Wirtschaftswurm-Blog

Deutschland und Frankreich – Der Populismus des Paul Krugman

Paul Krugman

In einem viel beachteten Artikel betreibt Paul Krugman nicht nur populistisches Deutschland-Bashing, sondern verwechselt auch noch grundlegende volkswirtschaftliche Begriffe.

Nicht nur hier im Blog war der Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich ein Thema, sondern auch in einem Leitartikel des Nobelpreisträgers Paul Krugman. Dass die Resonanz auf Krugmans Beitrag größer war als auf meinen, kann allerdings kaum daran liegen, dass Krugman sich auf bessere Fakten und bessere Argumente stützt. Ganz im Gegenteil, ich werde darauf zurückkommen.

Die große Resonanz auf Krugman lässt sich damit erklären, dass er uns in populistischer Vereinfachung einen Sündenbock für den Euroschlamassel serviert und dadurch ganz nebenbei die einen Europäer gegen die anderen ausspielt. Mit Wissenschaft hat das übrigens nichts zu tun.

Krugmans Sündenbock sind „die Deutschen“. Dass das bei unseren europäischen Nachbarn ein erleichtertes und darum erfreutes „Aber sicher, wir haben es schon immer gewusst!“ hervorruft, ist klar. Dass zudem auch viele Deutsche mit einem wohligen Schauer gerne lesen, dass sie schuld ist, ist eigentlich schwerer zu erklären; es hat aber wohl mit Traumatisierungen im Geschichtsunterricht zu tun.

Psychologisch gesehen ist also Krugmans Sündenbock-Vorschlag für alle eine Lust. Für die europäische Wirtschaft ist er trotzdem falsch.

Krugman argumentiert mit dem BIP-Deflator, der die Preissteigerungen aller in einem Land produzierten Güter misst. Dieser Deflator lag im Frankreich im Durchschnitt seit Einführung des Euros bei 1,7%, in Deutschland nur bei 1%. Indem so französische Waren im Laufe der Zeit relativ immer teurer geworden sind, hat Frankreich an preislicher Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt.

So weit ist das Konsens. Nun behauptet Krugman allerdings, 1,7% BIP-Inflation sei besser als 1%, und darum wäre der deutsche Weg falsch. Begründung: 1,7% sei näher am Inflationsziel der EZB von „unter, aber nahe 2%“.

Da begeht Krugman allerdings einen schweren Kategorienfehler. Das Inflationsziel der EZB bezieht sich nämlich auf die Verbraucherpreise (genauer: auf den harmonisierten Verbraucherpreisindex HVPI) und nicht auf den BIP-Deflator. Als Maßstab für den BIP-Deflator taugt es somit null.

Aber wenn man schon den BIP-Deflator ins Spiel bringt, was kann ein geeigneter Maßstab sein, um festzustellen, ob 1,7% BIP-Inflation besser oder schlechter ist als 1,0%? Nun, nach klassischer Auffassung sind Preise (und also auch Preissteigerungen) dann richtig, wenn durch sie Angebot und Nachfrage zusammenfinden. Makroökonomisch gesehen heißt das, wenn die Preise für Vollbeschäftigung sorgen.

Und in welchem Land (Deutschland oder Frankreich?) ist jetzt noch einmal die Arbeitslosigkeit seit 2005 gesunken und in welchem Land ist die Arbeitslosigkeit seit 2005 gestiegen? Ja, das kann Paul Krugman (der gerne schon mal Google Translate zur Hilfe nimmt) in meinem letzten Artikel nachlesen. Es ist ziemlich sicher: wenn deutsche Produkte im Preis genauso gestiegen wären wie französische, Deutschland hätte die Arbeitslosigkeit nicht reduzieren können.

Geh nicht ohne Gruß, empfiehl bitte den Beitrag weiter!

