsländer der gegenwärtigen Asylbewerberwelle benannt.

Die Hoffnung ist, dass gegenwärtig aus den genannten Ländern besser qualifizierte Leute kommen als früher. Plausibel kann der IWF dies allerdings nicht begründen. Kosten und Hindernisse für die Reise nach Deutschland führen sicherlich zu einer gewissen Selektion, so dass Ärmere nicht nach Deutschland gelangen. Das war früher allerdings auch schon und eher noch stärker der Fall.

Hinzu kommt: Auch die Kinder von Einwanderern zeigen schlechtere Bildungsergebnisse als die von Einheimischen, so dass das Qualifikationsproblem sehr langfristig bleibt. Die Konzentration der Immigrantenkinder in bestimmten Schulen erhöht laut IWF dieses Problem. Genau das wird aber wohl in Deutschland zwangsläufig nun zunehmen.

Getreu Milton Friedmans Satz, dass man nicht offene Grenzen und einen Sozialstaat gleichzeitig haben kann, empfiehlt der IWF zur besseren Arbeitsmarktintegration eine Absenkung des Mindestlohns, Lohnsubventionen und eine Reduzierung der Sozialabgaben für Geringverdiener. Da fällt mir auf, dass gerade die Parteien (und Personen), die die Integration der aktuellen Flüchtlingswelle am lautesten befürworten, solche Maßnahmen am vehementesten ablehnen.

Man kann der Sache aber auch etwas Positives abgewinnen und das lässt die IWF-Studie dann auch nicht aus: Wegen der geringeren und anderen Qualifikation der Flüchtlinge brauchen Einheimische kaum Angst vor der neuen Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zu haben. Das Thema Schwarzarbeit von Immigranten, das es in ein, zwei Jahren bis in die Schlagzeilen schaffen wird, spart der IWF aus.

Flüchtlinge auf dem Wohnungsmarkt

Ein anderes heißes Eisen findet dagegen Erwähnung:

Die resultierende Steigerung von Mieten und Hauspreisen könnte einen nachteiligen Effekt auf die existierende Bevölkerung haben – speziell auf Haushalte mit niedrigerem Einkommen – und erschwert es ankommenden Flüchtlingen dort eine Unterkunft zu finden, wo die Arbeitsnachfrage hoch ist.

Eine für Deutschland ganz ungünstige Zahl muss ich aber noch in einem eigenen Artikel erläutern. Der Teil 3 zur IWF-Studie trägt den Titel „Einwanderung war in der Vergangenheit für Deutschland ein Verlustgeschäft„.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Foto (von Nifoto/Wikimedia Commons): Bau von Wohncontainern für Flüchtlinge in Hannover-Lingen

27 Kommentare

  1. Pingback: IWF-Studie: Flüchtlinge senken durchschnittlichen Lebensstandard | Wirtschaftswurm

  2. Amaretto sagt

    Ich hasse es, wenn es nicht nur interessant sondern jetzt auch spannend wird und auf nächste Woche verwiesen wird 🙁

    Die verbesserte Verfügbarkeit von Fähigkeiten wie Mehrsprachigkeit (Deutsch, Englisch, Herkunftssprache) fällt den Texten entnehmend eher gering aus? Im Bekanntenkreis können diejenigen aus Flüchtlingsfamilien vergangener Generationen mehrere Sprachen gut sprechen und werden von Unternehmen, Verbänden oder Behörden angestellt, um zu übersetzen, zu vermitteln, usw.

  3. @Amaretto,
    nein, du musst wohl nur bis Freitag warten.

    Thema Mehrsprachigkeit: Wie viel Jobs gibt es denn in Deutschland, für die Arabisch nützlich ist?

  4. Amaretto sagt

    Naja, Lehrer und Sozialarbeiter werden vielleicht künftig mit Arabischkenntnissen gesucht, aber die müssen ja auch von irgendjemandem bezahlt werden.

