Alle Artikel in: Wirtschaftswurm-Blog

Der Fall Amazon – Wer ist verantwortlich? (Teil 1)

Gestern Abend zeigte die ARD eine sehenswerte Doku. Es ging um Leiharbeiter, die aus ganz Europa nach Deutschland herangekarrt werden, um in der Vorweihnachtszeit beim Internetkaufhaus Amazon für zwei bis drei Monate zu arbeiten. Erschreckende Zustände wurden aufgezeigt. Den Beitrag kann man sich in der ARD-Mediathek zur Zeit anschauen, aber ich verlinke jetzt nicht, da Links zu den öffentlich-rechtlichen Sendern nach einer Woche meist tot sind. Sechs Missstände werden meiner Meinung nach unzweifelhaft festgehalten: Amazon ködert Zeitarbeiter aus dem krisengeschüttelten Spanien mit relativ guten Konditionen. Zwei Tage vor der Abfahrt nach Deutschland erfahren die Bewerber aber, dass sie nicht bei Amazon direkt, sondern bei der Leiharbeitsfirma Trenkwalder beschäftigt werden sollen. Den Arbeitsvertrag bekommen die Interessenten erst, wenn sie bereits in Deutschland sind. Die Konditionen darin sind deutlich schlechter, als ursprünglich von Amazon angekündigt. So wird nur ein Stundenlohn von 8,52€ statt 9,68€ gezahlt. Die Differenz begründet Trenkwalder damit, dass die Firma Kost und Logis übernimmt. Die Unterkünfte für die Leiharbeiter sind miserabel. Jeweils sieben Leute müssen sich einen kleinen Ferienbungalow teilen. Das Essen ist ebenso …

„Die ersten drei Jahre Eurokrise“ bei Amazon erschienen

Mein E-Book „Die ersten drei Jahre Eurokrise – Gespiegelt durch 89 Blogbeiträge“ ist bereits bei Amazon als Kindle-Version verfügbar. Wer also die Kindle-Version braucht, kann sie bekommen, wenn er oben auf das Bild oder auf folgenden Link klickt: „Die ersten drei Jahre Eurokrise – Gespiegelt durch 89 Blogbeiträge“ Ich will jetzt nicht noch mal wiederholen, warum man sich das E-Book kaufen sollte, dazu lest meinen letzten Artikel.  Um euch jedoch weiter neugierig zu machen, hier die 12 Kapitel, in die ich die Blogbeiträge aus dem Wirtschaftswurm für das Buch geordnet habe: Ursachen und Ungleichgewichte Die Target-2-Salden Deutschland und der Euro Die Anleihekäufe der EZB Die Geld- und Zinspolitik der EZB Der Rettungsgalopp Euro-Rettungsschirme und Eurobonds Bankenrettungsschirme Der Zentralisierungswahn Schuldenschnitt und Vermögensabgabe Euroende – Warum? Euroende – Folgen und Vorgehensweise Wer die Ausgabe als epub-Datei braucht, bekommt sie am besten direkt bei epubli. PS: Bei iTunes hab ich das Buch inzwischen auch gefunden. Die ISBN ist übrigens 9783844248371.

Die ersten drei Jahre Eurokrise als E-Book

Es ist geschafft. Mein erstes E-Book ist veröffentlicht und man kann es ab sofort bei epubli erwerben. Titel: „Die ersten drei Jahre Eurokrise – Gespiegelt durch 89 Blogbeiträge„. In Kürze wird es auch bei Amazon und Apple erhältlich sein. Und das ist das Titelblatt: Titel und Untertitel sagen schon fast alles über den Inhalt. Die meisten Einträge aus dem Wirtschaftswurm zur Eurokrise findet ihr in dem E-Book wieder. Da stellt sich natürlich die Frage: Warum sollte man ein Buch lesen, dessen einzelne Teile man auch im Internet finden kann? Nun, zumindest im Falle meines E-Books habe ich sechs Gründe gefunden: Alle meine wichtigen Artikel zum Thema sind in diesem E-Book zusammengefasst. Ein paar nicht mehr aktuelle Artikel habe ich dagegen weggelassen. So erleichtert dieses E-Book, das Wesentliche zu finden. Die Artikel sind im Gegensatz zum Blog thematisch in zwölf Kapitel geordnet. Somit lassen sich besser Zusammenhänge erkennen und Entwicklungen nachverfolgen. Die Ein- und Überleitungen zu den einzelnen Artikeln habe ich neu geschrieben. Auch damit hoffe ich, die Zusammenhänge und Entwicklungen besser darzustellen. Man erkennt die …