Foto (von David Shankbone): Paul Krugman 2010

21 Kommentare

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  2. Der BIP Deflator ist schon die angemessene Vergleichsgröße. Dieser gibt die Preisentwicklung der im betrachteten Land produzierten Güter und nicht wie der Verbraucherpreisindex, die Preisentwicklung der konsumierten Güter an. Die Struktur beider Größen unterscheidet sich ziemlich stark. In den Verbraucherpreisindex gehen in stärkerem Maß ausländische Preise (Kaffee, Heizöl, …) ein als in den BIP Deflator. Auf den Verbraucherpreisindex kann also innerhalb der Währungsunion weniger Einfluss genommen werden.

    Steigen nun nur (!) die Preise der Güter des einen Landes stärker als die des anderen Landes ergibt sich daraus direkt ein Wettbewerbsfähigkeitsproblem der teureren Länder. Das vorgegebene Inflationsziel sollte diesen Effekt eigentlich verhindern.

    Logischerweise ergibt sich dann eine andere Arbeitslosenentwicklung, wenn man den anderen preismäßig unterbieten und ihm Marktanteile streitig machen kann. Dadurch übernimmt man einen Teil der Produktion der anderen Länder und exportiert sein Arbeitsloigkeit in diese Länder. Damit hat man aber das Arbeitslosigkeitsproblem an sich nicht gelöst, sondern nur zwischen den Ländern hin und her verschoben.

    Es ist ziemlich sicher: wenn deutsche Produkte im Preis genauso gestiegen wären wie französische, Deutschland hätte die Arbeitslosigkeit nicht reduzieren können.
    Sie sagen also, dass man nur mit merkantilistischen Mitteln die Arbeitslosigkeit reduzieren kann. 😀

  3. Frage 1: Hat sich das Preisniveau in Frankreich stärker nach oben entwickelt als in Deutschland?

    Frage 2: Sollten sich das Preisniveau in einer Währungsunion in den verschiedenen Ländern nicht einigermaßen gleichmäßig entwickeln?

    Frage 3: Sollte dann jetzt nicht dafür gesorgt werden, dass sich die Preise in Deutschland und Frankreich wieder annähern?

    Frage 4: Wenn Deutschland eine Inflation von 1% hat, wie hoch muss die Preissteigerung in Frankreich sein, damit sich die Preise anpassen?

    Frage 5: Was droht einem Land, das weniger als 1% Inflation hat oder gar eine Deflation?

    Frage 6: Wenn man es sich jetzt so genau überlegt, hat dann nicht doch plötzlich Krugman recht?

  4. @Bob,
    dass der BIP-Deflator eine angemessene Größe ist, um preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu messen, will ich gar nicht bestreiten. Paul Krugman bringt aber die Sachen durcheinander, wenn er die 2% Inflationsziel auf den BIP-Deflator anwendet und die 2% dann gar zum Maßstab für richtig oder falsch macht. Der Maßstab kann aber nur sein, ob es der Wirtschaft gut oder schlecht geht.

    @mister-ede,
    ich folge deinen (rhetorischen!) Fragen nur bis Punkt 3. Denn die erforderliche Anpassung zwischen deutschen und französischen Preisen geschieht am besten über den Wechselkurs. Dann besteht auch keine Deflationsgefahr in Frankreich.

  5. Anhand meiner Ausführungen habe ich zeigen wollen, das es wichtiger ist, das Inflationsziel auf den BIP Deflator anzuwenden und nicht auf den Verbraucherpreisindex. Am besten eigentlich auf beide Preisindices, aber auf letzteren hat ein Land nunmal weniger Einfluss.

    Der deutschen Wirtschaft geht es derzet nur durch das geringere Preiswachstum besser, was aber bei vorgegebenem Preisziel nicht sein dürfte.