    Statistisch betrachtet (Zahlen vom Bundesamt) stellen die Staaten mit ihren Importen (unseren Exporten) in 1000 Euro
    Vereinigte Arabische Emirate 11.364.113,00 €
    Saudi-Arabien 8.879.772,00 €
    Ägypten 2.864.918,00 €
    Katar 2.097.526,00 €
    Marokko 1.700.138,00 €
    Kuwait 1.422.226,00 €
    Irak 1.149.810,00 €
    Pakistan 804.374,00 € (teilweise arabisch, glaub ich)
    Libanon 771.106,00 €
    Oman 691.685,00 €
    Jordanien 683.794,00 €
    Libyen 536.677,00 €
    Bahrain 374.024,00 €
    Jemen 204.731,00 €
    Afghanistan 115.146,00 € (eventuell arabisch)
    Arabische Republik Syrien 67.009,00 €
    zusammen 33.727.049,00 € den 12. größten Handelspartner – noch vor aktuell Platz 012 Tschechische Republik 33.469.139 €. (13. Russland mit 29. Mrd.)

    Ich bin gespannt auf Freitag.

    Staufenbiel, Karrierefibel, u.a. berichten davon, dass der Mindestlohn die Bezahlung von Praktikanten verbessert hat, aber die Angebot an Praktika deutlich eingeschränkt hat. Hilfsarbeiter wie Flüchtlinge würden das Angebot doch weiter einschränken oder ist hinsichtlich Sprache u.a. Faktoren eine Barriere vorhanden? (Die angesprochenen Portale beziehens sich meist auf Absolventen).

  5. In der Exportindustrie gibt’s sicher ein paar Stellen, wo Syrer sehr nützlich sein könnten. Aber dann müssten sich diese Syrer auch z.B. im Maschinenbau auskennen. Und auch wenn da einige darunter sein sollten, die Maschinenbau studiert habe, sag ich dir, zwischen einem deutschen Maschinenbaustudium und einem syrischen liegen Welten. Viele der jetzt Angekommenen können aber noch nicht einmal das lateinische Alphabet. Die müssten eigentlich jetzt erst einmal 8 Jahre auf die Schule gehen und dann noch eine Berufsausbildung machen. Bis dahin sind die dann 40.
    Dass nun Flüchtlinge statt Praktikanten eingestellt werden, kann ich mir auch nicht wirklich vorstellen. Erst recht nicht, wenn man dem Flüchtling auch den Mindestlohn zahlen muss. Aber ich hab’s im Artikel angedeutet, meiner persönlichen Meinung nach stellt sich die Frage nach dem Mindestlohn in der Praxis bald nicht mehr. Das wird alles über Schwarzarbeit laufen. Wer will das schon kontrollieren?

  6. Amaretto sagt

    Großartige Aussichten. Nächstes Jahr wollte ich ins Berufsleben einsteigen …

    Vielen Dank. Bis Freitag.

  7. Es gibt über diejenigen die in unserer Gesellschaft ganz unten sind kein Detail, dass Wirtschaftswissenschaftler nicht untersuchen.

    Auf den Cent genau rechnen sie uns vor was uns „die da unten“ oder „die Migranten“ so kosten. Das Feindbild der Unterklasse, des Migranten und des Flüchtlings muss um jeden Preis aufrechterhalten werden. Dankbar nehmen Bild, Welt, Spiegel oder Stern diesen Unsinn in ihre Blätter und predigen geben den Hass gegen unten an ihre Leser weiter.

    Warum gibt es keine Zahlen über die Familen Albrecht, Oetker oder Otto? Was ist mit dem 1% das wohl inwischen 1/3 des deutschen Vermögens besitzt? Genaue Zahlen hat man nicht. Niemnals haben die Topvermögenden an irgendeiner Studie Teilgenommen, niemand kennt die Ausmaße der Vermögen die in Schattenbanken und Steueroasen stecken.

    Wieviel kosten uns diese Menschen???

