Alle Artikel in: Wirtschaftswurm-Blog

Zypern und Europa nach der Einigung

Ein paar Schlussfolgerungen nach anderthalb Wochen Hoffen und Banken Anderthalb Wochen lang überschlugen sich die Nachrichten im Falle Zyperns. Erst der Beschluss zu einem Rettungspaket, dann seine Ablehnung durch das zyprische Parlament, schließlich die Neuverhandlungen mit allem ihrem Hin und Her. Nun haben sich die Eurogruppe und Zypern auf ein neues Rettungspaket verständigt. Zunächst ist festzuhalten: Das Vertrauen in das Brüsseler Krisenmanagement hat durch die Vorkommnisse massiv gelitten. Niemand hat das besser zum Ausdruck gebracht als der zyprische Erzbischof, der meinte: „Aber mit diesen Genies in Brüssel ist sicher, dass er [der Euro] nicht lange halten wird.“ Man hat den Eindruck, es war letztlich reines Glück, dass sich der unsägliche Vorschlag, die Konten von Kleinsparern anzutasten, nicht durchgesetzt hat. Einmal mehr hat sich gezeigt, dass eine Währungsunion ohne zentrale Regierung schlecht funktioniert. Die zentrale europäische Regierung bleibt aber auf absehbare Zeit eine Illusion. Dann ist festzuhalten: Die Theorie von den Dominosteinen aus Banken und Staaten, die alle nacheinander fallen, wenn nur irgendwo der erste Stein fällt, hat sich nicht bestätigt. Sie ist tatsächlich lediglich ein …

Schülerfragen zur Eurokrise: Live-Diskussion am 26.3, Beginn 20 Uhr

Ich habe bereits darauf hingewiesen, unsere ursprünglich schon für letzten Dienstag vorgesehene Diskussionsrunde findet nun übermorgen, am Dienstag, ab 20 Uhr statt. Thema sind Schülerfragen zur Eurokrise. Neben Dirk Elsner und Eric Bonse, die bereits beim letzten „Ökonomen live“ dabei waren, wird auch Karl-Heinz Thielmann mitmachen, ein Ex-Länderanalyst einer Fondsgesellschaft, der im Blog von Dirk Elsner Gastbeiträge schreibt. Unsere Diskussion findet im Rahmen einer Videokonferenz statt und wird live über meinen Youtube-Kanal übertragen. Hier im Blog werde ich am Dienstag zudem den genauen Youtube-Link zum Live-Video bekannt geben, sobald er feststeht. Das wird etwa eine halbe Stunde vor Beginn der Diskussion sein. Über diesen Link kann man sich auch noch später die Diskussion ansehen. Wie auch bei unseren vorangegangenen Sendungen „Ökonomen live“ kann sich jeder beteiligen. So werden wir während der Sendung aufmerksam die Diskussion auf Twitter verfolgen, die unter dem Hashtag #Ökonomenlive stattfindet. Wer ein Konto bei Google-Plus hat, den können wir zudem live für Fragen und Stellungnahmen zur Videokonferenz dazuschalten. Näheres erklären wir zu Beginn der Sendung.

Wer soll wie über Zypern entscheiden?

Trägt die Bundesregierung im Fall Zypern wirklich die Verantwortung? „Tatsächlich war der Beschluss z.B. Taschengeldkonten von Kindern zu belasten nur im Raumschiff Brüssel möglich und denkbar.“ – So schrieb ich in meinem letzten Blogbeitrag. Auch Frank Lübberding scheint das ähnlich zu sehen und diagnostiziert auf Wiesaussieht „ein Strukturdefizit der europäischen Politik“. Sein Vorschlag, wie man dieses Strukturdefizit beheben kann, ist aber rückwärtsgewandt und wird nicht funktionieren. Deutschland solle (wieder) in die Rolle der informellen Hegemonialmacht schlüpfen und dabei das europäische Gesamtinteresse gegenüber (auch deutschen) Einzelinteressen vertreten. So fordert es Lübberding. Damit trifft er übrigens ziemlich genau die Agenda von Eric Bonse auf LostinEUrope. Bonse schimpft leidenschaftlich gerne über das, was die Bundesregierung in Brüssel anstellt. Drei Gründe sprechen gegen Lübberdings Vorschlag: Die Bundeskanzlerin hat kein Mandat, für den ganzen Kontinent zu sprechen. Niemand hat sie dafür gewählt. Sie ist auf die deutschen Interessen verpflichtet, aber auch beschränkt. Wer sie davon entbinden will, will sie von der Demokratie entbinden. Die Informationskanäle des ganzen Kontinents bündeln sich nicht in Berlin. Die Bundesregierung verfügt daher über keinerlei besonderes …