    Die Anpassung über einen Wechselkurs steht aber innerhalb einer Währungsunion nicht zur Verfügung. Deshalb sollte man sich mal auf den Weg machen, den Haupteinflussfaktor der Preisentwicklung (BIP Deflator) zu suchen. Aber Krugman hat auch das schon in seinem Text, nämlich die Lohnstückkosten. Flassbeck erzählt das außerdem schon seit über 15 Jahren und er hat 100%ig Recht behalten.

  6. Michael sagt

    Grundsätzlich wollen wir uns mal nicht gegen die Südländer ausspielen lassen. Der Euro war der schlimmste Fehler seit es Europa als Kontinent gibt. Das ist schon ein paar Millionen Jährchen her. Der BIP-Deflator für Deutschland wird gern mal unterschlagen. Er zeigt im Prinzip eine Form von Differenz aus Ex- und Importen. Eigendlich sehr direkt den Verlust der preislichen Wettbewerbsfähigkeit durch Frankreich&co.. Das ist aber doch niemals die „Schuld“ Deutschlands, das sich seit Jahren nach Kräften bemüht seine Wirtschaft zu ruinieren. Die Inflation als Verbraucherpreisindex ist ein völlig anderes Paar Schuhe. Das ist eine noch windigere Zahl.

    Die Arbeitslosenzahlen als Wertungsmassstab sind doch weltweit lächerlich. An denen stimmt einfach garnichts.

    Ökonomen, selbst Nobelpreisträger, haben offensichtlich einen ganz exentrischen Sinn für Humor.

  7. @Kuster
    In einer Währungsunion gibt es aber überhaupt keine Wechselkurse, was nun?
    Was nutzt also Ihr Hinweis, wenn Wechselkurse gar nichts mit der Realität einer Währungsunion zu tun haben?

  8. @Michael,
    „Die Arbeitslosenzahlen als Wertungsmaßstab sind doch weltweit lächerlich. An denen stimmt einfach garnichts.“ Es gibt sehr unterschiedliche Definitionen von Arbeitslosigkeit und alle kann man zurecht kritisieren. In meinem letzten Artikel habe ich die Eurostat-Zahlen, die auf Definitionen der Internationalen Arbeitsorganisation beruhen, verwendet. So sind die Zahlen international vergleichbar.
    @mister-ede,
    als Stammleser sollten Sie eigentlich wissen, dass ich für die Abschaffung der Währungsunion bin.

  9. @Kuster
    Und als Leser von Krugman müsste Ihnen klar sein, dass seine Vorschläge auf das Funktionieren der Währungsunion abzielen, weshalb sich eine Argumentation, die auf der Abschaffung dieser Währungsunion beruht, verbietet. Man beseitigt Hygienemängel im Krankenhaus ja auch nicht durch die Abschaffung der Krankenhäuser, oder?

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  11. Ja, Flassbeck habe ich auch gelesen, aber dann doch nicht verlinkt. Das Problem ist doch, dass Deutschland nicht um der guten Sache Europa willen die Löhne erhöhen kann, nur um dann erneut einen steilen Anstieg der Massenarbeitslosigkeit zu bekommen. Flassbeck sieht das anders, weil er jeden Zusammenhang zwischen Lohnhöhe und Arbeitslosigkeit leugnet. Als könnten Unternehmer nicht rechnen.

  12. „Nun, nach klassischer Auffassung sind Preise (und also auch Preissteigerungen) dann richtig, wenn durch sie Angebot und Nachfrage zusammenfinden. Makroökonomisch gesehen heißt das, wenn die Preise für Vollbeschäftigung sorgen.“

    Das ist nun wirklich Unsinn. In einer Währungsunion kann ein Land durchaus für die eigene Vollbeschäftigung sorgen indem es sein Preisniveau gegenüber den Nachbarn absenkt und seine Arbeitslosigkeit zu den Nachbarn „exportiert“. So etwas nennt man „beggar my neighbour“-Politik, und genau das wird Deutschland vorgeworfen. Außerhalb einer Währungsunion übrigens kann ein Land genau das gleiche noch einfacher tun, indem es seine Währung unilateral abwertet (und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Geldmenge sterilisiert). Ich schätze Du als Volkswirt weißt das genau, deswegen verstehe ich nicht ganz, was Du mit dem Beitrag bezweckst.