    Nach der Schätzung der OECD verliert Deutschland durch Steuervermeidung der Ultrareichen und Großkonzernen 20% seines Steueraufkommens. Dass sind 200 Milliarden im Jahr die wir den Reichen direkt aus dem Steuersäckel schenken.

    Das kommt oben drauf auf die gigantischen Vermögenseinkommen die wir durch unsere „Bankenrettung“ ebenfalls aus dem Steuersäckel absichern.

    Wieviele Millionen Flüchtlinge könnten wir uns locker leisten wenn wir nur die Hälfte dessen hätten was die Superreichen uns jährlich kosten? Warum gibt es von der Wirtschaftswissenschaft dazu keine Aufstellung?

    Der Krieg gegen die Unteren Klassen wird von den Wirtschaftswissenschaften permanent befördert. Damit macht sie sich dem Fortschreiten des Nationalismus und des Faschismus am Rechten Rand eindeutog mitschuldig.

    Deshalb, weil stets in die gleiche Kerbe gehauen wird, „Was Kosten uns die da unten und die anderen?“ ist dieser Artikel Rassistisch und Klassisistisch.

  8. Stefan Rapp sagt

    @AlienObserver
    Ja richtig, das was uns Reichtum wirklich kostet, das würde mich auch mal interessieren, für mich sind diese Papiervermögen aber nicht entscheidet, sondern das was von den Reichen real wiederum vernichtet wird weil sie es für ihren Wohlstand brauchen. Ob jetzt die Telekom jemanden privat gehört und dieser damit dann Milliardär wäre oder ob sie dem Staat gehört und es eben den Milliardär nicht gebe aber vielleicht dafür dann speziell einen Telekomminister dessen Nettogehalt auch nicht größer wäre als das Geld was der Milliardär konsumierte so wäre der Gesamtschaden nutzen erstmal gleich. Die Frage ist nur wie innovativ wäre dieses Unternehmen in Staatlicher Aufsicht oder eben in privaten Händen. Ich glaube eben das die Privathände das Unternehmen besser führen und damit der daraus einstehende nutzen für die Gesamtgesellschaft weit größer ist selbst wenn der Milliadär verschwenderischer sein sollte als dies in meinem Beispiel angedeutet ist. Man muss von den Reichtumskosten eben auch den Reichtumsnutzen abziehen und dann die Frage stellen was am Ende dabei rauskommt. Mir sind auf jedenfall „bescheidene“ Milliardäre lieber als Staatsunternehmen wobei ich auch viele Sachen wie Teile des Versicherungswesen (Rente usw.) lieber in staatlichen Händen hätte.

    Zum Thema Steuerhinterziehung was ich auch nicht als richtig empfinde so muss man dieses Trotzdem richtig einordnen, was wäre denn wenn beispielsweise ein Herr Zumwinkel nicht seine Biographie hätte die er nun mal hat. Hätte er von beginn seiner Karriere wenig Tatendrang gezeigt und schon ohne Schulabschluss hin und wieder mal nur Gelegenheitsjobs angenommen um sich gerade so über Wasser gehalten, wäre sein selbst gewählter Gesellschaftlicher nutzen weit geringer auch wenn er keine Steuern hinterzogen hätte. Wie viel selbst gewählte Lowperformer gibt es den in unserer Gesellschaft, warum rechnet den mal niemand den Schaden durch deren Einstellung aus ? Nur weil man sie von der Distanz aus so schlecht von denen unterscheiden kann die einfach nicht im Stande sind mehr zu leisten und unsere Solidarität brauchen, so gibt es diese doch zahlreich wie ich immer wieder feststellen muss.
    Ich glaube auch das Menschen die hier Mitte 20 als Analphabeten herkommen mit hoher Wahrscheinlichkeit immer am unteren Ende der Gesellschaft ihr leben fristen müssen, vielleicht hat man da weniger Risiken, vielleicht muss man dort auch im schnitt weniger leisten als in seiner Heimat, bloß glücklich wird dieser Mensch hier sicherlich nicht, besser ist wenn wir versuchen seine Heimat wieder zu befrieden damit er in seinem sozioökonomischen Umfeld ein Teil in deren mitte der Gesellschaft werden kann und dort sicherlich mehr Anerkennung erfährt als bei uns.
    Mittlerweile gehen nach Mexiko aus den USA wieder mehr Mexikaner zurück als in die USA einwandern. Wenn die nicht wissen das es in ihrer Heimat für sie besser ist als in den USA wer soll dies denn dann beurteilen können.

