Wirtschaftswurm-Blog

Bitcoins: Blase oder Zukunft? – Teil 1

Bitcoin-Banknote

Bitcoins sind angetreten, den Zahlungsverkehr zu revolutionieren. Aber werden sie sich tatsächlich durchsetzen oder ist die gegenwärtige Euphorie, die sich in den gestiegenen Kursen zeigt, nur eine weitere Blase?

Mein Artikel im Sommer zum Goldkurs hatte ja einige Aufmerksamkeit erlangt. Damals glaubte ich,eine Blase beim Gold festgestellt zu haben und sagte voraus, dass diese Blase vollständig platzen wird, Gold also unter 800$ fallen wird. Aktuell liegt der Goldpreis wieder in der Nähe der Tiefststände vom Frühsommer. Sollten die demnächst durchbrochen werden, wird offenkundig, dass der Abwärtstrend beim Gold nach wie vor intakt ist.

Während der Goldkurs fiel, ist ein anderer Kurs in die Höhe geschnellt – der der digitalen Währung Bitcoin. Im Juli war ein Bitcoin teilweise noch für unter 60 Euro zu haben, dann explodierte der Kurs bis knapp 900 Euro Anfang Dezember. Seitdem haben Bitcoins aber wieder stark an Wert verloren. Einige Leser fragten mich darum: Ist auch das eine Blase?

Viele Interneter haben allerdings von Bitcoins noch gar nichts gehört. Das ergab eine Umfrage der Tomorrow Focus AG. Darum nun erst einmal ein paar Grundlagen.

Bitcoins bestehen aus verschlüsseltem Code, für dessen Herstellung Computer aufwendige Rechenoperationen durchführen müssen. Je mehr Bitcoins es bereits gibt, desto aufwendiger werden die Rechenoperationen. So bleiben Bitcoins relativ selten. Ja, es gibt sogar eine technische Grenze: Wenn 21.000.000 Bitcoins hergestellt wurden, ist Schluss. Mehr Bitcoins kann es nicht geben.

Die Rechenoperationen, mit denen man Bitcoins herstellen kann, dienen gleichzeitig der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Mit ihnen wird also die Übertragung von Bitcoins von der elektronischen Geldbörse des einen Nutzers zu der eines anderen kontrolliert.

Und hier liegt das eigentlich revolutionäre der Bitcoins. Die Übertragung der Bitcoins, also das Bezahlen, geschieht über ein Peer-to-Peer-Netzwerk, also ein dezentrales Computernetzwerk, bei dem die Rechenoperationen auf alle teilnehmenden Rechner verteilt werden. Jeder, der eine elektronische Geldbörse für Bitcoins auf seinem Rechner installiert, übernimmt so ein bisschen die Aufgaben einer Bank.

Sollten Bitcoins irgendwann einmal Standard werden, würden Girokonten überflüssig. Für den bargeldlosen Zahlungsverkehr bräuchte man keine Bank mehr. Computer statt Banker! Software statt Banker!

Bitcoins kann man als eine Art IKEA des Zahlungsverkehrs ansehen. IKEA machte uns zu Möbelmonteuren und -transporteuren. Mit Bitcoins haben wir die Möglichkeit, den Zahlungsverkehr mit jedem beliebigem anderen Menschen auf dem Planeten selbst vollständig abzuwickeln. Und ebenso wie IKEA den Möbelmarkt revolutionierte, haben Bitcoins, oder besser, digitale Währungen nach dem Muster der Bitcoins, die Chance, das Bankwesen umzuwälzen.

Und nun muss ich Wasser in den Wein der Bitcoin-Enthusiasten schütten:

  1. Die viel gehassten Banken werden auch dann weiterbestehen und sogar mächtig bleiben, wenn sie ihre Rolle im Zahlungsverkehr verlieren sollten. Sie werden ihre Rolle als Kreditmittler und Wertpapieremittenten behalten.
  2. So genial die Bitcoin-Idee ist, so wenig garantiert sie, dass die konkrete Bitcoin-Währung sich durchsetzt. Dazu aber mehr in einem Folgeartikel.

6 Kommentare

  1. Pingback: Kleine Presseschau vom 18. Dezember 2013 | Die Börsenblogger

  2. Häschen sagt

    Die Korrektur auf 800 glaube ich nicht mehr. Ich bin auf 950 statt 800, obwohl ich zu Beginn auch bei 800 bis 900 war bin ich eher bei 950 USD. 800 USD wäre schon eine spannende Untertreibung, aber wenn sich die Bären durchsetzen freut sich das Eichhörnchen.

