Wirtschaftswurm-Blog

OECD: Unverändert hohe Steuer- und Abgabenlast in Deutschland

OECD Steuerkeil Ausschnitt

Die OECD veröffentlichte diese Woche ihren neuesten Bericht über die Steuer- und Abgabenlast auf Arbeitseinkommen. Demnach hat sich in Deutschland wenig getan und das heißt: Die Steuer- und Abgabenlast liegt nach wie vor weit über dem OECD-Durchschnitt.

Besonders schlecht sieht es für Alleinstehende und Alleinerziehende aus. Für Alleinstehende mit einem Durchschnittsbrutto müssen 49,3% der gezahlten Arbeitskosten für Steuern und Abgaben verwendet werden, das ist 13,3 Prozentpunkte mehr als im OECD-Durchschnitt, der bei 36,0% liegt. Noch höher ist die Differenz bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern, auch wenn sie nur 67% des Durchschnittsbruttos erzielen. Hier beträgt sie 13,4 Prozentpunkte, resultierend aus 31,3% Steuer- und Abgabenlast in Deutschland gegenüber 17,9% im OECD-Durchschnitt.

Relativ günstig fahren dagegen in Deutschland Ehepaare mit Kindern, wenn einer der beiden Partner nicht arbeitet. Die Steuer- und Abgabenlast liegt hier in Deutschland lediglich 6,9 Prozentpunkte über dem OECD-Durchschnitt (33,8% gegenüber 26,9%).

Der von der OECD berechnete Steuerkeil misst die Differenz zwischen den Arbeitskosten für den Arbeitgeber und dem Nettoverdienst des Arbeitnehmers und wird dann in Prozent angegeben. Er enthält also alle Steuern und Abgaben, die vom Arbeitnehmer gezahlt werden, und die Lohnnebenkosten des Arbeitgebers.

In den letzten Jahren hat sich laut OECD an der Steuer- und Abgabenlast in Deutschland wenig getan. Langfristig gesehen, also im Vergleich mit dem Jahr 2000, ist sie immerhin leicht rückläufig. Die größte Entlastung gab es dabei für gutverdienende Alleinstehende.

Die Spitzenbelastung liegt in Deutschland bei Leuten, die etwa 160% des Durchschnittsbruttos erzielen. Wer noch mehr verdient, für den fallen prozentual wieder weniger an Steuern und Abgaben an. Dieser perverse Effekt beruht hauptsächlich auf den Sozialversicherungsbeiträgen, denn sie steigen bei hohen Einkommen nicht mehr. Überhaupt beruht der hohe Steuerkeil in Deutschland weniger auf der Steuerbelastung als vielmehr auf den Sozialbeiträgen. Das gilt vor allem für Durschnittsverdiener.

6 Kommentare

  1. Marie sagt

    Nun, die Deutschen müssen viel abgeben, ganz einfach aus dem Grund,
    damit es an den Rest der Welt weitergegeben werden kann.
    Schön wäre es, wenn es zum GUTEN der Welt wäre,
    doch meistens landet es in Kriegsgerät oder in den Bankenvorständen.

  2. Tilman sagt

    Gerade wenn die hohe Belastung vor allem aus den Sozialbeiträgen entsteht, sollte man auch in den Vergleich einbeziehen, was man dafür bekommt. Die soziale Absicherung ist in Deutschland noch immer relativ hoch, vor allem verglichen mit Staaten wie Großbritannien und den USA.

  3. Pingback: Kleine Presseschau vom 17. April 2015 | Die Börsenblogger

  4. Häschen sagt

    @Marie Gutes in der Welt rechnet sich immer. Dafür braucht man niemanden etwas wegnehmen.

    Interessant. In Österreich ist die Lage ähnlich. Ich bin bei der OECD sehr vorsichtig. Mir kommt vor die OECD Statistiken sind ein Informationspool für Investoren. Die Umverteilung allein aus der Sicht der Abgabenlast zu beleuchten greift etwas zu kurz.

    Das Thema erschöpfend zu behandeln sprengt an sich jeden Rahmen. Es ist aber wohl so, dass mehr verbleibende Kaufkraft in jeder Form klüger ist inbesondere dort wo Bedarfe zu decken sind. Damit gewonnen ist noch nicht viel, da ja konsequent müsste verhindert werden, dass Geld abfließt. So müsste geprüft werden, wenn man schon Waren vom Biobauernhof mit Kreislaufwirtschaft erwirbt, der Besitzer nicht wieder ein Produkt kauft das zu hohen Gewinnen führt die unversteuert ausgeschüttet werden. Geld aus Vermögen müsste wieder im Wirtschaftsraum aus Vermögen zurückgegeben werden. Das ist der erste Punkt.

    Es müssen Produktalternativen von inländischen Herstellern respektive Anbieteren bereitstehen.

    Ich habe lange gerungen mit einer Sichtweise die Einkommen beschreibt. Ich sehe Einkommen als Kredit der Arbeit finanziert der eine Kaufkraft (Jahreseinkommen) realisiert in Form von ‚Kapital‘ das 12mal umschlägt. Am Ende begrenzt eher der notwendige Finanzierungsrahmen als die realisierten Tauschpotentiale (Jahreseinkommen). Dieser Punkt trifft insbesondere jene die bei der Verrechnung an Lebenszeit als Leistungseinheit gebunden sind. Der Lagerumschlag ist eher ein bekanntes Beispiel. Das ist der zweite Punkt – die effektive und effizient Verwendung von Geld.

    Beim ORF läuft grad eine Umfrage zum Thema Pfusch.
    http://ooe.orf.at/news/stories/2705861/
    Ohne Pfusch kann man sich heute vieles nicht mehr leisten – 93,8%. Ja.

    Der Pfusch, so seltsam sich das anhört erfüllt an sich die oben genannten Kriterien ganz gut. Denn er kürzt an sich die Umverteilungsspielräume. In einem nicht vorhanden Spielraum kann sich keiner reinreklamieren. In Österreich wird dem Handwerker auch im Falle des Pfusches gleich beim Angebot die Steuer und die SV vom Kunden abgezogen und beim Konsumenten einbehalten. Zumeist verbleibt dem Handwerker doch einiges mehr – der Faire Preis. Der Punkt wird verhandelt. Es wird fair aufgeteilt, was sonst den Umverteilungsspielraum eröffnete.

  5. @Häschen,
    du kommst mal wieder meilenweit vom Thema ab, glaube ich.
    Dass man auch sehen muss, was man vom Staat als Gegenleistung bekommt, ist sicher richtig. Ich glaube allerdings nicht, dass die Schweiz, was Infrastruktur und Sozialleistungen anbelangt, so viel schlechter dasteht als Deutschland. Die Steuer- und Abgabelast auf Arbeitsleistung ist dort aber viel geringer.

  6. Und jetzt eine Aufgabe für Fortgeschrittene:
    Was passiert mit der Statistik, wenn in Deutschland die Altersvorsorge über die gesetzliche Rente in die Sozialbeiträge eingerechnet, in den angelsächsischen Ländern hingegen im Wesentlichen privat organisiert wird?
    Ist ein Vergleich dann überhaupt aussagekräftigt?

    Zu den Lohnnebenkosten:
    Ich bin ja eher so der konstruktive Typ, deshalb bemängele ich nicht nur die Höhe und Struktur der Lohnnebenkosten, sondern mache daneben auch Vorschläge, wie eine Umgestaltung aussehen könnte.

    http://www.mister-ede.de/politik/absenkung-der-lohnnebenkosten/1694

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