  9. @Jimmy
    ich würd gerne Antworten, aber ich versteh dich nicht.

    Satt dessen ein sehr kurzgefasster Überblick zu Links und Rechts, damit dir das nicht wieder um die Ohren fliegt.

    Dass Arbeit Kapital schafft haben nicht Marx oder die Sozialisten erfunden, sondern ist klassische Wirtschaftlehre und knüpft an die Theorien von David Ricardo (britischer Nationalökonom) an. Marx (wirtschaftswissenschaftliche) dreingabe ist die kritische Auseinandersetzuing mit dieser Theorie und ihrer Konsequenzen.

    Tatsächlich unterscheidet sich Links von Rechts vor allem aber in der Zuschreibung der Verantwortung für die soziale Lage des einzelnen, des Subjekts. Die folgende Passagen sind sehr plakativ, fassen aber den Kern des jeweiligen Grundverständnisses über Gesellschaft zusammen:

    Im Verständnis linker Theorie (und aller Sozialwissenschaft die in diesem Bereich meist auf Marx aufbaut) ist die Ursache der sozialen Klasse/Schicht durch die gesellschaftlichen Umstände der Sozialisierung der Subjekte zu suchen. Soziale Schichtung wird im Kapitalismus durch hegemoniale Machtgefüge reproduziert. Wer arm geboren ist wird es also aller wahrscheinlichkeit nach bleiben. (Siehe z.B. Gramsci für Ideologie- und Hegemonietheorie)

    In der neoliberalen Ideologie (und weiter Kreise der Wirtschaftswissenschaft) ist die Verantwortung für die soziale Schicht, Armut und Reichtum allein dem Subjekt zuzuschreiben. Wer arm ist ist selbst schuld und wer reich ist hat sich diesen Reichtum selbst verdient. (wichtige Theoretiker: Ayn Rand, Friedrich Hayek, Milton Friedman)

    Linke fragen also nicht nach einfach „Verteilung“ sondern der allgemeinen Verantwortung der Gesellschaft und des Staates für das Subjekt und streben die Aufhebung der sozialen Schichtung an (Klassenlose Gesellschaft).

    Neoliberale/Wirtschaftliberale sehen die Verantwortung im Subjekt selbst und betonen die „Freiheit“ des einzelnen vor staatlicher Intervention in allen Wirtschaftsfragen. Sie sehen die soziale Schichtung als natürliche Entwicklung innerhalb einer auf Wettbewerb basierenden Marktwirtschaft die keine Alternative hat.

    PS: Reine Zinskritik ist ein problematisches Feld weil sie sich mit rechter (Nazi) Theorie überschneidet da sie oft mit antisemitischen Tendenzen verknüpft ist.

  10. @Jimmy
    An Stefan Rapps Beitrag kann man ein sehr schönes Beispiel für die Zuschreibung der Verantwortung für das persönliche Schicksal am Subjekt erkennen. Obwohl jede sozialwissenschaftliche Studie der letztem 100 Jahre eine solche Zuschreibung wiederlegt ist sie im kollektiven Bewusstsein unserer Bevölkerung weit verbreitet, insbesondere bei den Gewinnern dieses Systems.

    Der „Low Performer“ ist in dieser realitätsfernen Ideologie natürlich zur Verantwortung zu ziehen während der „High Acchiever“ die gesamte Gesellschaft voran bringt und selbst kriminelle Straftaten durch seine Leistung relativiert werden.

