Wirtschaftswurm-Blog

Immer Hektik um die Fotovoltaik

Wenn 2018 die letzten Zechen in Deutschland schließen, dann ist das auch das Ende einer 60-jährigen Geschichte staatlicher Kohlebeihilfen in den verschiedensten Formen. Diese Geschichte war sicherlich 30 Jahre zu lang.

Die Fotovoltaik, das ist absehbar, wird keine 60 Jahre Beihilfen brauchen. Und am Ende der Beihilfen wird nicht das Ende der Branche stehen, sondern eine Massentechnologie, die allen Unkenrufen über das deutsche Wetter zum Trotz auch hierzulande das Potenzial hat, 20-30 % des Strombedarfs zu decken.

Man braucht allerdings schon einen langen Atem. Und das ist etwas, das in der Politik heute offenbar selten geworden ist. Umweltminister Röttgen hat nun für den Juli abermals eine Sonderkürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom angekündigt. Es wird die dritte Sonderkürzung und die fünfte Kürzung insgesamt der schwarz-gelben Koalition. Die Höhe der Kürzung soll vom Zubau in den Monaten März bis Mai abhängen und bis zu 15 % betragen. Gegenüber Ende 2009 läge damit die Einspeisevergütung Mitte 2011 44 % niedriger.

Aber es gibt Melanie Amann und die FAZ, die die Realität völlig auf den Kopf zu stellen vermögen. Der Titel ihrer Story weist bereits ins Reich des Fantastischen: „Die spektakulären Erfolge der Solar-Lobby“. Wie bitte?

Vielleicht geht es auch eher ins Historische. Vertreter der Ökobranche macht Frau Amann zu „Sonnenkönigen“, Wissenschaftler bezeichnet sie als „Öko-Jakobiner“. Sie selbst wäre da wohl gerne eine Katharina von Medici, Drahtzieherin eines Massakers, nun allerdings nicht wie 1572 unter Protestanten, sondern in der Solarwirtschaft. Dabei liebäugelt sie, der Zweck heiligt die Mittel, mit dem bürokratischen, planwirtschaftlichen Folterinstrument eines Deckels für den Fotovoltaikausbau, also mit einer administrativ festgelegten Obergrenze für den Zubau. Und als Kronzeugen führt sie das RWI an, dessen Berechnungen der Solarstromlasten schon 2009 so fragwürdig wie einseitig waren.

Zu allem Überfluss bekommt Frau Amann auch noch Zuspruch von Bloggern wie Egghat. Ich kann mir das nur durch persönliche Vorurteile oder ein kleines Aktienpaket von RWE erklären. 😉 Immerhin, das Kurs-Gewinn-Verhältnis der RWE-Aktie wird auf rund 8 geschätzt; das entspricht einer Rendite von 12,5 %; sehr viel mehr als die höchstens 6 %, die eine Fotovoltaikanlage erwirtschaftet (in einigen wenigen sonnenreichen Regionen Süddeutschlands).

In einem mag Egghat allerdings Recht haben. Es könnte nun einen herben Rückschlag für die Solarwirtschaft geben. Und dazu trügen nicht nur Röttgens Kürzungen bei, sondern auch die wieder (und notwendigerweise) steigenden Zinsen. Denn die 4-6 % Solarrendite waren vielleicht ganz nett 2009 oder 2010, als die Finanzierungskosten gering waren. Bei höheren Zinsen wird sie schnell uninteressant.

Statt hektischer Kürzungen der Einspeisevergütung sollte darum lieber wieder die langfristige Strategie dominieren. Der Solarenergie-Förderverein plädiert für eine Vergütungsabsenkung von 5 % jährlich. Meiner Meinung nach kann es sogar mehr sein, etwa 8 %.

Würde die Vergütung von jetzt 28,7 Cent pro KWh jedes Jahr um 8 % abgesenkt, bedeutete das den wahrscheinlichen Ausstieg aus der Förderung von neuen Fotovoltaikanlagen bereits für 2023. Denn dann würde die Einspeisevergütung dem Großhandelspreis für Grundlaststrom entsprechen. Der liegt gegenwärtig bei etwa 5,6 Cent. Unterstellt man aber realistisch eine durchschnittliche Preissteigerung von 5 % im Jahr, beträgt er 2023 10,1 Cent. So würde der Ausstieg aus der Fotovoltaikförderung bereits fünf Jahre nach dem Ende der Steinkohleförderung erfolgen.