Stabilitätsabgabe auf Bankeinlagen: Zypern vor der Entscheidung

Die sogenannte Stabilitätsabgabe auf Einlagen bei zyprischen Banken ist im Grundsatz richtig. Fehlende Freibeträge könnten sich aber als politisch fatal erweisen. Die Aufregung ist groß. Zypern soll gerettet werden, aber die Sparer sollen bluten. Urspünglich war eine Abgabe von 6,75% auf Einlagen bis 100.000 € bei zyprischen Banken vorgesehen. Für über  100.000 € hinausgehende Einlagen sollten 9,9% anfallen. Inzwischen ist aber wieder alles in der Schwebe. Offensichtlich hat die zyprische Regierung keine Mehrheit für die Maßnahmen im Parlament. Die zyprischen Banken bleiben vorerst geschlossen. Der Geldverkehr ist gestoppt. Natürlich sind die Zyprioten sauer. Aber auch auf Twitter (Schlagwort #Zypressung) und in deutschen Blogs tobt die Empörung. Benjamin Schäfer etwa (um nur einen Blogger herauszugreifen) schimpft: Nein, auch die Durchführung dieser „Rettung“ ist so dermaßen dilettantisch, dass mir die Spucke wegbleibt. Dass nun Bankkunden in allen Krisenländern Zypern als Warnsignal auffassen und ihre Konten räumen, daran kann man glauben oder auch nicht. Ich bin da eher gelassen. Die meisten Sparer sind Transusen. Auch in Zypern selbst gab es trotz der seit Langem bekannten Probleme der Banken …

Mal etwas Optimismus in der Eurokrise

Die letzten Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission vom letzten Herbst kann man als optimistisch bezeichnen. Doch es spricht meiner Meinung nach einiges dafür, dass im Gegensatz zu bisher nun die Optimisten recht behalten. Konkret glaubt die Europäische Kommission an ein Wirtschaftswachstum in der Eurozone von 0,1% in diesem Jahr und von 1,4% im nächsten Jahr. Die OECD ist leicht pessimistischer: -0,1% dieses Jahr, 1,3% nächstes Jahr. Für diejenigen, die es interessiert, habe ich zudem die Prognosen für wichtige Einzelländer herausgesucht: Staat Prognose Kommission 2013 Prognose Kommission 2014 Prognose OECD 2013 Prognose OECD 2014 Belgien +0,7% +1,6% +0,5% +1,6% Deutschland +0,8% +2,0% +0,6% +1,9% Finnland +0,8% +1,3% +1,1% +2,2% Frankreich +0,4% +1,2% +0,3% +1,3% Griechenland -4,2% +0,6% -4,5% -1,3% Irland +1,1% +2,2% +1,3% +2,2% Italien -0,5% +0,8% -1,0% +0,6% Niederlande +0,3% +1,4% +0,2% +1,5% Österreich +0,9% +2,1% +0,8% +1,8% Portugal -1,0% +0,8% -1,8% +0,9% Slowakei +2,0% +3,0% +2,0% +3,4% Spanien -1,4% +0,8% -1,4% +0,5% Tatsächlich deuten inzwischen einige Frühindikatoren an, dass die augenblickliche Rezession in einigen Eurostaaten schon wieder zu Ende geht. Mit den Frühindikatoren meine ich …