  13. Leser sagt

    @Arne
    Ich kann dem letzten Kommentar von Alex nur zustimmen, es ist eine „beraube deinen Nachbarn“-Politik, die Deutschland mit einem Teil der Harz4-Reformen im EURO-Verbunde getan hat. Ihr wisst sicher, dass bspw. in griechischen Supermärkten heutzutage Olivenöl und Orangensaft aus Deutschland angeboten wird. Das ist nur deshalb möglich, weil Deutschland diese Waren mit Billig- und Leiharbeit (auch mit mehr Automatisierung) billiger herstellen kann, als die Griechen selbst. So haben wir den Griechen Arbeitsplätze gestohlen. Das wäre noch okay, wenn nicht das Problem mit den Leistungsbilanzungleichgewichten bestände, also ein Land nicht dauerhaft ein Ungleichgewicht haben kann. Darauf verweist ja Prof. Sinn in seinen Vorträgen, Interviews und Büchern. http://mediathek.cesifo-group.de/player/macros/_v_f_750_de_512_288/_s_ifo/_x_s-764870657/ifo/index.html

    Ein andere Frage ist es wie Deutschland zum Rest der Welt mit seinen Güterpreisen steht. Da kann eine Preissenkung den Absatz zwar steigern, aber auch hier nur durch Verdrängung anderer Anbieter. Bei nicht substituierbaren Gütern wie den deutschen Maschienen ist der Preis sowieso weniger relevant.

  14. Wo waren eigentlich die Proteste Frankreichs, Spaniens und Italiens, als Deutschland die Hartz-Reformen durchführte? Wenn diese Politik hauptsächlich zu Lasten dieser Länder gegangen ist, dann hätten sie doch dagegen vorgehen müssen, oder?
    Aber das nur nebenbei. Die Masse der Arbeitsplätze, die seit 2005 geschaffen worden sind, waren ja nicht im Exportsektor, sondern es waren eher schlecht bezahlte Servicejobs. Aber für viele ist ein schlecht bezahlter noch immer besser als gar keiner, nicht zuletzt auch für den Bundeshaushalt. Daher hätte man die Maßnahmen nicht deshalb aussetzen können, weil sie vielleicht nebenbei der französischen oder italienischen Wirtschaft schaden. Das hätte umgekehrt auch kein Franzose oder Italiener gemacht. Und dass lokale Maßnahmen in Deutschland gleich die gesamte Volkswirtschaft der Franzosen und Italiener umpusten, dafür kann man nun auch nicht die deutsche Politik verantwortlich machen.

  15. Leser sagt

    Hallo Arne,
    die Leiharbeit ist vor allem im metallverarbeitenden Gewerbe verbreitet, hat also dort die Lohnkosten gesenkt, damit Maschinen und Autos billiger wurden, welche exportiert werden, damit die Welt damit arbeiten kann. Ich habe es selber bei Daimler erlebt, wie Mitarbeiter über das Wochenende entlassen und mit einem drittel weniger Lohn als Fremdarbeiter für die selbe Tätigkeit wieder eingestellt wurden. Für Neueinstellungen lief es nur über Subunternehmen.