3 Kommentare

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 31. Januar 2011 | Die Börsenblogger

  2. a) Die FAZ Betrachtung ist vor allem eine Betrachtung der VERGANGENHEIT. Und es besteht kein Zweifel daran, dass in Deutschland zu hoch gefördert wurde. Das hat sogar die Solarlobby u.a. der Chef von Solarworld (größter Hersteller in D-Land) zugegeben. Die haben von sich aus die Senkung der Vergütung angeboten. Vergessen?

    b) 6% Rendite in sonnenreichen Gebieten? 2009?!? Selbst nach der Senkung der Vergütung im Sommer 2010 hat die Stiftung Warentest (eine unverdächtigere Quelle konnte ich nicht finden) 7,4% Rendite ausgerechnet und das nicht in den Superregionen, sondern bereits in den 950er Regionen. Selbst in schwachen Regionen lagen die Renditen bei 5%. Und das war zum damaligen Zeitpunkt konservativ gerechnet: Die Annahmen für die Kosten für die Anlagen waren vergleichsweise hoch (es gab reale Angebot von Top-Anbietern (made in Germany), die preiswerter waren). Und es war keinerlei Fremdfinanzierung drin, die über die KfW zinsvergünstigt (noch ne Subvention!) problemlos zu erhalten war. Mit etwas Fremdfinanzierung waren die Renditen wahrscheinlich in mehr als der Hälfte der Fläche Deutschlands zweistellig.

    7,4%

    Auch mein Artikel bezog sich in großen Teilen auf die Vergangenheit. Jetzt scheinen mir Förderung und Rendite in einem durchaus sinnvollen Verhältnis zu stehen. Nur: Das war 2008, 2009 und 2010 NICHT der Fall. Dir sollte eigentlich nicht entgangen sein, dass ich das auch schreibe und eine stärkere Absenkung falsch halte und eine Deckelung sogar als dämlich bezeichnet habe.

    Und woher du weisst, ob 5 oder 8% Senkung richtig sind, wüsste ich auch mal gerne. Kannst du die Preise vorhersagen? Hat irgendjemand den Preisverfall 2008 vorhergesehen? Nee, so gut wie niemand (Conergy ist deshalb fast Pleite …). Aber das kann man auch nicht und muss man auch nicht. Man muss einfach nur messen, was die Anlage kostet (Rechnung einreichen) und was die einbringt (hat man ja auf dem Zähler stehen) und schon weiss man, wie viel Strom die Anlagen erzeugen und wie viel die Kosten. Dann weiss man, wie viel eine KWh Strom bei den 60/70/80% der besten neuen Anlagen kostet und da setzt man die Einspeisung für die nächsten Monate fest. Ganz automatisch. Sinken die Kosten für die Stromerzeugung schnell, geht die Vergütung schnell runter, sinken die Kosten langsam, sinkt die Vergütung auch langsam. So simpel, so mechanisch.

    Die wunderbare Welt der Wirtschaft!: Vorschlag: Einspeisevergütung für EEG dynamisch und automatisch anpassen

    Dein Kampf für die Berücksichtigung des Merit-Order-Effekts in Ehren, denn der Punkt hat was, auch wenn ich die 4 Milliarden nicht für plausibel halte (bei der Windkraft werden wesentlich geringere Summen genannt), aber wenn du die zeitweise zweistelligen Renditen für Fotovoltaikanlagen ignorierst, kann ich das irgendwie nicht mehr ernst nehmen … Dass wir 2023 den Grundlaststrom erreichen, ist ja toll, nur hätten wir das auch viel billiger bekommen können. (und nicht vergessen: Die Stromspeicherungs- und Netzproblematik ist auch bei Grundlaststrom noch nicht behoben. Was, wenn die Sonne nicht scheint? Das kostet nochmals ein paar Milliarden).

  3. Wirtschaftswurm sagt

    Gut, wenn du auch meinst, dass wir jetzt ein annehmbares Niveau der Förderung haben und keine Sonderkürzungen mehr notwendig sind, dann sind wir ja in einem wichtigen Punkt einer Meinung.
    Auf deinen Vorschlag einer dynamischen Anpassung des EEG werde ich noch in einem Artikel diese Woche eingehen. Warte also ab!
    Die Rendite von 6 % habe ich aus dem Artikel von Frau Amann selbst übernommen. Ich nehme an, das ist eine halbwegs aktuelle Schätzung. Zusätzlich darf man nicht vergessen, dass man nicht immer die optimale Dachausrichtung und Dachneigung hat.

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