  11. @Jimmy,
    ich habe deinen Beitrag gelöscht. Vielleicht bist du ein verkanntes Genie, aber ich kenne da inzwischen keine Gnade mehr.
    @AlienObserver,
    ach ja, der Rassismus-Vorwurf. Diese ganzen Rassismus/Klassismus/Genderismus-Geschichten sind wohl die allerletzte Degeneration linker Theorie. Gerade wer sozialwissenschaftliche Erkenntnis will und gesellschaftliche Hintergründe offenlegen will, muss zuvor die Unterschiede zwischen Menschen offenlegen. So hab ich’s in Menschen, Menschen, bloß noch Menschen geschrieben. Aber den heutigen Linken geht’s nicht mehr um Erkenntnis und Aufklärung, sondern um Dogmatismus.

  12. @Arne Kuster
    Ich sage nicht, dass Du rassistisch bist, ich habe dargelegt warum ich deinen Artikel für rassistisch halte. Da kann man völlig unterschiedlicher Meinung sein, aber die Konsequenz der propagierten Feindbilder „Unten“, „Migrant“ oder „Fremd“ hat den Rassismus in unserer Gesellschaft wachsen lassen.

    Wo ist die Grenze? Ist Sarrazin etwa kein Rassist? Ist sein Text rassistisch? Der würde sich sicherlich gegen den Vorwurf ebenso wehren wie Du. Die Vehemenz mit der die Kosten der Sozialsysteme immer wieder auch mit negativen Statistiken über Migration und Zuwanderung aufgeladen werden bleibt in ihrer Wirkung rassistisch.

    Wer sich gegen den Vorwurf wehren will der sollte keine Absoluten zahlen alleine nenen sondern diese mit anderen Kosten in Bezug setzen.

    Wieviele Milliarden ist es der bürgerlichen Elite Wert ihre eigenen Steckenpferde zu fördern, Oper, Theater, Museen? Diese selbstbeschenkung der Elite mit Milliarden wird als Sozial dargestellt und NIE in Frage gestellt.

    Gehen Hartz 4 Empfänger in die Oper oder in Nationalgalerien? Sicherlich nicht, denn diese Vergnügungen sind auf die bürgerlichen Eliten zugeschnitten die sich dort bewusst von den unteren Schichten über ihre soziales Kapital abgrenzen können.

    Ähnliches gilt für all die Fördermaßnahmen für Großkonzerne, die Subventionen und Geschenke an die Wirtschaft im Allgemeinen. Diese werden bei der Diskussion „Was kostet uns der Sozialstaat / die Zuwanderung niemals in Bezug gesetzt. Natürlich am allerwenigsten die Leistungslosen Bezüge und Steuergeschenke des obersten 1%.

    So lange man also allein die da Unten und „die Fremden“ Problematisiert ohne diese Bezüge und Vergleiche anzustellen ist man rechts offen, ob man will oder nicht.

  13. @Arne
    Zu dem Thema Köln und „Menschen nichts als Menschen“

    Der Mensch wird durch sein soziales Umfeld geprägt. In allererster Linie ist das die soziale Schicht aus der er stammt. Menschen gleicher Schicht unterschiedlichster Nationalitäten stimmen in ihren Überzeugungen weit mehr überein als Menschen gleicher Nationalität und unterschiedlicher sozialer Klasse.

    Es ist niemals hinreichend Menschen nach Nationalität, Hautfarbe oder Herkunft (oder Klasse) zu klassifizieren. Menschen sind Menschen, Arschlöcher gibts überall. Leider nimmt die Tendenz nach diesen rassistischen Vorurteilen zu klassifizieren zu. Vorkommnisse wie in Köln helfen sicher nicht dies zu überwinden, vor allem wenn sie derart breitgetreten werden.

    Was mich an dieser Debatte störte war, dass die sexuelle Belästigung von Frauen ein generelles Problem in Deutschland ist, dass sehr bedingt mit der Herkunft der Belästiger zu tun hat. Viel zu selten ist dies ein Thema.

