Wirtschaftswurm-Blog

Philippe Legrain oder die blinden Flecken eines Beraters von José Manuel Barroso

Auf der Konferenz „Ökonomie neu denken“ analysierte Philippe Legrain die Eurokrise, dachte aber seine Analyse nicht bis zum konsequenten Ende durch.

Philippe Legrain auf der Konferenz "Ökonomie neu denken", 23. Januar 2012

Philippe Legrain vor der Konferenz "Ökonomie neu denken", 23.1.2012

Der 38-jährige Philippe Legrain ist eloquent, intelligent und erfolgreich. Er hat gelernt, sich in drei verschiedenen Welten zu bewegen und zwischen ihnen zu vermitteln:  in der Welt der Wissenschaft, in der Welt der Medien und in der Welt der Politik. In letzterer ist er als Berater des EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso aktiv.

Auf der Konferenz „Ökonomie neu denken“ sprach Philippe Legrain zum Thema „Politikberatung durch Ökonomen“. (Ein Audiomitschnitt findet sich auf den Seiten des Stifterverbandes.) Erwartungsgemäß handelte ein großer Teil seiner Rede von der Eurokrise.

Legrain begann mit einer richtigen Analyse: Die Eurokrise sei nicht in erster Linie eine Krise der Staatshaushalte, sondern eine des Finanzsektors, sehe man von der Ausnahme Griechenland ab. Es war in der Tat der Finanzsektor, der in den Jahren vor 2008 Immobilienblasen (z. B. in Spanien) oder eine aufgeblähte griechische Staatswirtschaft finanzierte, als wären das sichere, rentierliche Anlagen. Die Staatsschulden sind eine Folge.

Konsequenterweise lehnt Legrain eine reine Sparpolitik zur Lösung der Eurokrise ab. Die Lösung müsse über Wachstum und eine Korrektur der Leistungsbilanzungleichgewichte erfolgen und dabei seien nicht nur die Defizitländer angesprochen, sondern auch Deutschland. In der Tat, soweit stimme ich mit ihm überein.

Leider hörte Legrain an dieser Stelle zu denken auf. Tatsächlich ist der einfachste, schnellste und sozial verträglichste Weg, die Leistungsbilanzungleichgewichte in der Eurozone abzubauen und Wachstum in den Peripheriestaaten zu schaffen, der Austritt dieser Staaten aus der Eurozone. Nach einer Abwertung können Waren aus z. B. Griechenland und Portugal wieder dauerhaft wettbewerbsfähig in Europa werden. Auch auf Kosten Deutschlands.

Das sieht Legrain aber nicht. Darüber diskutiert er nicht. Anscheinend musste er sich, bevor er Berater des EU-Kommissionspräsidenten wurde, einen blinden Flecken implementieren lassen.

Dafür sieht er anderes: Wir müssen die Griechen verstehen, so Legrain, ihre nationale Identität ist mit Europa verknüpft und mit dem Euro. Ja, sage ich, das hat man halt davon, wenn man kleine, bunt bedruckte Zettelchen zur Frage von Krieg und Frieden aufbauscht. Weniger Euro-Rhetorik würde die Durchsetzung einer Krisenlösung sehr erleichtern.

Aber, so Legrain, die Deutschen haben schon mit der deutschen Einheit bewiesen, dass man bereit ist, für politische Ziele sehr viel zu zahlen. Danke! Vielleicht sollten das jetzt auch mal andere Völker beweisen.

1 Kommentare

  1. >>> Aber, so Legrain, die Deutschen haben schon mit der deutschen Einheit bewiesen, dass man bereit ist, für politische Ziele sehr viel zu zahlen. Danke! Vielleicht sollten das jetzt auch mal andere Völker beweisen.

    So ein dummes Zeug!
    Unsere rrr-Eliten (raffgierig, rücksichtslos, räuberisch) leihen den korrupten griechischen „Eliten“ Geld, damit die so dummes Zeug wie U-Boote und anderes kaufen, und jetzt sind die 99%-Griechen schuldig, was die deutschen kriminellen Eliten angerichtet haben. Neeeeee Deutschland hat damit nichts, gar nichts zu tun

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