Schülerfragen zur Eurokrise

Acht Fragen von Oberstufenschülern und meine Antworten Morgen in einer Woche, am Dienstag, den 19., bin ich wieder dabei. Zusammen mit Dirk Elsner und Eric Bonse diskutiere ich über Schülerfragen zur Eurokrise. Unsere Runde „Ökonomen live“ wird ab 20 Uhr über meinen Youtube-Kanal übertragen. Achtung! Dieser Termin musste verschoben werden. „Ökonomen live“ findet nun eine Woche später, am 26.3 um 20 Uhr statt. Dirk hat bereits acht Fragen von Oberstufenschülern zur Eurokrise gesammelt. Hier meine Antworten: Wer ist schuld an der Krise? Die schwierigste Frage gleich zu Beginn. Da muss ich etwas ausholen. Die Eurokrise besteht im Kern darin, dass einige Länder in Europa mehr Güter und Dienstleistungen für sich beanspruchen, als sie selbst produzieren. Gemeint sind vor allem Griechenland, Spanien, Portugal und Italien: die Defizitländer. Die fehlenden Güter führen sie aus den Überschussländern (hauptsächlich Deutschland) ein und verschulden sich dafür. Die Überschussländer brauchen weniger Güter, als sie selbst produzieren. Um ihre Schulden zurückzuzahlen, müssten die Defizitländer eigentlich mal mehr Waren ausführen als einführen und so Geld im internationalen Handel verdienen. Das ist aber bisher …

Aufruf, mir Gastbeiträge für den Wirtschaftswurm zu schicken

Seit über 2 1/2 Jahren betreibe ich dieses Blog und habe inzwischen 262 Beiträge veröffentlicht. Und alle 262 sind von mir selbst. Das soll in Zukunft anders sein. Ich glaube, der Wirtschaftswurm und seine Leser würden davon profitieren, wenn in Zukunft auch andere Autoren ihre Sichtweise und ihre Themen hier veröffentlichten. Und auch potenzielle Gastautoren würden davon profitieren, wenn sie mit diesem Blog eine neue Plattform mit neuen Lesern nutzten. Also schickt mir eure Beiträge für den Wirtschaftswurm! Die E-Mail-Adresse findet ihr auf der Seite „Kontakt„. Willkommen sind alle Beiträge, die unter das Motto des Blogs passen: Nachrichten aus Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften gründlich verdaut. Die Beiträge sollten sich an ein allgemeines Publikum richten, also an Leute mit Interesse für Wirtschaft, die lediglich ein paar Grundkenntnisse haben. Die Beiträge sollten zudem nicht zu lang sein. Hier im Blog habe ich mir ein Zeichenlimit von 5400 Zeichen gesetzt (drei Normseiten). Bei wichtigen Themen kann man allerdings auch mal eine Ausnahme machen und aus einem Beitrag eine Serie mit zwei oder gar drei Teilen machen. Besonders freue ich …

Verursacht Ungleichheit Krisen?

Eine interessante Frage für die Ökonomenblogparade, die in diesem Monat von Stephan Ewald stammt. Nun, in Hinblick auf die immer noch andauernde Schulden-, Finanz- und Eurokrise behaupte ich: Ja, Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen hat diese Krise mitverursacht. Grundsätzlich kann man drei Krisenherde unterscheiden: Einige Eurostaaten haben so viele Schulden angehäuft, dass sie an den Finanzmärkten kein Vertrauen mehr genießen (Staatsschuldenkrise). Die Banken einiger Euroländer haben großzügig Kredite für zweifelhafte Projekte an zweifelhafte Schuldner verteilt und sind so in eine Schieflage geraten (Finanzkrise). In Spanien haben etwa Bankenkredite einen unsinnigen Immobilienboom ausgelöst, in Griechenland haben Banken Geld für das ineffiziente politische Klientelsystem beschafft. Die Europeripherieländer haben große Leistungsbilanzdefizite angehäuft (Eurokrise im engeren Sinne). Sie haben all die Jahre seit Einführung des Euros mehr konsumiert als selbst produziert. Haushalte, Unternehmen und/oder Staatswesen dort haben dadurch Schulden angehäuft, die sie kaum noch bedienen können. Die drei Krisenherde befeuern sich gegenseitig, etwa, wenn Staaten Schulden machen, um Banken zu retten. Entstanden sind alle drei aber aus jeweils eigenen Ursachen. Im Folgenden die Hauptursachen und wie ökonomische Ungleichheit für …

