Wirtschaftswurm-Blog

Die Kosten des Euro

übernommen aus Wirtschaftswende vom 12.5.2010

Zunächst waren es 45 Milliarden, dann 110 Milliarden. Nun kommen noch einmal 750 Milliarden dazu. Die Angaben über die Kosten der Eurorettung explodierten innerhalb weniger Tage. Glaubwürdigkeit sieht anders aus. Müssen sich die Bundestagsabgeordneten, die am Freitag noch dachten, mit den 110 Milliarden wäre es getan, nicht verarscht vorkommen?

Und werden wenigstens die 750 Milliarden reichen? Egghat hat in seinem Blogg ausgrechnet, dass 750 Milliarden gerade mal reichen, um das Leistungsbilanzdefizit der Südländer 3 1/2 Jahre zu finanzieren. Das ist nicht lange.

Und damit sind wir beim eigentlichen Problem. In einem alten Beitrag hatte ich mich darüber gewundert, dass “die Spekulanten” über Griechenland herfallen und nicht über Japan, das eine viel höhere Staatsverschuldung hat. Ich hatte dabei allerdings übersehen, dass Griechenland ein Riesen-Leistungsbilanzdefizit hat, Japan dagegen hat im internationalen Handel Überschüsse. Die Leistungsbilanz ist das eigentliche Problem, nicht die Staatsverschuldung. Dieses Problem wird im Falle von Griechenland und der anderen Südländer noch dadurch erschwert, dass sie keine Möglichkeit haben, durch eine einfache Währungsabwertung ihre Waren wieder billiger und damit wettbewerbsfähiger zu machen. Ihnen bleibt nur der unsoziale Weg über Lohnkürzungen und Streichung von Staatsausgaben. Das ist zudem ein Weg, der durch eine Wirtschaftsdepression führt.

Theoretisch gibt es übrigens neben Währungsabwertung und Lohnkürzungen noch einen dritten Weg, eine negative Leistungsbilanz auszugleichen. Das ist der Weg, der zwischen Ost- und Westdeutschland oder zwischen Süd- und Norditalien, beschritten wird. Und zwar ganz wörtlich genommen. Es ist nämlich der Weg der Umzugswagen, der Weg, den diejenigen gehen müssen, die in ihrer Heimat keinen Job mehr finden.

Ist der Euro dies alles wert? Ich bin da der Meinung von Christiane von Hardenberg in der FTD und glaube: nein.