Alle Artikel in: Wirtschaftswurm-Blog

Die Eine-Billion-Dollar-Münze

Die Idee, US-Staatsschulden von der FED mit einer Eine-Billion-Dollar-Münze zurückzukaufen, hat wenig mit einer Defizitfinanzierung durch Geldschöpfung zu tun, sehr viel dagegen mit einem Schuldenschnitt. Laut Stephan Ewald tauchte die Idee erstmals 2010 in einem Kommentar zu einem US-Blog auf. Der US-Finanzminister soll demnach eine Platinmünze mit dem Nennwert 1.000.000.000.000 Dollar prägen lassen. Mit dieser Münze kann er dann von der US-Zentralbank FED gehaltene Schuldpapiere des amerikanischen Staates zurückkaufen. Die USA wären so auf einen Schlag 1 Billion ihrer 16,4 Billionen $ Schulden los. Nun wird die scheinbar bizarre Idee auch von amerikanischen Politikern ernsthaft diskutiert. Bei der Beurteilung sollte man allerdings zweierlei nicht vergessen: 1. Die Eine-Billion-Dollar-Münze soll ein politisches Problem lösen, kein ökonomisches. Das politische Problem besteht im Streit zwischen Republikanern und Demokraten um die US-Schuldenobergrenze. Diese Obergrenze, da stimme ich dem Wirtschaftsphilosophen zu, ist mindestens genauso absurd wie die Eine-Billion-Dollar-Münze. Der US-Kongress hat mit dem Haushaltsgesetz hohe Ausgaben und niedrige Einnahmen beschlossen. Nun droht er aber damit, die Erhöhung der Schulden abzulehnen, die notwendig ist, um seine eigenen Beschlüsse durchzuführen. Das ist …

Der Wirtschaftswurm im 4. Quartal

Zum Jahresanfang ein mit Zahlen unterfütterter Rückblick auf das letzte Quartal hier im Blog. Während ich bislang noch in jedem Quartal neue Leser finden konnte, gab es im gerade zuende gegangenen vierten Quartal 2012 zum ersten Mal einen Rückschlag. Google Analytics verzeichnet 14.482 Besuche und 21.921 Seitenaufrufe. Das ist gegenüber dem Vorquartal immerhin ein Rückgang um 29,5% bzw. 30,0%. Ausgeglichen wird dieser Rückgang immerhin durch einen Anstieg der von Google Analytics gemessenen durchschnittlichen Besuchszeit auf der Seite um 19,7%. Im dritten Quartal hatte ich noch vier Einzelartikel , die mehr als 1000 Klicks brachten: Sollen Frauen sich die Brüste vergrößern lassen dürfen? Zusammenbruch der Eurozone – ja und? Die zehn gefährlichsten Blogger Deutschlands sowie Olaf Storbeck gegen Hans-Werner Sinn – nächste Runde Letztes Quartal schaffte es dagegen nur „Wirtschaftswachstum mal langfristig“ mit 1422 Seitenaufrufen über die 1000er-Marke. Der Brüste-Artikel wurde dagegen von Google nicht mehr so gut gelistet und schaffte es nur noch auf 917 Klicks statt 3980 im Quartal davor. Ansonsten hängt der Rückgang wahrscheinlich damit zusammen, dass das Interesse an der Eurokrise zurückging, …

