Alle Artikel in: Wirtschaftswurm-Blog

Das Wirtschaftsprogramm der Piraten: Kein großer Wurf!

Das Wirtschaftsprogramm der Piraten enthält neben Allgemeinplätzen logische Widersprüche und Kategorienfehler. Kein großer Wurf! Am Wochenende wurde ja breit über den Bundesparteitag der Piraten in Bochum berichtet. Ich selbst habe auch kurz in den Livestream hineingeschaut. Da machte gerade (es war Auszählpause) ein Kabarettist halbwegs gute Witze. Doch von so etwas lasse ich mich natürlich nicht abschrecken. Mithilfe von Protokoll und Antragsbuch habe ich die Beschlüsse des Parteitags zum Grundsatzprogramm Wirtschaftspolitik ermittelt. Zunächst mein Gesamteindruck: Das Wirtschaftsprogramm ist ein bisschen kurz, um nicht zu sagen zu kurz. Wichtige Themenbereiche wie Subventionen, Umgang mit Monopolen und Steuerpolitik fehlen unter anderem auch, weil die dazugehörigen Vorschläge keine 2/3-Mehrheit auf dem Parteitag fanden. Was bleibt, ist wenig aufregend: Ein paar Schlagworte wie Freiheit, Transparenz, Gerechtigkeit. Wer kann schon dagegen sein? In Absatz [5] des angenommenen Programmantrags P091 merkt man zunächst auf. Wirtschaftspolitik sei für Piraten nicht gleich Wachstumspolitik. Was folgt ist dann aber eine sehr konventionelle Kritik an rein materialistische Zielsetzungen. Ähnliches findet man schon in der Bibel. Welche Konsequenzen diese Kritik für die praktische Politik haben könnte, …

Wirtschaftsjournalismus in Zeiten des Zeitungssterbens

Gestern tagte der Aufsichtsrat des Verlages Gruner+Jahr. Offizielle Verlautbarungen werden noch erwartet, aber nach allem, was davor und danach durchgesickert ist, wäre alles andere als eine Einstellung der Financial Times Deutschland eine Riesenüberraschung. Beginnt nun eine neue, schwierige Zeit für den Wirtschaftsjournalismus? Ja, es ist wohl richtig, die FTD war seit ihrem Erscheinen 2000 nie profitabel. Daher ist wohl eher zu würdigen, dass Gruner+Jahr die Zeitung nicht viel früher eingestellt hat. Doch sie war das Flagschiff und Prestigeprojekt des Verlages. Das gilt jetzt wohl nicht mehr. Zeitungen taugen nicht mehr fürs Prestige. Für die Leser schon lange nicht mehr. Während man sich Mitte der 90er noch hinter einer Zeitung verstecken musste, um als kluger Kopf zu gelten, reicht heute ein iPad. Nun gilt das auch für Anzeigenkunden (sie glauben nicht mehr an die Wirkung von Gedrucktem) und für Verlage. Und plötzlich ist es Allgemeingut, dass die gedruckte Zeitung absterben wird. Und der Wirtschaftsjournalismus? Lothar Lochmaier glaubt an die Zukunft der Blogs. Die Bloggerszene, auch die Wirtschaftsbloggerszene, zeigt meiner Meinung nach, dass Qualität durch Nebenbei-Journalismus entstehen …

Der Bericht der Troika: Griechenland nach 2 1/2 Jahren Reformen und Rettungen

„Die Griechen haben geliefert.“ So wird Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker diese Woche in allen einschlägigen Medien zitiert. Nun seien die internationalen Geldgeber am Zuge. Auf den Griechenland-Bericht der Troika kann Juncker seine Aussage aber kaum stützen. Im Folgenden ein Überblick über die kritischen Passagen des Berichts. Doch eines vorweg: Der vollständige Troika-Bericht wurde bislang noch nicht im Netz veröffentlicht. Lediglich der Entwurf ist durchgesickert und auf den stütze ich mich. Ob die großen Presseredaktionen mehr vorliegen haben oder ihre Berichte auch nur auf dem Entwurf fußen, wird nicht ganz klar. Anscheinend verfolgt Juncker die Strategie, zuerst mit seinen eigenen  Interpretationen für positive Stimmung zu sorgen, die unangenehmen Fakten aber später zu veröffentlichen, wenn die Medienaufmerksamkeit wieder abgezogen ist. Zu den Daten und Fakten: Die griechische Wirtschaft liefert nach wie vor nicht und wird dies auch in den nächsten beiden Jahren voraussichtlich nicht tun. Wirtschaftswachstum ist für die Troika frühestens 2015 in Sicht. 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Wachstum des griechischen BIPs -0,2% -3,3% -3,5% -6,9% -6,0% -4,0% 0,0% Damit wird Griechenland 6 Jahre lang …