    Warum Franzosen, Spanier und Italiener nicht gegen Hartz4 demonstriert haben, ist dir sicher selber klar: Sie haben das gar nicht wahrgenommen und als Ursache für ihre Miesere verstanden. Zumal zu der Zeit Deutschland noch an weiteren Strukturproblemen krankte (der kranke Mann Europas). Dass südeuropäische Produkte schrittweise durch dt. Produkte verdrängt wurden haben sie im Süden aber mittlerweile bemerkt. Da in den Ländern aber viele Menschen im öffentlichen Sektor beschäftigt sind, betrifft es ja auch nur einen Teil der Bevölkerung. Und nun kommen diese arbeitslosen Spanier hier nach Deutschland und hoffen einen Job zu finden, das ist das Resultat. Ich denke der Prof. Flassberg hat da schon im Prinzip Recht, nur bzgl. des Effektes auf den dt. Absatz im Rest der Welt bin ich noch unsicher, da hier ja auch der Wechselkurs des Euro reinspielt.

    Natürlich, das ist ja der zweite Effekt der Lohnsenkung (sowie der Senkung der Lohnersatzleistung vom alten Arbeitslosengeld auf nun Hartz4), es wird die Arbeit auch im Servicebereich lukrativer, wenn die Alternative nur in Hartz4 besteht. Früher hat eine Bäckereifachverkäuferin besser verdient, als die Verkäufer in Backshops heute, welche keinen Facharbeiterabschluss haben und nur noch den Krempel aufbacken. Auch im Wachpersonalbereich sind die Löhne stark gefallen, der Wachdienst in der Berliner Charite hat zeitweise Löhne von unter 4 Euro die Stunde bezahlt, das früher bei Pförtner auch nicht so war.

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  17. Häschen sagt

    Dieser Krugman Artikel war verkürzt eine Argumentation die Herr Flassbeck auch anschlägt. Die Wurzel des Übel geht ja eher auf 2001-2003 zurück. Da kann man jetzt diskutieren. Hat Deutschland müssen die Hartz Reformen machen, hat man da der EURO Raum keine Infrastruktur hatte die volkswirtschaftlichen Kennzahlen überhaupt zu erhalten fristgerecht und vollständig die Chance genutzt usw… Ich erinnere an die Enthüllungen der EURO Diskussion zu dem Thema. Der Aufschwung im EURO Raum war getragen durch Immobilienblasen, Aufschwung in der Türkei nach der Währungsreform, Nordafrika, Preisblasen im Stahl bspw. so um 2006 herum, Ostphantasie usw… Jetzt muss mir dann aber mal ein Herr Flassbeck erklären wie er glaubt, dass die Lohnstückkosten sollen runterkommen. Er bemerkt ja zurecht. Deutschland hat ‚Geld‘ hergeborgt damit Hochpreisländer die eigenen Produkte kaufen. Diese 4 Phasen muss man auseinanderhalten.

    2001 – 2004/2005: (bis zum Bekanntwerden des Platzens der Immoblienblase in Spanien Ende 2004 und endgültig so ca. Mitte 2005), Irland hat ich auch abgezeichnet – ein Bekannter von mir ein Ire hat sich Ungarn eingekauft mit Immobilien, da er in Irland keine Immobilie zu einem selbst überhöhten aber doch irgendwo fairen Preis bekam. Hinzu kam noch das Aufblähen der Finanzindustrie, der Staatschulden und dem Servicesektor.
    2005 – 2007: Hohe Prosperität zumindest in Teilbereichen mit erster Ernüchterung ob des Platzens der Immobilienblase in den U.S.
    2008 – 2011: Erster Katzenjammer und Erholung im Euroraum 2009
    ab 2011: Exportoffensive Deutschlands – zuerst nach Europa und erst dann verstärkter in andere Regionen, Target 2 System Einführung mit den bekannten Begleiterscheinungen usw…

    So in etwa. Aber Herr Flassbeck bemerkt ja zurecht – mit Investition war nicht viel ab 2011 oder wann immer dieser Prozess des Finanzieren der eigenen Exporten begann, so es denn so ist.

    Einer Sache entkommen wir nicht, dass das Preisniveau auf der Welt nicht so weit kann abweichen und viel eher – Ist nicht die Subvention von einem billigen Job aus Sicht der Wirtschaft das Signal – dieser Job wird eigentlich nicht gebraucht? Irgendwo muss sich ja die verringerte Nachfrage nach gewissen Qualifikationen ausdrücken.

