Wirtschaftswurm-Blog

Des Bankers neue Kleider – von Anat Admati und Martin Hellwig

Martin-Hellwig

Die Verhandlungsführer von SPD und Union haben anscheinend das kürzlich erschienene Buch Martin Hellwigs und Anat Admatis nicht gelesen. Die zentrale Forderung des Direktors des Max-Planck-Instituts in Bonn und der Standford-Professorin blieb zumindest im Koalitionsvertrag gänzlich unberücksichtigt. Im Buch „Des Bankers neue Kleider“ fordern die beiden, dass sich Banken sehr viel mehr als heute, nämlich zu 20-30 Prozent, durch Eigenkapital finanzieren.

Dabei legen Hellwig und Admati in ihrem Buch sehr ausführlich und gut verständlich dar, warum Banken eine hohe Eigenkapitalquote aufweisen sollten und also im Gegenzug sich relativ wenig durch Schulden finanzieren sollten (wobei zu den Schulden für eine Bank auch die Einlagen ihrer Kunden zählen). Dazu erklären die Autoren die wirtschaftliche Logik von Schuldenmachen, Bankgeschäften und Risiko. So ist ihr Buch auch für interessierte Laien geeignet, die endlich die Finanzwelt verstehen wollen und die wissen wollen, warum es nach 2007 zur Finanzkrise kam.

Der Nutzen einer hohen Eigenkapitalquote ist dabei noch relativ einfach erklärt: Eine Großbank mit 10 Milliarden € Eigenkapital kann Verluste von 7 Milliarden € tragen. Eine Großbank mit nur 2 Milliarde € Eigenkapital wäre dagegen bereits pleite. Banken mit hohem Eigenkapital sind also stabiler und werden in einer Finanzkrise nicht so leicht angesteckt.

Auch die Finanzkrise 2007/08 konnte nur deshalb ihren verheerenden Verlauf nehmen, weil Banken damals ihre riskanten Geschäfte zu teilweise mehr als 98 % mit Schulden finanzierten. Hellwig und Admati erzählen zudem, wie der Staat die Banken zum Schuldenmachen animiert und wie das Übermaß an Schulden aus konservativen Bankern Zocker gemacht hat.

Ohne es gewahr zu werden, dringt der Leser von „Des Bankers neue Kleider“ in die Finanztheorie vor, immer durch simple Beispiele geleitet. Argumente von Bankern gegen eine strenge Eigenkapitalregulierung werden dabei entkräftet. Insbesondere widerlegen Hellwig und Admati die Behauptung, eine hohe Eigenkapitalquote sei grundsätzlich teurer. Die Kosten der Kapitalbeschaffung hängen nämlich nicht vom Mix aus Eigen- und Fremdkapital ab, sondern letztlich nur vom wahrgenommenen Risiko, das die Bank trägt. Billiger wird es nur in dem Maße, in dem der Steuerzahler in die Haftung für die Banken hineingenommen wird.

Um zum Koalitionsvertrag zurückzukommen: Leider erschöpft sich der Ehrgeiz der deutschen Großkoalitionäre in der Umsetzung des Basel-III-Abkommens. Dabei legen Hellwig und Admati die Schwächen dieses Abkommens in ihrem Buch bloß. Die strikte Untergrenze für Eigenkapital liegt laut Basel III bei lediglich drei Prozent. 97 % ihres Geschäfts dürfen Banken also durch Schulden finanzieren.

Es gibt weitere Eigenkapitalforderungen in Basel III, doch die beziehen sich auf das sogenannte „risikogewichtete“ Eigenkapital. Die Risikogewichtung selbst ist aber mit erheblichen Unsicherheiten behaftet (und erlaubt zudem Manipulationen). Für externe Regulierer, so argumentieren Hellwig und Admati, ist das risikogewichtete Eigenkapital kein solides Fundament.

Fazit: „Des Bankers neue Kleider“ ist ein Buch, das Laien wie Fachleute gewinnbringend lesen.

[twocklick_buttons]Foto: Martin Hellwig (fotografiert von Avatar, bearbeitet)

5 Kommentare

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 28. November 2013 | Die Börsenblogger

  2. Wenn ich 1.000 Euro in der Tasche habe, jemandem aber 10.000 Euro leihe geht das nicht. Wenn ich es trotzdem „verspreche“ ist es Betrug. Banken „dürfen“ das (10% EK Quote)? Ich nenne das auch Betrug.

  3. @ eurotanic

    geliehenes geld weiterzuverleihen ist kein verbrechen, sondern banking. wollen sie anstatt depositeneinlagen bei ihrer bank (ihr girokonto ist ihre liquide forderung gegen ihre bank) eine illiquide, riskante forderung an irgendeine firma?

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  5. financial sagt

    It’s great that you are getting thoughts from this article as well as from our dialogue made here.

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