Wirtschaftswachstum mal langfristig (2001-2011)

Das Netz ist zwar voll mit Zahlen, selten findet man jedoch langfristige Daten aufbereitet. Meine internationalen Vergleiche zum langfristigen Wirtschaftswachstum sind da eine Ausnahme und locken entsprechend viele Nutzer an. Hiermit gibt es eine Neuauflage. Achtung! Dieser Artikel ist veraltet. Es gibt einen aktualisierten und erweiterten Artikel: Wirtschaftswachstum und Lebensstandard langfristig gesehen (2004-2014)

Ökonomen-Blogparade: Die Grenzen des Wachstums

Das Thema „Grenzen des Wachstums“ ist viel älter als die bekannte Studie mit diesem Titel aus dem Jahre 1972. Und es bietet viele Aspekte für uns Blogger, im Rahmen der Ökonomen-Blogparade darüber zu schreiben. Wahrscheinlich waren es die Araber, im Mittelalter die Lehrer der Mathematik, die als erstes die Paradoxien erfassten, die bei fortgesetztem realem exponentiellen Wachstum entstehen. Davon zeugt die Legende vom indischen Erfinder des Schachspiels Sissa ibn Dahir. Sissa wünschte sich von seinem König als Belohnung ein Weizenkorn auf dem ersten Feld des Schachbretts, die doppelte Menge, also zwei Weizenkörner, auf dem zweiten Feld, wiederum die doppelte Menge, nämlich vier Weizenkörner, auf dem dritten Feld usw. bis zum 64. Feld des Schachbretts. Als die Berater des Königs die Gesamtsumme ausrechneten, kamen sie zum Schluss, dass so viele Weizenkörner wie benötigt (über 18 Trillionen) nie und nimmer im gesamten Königreich beschafft werden können. Thomas Robert Malthus (1764-1834) warnte als erster vor den Folgen eines unbeschränkten Bevölkerungswachstums. Hunger und Elend seien die zwangsläufige Folge, wenn die Bevölkerung exponentiell wächst, das für die Landwirtschaft verfügbare Land …

Heute: „Ökonomen live“ zur Frage „Soll Deutschland in der Eurozone bleiben?“

Heute Abend um 20 Uhr beginnt der Livestream. Ich werde hier im Artikel das Youtube-Video einbetten, sobald der genaue Link feststeht. Das wird etwa gegen 19 Uhr 30 sein. Da ist es: Vor dem eigentlichen Beginn des Livestreams erscheint aber nur ein Hinweis „Der Livestream beginnt in wenigen Momenten“. Gegebenenfalls muss man dann die Seite neu laden, um den Livestream mitzubekommen. Ich hoffe, dass technisch alles klappt. Olaf Storbeck, Dirk Elsner und ich werden die Frage des Abends über das Videokonferenztool Hangout von Google-Plus diskutieren. Wer mitdiskutieren will, kann dies über Twitter tun. Bitte das Kennzeichen #Ökonomenlive dabei nicht vergessen! Tweets ohne den Hinweis #Ökonomenlive werden wir nicht finden können. Mitglieder von Google-Plus können unter dem Eintrag des „Events“ ebenfalls mitdiskutieren. Wer möchte, den laden wir dann auch in die Videokonferenz ein. Ich verweise dazu auf die Hinweise von Dirk Elsner: „Außerdem sollten die an einer direkten Teilnahme Interessierten vorher ihre Technik prüfen. Wenn die Übertragung durch Geräusche gestört werden, schalten wir den Ton ab oder werfen den Teilnehmer raus. Bitte habt Verständnis, wenn wir …

Ökonomen live: Soll Deutschland in der Eurozone bleiben?