    Ganz logisch erscheint mir Hartz IV so mal nicht in Summe.

    Überlegen sie sich mal die Aussage, ‚Schlecht bezahlte Jobs geschaffen die vom Staat subventioniert werden?‘. In dem Punkt fürht ein HWS die Lohnsubventionierung als Argument ins Feld – Schlagwort, ‚Über Lohn nicht abbildbar‘. Wenn man aber auf das Gesamtbild rund um die Agentur für Arbeit deren operative Mitarbeiter teils prekär beschäftigt sind und mit Handwerkern nicht nur Deals laufen hatten Menschen in diesen sog. 1 EUR Jobs zu halten respektive Aufstocker. Zu allem Überfluss wurden jene ‚Einzelfälle‘ noch behandelt wie der letzte Dreck. Das war dann für den Deutsch Staat praktisch. Aber sonst schon gar nicht viel.

    Schlecht bezahlte Service Sektor Jobs als Nebenjob, wenn 2 in einem Haushalt leben – warum nicht. Da stellt sich dann die Frage – Warum ist der Job schlecht bezahlt. Da alle anderen genauso wenig verdienen relativ zu früher. Damit landen wir bei der guten alten Wallmart Strategie, drücke die Preise der Zulieferer bis die Region bei dir kaufen muss, da keiner mehr ordentlich entlohnt wird. Das Business Modell der Globalisierung und kurzlebige Massenprodukte.

    Wenn man dem etwas positives will abgewinnen kann die Strategische Überlegung dahinterstehen Industrie zumindest in Deutschland zu halten. Ich denke nicht, dass den Verantwortlichen nicht klar wäre, dass die Situation unhaltbar ist. Man müsste auf Teufel komm raus die Mutter aller Blasen befeuern und wie der Leibhaftige selbst die Preise treiben.

  18. Leser sagt

    „Ist nicht die Subvention von einem billigen Job aus Sicht der Wirtschaft das Signal – dieser Job wird eigentlich nicht gebraucht?“

    Das ist eine interessante Frage. Die VWL sagt ja durch ihre Vertreter, jeder Job ist gut sei er auch noch so schlecht entlohnt, notfalls muss der Sozialstaat zahlen. Aber brauchen wir solche Drecksjob unter Harz4-Niveau wirklich? Beispiel Friseure: in Berlin gab es Billigketten, wo man für 8 Euro Waschen-Schneiden-Fönen komplett bekam. Jetzt gibt’s einen Branchenmindestlohn und bald auch den richtigen Mindestlohn. Deshalb laufen aber nun die Leute nicht mit Wischmopfriseur herum, sondern das Haareschneiden wird auch für höhere Preise (nun 10 Euro) nachgefragt (die Nachfrage ist ziemlich unelastisch). Es besteht also kein Grund für solche Dumpingpreise. Da, wo die Nachfrage dagegen sehr elastisch ist, weil bspw. substituiert werden kann oder eher ein Luxuskonsum vermutet werden kann, bspw. bei Autowäschen mit Personal ohne Zusatzkosten für den Autofahrer. Da ist der Job des Billiglöhner nichts wert und deshalb so billig und verzichtbar.

  19. Häschen sagt

    Danke @Leser. Ich zahle mein Leben lange schon 8 EUR für die Frisur. Gebe aber recht, auf 8 bis 6 mm rasiert ist nicht soviel Aufwand, doch wohl ist der Schnitt vonnöten, da die Haare wieder länger werden und in meinem Fall speziell die 12 – 15 Wirbel ein sehr lustiges Bild in Woche 3 bis 4 verursachen. Trinkgeld ist ja nicht verboten. Es lebe der freie Markt.