    Aber sobald diese Verknüpfung Herkunft und sexuelle Belästigung sich anbietet wird diese Sau durch alle Dörfer getrieben, ein Vorgang der meiner Meinung nach ebenso viel über die rassistische und sexistische Grundhaltung hier im Land aussagt wie über die der Arschlöcher in Köln.

  14. Ein Beispiel zur selektiven Berichterstattung in unseren Medien.

    Allen ist der IS ein Begriff. Diese Bande an Gewalttätern ist in ihrem sexismus nicht zu überbieten und ja sie sind Muslime.

    Wem allerdings ist die Westkurdische Revolution ein Begriff. Auch die Kurden in Syrien die ihr Leben riskieren um sich vor dem IS zu verteidigen sind Muslime. Bei diesen Muslimen aber gibt es eine Revolution der Frauenrechte, weibliche Generäle, Frauengruppen, Initiativen zur Gleichberechtigung, Verfolgung von sexistischen Straftaten etc.

    Obwohl diese Menschen eigentlich die Helden im Kampf gegen den IS sind werden sie vom Westen weitestgehend allein gelassen. Diese Muslime, die eine Räterepublik errichteten nachdem sie sich ihre Unabhängigkeit vom Assad Regime erkämpft haben passen nicht in das Feindbild Muslim.

    Möglicherweise ist der Kurdische Widerstand zu sehr sozialistisch geprägt um darüber in unseren Medien berichten zu können.

  15. Stefan Rapp sagt

    @AlienObserver
    In der Theorie ist der Mensch das Produkt seiner Umwelt, schönes Modell kann man so machen ok funktioniert sicherlich auch super wenn man von den Sternen aus auf die Menschen runter sieht.
    Jetzt ist diese Modell in der Praxis aber nun mal selber ein Teil der Umwelt welches auf den Menschen einwirkt wenn man es so akzeptiert. Welche Wirkung wird den solch ein Modell bei den Menschen entfalten, ja für den schwachen ist das ein Trost, damit kann der Seelenschmeichler sicherlich auch was positives bewirken. Seltsam das auch hier wieder gerade die Studien denen finanziell nützt die die diese selber geschrieben haben, das scheint sich irgendwie wie ein roter Faden durch alle Bereiche zu ziehen.
    Jetzt stell dir aber mal vor du wärst der Trainer eines Spitzensportlers, wie willst du den mit diesem Modell motivieren damit er auch noch die letzten Kräfte aus seinem Körper rausholt, natürlich ohne Doping versteht sich:
    „Wenn du gewinnst dann ist das wenn überhaupt mein verdienst, ich bin Teil deiner Umwelt und damit dafür verantwortlich und du du bist selber gar nichts, bist für nichts verantworlich du bist alleine nur das Produkt deiner Umwelt, komm erst gar nicht auf die Idee du hättest was damit zu tun………..“
    Da würde er sicherlich schon sehr viel Vorfreude auf eine Goldmedaille entwickeln und seine Motivation wäre auf dem Maximum.
    In der Ökonomie brauchen wir Modelle die sich am Ende nicht selber auslöschen sondern sich eher verstärken, das ist sonst wie wenn man in die Vergangenheit reist und seine eigene Geburt verhindert, vorstellen kann man sich das sicherlich nur funktionieren kann es eben am Ende nicht.
    Und zum Schluss noch eins Motivation heist nicht zwingend Wachstum, um die Erde noch mehr Auszubeuten es kann genau so gut darin münden Recourcen zu schonen.

  16. @AlienObserver,
    „Wer sich gegen den Vorwurf wehren will der sollte keine Absoluten zahlen alleine nennen sondern diese mit anderen Kosten in Bezug setzen.“ – Das ist ein guter Vorschlag, kann aber auch aus deiner Sicht nach hinten losgehen. Denn man kann ja auch mal die 50 Milliarden Kosten für die Zuwanderer mit den Ausgaben für Jugendzentren vergleichen.
    @AlienObserver, @StefanRapp,
    obwohl ihr beide gegensätzliche Standpunkte vertretet, seid ihr doch einer Meinung, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nach der Nützlichkeit zu beurteilen sind. Mein Standpunkt ist da allerdings ein anderer.