Am nächsten Dienstag, 30.10., um 20 Uhr ist es soweit. Olaf Storbeck, Korrespondent beim Handelblatt und bald Kommentator bei Reuters, Dirk Elsner, Gewinner des Finanzblog-Awards 2012, und ich diskutieren über die Frage: Soll Deutschland in der Eurozone bleiben? Wir nutzen dabei das Google-Plus-Tool Hangout für Videokonferenzen. Unsere Videokonferenz wird live über Youtube gesendet. Für alle die live zuschauen wollen, werde ich etwa eine halbe Stunde vor Beginn hier im Blog den genauen Youtube-Link bekannt geben. Wer am Dienstag Abend keine Zeit hat: nicht schlimm. Natürlich kann man sich unsere Diskussion auch hinterher über Youtube anschauen. Wer fragen oder Anmerkungen hat, kann die während der Diskussion einbringen, entweder über Twitter oder aber über Google-Plus. Über Twitter kennzeichnet ihr dazu bitte eure Tweets mit #Ökonomenlive. Google-Plus-Nutzer können wir (natürlich nur, falls gewünscht) sogar live dazuschalten. Meine Position zur Frage des Abends: Seit dem ersten Rettungspaket für Griechenland im Mai 2010 ist die Entwicklung der Eurozone geprägt von Rechtsbrüchen und Fehlentscheidungen, die unseren langfristigen Wohlstand gefährden. So sollten wir nicht weitermachen. Wenn diese Entwicklung nicht rückgängig gemacht werden …

Ist Austeritätspolitik für die Euro-Peripherieländer sinnvoll?

Ist Austeritätspolitik aktuell für die Euro-Peripherieländer (speziell Griechenland, Portugal und Spanien) sinnvoll? Im Rahmen der Blogparade des Wirtschafts-philosophen möchte ich mich mit dieser Frage befassen. Zynismus inklusive. Mit Austerität bzw. Austeritätspolitik bezeichnen Volkswirte eine staatliche Sparpolitik. (Für Genaueres kann man die Wikipedia zu Rate ziehen.) Als Folge solcher Sparpolitik herrschen in Spanien und Griechenland 25% Arbeitslosigkeit. Eine junge Generation lebt dort ohne wirtschaftliche Perspektive und begehrt auf. Ganz offensichtlich hat Austerität hier versagt. Doch mit dem in fünf Jahren Krisen herangereiften Zynismus kann man Austerität trotzdem sinnvoll und gut finden. Zur Begründung finde ich die Unterscheidung zwischen konjunkturellen und strukturellen Problemen hilfreich, wie sie auch der Wirtschaftsphilosoph trifft. Griechenland, Portugal und Spanien haben strukturelle Probleme. Ihre Wirtschaft ist nicht leistungsfähig genug, ist nicht wettbewerbsfähig in der Eurozone. Solange diese Länder in der Eurozone verbleiben, wird sich daran auch bestenfalls vorübergehend etwas ändern. Der Teufelskreislauf aus mangelnder Wettbewerbsfähigkeit und Abwanderung gut ausgebildeter Arbeitskräfte kommt ja gerade erst in Gange; er wird auch in Zukunft bei jedem Anzeichen wirtschaftlicher Schwäche wieder aufleben. Machen wir uns also nichts …

EEG: Professor Haucap und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft auf dem Holzweg

Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) wie auch der ehemalige Vorsitzender der Monopolkommission, der Düsseldorfer Professor Justus Haucap, schlagen Alternativen zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor. Sie wollen es durch ein Quotenmodell ersetzen. Damit befinden sie sich aber auf dem Holzweg. Immerhin haben die INSM und Professor Haucap einen guten Zeitpunkt für ihren Vorschlag erwischt. Die Förderung erneuerbarer Energien durch das EEG steht aktuell besonders in der Kritik. Anfang der Woche gaben die Netzbetreiber die Erhöhung der EEG-Umlage von 3,6 auf 5,3 Cent bekannt. Heute legten sie mit der Ankündigung erhöhter Netzentgelte für die Stromdurchleitung nach. Kern des EEG ist bekanntlich eine Absatzgarantie für jede erneuerbar erzeugte KWh Strom in den ersten 20 Jahren des Betriebs einer Anlage zu einem festen Preis. Der Garantiepreis hängt dabei von der Art der Stromerzeugung ab. Für neue Fotovoltaikanlagen liegt er zur Zeit bei bis zu 18,4 Cent/KWh, für Windkraftanlagen auf Land bei 8,9 Cent/KWh. Die Mehrkosten, die den Netzbetreibern durch die Abnahme des grünen Stroms entstehen schlagen sie über die EEG-Umlage auf den Verbraucherpreis auf. Das von der INSM und …

Was macht die Konjunktur?

Letzte Woche veröffentlichten die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute ihre gemeinsame Konjunkturprognose. Wer bereits den Konjunktureinbruch 2008 mitgemacht hat, kann sich daran erinnern, wie damals die Wirtschaftsforschungs-institute alle paar Wochen ihre Prognosen revidierten und immer wieder ein noch größeres Schrumpfen der Wirtschaft vorhersagten als zuvor. Droht so etwas jetzt auch? Meinen Gastbeitrag für das „Planspiel Börse Blog“ weiterlesen: Planspiel Börse Blog