Wirtschaftswurm-Blog

Staatsbankrott als wohl überlegte Entscheidung

übernommen aus Wirtschaftswende vom 17.12.2009

Eine Überraschung ist es nicht mehr. Nach Fitch stuft Standard & Poors die Bonität Griechenlands herab. Das neue Rating BBB+ für griechische Staatsanleihen bezeichnet durchschnittlich gute Geldanlagen, für die aber bei einer Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage mit Problemen zu rechnen ist. Im Gegensatz zu dem, was in manchen Schlagzeilen suggeriert wird, besteht also aktuell noch keine Gefahr, dass Griechenland seine Schulden nicht zurückzahlen kann.

Aber das kann sich natürlich ändern. Mit wachsender Staatsverschuldung geraten Politiker immer mehr in eine Zwickmühle. Kürzen sie die Sozialausgaben, riskieren sie soziale Unruhen und ein Abwürgen der Wirtschaft. Erhöhen sie die Steuern, riskieren sie einen Aufschrei der Lobbygruppen und ebenfalls ein Abwürgen der Wirtschaft. Die “elegante” Lösung einer Inflation, die zu einer Entwertung der eigenen Schulden führt, steht armen Staaten, die sich hauptsächlich in Fremdwährung verschulden müssen, nicht zur Verfügung. Auch im Euro-Raum ist diese Lösung unwahrscheinlich, denn die EZB wird nicht wegen ein oder zwei Problemländern eine Geldentwertung in ganz Europa provozieren.

Unter diesen Umständen wird es wahrscheinlich in Zukunft häufiger zu wohl überlegten Ausfällen und Verzögerungen bei der Rückzahlung von Staatsschulden kommen. Die bisherige Maxime in der Finanzpolitik, Rückstände unter allen Umständen zu vermeiden, gilt meiner Meinung nach nicht mehr. Argentinien hat es 2002 vorgemacht und ist im Endeffekt nicht schlecht damit gefahren, die Gläubiger zu verprellen.