  17. Wirklich ganz ehrlicher Versuch das Verständnis für moderne Sozialtheorie zu vermitteln.

    Die Sozialtheorie spricht niemanden den freien Willen ab oder verneint den Einfluss des einzelnen auf sein Schicksal. Sozailwissenschaft beschäftigt sich mit dem alltäglichen Handeln der Menschen. Die meisten Aspekte dieses Handelns sind Unterbewusst von den Prägungen der Gesellschaft getrieben die sich aus der Interaktion aller Subjekte, dem Diskurs, ergibt.

    Der Einzelne handelt meist im Rahmen bestimmter Wertvorstellungen die er während seiner Sozialisierung erworben hat und entscheidet in diesem Rahmen nach seinem freien willen. Ein Gewaltverbrecher ist sicherlich nicht durch die Gesellschaft gezwungen Verbrechen zu begehen, so ist Sozialtheorie nicht zu verstehen.

    Dass aber der Mensch in wesentlichen Aspekten nicht Herr im Haus seiner bewussten Gedanken ist, ist die eigentliche Erkenntnis von Freud und der Psychologie und Psychoanalyse. Die Wirtschaft macht sich diese Erkenntnisse heute im großem Umfang in der Werbung und der PR zu nutze. Diesen massgeblichen Einfluss des Unterbewussten zu bestreiten ist Wissenschaftliche Erkenntnis seit Freud völlig zu ignorieren. In diesem Bereich wurden auch Wirtschaftnobelpreise (z.B. Daniel Kahnemann) vergeben und die Wirtschaftswissenschaft hat ein eigenes Feld, die Wirtschaftspsychologie, eingerichtet um sich damit zu befassen.

    Der Einzelne ist in der Lage seine eigene Prägung zu überwinden und sich von gesellschaftlichen Vorgängen der Subjektivation zu befreien. Innerhalb der Diskurse können Menschen das kollektive Bewusstsein langfristig verändern. Sozialer Fortschritt findet auf diese Weise statt. Beispiele sind die Überwindung des Patriarchats und die Feminismusbewegung, die Schwulenbewegung usw. .

    Um so mehr man sich seiner Prägung bewusst macht um so eher ist man in dr Lage „freien Willen“ auszuüben.
    Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass Menschen in sehr großer Mehrheit sich zeit ihres Lebens in der sozialen Schicht wiederfinden in die sie geboren werden. Übrigens ist „Schicht“ auch kein gängiges Modell der SSozialwissenschaft, wir sprechen heute eher von enem Sozialen Feld. Pierre Bourdieu, einer der einflussreichsten Sozialtheoretiker, ist als weitere Lektüre zu empfehlen. Literaturtipp: die feinen Unterschied: Pierre Bourdieu
    https://de.wikipedia.org/wiki/Die_feinen_Unterschiede

  18. Gesellschaftliche Prägungen streite ich nicht ab. Die Sozialtheoretiker sollten aber auch andererseits nicht unterschiedliche natürliche Veranlagungen (vor allem zwischen Mann und Frau) abstreiten. Zwischen Rassen kann man übrigens keine unterschiedlichen natürlichen Veranlagungen im Verhalten feststellen, um das gleich auch mal klarzustellen.
    Eine andere Sache ist, an diese gesellschaftlichen Prägungen gleich ein negatives Werturteil zu knüpfen. Da verlässt man dann die Wissenschaft. Wenn eine Frau als Hausfrau und Mutter glücklich ist, muss ich ihr nicht einreden, dass sie das nur aufgrund falscher gesellschaftlicher Prägungen ist. Da landet man dann schnell auf der schiefen Bahn unmenschlicher Gesellschaftsexperimente. Menschen ihre Identiät zu nehmen ist grausam. Einiges, was im Namen des Genderismus an Schulen veranstaltet wird, kann meiner Meinung die Psyche von Kindern und Heranwachsenden schädigen.

