Analyse

FIFA und UEFA zum Zweiten – Kartell oder Konzern?

FIFA UEFA Logo

Am Montag habe ich UEFA und FIFA als illegales Kartell beschrieben und mehr Wettbewerb bei internationalen Fußballturnieren gefordert. Daraufhin gab es jedoch einige Einwände. Einige Leser meinten, dass UEFA und FIFA eine Art Konzern seien. Das hätte auch aus Wettbewerbssicht weitreichende Konsequenzen.

Konzerne werden nämlich aus Wettbewerbssicht als Einheit betrachtet. Absprachen innerhalb von Konzernen sind nach dem Wettbewerbsrecht erlaubt und bedeuten kein illegales Kartell.

Bilden FIFA und UEFA nun einen Konzern?

Die Sache ist verzwickt. Der Begriff Konzern bezieht sich ja zunächst auf einen Zusammenschluss von Kapitalgesellschaften. FIFA und UEFA sind allerdings Vereine. Es ist also erforderlich hier mit Analogien zu arbeiten.

Entscheidend dafür, ob ein Konzern besteht oder nicht, ist, ob eine einheitliche Leitung vorliegt. Dabei muss die einheitliche Leitung weder umfassend noch andauernd sein. Sie kann sich auch nur auf einzelne wichtige Bereiche beziehen.

Die vielen personelle Verflechtungen zwischen UEFA und FIFA können vielleicht einen Konzernverbund begründen. Z.B. ist Michel Platini gleichzeitig UEFA-Präsident und FIFA-Vizepräsident. Es ist sogar geregelt, dass die UEFA 8 der 25 Mitglieder des FIFA-Exekutivkommittees wählt. (Insgesamt werden 23 Mitglieder des FIFA-Exekutivkommitees von den sechs Kontinentalverbänden gewählt und dann vom FIFA-Kongress eingesetzt.)

Nach den Mehrheitsverhältnissen andererseits besteht kein Konzernverbund. Die UEFA hat keine Stimme auf dem FIFA-Kongress und umgekehrt hat die FIFA keine Stimme in der UEFA.

Die Satzungen beider Organisationen regeln wiederum klar ein Unterordnungsverhältnis. Die UEFA hat sich der FIFA zu fügen. So heißt es in Artikel 3 Absatz 1 des UEFA-Statuts:

Die UEFA ist eine anerkannte Konföderation der FIFA.

Und damit aktzeptiert die UEFA Abschnitt 20 Absatz 3 des FIFA-Statuts. Der besagt:

Jede Konföderation hat folgende Rechte und Pflichten:
a) die Statuten, Reglemente und Entscheide der FIFA zu befolgen und deren Befolgung durchzusetzen;
b) mit der FIFA auf allen Gebieten eng zusammenzuarbeiten, die … mit der Ausrichtung von internationalen Wettbewerben zusammenhängen;

Und es folgen noch weitere Pflichten.

Nach meiner vorläufigen Recherche hat sich die Fachliteratur noch nicht mit der Definition des Verhältnisses von UEFA und FIFA beschäftigt. Um die Frage abschließend zu beantworten, müsste man wohl die oben beschriebenen personellen Verflechtungen und die damit verbundenen Funktionen genauer untersuchen. Auch müsste man die Verträge zwischen UEFA und FIFA in die Beurteilung einbeziehen. Die Statuten der beiden Organisationen legen allerdings erst einmal nahe, dass hier eine Konstruktion vorliegt, die einem Beherrschungsvertrag zwischen Aktiengesellschaften ähnlich ist. Damit würden UEFA und FIFA zusammen mit den anderen Kontinentalverbänden einen Konzern bilden.

Und was folgt daraus?

Wenn die UEFA (und die fünf anderen Kontinentalverbände) zusammen mit der FIFA einen Konzern bilden, dann heißt das noch lange nicht, dass sie damit wettbewerbsrechtlich aus dem Schneider sind. Der so gebaute FIFA-Fußball-Konzern hat ja eine Monopolstellung für internationale Fußballturniere. Er unterliegt damit genauso wie z.B. Google der Missbrauchsaufsicht, zumindest theoretisch. Denn praktisch hat sich noch keine Wettbewerbsbehörde um das große Geschäft mit der Ausrichtung von Fußballweltmeisterschaften gekümmert.

Ein ganz eklatantes Versagen! Denn sowohl die Verträge mit den Rundfunksendern (in Deutschland ARD und ZDF) als auch die mit den WM-Gastgebern böten wahrscheinlich reichlich Fundmaterial.

3 Kommentare

  1. Pingback: Die FIFA braucht Druck durch Wettbewerb! | Wirtschaftswurm

  2. Jens sagt

    Konzern oder Kartell-warum die Verbände immer noch gemeinnützig sind, ist mir unverständlich. …
    Sollen sich doch die Steuerbehörden drum kümmern.

  3. Noch schlimmer beim Internationalen Olympischen Kommitte IOK. Das ist Völkerrechtssubjekt und hat Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen.

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