Wirtschaftswurm-Blog

Laffer-Kurve und kein Ende

übernommen aus Wirtschaftswende vom 15. 10.2009

CDU und FDP versuchen nach wie vor in ihren Koalitionsverhandlungen eine Quadratur des Kreises zu finden, nämlich Steuerentlastungen und Haushaltskonsolidierung gleichzeitig durchzuführen. Ich bin gespannt, mit welchem billigen Zaubertrick die Illusionskünstler aus ihren Verhandlungen herauskommen werden. Ich hoffe nur, es fällt ihnen mehr ein als die berühmte Laffer-Kurve.

Die Existenz einer solchen Laffer-Kurve bestreitet übrigens niemand. Es ist klar, dass bei einem Steuersatz von 100% alle Beschäftigung in die Schwarzarbeit abwandert (abwandern muss) und der Staat keinen Cent Einnahmen erzielt. Ein Steuersatz von 100% bringt also genauso viel Steuern ein wie ein Steuersatz von 0 %. Und irgendwo zwischen 0% und 100% muss es demnach ein Maximum geben, also einen Steuersatz bei dem die Steuereinnahmen maximal sind und den zu überschreiten völlig sinnlos ist. Fragt sich nur, wo. Dummerweise besteht in der Wirtschaftswissenschaft – auch nach nun 35 Jahren Diskussion – kein Konsens über diesen maximal sinnvollen Steuersatz.

Daran wird auch die neue Studie von Uhlig und Trabandt nichts ändern, die sie mittels Handelsblatt-Weblog in die Diskussion einzubringen versuchen. Für Deutschland errechnen sie einen maximal sinnvollen Steuersatz von 64% für die Lohnsteuer und von 50% für Kapitalsteuern. Eine Senkung der Steuern vom gegenwärtigen Level aus (42% Lohnsteuer bzw. 25 % Kapitalsteuer) würde sich nach Uhlig/ Trabandt bei den Lohnsteuern immerhin zu 50%, bei den Kapitalsteuern sogar zu 70% selbst durch mehr Wirtschaftswachstum finanzieren.

Doch diese Zahlen, die die beiden Autoren selbst optimistisch nennen, sind stark von den Annahmen ihres Modells abhängig. So verwenden sie ein neoklassisches Wachstumsmodell, also ein Modell, in dem stets Vollbeschäftigung herrscht und alle Maschinen ausgelastet sind – nach nun 35 Jahren dauerhafter Massenarbeitslosigkeit in Deutschland ein Unding. Außerdem unterstellen sie, dass der Staat nur konsumptive Ausgaben tätigt, nicht aber selbst investiert. Dass der Staat also mit seinen Steuereinnahmen Straßen baut und Bildung finanziert und so selbst Wachstum anregt, wird komplett vernachlässigt. Nur private Investitionen sind in dem Modell gut. Und ich bin mir sicher, wenn man tiefer in die komplizierte Mathematik des Modells von Uhlig/ Trabandt eindringt, wird man noch weitere Kritikpunkte finden.

Insgesamt ein netter Versuch, aber die Studie von Uhlig/ Trabandt wird den Koalitionären in Berlin bei ihren Steuerverhandlungen wenig helfen.

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