Wirtschaftswurm-Blog

Wachsende Lohnspreizung in Deutschland – Gegenmaßnahmen

Im ersten Artikel zur Lohnspreizung in Deutschland ging es um die Zahlen, die belegen, dass sich untere, mittlere und hohe Löhne immer weiter auseinanderentwickeln. In meinem zweiten Artikel zum Thema wurde neben anderen vor allem eine Ursache dieser wachsenden Lohnspreizung aufgezeigt: Die Stellen im mittleren Lohnbereich sind weniger geworden. Und dies ist mutmaßlich eine Folge der Computerisierung.

Was aber kann man nun gegen diese Entwicklung tun?

Politisch ist vor allem ein allgemeiner Mindestlohn in der Diskussion. Aufgrund der negativen Nebenwirkungen eines Mindestlohnes bin ich da eher skeptisch. Aloa vom Blog „libri logicorum“ macht nun einen anderen Vorschlag: die negative Lohnkostensteuer. Diese Steuer soll eine Unternehmenssteuer sein wie z. B. auch die Gewerbesteuer. Bemessungsgrundlage sind die Lohnzahlungen des Unternehmens. Der Steuersatz hängt dabei von der dem Einzelnen gezahlten Lohnhöhe ab. Er ist für hohe Löhne und für Minilöhne höher und am niedrigsten für die Zahlung eines Durchschnittslohnes. Bei mittleren Löhnen soll der Steuersatz sogar negativ sein, sprich, der Arbeitgeber bekommt Geld vom Staat.

Graphisch stellt sich der Steuersatz als Häkchen dar:Lohnkostensteuer mit Minimum beim Durchschnittslohn

Steuersatz der Lohnkostensteuer in Abhängigkeit von der gezahlten Lohnhöhe, Quelle: libri logicorum

 

Für die Lohnkostensteuer sollen die Unternehmen nach den Vorstellungen Aloas Entlastung bei den Lohnnebenkosten bekommen.

Ein Unternehmen kann nun Lohnkostensteuer sparen, wenn es statt einen Angestellten für 5000 € zwei für 2500 € beschäftigt. Es fragt sich allerdings, ob in der Praxis überhaupt die Möglichkeit dazu besteht. Sind die Stellenanforderungen nicht häufig durch die technischen und organisatorischen Gegebenheiten vorgegeben? Und ergibt sich aus diesen Anforderungen zusammen mit den Angebots- und Nachfrageverhältnissen auf dem Arbeitsmarkt nicht zwangsläufig die Höhe der Bezahlung?

Wenn es überhaupt Flexibilität gibt, dann in Großbetrieben. Der kleine Frisörbetrieb kann auf keinen Fall zwei schlecht bezahlte Frisöre durch einen gut bezahlten Techniker ersetzen. Überhaupt ist die Lohnstruktur stark branchenabhängig. Warum sollte aber die IT-Branche überdurchschnittlich viel Steuern zahlen, bloß weil bei ihr viele hochbezahlte Fachkräfte tätig sind?

Wir müssen uns damit abfinden, dass Versuche, die Lohnstruktur direkt zu beeinflussen, eher kontraproduktiv sind. Soziale Gerechtigkeit muss im Nachgang durch Umverteilungsmaßnahmen hergestellt werden. In diesem Blog streite ich darum schon seit langem für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Dies scheint mir die richtige Antwort auch auf die wachsende Lohnspreizung.

6 Kommentare

  1. Warum sollte aber die IT-Branche überdurchschnittlich viel Steuern zahlen, bloß weil bei ihr viele hochbezahlte Fachkräfte tätig sind?

    Weil

    A) die Löhne sich anhand der Qualifizierung immer weiter auseinander ziehen und das volkswirtschaftlich wie gesellschaftlich ungünstig ist. Es schadet der Nachfrage nach Arbeit und damit auch dem Wohlstand. Es schafft ein Gleichgewicht bei Unterbeschäftigung.

    B) die Hochqualifizierten „knapp“ sind und deren Löhne hoch bleiben und deren Produkte/Output eher an Nachfrage/Kaufkraft der Masse mangelt (zurück zu A) ).

    C) gerade bei uns in Deutschland die Aufwertungen der DM durch den Euro nicht mehr stattfinden welche
    – sowohl die Kosten (und Kaufkraft) der Löhne der Hochqualifizierten im Vergleich zu anderen Ländern nach oben getrieben haben
    – als auch die Kaufkraft der weniger qualifizierten und Umlageempfänger nach oben korrigiert hatten

    Weil dies stimmt:

    Wenn es überhaupt Flexibilität gibt, dann in Großbetrieben. Der kleine Frisörbetrieb kann auf keinen Fall zwei schlecht bezahlte Frisöre durch einen gut bezahlten Techniker ersetzen.

    Das wurde bisher nämlich gemacht.
    – Diese Art der „Rationalisierung“ kam immer zweien zugute. Den besser qualifizierten und den Kapitalgebern (Maschinen).
    – Eine Abwandlung war die Auslagerung ins Ausland. Einen Techniker behalten und zwei Arbeiter verlagern.

    In diesen Fällen kann die Neg. Lohnkostensteuer oder die Lohnsummenausgleichssteuer helfen das auch ein Friseur (selbstständiger wie der Arbeitnehmer) von einer Weiterentwicklung profitieren. Es ist nicht sinnvoll diese Margen dem Kapital zu überlassen und denjenigen welche eh´ schon sehr viel verdienen, „hochproduktiv“ sind… und die gewissermaßen mit Armut trotz Arbeit zu bestrafen welche nicht von millionenschweren Investitionen profitieren können wie Pflegeeinrichtungen und Friseure.

