Verlängerung der Blogparade zu Spekulationsblasen

Noch mal in einem eigenen Beitrag, damit es nicht übersehen wird: Die Blogparade zu Spekulationsblasen wird noch bis zum 12. Mai verlängert. Ich komme in dieser und der nächsten Woche nicht dazu, die Zusammenfassung für das Finale zu schreiben. So bin ich z.B. am 6. und 7. auf der re:publika in Berlin (falls mich da einer treffen will).

Aus meiner Not könnt ihr aber eine Tugend machen, indem ihr weitere Beiträge zum Thema schreibt.

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Konsequenzen eines Excel-Fehlers: Revision und Rechtfertigung

Auf meinen Beitrag zum Rechendesaster von Rogoff und Reinhard gab es zahlreiche Reaktionen. Ich möchte auf sie eingehen, in dem ich meine Position weiterentwickle und dadurch hoffentlich klarer mache.

So habe ich unglücklicherweise einen sarkastischen Ausbruch bei Stefan Sasse provoziert:

Staatsschulden machen irgendwann irgendwie irgendwem Probleme, aber wir können keinerlei Aussage darüber machen, wie genau alles zusammenhängt, außer dass es manchmal funktioniert, mit hohen Staatsschulden Wachstum zu generieren, und manchmal selbst mit moderaten Staatsschulden kein Wachstum entsteht? Wahnsinn. … Das sind Erkenntnisse, die geradezu einen Freifahrtschein für alle Ökonomen darstellen. Sie haben einfach immer Recht.

Nein, Stefan, das wollte ich überhaupt nicht sagen. Im konkreten Fall bin ich auch sehr wohl der Meinung, dass Rogoff und Reinhard Unrecht hatten mit ihrer Behauptung, eine Staatsverschuldung von über 90 % des BIPs führe in der Regel zu geringem Wirtschaftswachstum. Diese ihre These wurde nun widerlegt.

Aber man sollte – das ist auch meine Meinung – trotzdem nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Dass eine konkrete wissenschaftliche Hypothese sich als falsch herausgestellt hat, heißt noch lange nicht, dass das übergeordnete wissenschaftliche Paradigma, auf dem diese Hypothese aufbaute, falsch ist.

Was meine ich damit?

Um das zu erklären, kann ich mich auf Alex Hummels Blogbeitrag stützen. Alex hat meine Thesen nämlich mit dem Standardmodell der Makroökonomen, dem IS-LM-Modell verglichen. Nach diesem Modell hat eine Erhöhung der Staatsausgaben, ohne dass gleichzeitig die Steuereinnahmen erhöht werden, grundsätzlich zwei Effekte: das BIP steigt und das allgemeine Zinsniveau steigt.

Je größer der Einfluss auf die Zinsen ist, desto niedriger ist der Einfluss auf das BIP. In dem einen Grenzfall, nämlich wenn die Zinsen überhaupt nicht auf die zusätzliche Staatsverschuldung reagieren, ergibt sich ein maximaler Multiplikator für das BIP. In dem anderen Grenzfall, wenn die Zinsen nämlich extrem in die Höhe schießen, erhöht sich das BIP nicht. Die zusätzliche Staatsnachfrage verdrängt dann lediglich die private Nachfrage.

Reinhard, Rogoff und viele andere, darunter auch ich, sind nun der Meinung, dass das nicht alles sein kann, zumindest dann nicht, wenn man auch die mittlere und lange Frist betrachtet. Unter bestimmten Bedingungen bringt Neuverschuldung nicht nur keinen positiven Effekt, sondern ist sogar schädlich für die Wirtschaft. Wie könnte es sonst überhaupt zu Staatsbankrotten kommen?

Damit habe ich das wissenschaftliche Paradigma formuliert, das ich meine. Auf diesem Paradigma aufbauend ist es weiterhin sinnvoll, wenn Ökonomen sich auf die Suche nach den Bedingungen machen, unter denen Neuverschuldung mittel- und langfristig schädlich ist.

Die Suche von Reinhard und Rogoff hat offensichtlich keine brauchbaren Ergebnisse geliefert. Doch davon sollten sich Ökonomen nicht demotivieren lassen.