    Nieder mit Kassenbelegen! Stellen sie sich vor, der Staat in Österreich will eine Beleglotterie machen, damit die Menschen den Bon auch mitnehmen und selbigen verlangen. Das Casino hält Einzug in die Realwirtschaft. Hoffe die österr. Bevölkerung hält auch weiterhin hart an der Tradition fest, dem Mensch in der Wirtschaft weiterhin zu unterstützen und den Raub durch den Staat zumindest passiv Einhalt zu gebieten. Entschuldigen sie die Werbeeinschaltung im Sinne der ausgleichenden Gerechtigkeit.

    Ich persönlich bin eigentlich recht froh über die Diskussion. Sehr interessant, von ihnen angesprochen, der Versuch der Industrialisierung. Anstatt einen ordentlichen Preis zu verlangen wird praktisch versucht den Markt zu teilen in Frisuren des tägl. Gebrauchs und Frisuren ‚höherer Güte‘ für den Ball im Fasching. Es kann sich jeder leicht ausmalen, dass man allein von Frisuren im Fasching außer im Nebenerwerb im Rahmen der Deckung von saisonalen Kapzitätsspitzen nicht wirklich kann leben, nicht als Friseur Unternehmen und nicht als Friseur.

    Im nächsten Schritt wird der Ball im Fasching abstrahiert auf bspw. Holladoro und versucht das Geschäft dieser spezialisierten Einheiten zu beflügeln. Es wird das ganze Jahr Holladoro veranstaltet und auch darauf geschaut, das Holladoros unter anderem mit dem stilvollen Auftreten gepaart mit exquisiter Frisur allein dem Knigge gerecht wird – der gesellschaftlichen Konvention genügt. Das führt zu Dienstleistung als Kunstform. Nach 3 Jahren beginnt das Konzept zu schwächeln und Ökonomen analysieren warum die Menschen kategorisiert nach Frisuren nicht mehr am Holladoro interessiert sind. Möglw. kommt man zum Ergebnis, dass eine besondere Marktchance im Segment Halladoro im Rahmen der Sonnwendfeier bei Tierfrisuren zur Schau gestellt werden liegt und die Kammer gibt eine Empfehlung dieses Segment zu bedienen. Hilft am Ende alles nichts, die Holladoro Blase platzt. Dann sitzt jeder Friseur da mit dem niederen Preis, die Konkurrenz verschwindet und die Ketten bleiben übrig.

    Anstatt einmal zu sagen, ‚Leut die 2 EUR in 6 Wochen tun mal keinem Weh und der Bedarf ist da‘. Damit wären alle vermutlich zufrieden.

    Einer Sache wird man sich stellen müssen, wie man mit der Spaltung der Arbeitnehmer umgeht in jene
    a) deren Stunde als Leistungseinheit, Kostenträger oder was auch immer dem Kunden wird verrechnet – die Stunde Installateuer bspw.
    b) Allen anderen die hinter einer Produktabstraktion im Verborgenen arbeiten
    insbesondere, da dem Arbeitnehmer als Konsument nicht wirklich wird kommuniziert, was seine Arbeit pro Stunde kostet. b) verspürt bei weitem nicht den Druck auf den Stundenlohn wie a). Die Dienstleistung wird komplexer aber der Stundensatz bietet sich an als Basis auf die umgelegt wird.

    Für mich ist die Stunde Lebenszeit egal wessen investiert genauso viel wert wie meine die ich in ein IT-Projekt in welcher Form auch immer investiere. Das Handwerk wird heraustreten müssen aus dem Schatten der Industrie niedergehalten durch das Argument Dienstleistungs- respektive Servicessektor. Service zumeist organisiert als Support für die Gesellschaft soll sich auf 0 rechnen in den Köpfen so mancher Vertreter der Industrie. Die gehen eh zum Holladoro Friseur der sie im Rahmen des Supports in ihrer Wanderung von Halladoro zu Holladoro umsorgt.

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