Ökonomen-Blogparade: Frauenquote in Unternehmen

Der Auftakt zur Ökonomen-Blogparade im Januar: Was hat die Forderung nach Frauenquoten in der Wirtschaft mit der nationalsozialistischen Lebensraum-Ideologie gemeinsam? Kaum etwas befördert die menschliche Leidenschaft so sehr, wie das Gefühl ungerecht behandelt zu werden. Ungerechtigkeit kränkt und macht zornig. Das ist gut, wenn der Zorn aufrüttelt und zu produktiven Lösungen anregt. Das ist schlecht, wenn sich der Zorn verselbständig. Dann formt der Zorn ein verzerrtes Weltbild und dieses verzerrte Weltbild schürt neuen Zorn, der die verzerrte Wahrnehmung bestätigt usw. usf. Ich glaube, manche Feministen haben schon seit langem dieses pathologische Stadium erreicht. Das gilt zumindest für die Vertreter des „Wirtschaftsfeminismus“ (Antonia Baum). Damit ist der Teil der Frauenbewegung gemeint, der immer wieder neue Zahlen und Quoten berechnet, nach denen Frauen im Wirtschaftsleben benachteiligt werden. Das ist auch der Teil, der aktuell gesetzliche Frauenquoten für Unternehmensvorstände und -aufsichtsräte fordert. Es gab schon einmal eine Bewegung, die sich ähnlich verrannt hatte: der deutsche Nationalismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auch damals speiste sich ein verzerrtes Weltbild aus dem Gefühl der ungerechten Benachteiligung heraus. Das …

Stehen wir am Beginn einer neuen Ära finanzieller Repression?

„Financial repression“, eingedeutscht „finanzielle Repression“, dieser Begriff steht für eine Politik, die Anleger ausquetscht wie eine Zitrone. Müssen wir uns nun auf „financial repression“ als Konsequenz aus der Finanz- und Schuldenkrise einstellen? Der Begriff „finanzielle Repression“ ist mir erst durch Dirk Elsners Blogparade zu diesem Thema geläufig geworden. Bei den Recherchen zu „financial repression“ bin ich dann schnell auf die Seiten des großen US-Anlagefonds PIMCO gestoßen. Dort schreibt Scott A. Mather: Wir stehen wahrscheinlich an der Schwelle einer neuen Ära weltweiter „financial repression“ mit wichtigen und weit reichenden Anlagekonsequenzen. Doch was heißt „financial repression“ genau? Die Forscher Carmen M. Reinhart und M. Belen Sbranica beschäftigen sich in ihrer Schrift „The Liquidation of Government Debt“ damit. Sie verstehen unter finanzieller Repression eine Vielzahl von Maßnahmen, die vor allem in zwei Kategorien fallen: Maßnahmen, die direkt oder indirekt den Zinssatz deckeln. Das kann z.B. durch Obergrenzen von Guthaben- oder Darlehenszinsen geschehen, aber auch durch Zinsziele der Notenbank. Diese Maßnahmen machen alternative Investments für Anleger oder Banken unattraktiver und steigern damit die Nachfrage nach Staatsanleihen oder aber sie …

Präsident des ifo-Instituts Hans-Werner Sinn

Hans-Werner Sinn und die Target-Falle

Was meint Hans-Werner Sinn eigentlich damit, wenn er sagt, Deutschland befindet sich in der Target-Falle? In seinem (auch übers Internet live übertragenen) Vortrag gestern an der Münchener Uni erklärte er nicht nur das, sondern ging auch auf die Bankenunion und die verbliebenen politischen Optionen in der Eurokrise ein. Sinns Position zum Targetproblem ist hoffentlich bekannt. Ansonsten verweise ich einfach auf ältere Artikel hier im Blog zum Thema. Sein jüngstes Buch kann man natürlich auch zur Hand nehmen. Hier nur die aktuellen Zahlen zum Targetproblem: Im innereuropäischen Zahlungsverkehr haben die sechs Krisenstaaten (Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Italien, Zypern) 871 Milliarden € Miese angehäuft. Kleine Schulden sind ein Problem des Kreditnehmers, große Schulden dagegen ein Problem des Gläubigers. So ist es auch mit den Targetkrediten. Gläubiger ist hier die EZB und ihr größter Anteilseigner, die Deutsche Bundesbank. Das ist es, was Sinn meint, wenn er Deutschland in der Target-Falle sieht. Dem schlechten Geld gutes hinterherzuwerfen bringt nun nichts. EFSF, ESM und Bankenunion vergrößern das Problem nur. Sinn kritisiert massiv eine Politik, die auf Sicht fährt und sich …