EEG-Umlage und Mehrwertsteuer: FAZ verbreitet Unfug

„EEG-Umlage hat dem Staat Milliarden eingebracht“, titelte die FAZ gestern online. Es geht um die Mehrwertsteuer, die auf die im Erneuerbaren-Energien-Gesetz geregelte EEG-Umlage anfällt. Durch sie verdient der Staat angeblich an einer höheren EEG-Umlage mit. Wer mit etwas Sachverstand über die Frage nachdenkt, erkennt aber schnell, dass die FAZ hier kompletten Unfug verbreitet. Richtig ist, dass durch die EEG-Umlage den Energieversorgern Kosten entstehen, die sie an die Stromverbraucher über einen höheren Strompreis weiterleiten. Ein EEG-Zuschlag wird meistens sogar auf der Stromrechnung separat ausgewiesen. Richtig ist auch, dass die Umsatzsteuer auf den gesamten Strompreis anfällt, inklusive EEG-Zuschlag. Die Umsatzsteuer-Einnahmen des Staates pro verbrauchter Kilowattstunde steigen also tatsächlich durch die EEG-Umlage, und sie steigen umso mehr, je höher diese ist. Nun können allerdings die Verbraucher Strom sparen. Und wenn sie nicht Strom sparen, müssen sie an anderer Stelle Ausgaben kürzen. Denn ein höherer Strompreis erhöht ja nicht ihr zur Verfügung stehendes Einkommen. Ob sie auf Eis im Sommer oder Wollsocken im Winter verzichten, irgendwo gibt es weniger Umsatz und somit auch weniger Umsatzsteuer für den Staat. Die …

Hochfrequenzhandel: Die Börsenaufsicht im Rattenrennen

FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher schwadroniert in seinem neuen Buch über die Macht der Algorithmen. Doch die Bundesregierung hat sich am konkreten Fall mit dem Thema auseinandergesetzt und kürzlich einen Gesetzesvorschlag zum Hochfrequenzhandel an den Börsen vorgestellt. Ihre Ergebnisse sind allerdings mangelhaft. Beim Hochfrequenzhandel entscheiden Computer selbständig über Kauf und Verkauf an der Börse. Der Vorteil liegt in ihrer Schnelligkeit; für die Übermittlung einer Order brauchen sie gerade 0,25 Millisekunden. Das schafft neue Möglichkeiten. Durch eine Unzahl von Aufträgen, die schnell ins Orderbuch eingestellt und wieder gelöscht werden, lassen sich die Absichten anderer Marktteilnehmer ausspionieren. Der Computer kann sich dann zwischen einem Verkäufer und einem Käufer dazwischenschalten. Er kauft von dem einen und verkauft sofort an den anderen weiter. Der Gewinn ist nur klein, summiert sich aber zu großen Beträgen durch die Menge der Transaktionen. In den USA hat der Hochfrequenzhandel schon mehrfach zu Zwischenfällen geführt; am bekanntesten ist der Flash Crash vom 6. Mai 2010, bei dem der Dow Jones innerhalb von acht Minuten um 1000 Punkte abstürzte. Und 2012 brachte ein Softwarefehler den Hochfrequenzhändler Knight …

Der Fall Amazon – Mein Resümee

Zu meinem Beitrag „Der Fall Amazon – Wer ist verantwortlich?“ gab es viele interessante Kommentare und auch sonst im Netz wurde die ARD-Doku von Diana Löbl und Peter Onneken viel kommentiert. Zeit für mein Resümee. Wer muss Konsequenzen ziehen? Nicht umsonst hatte ich im Artikel „Wer ist verantwortlich?“ den Fall Amazon aufgesplittet und sechs sicher festgestellte Missstände aufgezählt. Sechs verschiedene Punkte, so kann man mehrere Verantwortliche benennen, ohne die Verantwortungsbereiche zu verwischen. Aber nach welchem Grundsatz sollte man die Verantwortung aufteilen? Nun, ich denke, verantwortlich sollte immer der sein, dem es am leichtesten fällt, den jeweiligen Missstand zu beseitigen. Wem aber fällt es am leichtesten? Nun, demjenigen, der den besten Zugang zu Informationen über den Missstand hat und über die besten Mittel zu seiner Beseitigung verfügt. Wenn man sich über diese Grundsätze klar geworden ist, löst sich das Problem der Verantwortung folgendermaßen: Amazon hat die Saisonarbeiter mit irreführenden Angaben angeworben. Verantwortlich: Amazon selbst. Unterkünfte und Essen der Leiharbeiter sind miserabel. Verantwortlich: für das Essen die Ferienanlage Seepark. Die Betreiber der Ferienanlage hätten es auch ablehnen …