So erscheint es mir naheliegend, neben der Schuldenquote weitere Variable bei der Suche nach den Bedingungen einzubeziehen. Nur in diesem Zusammenhang ist mein Vorschlag aus dem letzten Blogbeitrag zu verstehen, die Höhe der aktuellen Nettoneuverschuldung zu berücksichtigen.

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Konsequenzen eines Excel-Fehlers

Zwei prominente Ökonomen, Carmen Reinhard und Kenneth Rogoff, wurden eines Excel-Fehlers in ihrer ebenso prominenten Studie „Growth in a time of debt“ überführt. Und nun?

Kenneth Rogoff, Ökonom und Professor in Harvard

Kenneth Rogoff, Ökonom und Professor in Harvard

Die magische Zahl ist verschwunden, die magischen 90 %. Ab einer Schuldenquote von 90 %, so glaubten Reinhard und Rogoff ursprünglich herausgefunden zu haben, sinke das Wirtschaftswachstum eines Staates. Das lässt sich so nun nicht mehr halten.

Auch für die Medien, die sonst nie über ökonomische Forschung berichten, ist das ein gefundenes Fressen. So steht laut SPON nun Europas Sparpolitik in Frage. Dass sich zudem Keynesianer wie Heiner Flassbeck oder Albrecht Müller ereifern, versteht sich von selbst. Wer glaubt, Schuldenmachen sei ein wichtiges Mittel, um die Wirtschaft zu stimulieren, dem war eine feste Obergrenze wie die 90-%-Quote ein Dorn im Auge.

Dass es magische Zahlen in der Ökonomie nicht gibt, hätte aber auch vor Bekanntwerden des Excel-Fehlers klar sein müssen. Dazu ist Ökonomie zu komplex. Umgekehrt ist staatliche Verschuldung durch den Fehler keineswegs rehabilitiert. Selbst Rogoff-Kritiker Paul Krugman (den die Nachdenkseiten dankenswerterweise ins Deutsche übersetzt haben), gibt zu: „Es gibt eine gewisse Korrelation von hoher Verschuldung und geringem Wachstum …“

Der grundsätzliche Zusammenhang kann also nicht geleugnet werden. Und wenn es keine allgemeinen Obergrenze für die Schuldenquote gibt, bedeutet das nur, dass der Schwellenwert stark von den konkreten Umständen abhängt. Zwar mag manchmal auch eine Schuldenquote von weit über 90 % unproblematisch sein, manchmal aber auch eine von weit unter 90 % zu Problemen führen. Diese neue Unsicherheit sollte die Finanzpolitiker eher zur Vorsicht gemahnen.

Natürlich wird wieder die Debatte geführt, ob nun eine hohe Schuldenquote das Wachstum drosselt oder doch eher ein schwaches Wachstum die Schuldenquote steigen lässt. Vehemenz in dieser Debatte ist aber unnötig, denn natürlich ist beides richtig. Gerade dies macht die Sache gefährlich. Es macht eine Negativspirale, ein Teufelskreislauf durch hohe Verschuldung möglich.

Wichtiger ist allerdings die Frage: Wenn die Schuldenquote das falsche Maß ist, welches ist dann das richtige?

Machen wir uns dazu einmal klar, warum staatliche Schulden überhaupt einen negativen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben können. Was ist das Bindeglied zwischen beiden? Richtig, der Zins. Braucht der Staat viele Anleihen, erhöht das die Kreditnachfrage und nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage steigen die Zinsen allgemein. Bei hohen Zinsen werden aber die Unternehmen und die Privathaushalte ihre Kreditnachfrage reduzieren. Sie werden dann auch weniger investieren bzw. konsumieren. Dies beeinflusst das Wirtschaftswachstum negativ.

Nicht die Gesamtschuldenquote eines Staates steht demnach im Blickpunkt, sondern seine aktuelle Kreditnachfrage. Relevant ist dabei im Wesentlichen die Nettoneuverschuldung. Die darüber hinausgehenden Schuldenaufnahme für die Tilgung von Altkrediten erhöht zwar auch die Kreditnachfrage, gleichzeitig aber auch das Kreditangebot und spielt per Saldo daher keine Rolle. Die Anleger werden nämlich das durch eine Tilgung erhaltene Geld typischerweise wieder neu anlegen.

Ergänzend zum Thema: “Falsche Prognosen des IWFs – Was folgt?