Google und die Zeitungsverlage (Teil 2): Kampf ums Monopol

Die Indizien dafür, dass Google sein Suchmaschinenmonopol missbraucht, sind eklatant. Trotzdem kommt die EU-Wettbewerbsbehörde nicht in die Pötte. Statt wirkungsvoller Monopolregulierung werden in Deutschland sogar Maßnahmen wie das Leistungschutzrecht diskutiert, die Googles Monopol tendenziell festigen werden. Google hat ein Monopol bei der Suche im Netz. Bei etwa 96% Marktanteil ist das keine Frage. Und Google missbraucht dieses Monopol. Wenn ich sehe, dass schon mal ein belangloser Kommentar von mir auf der ersten Suchseite erscheint, dessen einzige offensichtliche Qualität ist, beim Google-Videodienst Youtube getätigt worden zu sein, wenn man das sieht, dann ist das auch keine Frage. Philipp Klöckner hat einen langen Text darüber ins Netz gestellt, warum und wie Google sein Monopol missbraucht. Ich will mal versuchen, ihn ohne irrlichtende Anglizismen zusammenzufassen. Die Frage warum, ist schnell beantwortet: Google will weiter wachsen und da es bei der Internetsuche schon das Monopol hat, geht das nur über andere Internetdienste. Hierzu zählt etwa Youtube. Ein besonderes Augenmerk scheint Google aber auf weitere Vermittlungsseiten im Internet geworfen zu haben: Preisvergleichsseiten, Buchungsplattformen für Hotels, Flüge usw., Vergleichsportale für Kredite, …

Gleich „Ökonomen live“ – Thema heute: Das Ende der FTD und die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus

Olaf Storbeck von Economics Intelligence, Dirk Elsner vom Blicklog und ich diskutieren per Google Hangout. Der Livestream der Videokonferenz beginnt etwa um 20 Uhr. Die Aufzeichnung: Anlässlich der Einstellung der Financial Times Deutschland wurde die Zukunft des Journalismus und des Wirtschaftsjournalismus im Speziellen in den letzten Tagen breit in den Medien diskutiert. Auch ich habe hier im Blog unter dem Titel „Wirtschaftsjournalismus in Zeiten des Zeitungssterbens“ bereits darüber geschrieben. Aus der Bloggerperspektive gibt es aber sicher noch neue interessante Aspekte, über die wir uns heute Abend die Köpfe heiß reden können. Nicht zuletzt bietet die heutige Ankündigung von „Die Welt“, ab morgen eine Bezahlschranke für ihre digitalen Inhalte einzuführen, Gesprächsstoff. Wer mitdiskutieren will: Wir werden alle Tweets mit dem Kennzeichen #Ökonomenlive verfolgen. Und natürlich kann man auch auf der Youtube-Seite des Videos mitdebattieren. Wir schalten zudem gerne Gäste live dazu. Damit ich euch einladen kann (die technische Federführung liegt nämlich heute bei mir), müsst ihr mir euren Google-Plus-Namen bekannt geben. Gäste sollten vorher ihre Technik (Webcam, Mikrofon) prüfen. Also bis gleich.

