Wirtschaftswurm-Blog

Michael Hudson, die europäische Schuldenkrise und der Finanzsektor

Die Analyse der europäischen Schuldenkrise, die Michael Hudson vor ein paar Tagen in der FAZ vorgestellt hat, kann man nur als wirr bezeichnen.

Dabei fängt Hudson gut an: „Ein demokratisches Fiskalregime wird progressive Steuern auf Einkommen und Grundbesitz erheben und Steuerflucht ahnden.“ (Nebenbei: Ähnliches verbreite ich seit längerem auch hier im Blog.) Durcheinander kommt Hudson allerdings, wenn er dies als Alternativlösung zu Lohnkürzungen und Verringerungen des Lebensstandards anpreist.

In der europäischen Schuldenkrise sind zwei Probleme miteinander verwoben. Da haben wir die hohen Staatsschulden einerseits und da haben wir die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit namentlich der südeuropäischen Staaten andererseits. Klar, die hohen Staatsschulden Griechenlands und Portugals sind eine Folge der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder, haben sich aber als Problem inzwischen verselbstständigt.

Für zwei Probleme braucht man auch zwei Lösungen. Denn selbst Michael Hudson hat nicht die eierlegende Wollmichsau entwickelt.

Das Problem A, das der Staatsschulden, kann man durch „progressive Steuern auf Einkommen und Grundbesitz“ angehen, das Problem B, das der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit, durch Lohnkürzungen. Mögliche Alternativen für A sind ein Schuldenschnitt, eine Entwertung der Schulden durch Inflation oder die von Hudson kritisierten Privatisierungen. Eine Alternative zu B ist eine Abwertung der heimischen Währung nach Austritt aus der Eurozone. Wirtschaftswurm-Leser wissen, dass ich eine Kombination aus Schuldenschnitt und progressiven Steuern für Problem A befürworte, eine Währungsabwertung für Problem B.

Hudson reicht es allerdings nicht, zwei Themen durcheinander zu bringen, er muss sich im selben Artikel auch zur Zentralbankpolitik äußern. Die staatliche Notenbank solle das Geld zur Finanzierung staatlicher Defizite selbst bereitstellen und damit den Privatbanken die Möglichkeit nehmen, durch Staatsfinanzierung ein Geschäft zu machen. – Nun, mit demselben Argument kann man auch fordern, dass der Staat seine eigenen Bauunternehmen oder Schulbuchdruckereien unterhält. Die Praxis hat aber gezeigt, dass man solche Sachen lieber die machen lässt, die davon Ahnung haben.

Hudson glaubt, einzig der Druck der europäischen Geschäftsbanken verhindere, dass die EZB die Staatsfinanzierung selbst übernimmt. Allerdings ist der Finanzsektor Großbritanniens und der USA einflussreicher als der in der Eurozone. Da sollte es doch zu denken geben, wenn ausgerechnet die Bank of England und die amerikanische FED sich in der Staatsfinanzierung engagieren. Wieso kann das der dortige Finanzsektor nicht verhindern? Oder ist es gerade im Interesse dieses Finanzsektors?

Wenn die Zentralbank die Druckerpresse anwirft, um Staatsanleihen zu kaufen, ist das offensichtlich eine Lösung für Problem A, das Problem hoher Staatsschulden. Wer weder progressive Steuern noch einen Schuldenschnitt als Lösung will, der verfällt auf diese Alternative. Eine Alternative mit erheblichen Risiken.

10 Kommentare

  1. Stephan sagt

    >Eine Alternative mit erheblichen Risiken.

    Und die wären?

  2. Stephan sagt

    Mensch Mensch Mensch. Deine Inflationsangst ist echt krankhaft. Die FED macht QE1 und QE2 und kein empirisch nachweisbarer Effekt was Inflation betrifft. Was müssen eigentlich die Zentralbanken noch machen damit auch ein Wirtschaftswurm kapiert, wie Nachfrage induzierte Inflation wirklich entsteht? Du hast Angst vor einer Fata Morgana.

    Und was die Finanzblasen betrifft. Geld ist endogen. Die Geldmenge können Zentralbanken nur SEHR bedingt steuern wenn überhaupt. Falls es dir entgangen ist, es gibt so was wie Giralgeld. Wenn du keine Finanzblasen willst dann würde ich dir die Regulierung des Finanzsektors empfehlen. Kann man auch bei Hyman Minsky nachlesen.

  3. >>> Nun, mit demselben Argument kann man auch fordern, dass der Staat seine eigenen Bauunternehmen oder Schulbuchdruckereien unterhält.

    Das ist nicht jetzt dein Ernst. Das ist nicht einmal eine Stammtischniveau-Logik.

  4. @ Wurm
    >>> Dann kläre mich über die Unterschiede auf.
    Es gibt verschiedene Sätze:
    1: Logisch falsche Sätze
    Da kann man nachweisen, dass es einen logischen Fehler gibt
    2: Es gibt unsinnige Sätze.
    (Die meisten Sätze und Fragen, welche über philosophische Dinge geschrieben worden sind, sind nicht falsch, sondern unsinnig. Ludwig Wittgestein, Tractatus logico-philosophicus, 4.003 )
    Dein Vergleich ist einfach unsinnig. Das kann man nicht anhand des Satzes klären. Hier geht es um etwas, womit sich sich Psychiatrie befasst.
    3: Logisch richtige aber empirisch irrelevante
    zB die neoliberale Theorie des allg Gleichgewichts von den Damplokingenieuren Walras und Pareto (man bezeichnet diese Menschen treffend als geniale Idioten)
    4: Logisch richtige und empirisch verifizierbare
    DAS IST ETWAS, WAS ZUR WISSENSCHAFT GEHÖRT

  5. Wirtschaftswurm sagt

    Thema meines Artikels ist ein Text von Michael Hudson in der FAZ. Es ist keine Abhandlung über Zentralbankpolitik allgemein. Tatsächlich verwendet Hudson drei Abschnitte darauf, zu erklären, dass die Banken mit der Finanzierung von Staatsdefiziten Gewinn machen. (Naja, zumindest meistens.) Das ist aber in einer Marktwirtschaft eine Banalität und nicht zu gebrauchen als Argument für irgendetwas. Darum geht es mir. Bist du da anderer Meinung?

  6. @ Wurm
    Die öffentlichen Güter (Bildung, Rechtssystem, Polizei, Renten, Sozialssysteme, Armee …) können sich auf zweierlei Weise finanzieren:
    1: Wenn die Reichen Steuer zahlen
    2: Wenn die Notenbank Geld „druckt“

    In Griechenland ist beides unmöglich, jetzt kollabiert das Land

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