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„Geordneter“ Ausstieg aus der Eurozone? – Die wirtschaftliche Seite

Macht die Forderung der Partei Sinn, oder handelt es sich um gefährliche Anti-Europa-Politik?“ Diese Frage zur Alternative für Deutschland (AfD) stellt Focus-Chefredakteur Jörg Quoos im heute erschienen Heft. Die angekündigte Analyse ist dann aber schwach und geht auf volkswirtschaftliche Fragen gar nicht ein. Darum hier im Blog meine Analyse als Ergänzung (nein besser als Ersatz) zur Focus-Titelgeschichte.

Immerhin erläutert AfD-Vorsitzender Bernd Lucke im Focus-Interview sein Konzept für den Euroausstieg. Lucke möchte die jetzige Währungsunion durch einen Ausstieg der Südländer (einschließlich „wahrscheinlich“ Frankreichs) beenden. Dabei geht er von einer vier- bis fünfjährigen Übergangsphase aus, in der diese Länder neben dem Euro eine neue, eigene Währung parallel benutzen.

Ob Deutschland ein solches Konzept politisch in der EU durchsetzen kann, habe ich mich bereits im Beitrag „‘Geordneter’ Ausstieg aus der Eurozone? – Die politische Seite“ gefragt. Mit den heutigen EU-Institutionen schien mir das so gut wie unmöglich.

Ergänzen möchte ich allerdings, dass sich Luckes Parallelwährungen automatisch vor Ort, auch ohne Segen aus Brüssel, entwickeln können. Wenn nämlich keine weiteren Hilfen an die Südschiene fließen, stehen die dortigen Staaten vor dem Problem, wie sie Gehälter und andere Ausgaben bezahlen. Aus der Not heraus werden sie dann wohl beginnen, neue, bunte Zettelchen zu drucken, mit denen sie bezahlen. Wie „geordnet“ so ein Weg ist, das zu beurteilen, überlasse ich mal anderen.

Mit dem Konzept der Parallelwährung selbst habe ich mich mal im letzten Jahr auseinandergesetzt („Soll Griechenland nur halb aus dem Euro raus?“). Und auf die Probleme einer Parallelwährung, die ich damals sah, hat auch Lucke keine Antwort.

Der große Vorteil einer Parallelwährung ist, dass die Konten nicht umgestellt werden, die Sparer in den Südländern also ihre Euros behalten können. Und damit besteht kein Anlass zu einer Kapitalflucht.

Wenn aber Guthaben in Euro bestehen bleiben, müssen auf der anderen Seite auch die Schulden in Euro bestehen bleiben, ansonsten sind die Banken sofort pleite. Die Unternehmen und Privathaushalte hätten damit Schulden in einer Hartwährung, bekommen aber ihre Einnahmen in den Südländern nur noch in den neuen Weichwährungen. Viele würden darum unter der Schuldenlast zusammenbrechen.

Lucke setzt darauf, dass die Wirtschaft der Südländer nach der Einführung der Parallelwährungen schnell anspringen wird. Denn da die Unternehmen dann z.B. ihre Löhne größtenteils in Weichwährung bezahlen, bekommen sie einen großen Wettbewerbsvorteil. Die historische Erfahrung mit Währungsabwertungen gibt ihm Recht.

Das Problem: „Schnell“ wird meist nicht schnell genug sein. Die Hartwährungsschulden der Unternehmen belasten nämlich nicht nur schnell, sondern sofort.

Aus ebensolchen Gründen haben auch Roger Bootle und sein Team das Parallelwährungskonzept ausgeschlossen, als sie ihren Plan für einen Euroausstieg vorlegten. Statt langer Übergangsfristen wollten sie eine schnelle und komplette Währungsumstellung, möglichst an einem Wochenende. Dieser Bootle-Plan gewann dann auch den mit 250.000 Pfund dotierten Wolfson Prize für das beste Ausstiegskonzept aus der Eurozone.

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„Geordneter“ Ausstieg aus der Eurozone? – Die politische Seite

Sollte Deutschland aus der Eurozone aussteigen, wie es die „Alternative für Deutschland“ (AfD) fordert, wird das wohl nicht ganz so reibungslos ablaufen, wie das die Eurogegner darstellen. Trotzdem kein Grund, den Euroaustritt zu scheuen.