Bevor wir überhaupt über Familienpolitik diskutieren können …

159 familienpolitische Leistungen des Staates gibt es. Etwa 200 Milliarden € werden dafür ausgegeben. Der größte Teil verpufft laut aktuellem „Spiegel“ wirkungslos. Aber was heißt Familienpolitik? Und wann ist Familienpolitik wirkungslos? Bevor wir überhaupt über Familienpolitik diskutieren können, müssen wir ihre Ziele klar bestimmen. Frank Lübberding („Mit dem Pampers-Bomber zur effizienten Familienpolitik“) wildert im Spiegel-Bericht herum und erklärt, warum diese oder jene Leistung eigentlich gar keine Familienpolitik ist. Allgemeine Maßstäbe scheint er dabei nicht zu haben. Angesichts vielfältiger Überschneidungen ist die Abgrenzung der Familienpolitik tatsächlich nicht einfach. Aber die von Lübberding angeführte Witwenrente z.B. ist nicht deswegen keine Familienpolitik, weil sie Rentenpolitik ist. Sie ist eben beides. Stefan Sasse meint in „Familienpolitik an den Pranger“, man könne trefflich darüber streiten, was in der Familienpolitik genau als effizient anzusehen sei. Doch anstatt dies zu machen, geht er zu Einzelfragen über. Ich bleibe dagegen lieber zunächst beim Grundsätzlichen. Um Effizienz zu beurteilen, muss man sich erst einmal über die Ziele im Klaren sein. Klare Ziele findet man auch in der Bundesregierung nicht. Auf den Internetseiten des Bundesministeriums …

Finale der Ökononomenblogparade zur Frauenquote

Die Frauenquote, ein heiß diskutiertes Thema. Das merkte man auch bei der Ökonomen-Blogparade. Sieben Beiträge von sechs Bloggern beschäftigten sich mit der Quote. Ich beginne einmal ganz unhöflich mit meinem eigenen Beitrag, einem Vergleich zwischen der Forderung der Wirtschaftsfeministen nach Frauenquoten und nationalsozialistischen Forderungen nach „Lebensraum“. Tatsächlich konnte ich einige Parallelen zwischen beidem feststellen: Es geht bei beiden um die Verteilung von Erwerbschancen nach Quoten. Im Blickpunkt der Quoten steht nicht der individuelle Mensch, sondern seine Zugehörigkeit zu einem angenommenen Kollektiv (die beiden Geschlechter bei der Frauenquote, Rasse oder Nation beim Lebensraumgedanken). Tatsächlich sind die Erwerbschancen, die verteilt werden, für die große Mehrheit der angeblich Begünstigten irrelevant. Das gilt für Vorstandsposten genauso wie für landwirtschaftlichen Grund und Boden. Diese tatsächliche Irrelevanz wird durch ideologische Konstruktionen kaschiert. Hierzu gehört auch, dass man Menschen, die nicht in die Ideologie passen, an den Rand drängt. Bei den Wirtschaftsfeministen sind es die Hausfrauen, weil sie für sich eine Karriere ausschließen, bei den Nationalsozialisten sind es die Juden, weil sie (angeblich) nicht landwirtschaftlich arbeiten wollen. Nun, der Wirtschaftsphilosoph verneint in …