Google und die Zeitungsverlage (Teil 1): Das Leistungsschutzrecht

Das Leistungsschutzrecht (kurz: LSR) ist kompletter Unsinn und dient lediglich dazu, Wettbewerb und technischen Fortschritt zu verhindern. Die Diskussion darüber lenkt von wichtigeren Fragen ab. Einer der besten Kommentare zur ausufernden Diskussion um das Leistungsschutzrecht  stammt vom Chefredakteur von sueddeutsche.de, Stefan Plöchinger. Unter dem Titel „Wieso wir klüger debattieren müssen“ beklagt er sich, dass die Debatte um das LSR von wichtigeren Fragen ablenkt. Zu den wichtigeren Fragen komme ich noch. Eines muss man zuvor jedoch klarstellen: Das LSR war eine Idee der Verlage, es war ihre Initiative und ihr Vorschlag. Wenn also die Debatte um das Leistungsschutzrecht wichtigere Fragen ins Abseits drängt, dann tragen dafür hautpsächlich die Verlage die Verantwortung. Und auch wenn es eigentlich unwichtig ist, muss noch ein zweites klargestellt werden. Das Leistungsschutzrecht ist kompletter Unsinn. Wird das LSR Gesetz, soll Google für die Textschnipsel aus Verlagsartikeln, die es zu jedem Suchergebnis in Gooogle News anzeigt, eine Gebühr zahlen. Tatsächlich sind allerdings Texte und auch Textschnipsel bereits durch das Urheberrecht geschützt; da gibt es keine Regelungslücke. Und die Rechtsprechung zum Urheberrecht besagt, dass, …

Ökonomen live: Das Ende der FTD und die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus

Nächsten Dienstag, am 11.12.,  veranstalten wir das zweite „Ökonomen live“, unsere öffentlich und live übertragene Videokonferenz zu Wirtschaftsthemen. Wie beim ersten Mal sind wieder Olaf Storbeck und Dirk Elsner dabei. Thema diesmal: Das Ende der FTD und die Zukunft des Wirtschaftsjournalismus. Um 20 Uhr geht es los. Stirbt die Zeitung auf Papier? Muss Journalismus öffentlich bezuschusst werden? Welche Geschäftsmodelle gibt es für (Wirtschafts-)Journalismus im Netz? Was erwarten die Nutzer von Wirtschaftsmedien? Um diese und andere Fragen soll es in der Diskussion gehen. Die Diskussion wird live über meinen Youtube-Kanal übertragen. Aber auch hier im Blog werde ich den Link rechtzeitig bekannt geben (etwa eine halbe Stunde vor Beginn der öffentlichen Übertragung)  und in einem eigenen Beitrag einbetten. Wie auch beim letzten Mal wollen wir eure Fragen auf Twitter in unsere Diskussion einbeziehen. Bitte kennzeichnet eure Tweets zur Sendung mit #Ökonomenlive, damit wir sie auch finden. Und ebenfalls wie beim letzten Mal schalten wir gerne Gäste dazu. Das geht allerdings nur für Leute, die bei Google-Plus registriert sind.

Finale der Blogparade: Grenzen des Wachstums

Zehn Blogger haben an der Blogparade zum Thema „Grenzen des Wachstums“ mit elf Blogartikeln teilgenommen. Das ergab eine kontroverse Diskussion mit sehr vielen unterschiedlichen Perspektiven. Zum Einstieg eignet sich gut der Artikel der Ökonomischen Nackenstütze. Sie führt den grundlegenden Unterschied zwischen möglichen Faktoren auf der Angebots- bzw. Produktionsseite und möglichen Faktoren auf der Nachfrageseite ein, die beide zukünftiges Wirtschaftswachstum begrenzen können. Die größeren Probleme sieht die Nackenstütze dabei auf der Angebotsseite und verweist auf ökonomische Vordenker wie Schumpeter, Baumol und Solow. Insgesamt gibt sich Nackenstütze aber optimistisch. Ähnlich systematisch packt der Wirtschaftsphilosoph das Thema an und geht mögliche wachstumsbegrenzende Faktoren durch. Die größten Probleme seien „nicht bei den Ressourcen zu erwarten, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, sondern bei den Abfällen am Ende, die zu großen Teilen immer noch ‘umsonst’ in der Umwelt ‘entsorgt’ werden.“ Stichwort Kohlendioxid und Klimawandel. Das ist auch das Thema von Alien Observer, der ansonsten das Miesmacherimage der Wachstumskritiker beklagt: „Was wir Kritiker aber verlangen, ist, dass die unangenehmen Fragen gestellt werden die sich die Ökonomen oder Wirtschaftspolitiker offenbar nicht stellen wollen.“ …