    BGE ist unsinnig, unwirtschaftlich und unsozial. Aber das gehört denke ich nicht hierher. 😉

    Grüße
    ALOA

  2. Wirtschaftswurm sagt

    Aloa,
    die Sache ist doch: du wirst an der Lohnstruktur in der IT-Branche nichts ändern. Die hochbezahlten Kräfte brauchen sie eben und die geringbezahlten brauchen sie eben nicht. Genau umgekehrt beim Frisörbetrieb. Und auch hier wird die Lohnkostensteuer nichts an der Arbeitskräftenachfrage ändern.
    PS: Mir fällt auf, dass ich die Quellenangabe zum Schaubild vergessen habe. Die werde ich natürlich nachtragen.

  3. die Sache ist doch: du wirst an der Lohnstruktur in der IT-Branche nichts ändern. Die hochbezahlten Kräfte brauchen sie eben und die geringbezahlten brauchen sie eben nicht. Genau umgekehrt beim Frisörbetrieb. Und auch hier wird die Lohnkostensteuer nichts an der Arbeitskräftenachfrage ändern.

    Das Ziel ist ja auch nicht weniger IT-Fachleute oder mehr Friseure zu erhalten. 😉

    Aber: was geschieht beispielsweise mit dem Preis beim Friseur? Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:
    A) der Friseur selbst verdient mehr (Preis bleibt gleich)
    B) der Preis beim Friseur sinkt

    Wenn der Preis beim Friseur sinken sollte haben alle welche zum Friseur gehen mehr Geld in der Tasche – für den Konsum. Echte Kaufkraft-Steigerung. Reiche Friseure wird es durch das H.O.-Problem wohl aktuell nicht geben. Also fließt auch im Fallen von A) mehr in den Konsum. Vielleicht nicht für IT und nicht für Friseure – aber woanders. Dort wo der Rentner etwas anderes erwirbt. Ähnlich beim Spargelbauern. Beim Autozulieferer wäre es ggfs. ein Kriterium hier zu produzieren.

    In der Ausbaustufe der Lohnsummenausgleichssteuer würde der Betrag in die Rentenversicherung gesteckt. Die Folge wäre dabei das nur die Hälfte den Arbeitgebern (z.B. dem Friseur) zugute kommen würde. Die andere Hälfte käme über die Senkung des RV-Beitrages auch beim angestellten im Friseursalon an. Das wäre dann noch mehr und dann direkte Kaufkraftsteigerung. Mehr Kaufkraft, mehr Nachfrage, mehr Arbeitsplätze — ohne eine echte Verteuerung der Waren und ohne eine Erhöhung des Lohnniveaus in den Bereichen wo Arbeislose anzutreffen sind. Denn wie Du schon gesagt hast: die ITler verlieren Ihre Jobs nicht.

    Grüße
    ALOA

  4. Wirtschaftswurm sagt

    „Das Ziel ist ja auch nicht weniger IT-Fachleute oder mehr Friseure zu erhalten.“ – Diesen Eindruck hatte ich allerdings schon. Wenn es aber jetzt nur darum geht, Kaufkraft umzuverteilen, dann ist die Lohnkostensteuer viel zu ungenau. Du beschreibst ja nun selbst, dass nicht genau klar ist, wie viel letztlich bei Arbeitgebern, Arbeitnehmern und bei den Kunden ankommt.
    Der Frisör sollte jetzt eigentlich auch ein Beispiel sein für jemanden, der netto belastet wird durch die Lohnkostensteuer, weil er in der Grafik ganz links steht. Er bezahlt wenig und beschäftigt zudem häufig Teilzeitkräfte. Von mir aus können wir auch den Besizter eines Zeitschriftenladens nehmen, der zwei Minijobber beschäftigt.

  5. Diesen Eindruck hatte ich allerdings schon. Wenn es aber jetzt nur darum geht, Kaufkraft umzuverteilen, dann ist die Lohnkostensteuer viel zu ungenau.

    Im Gegenteil. Es sorgt exakt dort wo Arbeitslosigkeit herrscht für die Schaffung von Angebot und damit Nachfragemöglichkeit.

    Wenn man jedem einen Euro zusätzlich gibt – dann ist das ungenau.

    Für das angesprochene ist „Kaufkraft umverteilen“ nicht die richtige Bezeichnung. Kaufkraft ist die nachfrageseitige Verteilung. Die neg. Lohnkostensteuer behandelt die angebotsseitige Verteilung… eben der Kosten. Der iPad wird gewissermaßen ein Euro teurer, dafür der Handwerker und der Friseur je ein Euro billiger. Und das ganz ohne die Löhne des Friseurs oder des Handwerkers drücken zu müssen.

    Die Lohnsummenausgleichssteuer macht Beides hälftig. Zur einen Hälfte ist es dann (tatsächlich) „Kaufkraft umverteilen“. Das ist die Hälfte welche mehr Netto bei den SV-pflichtig beschäftigten ausgezahlt wird. Die andere Hälfte ist wie oben beschrieben das senken der Angebotskosten in eben diesem Bereich der Niedrig- bis Normalverdiener.

    Vulgo:
    Angebot (zu besseren Konditionen in einem gewünschten Sektor) ermöglichen und
    Kaufkraft stärken

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