Warum ich Keynesianer hasse

Eine längst überfällige Abrechnung Ich rede von diesen vulgärkeynesianischen Perverskeynesianern. Pervers im ursprünglichen lateinischen Wortsinne: „Perversio“ hieß nämlich bei den alten Römern so viel wie Verdrehung, Umkehrung. Keine Ahnung, wozu die Römer dieses Wort brauchten, denn zu ihrer Zeit gab es noch keine Keynesianer, erst recht keine Perverskeynesianer; aber egal, sie haben es trotzdem erfunden. Perverskeynesianer sind widerlich vom gesamten Grunde ihres Denkens her. Und dieser Grund ihres Denkens heißt Makroökonomik. Makroökonomik, das ist die sinnfreie Beschäftigung mit vollkommen nichtssagenden Größen. Die bekannteste Kennziffer der Makroökonomen ist das Bruttoinlandsprodukt BIP. Dem BIP gilt die große, aber leider nicht erwiderte Liebe der Makroökonomen. Nun, dieses komische BIP ist über die Jahre und Jahrzehnte gestiegen; selbst in Deutschland zwischen 2001 und 2011 um 11,5%. Den Deutschen geht es trotzdem nicht besser. Auch der Zusammenhang zwischen BIP und Arbeitslosigkeit ist nur lose. 0,5 % jährliches Wachstum mehr oder weniger machen sich in der Arbeitslosenstatistik nicht bemerkbar. Der Bundestag denkt nun darüber nach, das BIP durch andere Kennziffern zu ergänzen. So etwas würde einem Keynesianer natürlich nie einfallen. Undenkbar für …

„Ökonomen live“ heute mit dem Thema Bankenunion

Dirk Elsner, Patrick Bernau, Eric Bonse und ich diskutieren heute Abend per Google-Hangout über die Bankenunion. Die Videokonferenz könnt ihr ab 20 Uhr live mitverfolgen. Hier der Link zum Video: Was ist die Bankenunion? Warum brauchen wir sie überhaupt? Was sind die Vor- und Nachteile einer gemeinsamen Bankenregulierung? Was sollte man mit gescheiterten Banken machen? Müssen der ESM oder andere öffentliche Fonds einspringen? Wie viel wird uns die Bankenunion kosten? Beendet die Bankenunion die Eurokrise? Um diese und weitere Fragen wird es heute Abend gehen. Wie auch bei den vorangegangenen Sendungen von „Ökonomen live“ könnt ihr via Twitter mitmachen. Kennzeichnet eure Tweets mit Fragen und Anmerkungen zum Thema bitte mit #Ökonomenlive. Hashtag also: #Ökonomenlive. Wir werden versuchen, möglichst viele Tweets aufzugreifen.

Japan, die Europäische Zentralbank und der Währungskrieg

Shinzo Abe, der japanische Premier, wird beschuldigt, einen Währungskrieg anzuzetteln. Dabei will Japan jetzt nur eine ähnliche Geldpolitik wie die Europäische Zentralbank betreiben. In einer gemeinsamen Erklärung von japanischer Notenbank und japanischer Regierung heißt es zunächst lediglich, dass die Notenbank fortan ein Inflationsziel von 2 % verfolgen soll. Das ist mehr als vorher. Da lag das Inflationsziel bei 1 %. Andererseits ist der Unterschied zum Inflationsziel der Europäischen Zentralbank minimal. Die EZB hat ihr Inflationsziel mit „unter aber nahe 2 %“ festgelegt. Wenn Japans Inflationsziel Währungskrieg bedeutet, dann betreibt die EZB ihn schon lange. Mehr als auf das Ziel kommt es aber auf die Mittel an. Laut Süddeutsche hat die japanische Notenbank erklärt: „sie werde unbegrenzt Geld in die Märkte pumpen. Sie will Staatsanleihen kaufen, Unternehmensanleihen und auch Aktien.“ Wirft die japanische Notenbank nun die Druckerpressen an und kauft mit dem neu geschaffenen Geld alles an den Börsen auf, egal zu welchem Preis? – Das wäre natürlich Wahnsinn, ist aber tatsächlich keineswegs geplant. Was die Süddeutsche meint, ist nämlich nicht unbegrenzt, sondern unbefristet. (Und das sollte sie dann …

