Wirtschaftswurm-Blog

Keine Hektik mehr um die Fotovoltaik (I)

Die FAZ fährt offensichtlich im Moment eine Kampagne gegen die Fotovoltaik. Auch heute findet sich wieder auf FAZ.net ein kritischer Artikel zur Einspeisevergütung; dieses Mal ein Interview mit dem Wirtschaftsprof Joachim Weimann aus Magdeburg.

In zwei Punkten muss ich Weimann immerhin Recht geben:

  1. Die Forschungsleistung im Bereich Fotovoltaik ist zu gering.
  2. Klimaschutz nur in Deutschland/ Europa bringt wenig, wenn die Schwellenländer nicht mitziehen.

Punkt 1 würde sich allerdings durch mehr öffentliche Forschungsförderung erledigen. Auch Punkt 2 birgt kein unlösbares Problem. Aufmerksame Leser des Wirtschaftswurms kennen bereits den Vorschlag einer Ausgleichssteuer, mit der man die Schwellenländer zum Mitmachen bewegen kann.

Widerspruch ist notwendig, wenn Weimann auf den CO2-Emissionshandel als allein selig machend in Bezug auf den Klimaschutz vertraut. Hier spricht der Theoretiker. Die Praxis zeigt allerdings, dass der EU-Emissionshandel (zumindest bisher) nicht funktioniert. Auch der jüngste Skandal um von Hackern gestohlene Emissionsrechte machte das deutlich. Als unfreiwillige Ironie muss man werten, dass Weimann den Emissionshandel gerade dann als „Königsweg“ lobt, als er für viele europäische Länder einschließlich Deutschlands auf unbestimmte Zeit eingestellt ist.

Widerspruch ist auch notwendig, wenn Weimann Angst macht vor den langfristigen Kosten der für 20 Jahre für jede Fotovoltaikanlage garantierten Einspeisevergütung. Ich gebe zu, es wäre politisch ehrlicher, einen direkten Zuschuss für den Bau von Solarstromanalgen zu geben anstatt der hohen garantierten Einspeisevergütung. Die Kosten der Förderung wären dann sofort zu sehen und würden nicht auf 20 Jahre gestreckt.

Allerdings wäre eine Regulierung der Stromeinspeisung für erneuerbare Energien einschließlich einer Preisregulierung auch in diesem Fall notwendig. Denn die Betreiber von Windkraft- oder Fotovoltaikanlagen sehen sich jeweils einem regionalen Netzmonopolisten gegenüber. Ohne staatliche Regulierung wären sie vollkommen der Willkür ihres Netzmonopolisten ausgeliefert. Wenn der Preis aber ohnehin administrativ festgelegt werden muss, ist es naheliegend, dass man die erneuerbaren Energien über einen hohe Einspeisevergütung fördert.

Wie sieht es nun aus mit den angeblich hohen Langfristkosten? Dazu mehr im zweiten Teil unter dem Titel „Keine Hektik mehr um die Fotovoltaik“. (Und keine Bange, es wird nicht wieder um den Merit-Order-Effekt gehen, dazu habe ich inzwischen genug geschrieben.)