Wirtschaftswurm-Blog

Die EZB muss nun gegensteuern

Man sollte es sich nicht komplizierter machen als nötig. Im Dezember lag die Inflationsrate in der Eurozone bei 2,2 %. Damit wurde das offizielle Inflationsziel der Europäischen Zentralbank verfehlt, nach dem die Preise zwischen 0 und 2 % jährlich wachsen sollen. Die EZB sollte darum nun handeln.

Es ist klar, dass die Dezemberzahlen kein einmaliger Ausrutscher sind. Das Geld, das seit Beginn der Finanzkrise von der Zentralbank und den Regierungen in die Wirtschaft gepumpt wurde, ist endlich beim Verbraucher angekommen. Und das wissen die Unternehmen zu nutzen. Sie beginnen, die Preise zu erhöhen. Sowohl Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, als auch Marco Bargel, selbiges bei der Postbank, rechnen darum mit einem weiteren Anstieg der Inflation und halten Werte von 4 % in den nächsten Jahren in Deutschland für möglich.

Gut, drei Ökonomen vier Meinungen. Und so hält Jörg Krämer von der Commerzbank dagegen. Er verweist auf die so genannte Kerninflationsrate, die noch niedrig liegt.

Die Kerninflationsrate ist aber nur ein besonders gewitztes Stück unter dem Motto: „Wie fälsche ich eine Statistik.“ Man rechnet Lebensmittel- und Energiepreise heraus, weil sie angeblich durch ihre starken Schwankungen die Statistik verzerrten. Was bleibt, reicht dann nur für einen Hunger- und Kältetod. Doch den stirbt der Statistiker gerne, denn er hat mit der Kerninflationsrate zwei Hauptpreistreiber der letzten Jahre eliminiert.

Dabei stehen hinter den steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen langfristige Trends und zunehmende Knappheiten, die sehr wohl auch für die Geldpolitik bedeutsam sind. So darf die EZB nicht dem Fehler verfallen zu versuchen, Wachstumsbremsen in Form dauerhaft steigender Rohstoffpreise mittels einer lockeren Geldpolitik zu kompensieren. Sofern aber die steigenden Rohstoffpreise nur eine vorübergehende Blase sind (was zum Teil sicher auch der Fall ist), fragt sich, ob diese Blase nicht gerade auch durch die in der Finanzkrise erhöhte Geldmenge hervorgerufen wurde.

Noch wichtiger als die Meinung der Volkswirte sollte für die EZB übrigens die Meinung der Leute auf der Straße sein. 60 % der Deutschen glauben an eine wachsende Geldentwertung. Das heißt nichts anderes, als dass die Glaubwürdigkeit der EZB bei der Inflationsbekämpfung schon massiv gelittten hat. Und das wiederum ist der GAU der Geldpolitik. Denn nichts treibt so zuverlässig die Inflation an, wie die Erwartung, es werde eine Inflation geben.

Der EZB bleibt nur eins: Sie muss massiv gegensteuern. Auf der nächsten Zentralbankratssitzung muss eine Zinserhöhung beschlossen werden.

7 Kommentare

  1. Stephan sagt

    Da ist sie wieder: die deutsche Inflation-Paranoia. Selten soviel Unfug gelesen. In DE war die Inflation 1,9% (Stand Dezember 2010) Der 12 Monate Gleitende Durchschnitt 1,2% Kerninflation ist keine statistische Lüge sondern dahinter steht ein Kalkül und das heißt Inflation Inertia. Dafür hat Phelps seinen Nobelpreis bekommen. Manche Preise ändern sich dauernd in Folge von Angebot, Nachfrage, Jahreszeit und Spekulation zum Beispiel eben Lebensmittel und Energie. Andere Preise fluktuieren nicht dauernd sondern ändern sich nur jedes Intervall (Monate und Jahre). Bei diesen Preisen kann man davon ausgehen, dass die Inflationserwartung bei der Preissetzung berücksichtigt wurde.

  2. Wirtschaftswurm sagt

    Wieso rechnet man nicht High-Tech-Produkte heraus? Durch Innovationen werden die immer billiger – ohne Verdienst der Zentralbank. Auch chinesische Billigwaren müsste man herausrechnen, sie haben in den letzten Jahrzehnten die Inflationsraten stark gesenkt, siehe Ökonomenstimme. Wenn man alle „ungewöhnlichen“ Preisentwicklungen herausnähme, bliebe am Ende nichts mehr übrig.
    Die EZB verwendet wimre zurecht nicht das Konzept der Kerninflation.

  3. Stephan sagt

    OK. Das ist Argument der Österr. Schule der Nationalökonomie. Gegen das bin ich machtlos :~) Wenn die Preise für High-Tech-Produkte fallen dann hat das welchen Effekt auf die Löhne? Genau. Gar keinen. Du kannst dir halt 2 iPods kaufen. Wenn es Deflation gibt fallen nicht nur die Preise sondern auch die Löhne. Und bei Inflation vice versa.

    Die EZB verwendet mehrere Ansätze bezüglich der Inflationsrate. Grundsätzlich hat die EZB das Problem völlig heterogene Inflationsraten unter einen Hut zu bringen wie du selbst bemerkt hast. Was gut ist für DE ist nicht unbedingt gut für ES. Das ist halt das Problem wenn man eine Währungsunion falsch konstruiert.

    Zieht die EZB die Zinsschraube an? Sicher nicht. Ich wette da sehr gerne mit dir. Wenn sie das machen würde fliegt ihr die Peripherie Europas um die Ohren. Und das wissen die Burschen. Die GR Privathaushalte sind mit 120% vom BIP bei ihren Banken verschuldet. Da tut ein bisschen Inflation sehr gut.

    PS: Gegen die Neoklassiker bei Ökonomenstimme kann ich natürlich nicht anstinken. Die glauben noch an ganz andere seltsame Dinge.

  4. Wirtschaftswurm sagt

    Ich bin kein Anhänger der Österreichischen Schule. Aber ich denke, dass eine Zentralbank, die auf die Preisniveaustabilität achtet, auch automatisch beschäftigungspolitisch richtig liegt. Und wenn die Peripherie Europas der EZB um die Ohren fliegt, ist das ein wünschenswerter Nebeneffekt. Denn dass die Währungszone falsch konstruiert ist, darin sind wir einer Meinung.

  5. Pingback: Kleine Presseschau vom 27. Januar 2011 | Die Börsenblogger

  6. Pingback: Immer Hektik um die Fotovoltaik | Wirtschaftswurm

  7. Pingback: Der Euro-Rettungsschirm hilft dem Euro nicht | Wirtschaftswurm

Kommentare sind geschlossen.