  19. Stefan Rapp sagt

    Der Mensch sollte aber auch die Freiheit haben sich von Wissenschaften zu emanzipieren, sich sein eigenes Bild von der Welt zu schaffen selbst wenn es völlig diametral zu den Wissenschaften ist. Nehmen wir mal an wir würden in einer Welt irgendwo auf einem anderen Planeten leben in der es wirklich unterschiedliche Rassen mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften gebe, vielleicht hätte dann eine Rasse ein durchschnittlicher IQ von 70 und die andere einen von 120. Wäre dann in so einer Welt Rassismus legitim ? Ich meine nicht. wissenschaftliche Erkenntnisse sollten nicht über grundsätzlichen Wertvorstellungen liegen und die heißen erst mal das Menschen aller Herkunft von ihren Genetischen Voraussetzungen her gleich zu betrachten sind.
    Ich betrachte Wissenschaft wirklich erst mal als Model, innerhalb dieses Model taucht natürlich auch die Vorstellung vom Individuum auf wie AlienObserver das oben schön beschrieben hat. Es findet quasi von der statistischen Beobachtung, eine Rückprojektion statt bei der es die Vorstellung eines Individuums gibt die diese Statistikwerte abbilden. Jetzt aber hinzugehen und zu sagen der Einzelne, also ich, AlienObserver, Arne Küster wir würden genau in diesem Rahmen wissenschaftlicher Erkenntnis funktionieren halte ich für falsch. Der konkrete Einzelne ist so nicht zu bewerten, das widerspricht sich meiner Ansicht nach auch mir dem Grundgesetz weil es die Würde des Menschen untergräbt. Was da mit irgendwelchen psychologischen Gutachten bei Gerichtsverfahren angestellt wird ist meiner Ansicht nach Grundgesetzwidrig. Ausnahmen sind nur dann zulässig wenn verschiedene Grundrechte in Konkurrenz stehen, wenn man beispielsweise damit rechnen muss das von einem Individuum eine Gefahr für Leib und leben eines anderen ausgehen. Oder wenn der Einzelne diese wissenschaftlichen Erkenntnisse von sich aus auf sich angewendet sehen möchte, wie in der Medizin oder freiwillig zum Psychiater geht.

  20. @Arne:
    Mein Kommentar war eher an Stefan gerichtet, über deine Bemerkung zum „Genderismus“ lasse ich mich nicht aus, das würde zu weit führen. Es ist zudem sicherlich richtig, dass Bewertungen nicht Gegenstand von Wissenschaft sind.

    Es ist allerdings für jeden Hilfreich auch seine eigene Geschlechterrolle immer kritisch zu hinterfragen, ich sehe in der Vermittlung einer kritischen Reflektion darüber keine Gefahr. Die eigene Identität ist überhaupt nur durch kritische Reflektion erkennbar, wer sich nicht kritisch hinterfrägt hat automatisch die Identität die andere ihm oder ihr zuschreiben.

  21. @Stefan
    Sehr schöner Kommentar. Ich würde die zu diesen Überlegungen über die Rolle der Wissenschaft mal empfehlen Michel Foucault in die Hand zu nehmen. Am besten „Die Macht der Psychiatrie“. Ich weiss, da wirds Paradox, weil das Wissenschaft ist die über die Rolle der Wissenschaft reflektiert. aber trotzdem ein sehr sehr schlauer Mensch, wenn auch schwer zu lesen.
    Siehe: http://tinyurl.com/hhb9bkx

  22. Pingback: IWF-Studie: Einwanderung war in der Vergangenheit für Deutschland ein Verlustgeschäft | Wirtschaftswurm

  23. Pingback: Die Woche im Rückspiegel betrachtet | Lars Schall

Kommentare sind geschlossen.