Vorsicht! Es wird weiter an der Bankenunion gewerkelt

Die Beschlüsse der EU-Granden zu einer gemeinsamen Bankenaufsicht sind nun schon mehr als einen Monat alt und seitdem hat man wenig Neues zum Thema gehört. Man lasse sich davon aber nicht täuschen. Die EU-Kommission bastelt weiter an der europäischen Bankenunion. Denn die Bankenaufsicht ist nur die halbe Bankenunion. Der zweite Teil soll aus einem gemeinsamen Fonds bestehen, aus dem strauchelnde Banken rekapitalisiert werden können. Dabei ist schon Teil 1 problematisch. Die Bankenaufsicht soll nämlich unter dem Dach der EZB erfolgen. Die EZB ist jedoch durch ihre geldpolitischen Operationen Geschäftspartner der Geschäftsbanken. Das birgt Interessenkonflikte. Am deutlichsten hat das ifo-Chef Hans-Werner Sinn formuliert: Wenn die EZB nun vor der Entscheidung steht, eine private Bank für bankrott zu erklären, abzuwickeln und ihre eigenen Kreditforderungen gegenüber dieser Bank abzuschreiben oder aber die Bank für sanierungsfähig zu erklären, um ihr damit den Zugang zu ESM-Mitteln zu verschaffen, ist klar, wie sie sich entscheidet. Das ist, als ob man dem Verkäufer einer Schrottkarre das Recht gibt, seinem Auto selbst die TÜV-Plakette zu erteilen. Sicherlich ist es richtig, zu verhindern, dass …

Flughafen Berlin Brandenburg: Ist Effizienz ein Modell von gestern?

Angesichts des Desasters um den Bau des Flughafens Berlin Brandenburg schreibt Frank Lübberding im Blog „wiesaussieht“: „Technokratische Effizienz ist ein Modell von gestern.“ Aber stimmt das wirklich? Lübberding zumindest plädiert für mehr Gelassenheit im Umgang mit Milliardenmehrkosten und Jahre dauernden Verzögerungen bei Großprojekten wie Berlin Brandenburg, Stuttgart 21 oder der Hamburger Elbphilarmonie. Gelassenheit zumindest dann, wenn das ständige Herumschrauben am Projekt seiner Legitimation beim Souverän, dem Volk, dient. Nun – sollte Lübberding mit seiner Effizienz-These recht haben, hätte sich der größte Teil der Wirtschaftswissenschaften erledigt und ich könnte auch dieses Blog dicht machen. Denn die Wirtschaftswissenschaften beschäftigen sich im Kern lediglich mit den zwei Fragen: Wie werden Güter effizient verwendet? Wie werden Güter verteilt? Es bliebe also nur noch die Verteilungsfrage übrig. Aber was heißt Effizienz genau? Oder anders gefragt: Wann ist Effizienz erreicht? – Zwei Prinzipien müssen dazu erfüllt sein: Bei gegebenen Mitteln muss das bestmögliche Ziel erreicht werden und bei gegebenem Ziel muss dieses mit minimalen Mitteln erreicht werden. Effizienz und Effektivität werden gerne verwechselt. Man sollte jedoch beides unterscheiden. Effektivität bemisst sich …

Falsche Prognosen des IWFs – Was folgt?

Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds Oliver Blanchard hat in einer Studie eingestanden, dass der IWF die schädliche Wirkung von Sparprogrammen in Südeuropa auf die Wirtschaft unterschätzt hat. Was nun? Die Diskussion, die auch Jens Berger von den Nachdenkseiten aufgreift, geht konkret um den keynesianischen Multiplikator. Der beschreibt, wie stark die Wirtschaftsleistung eines Landes einbricht, wenn der Staat seine Ausgaben kürzt oder seine Steuern erhöht, aber auch, wie stark die Wirtschaftsleistung eines Landes steigt, wenn der Staat die Ausgaben ausweitet oder die Steuern senkt. IWF-Chefvolkswirt Blanchard hat nun noch einmal nachgerechnet und kommt zu dem Schluss, dass man zu Anfang der Eurokrise (im Frühjahr 2010) den Multiplikator für die Krisenländer zu klein geschätzt hat. Das bedeutet auch, dass man die negativen Folgen für die Wirtschaft, die die eingeschlagene Austeritätspolitik mit Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen hat, unterschätzte. Sicherlich ein gefundenes Fressen für Keynesianer. Und sicherlich kann man durch den Fehler auch erklären, warum die Wirtschaftsprognosen, z.B. für Griechenland, in der Vergangenheit immer viel zu günstig waren. Wenn Fabian Lindner im Herdentrieb aber behauptet, der IWF habe wider besseren …