Mit der Gründung der neuen Partei „Alternative für Deutschland“ und ihrem ersten großen Parteitag ist das Thema eines deutschen Ausstiegs aus der Eurozone wieder in den Medien. Stammleser dieses Blogs und Leser meines E-Books “Die ersten drei Jahre Eurokrise” werden sich nicht wundern, dass ich das gut finde.

Seit Beginn der Eurokrise bin ich dafür, dass Krisenländer aus der Eurozone ausscheiden. Seitdem EZB-Präsident Draghi erklärt hat, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen, bin ich dafür, dass am besten gleich Deutschland aus der Eurozone austritt („Deutschland ist nun verpflichtet, die Eurozone zu verlassen“).

Selbst George Soros und Wolfgang Münchau haben sich inzwischen die Forderung nach einem Euroaustritt Deutschlands zu eigen gemacht. Dabei teile ich übrigens ihre Analyse, dass mit Eurobonds die Währungsunion zu retten wäre. Der Preis eines Schuldensozialismus mithilfe von Eurobonds wäre allerdings für Europa und insbesondere für Deutschland langfristig gigantisch. Dann lieber weg mit dem Euro.

Bernd Lucke, VWL-Professor und einer der Vorstandssprecher der AfD

Bernd Lucke, VWL-Professor und einer der Vorstandssprecher der AfD

Doch wie „geordnet“ kann sich ein Ausstieg vollziehen? Betrachten wir zunächst die politische Seite. (Auf die wirtschaftliche werden ich in einem Folgeartikel zu sprechen kommen.)

Gegenüber dem WSJ Deutschland setzt Roland Vaubel, einer der Wirtschaftsprofessoren, die die AfD unterstützen, auf eine Verhandlungslösung. Zunächst soll ein Austritt aus der Eurozone in den EU-Verträgen abgesichert werden. Das ist auch die Linie, die AfD-Vorstandssprecher Lucke in Oberursel erläutert hat.

Die Eurozone ist kein optimaler Währungsraum, was auch heißt, dass die Währungsunion in der Summe mehr schadet als nutzt. Rein theoretisch sollte es darum möglich sein, eine Verhandlungslösung über einen Euroaustritt zu erreichen, mit der alle EU-Partner zufrieden sind. Praktisch spricht jedoch die „Tyrannei der Einstimmigkeit“ (Charles B. Blankart) in der EU dagegen. Mag die Regelung noch so unsinnig sein, meist gibt es einen, der von ihr profitiert. Und der kann eine Änderung blockieren. So ist es auch mit dem Euro.

Von der Währungsunion haben bis 2009 die Südländer sowie Irland massiv profitiert. Sie konnten große Summen Anlagegelder anlocken. Danach drehte sich die Lage. Deutschland wurde zum Krisengewinner. Doch auch diese Phase ist schon wieder vorbei. Deutschland profitiert zwar immer noch von den niedrigen Zinsen, seine Exporte leiden aber gleichzeitig durch den Wirtschaftseinbruch in den Südländern.

Die Schicht derjenigen, die noch vom Euro profitieren, ist nun in allen Ländern klein. Es sind diejenigen, die in den Südländern Finanzanlagen halten und die deren Abwertung bei einem Ende des Euros befürchten. Die Politik fügt sich aber ihrem Interesse.

Ohne Streit und Druck wird es darum nicht gehen. Das sieht auch Bernd Lucke. Er will die Auszahlung weiterer Hilfstranchen an die Krisenländer verweigern, bis man sich auf Ausstiegsklauseln geeinigt hat. Sachlich kann man das gut begründen, denn erst nach einem Ende der Währungsunion können die Krisenländer wieder dauerhaft Hoffnung schöpfen und damit auch ihre Geldgeber.

Ohne Streit und Druck geht übrigens auch die Eurorettung nicht. Der Vorteil des Euroaustritts wäre: Dieses Gezänk (das in der Tat gefährlich eskalieren kann) hätte irgendwann einmal ein Ende.

Trotzdem bleibt ein Widerspruch: Die Alternative für Deutschland hält Europa für unfähig, eine Währungsunion zu managen. Warum glaubt sie dann, Europa wäre fähig, das Ende einer Währungsunion zu managen?

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