    Die Entsprechung beim Einleiten der Korrektur war M2 gemessen am Goldpreis bei 1800 und eigentlich sind wird theoretisch bereits über 2000 USD bezogen Goldpreis auf das Abbruchniveau.

    Ich wollte es zusammenschreiben eine Synthese (von der weisen Eule:)) aus meiner Meinung, dass es sich um eine rein markttechnische Korrektur handelt und meiner komponentnebasierten Analyse

    a) Wert des Dollars bezogen auf die Realwirtschaftstransaktionen *)
    b) Auf Basis von a) die Ergänzung auf die tatsächliche M2
    c) Ausweitung der M2 – Spekulative Focus

    und 3 anderen Gesichtspunkten. Die umfasst aber 5 DIN A4 Seiten, die wollte ich dem Blog ersparen.

    Da ist ein Faktor von der FED dabei der sagt, ‚Realwirtschastransaktionen bewertet‘ / Dollars notwendig in Prozent. Was ich nicht weiß, ob Gründstücke und ähnliche Asset Transfers da mitberücktsichtigt sind.

    Ich nehme an die FED meint mit 55% der Dollars zur Finanzierung von Realwirtschaftstransaktionen nicht Immobilienhandel, Aktien usw … 45% wären dann für Asset Transfers reserviert oder liegen nutzlos herum. a) Hat aber die Besonderheit, dass egal wieviele überschüssige Dollars die FED aus der Welt streicht – Gold den Preis hält. Natürlicher bisher suggerierter Wert bezogen auf das notwendige Minimum.

    — Einschub —
    Der Herr Polleit geht von 1100 USD (Frühjahr dieses Jahres), wobei ich nicht weiß wie der die Dollarmenge interpretiert. Gäbe es nicht zuviele Dollars müsste die ja keiner streichen. Der Herr Polleit ist eher pessimistisch respektive konservativ mit den USD 1100 als Boden.
    — Einschub —

    Die Eigenschaft von a) Das bietet Bitcoin nicht. Eine endlich begrenzte Menge bringt nichts, schon gar nicht als Währung. Wachstum ist da, auch real. Worin will man Bitcoin tauschen? Informationsgeld ala Franz Hörmann haben wir noch nicht. Die Elimination des Tausches steht nicht zur Diskussion – zumindest im Moment.

    Es gibt sogar Stimmen die sagen bei Bitcoins ginge es nicht um die Währung an sich, sondern als Resultat der Hashermittlung wäre es sogar einfach wieder Brute Force 8 stellige Kennwörter zu hacken. Aus meiner Sicht sind Bitcoins Tulpen.

    — Zu den Banken —
    Jetzt kommt etwas ungewöhnliches … für mich zumindest. .de ist ein gutes Beispiel ab der Währungsreform 1948. Sagen wir 1950 mit 11% Wachstum der Beginn.

    Wissen sie dass in .de als Beispiel, das reale Wirtschaftswachstum in .de seit Beginn der 50er verkettet (Quelle auch ihr Blog) sehr stark an eine gestretchte 1/exp(x,y) – sei y ungerade errinnert (ich sag mal 5). Mit dem Wendpunkt , wenn sie sich die Funktione visualisieren etwas gestreched und nach rechts oben verschoben. Das ist Organisationsform des Wirtschaftsraums Industrie. Wir müßten aber selbst bei gleichbleibendem Wachstum real ca. 1,5% – 2% schaffen. Je nach der Gruppierung … betrachtet man die 70er und die 80er. Also wenn es der Zins nicht ist, wer dann? Der Zins deckelt unser reales Wachstum auf 2% so in etwa.

    http://www.theatlantic.com/business/archive/2013/03/corporate-profits-are-eating-the-economy/273687/

    Das ist jetzt kein Vorwurf … allein eine Feststellung.

  3. Häschen sagt

    Je nach der Gruppierung … betrachtet man die 70er und die 80er wäre ca. 1980 der Wendepunkt zu sehen.

  4. Häschen sagt

    1/exp(x,y) – Es ist 1/exp(x^5) Mein Fehler. Habe das mit der logn verwechselt, die ich gestern bis zum Exzess im Rahmen einer anderen Anwendung benötigte.

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