Alle Artikel in: Wirtschaftswurm-Blog

Konsequenzen eines Excel-Fehlers: Revision und Rechtfertigung

Auf meinen Beitrag zum Rechendesaster von Rogoff und Reinhard gab es zahlreiche Reaktionen. Ich möchte auf sie eingehen, in dem ich meine Position weiterentwickle und dadurch hoffentlich klarer mache. So habe ich unglücklicherweise einen sarkastischen Ausbruch bei Stefan Sasse provoziert: Staatsschulden machen irgendwann irgendwie irgendwem Probleme, aber wir können keinerlei Aussage darüber machen, wie genau alles zusammenhängt, außer dass es manchmal funktioniert, mit hohen Staatsschulden Wachstum zu generieren, und manchmal selbst mit moderaten Staatsschulden kein Wachstum entsteht? Wahnsinn. … Das sind Erkenntnisse, die geradezu einen Freifahrtschein für alle Ökonomen darstellen. Sie haben einfach immer Recht. Nein, Stefan, das wollte ich überhaupt nicht sagen. Im konkreten Fall bin ich auch sehr wohl der Meinung, dass Rogoff und Reinhard Unrecht hatten mit ihrer Behauptung, eine Staatsverschuldung von über 90 % des BIPs führe in der Regel zu geringem Wirtschaftswachstum. Diese ihre These wurde nun widerlegt. Aber man sollte – das ist auch meine Meinung – trotzdem nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Dass eine konkrete wissenschaftliche Hypothese sich als falsch herausgestellt hat, heißt noch lange nicht, …

Konsequenzen eines Excel-Fehlers

Zwei prominente Ökonomen, Carmen Reinhard und Kenneth Rogoff, wurden eines Excel-Fehlers in ihrer ebenso prominenten Studie „Growth in a time of debt“ überführt. Und nun? Die magische Zahl ist verschwunden, die magischen 90 %. Ab einer Schuldenquote von 90 %, so glaubten Reinhard und Rogoff ursprünglich herausgefunden zu haben, sinke das Wirtschaftswachstum eines Staates. Das lässt sich so nun nicht mehr halten. Auch für die Medien, die sonst nie über ökonomische Forschung berichten, ist das ein gefundenes Fressen. So steht laut SPON nun Europas Sparpolitik in Frage. Dass sich zudem Keynesianer wie Heiner Flassbeck oder Albrecht Müller ereifern, versteht sich von selbst. Wer glaubt, Schuldenmachen sei ein wichtiges Mittel, um die Wirtschaft zu stimulieren, dem war eine feste Obergrenze wie die 90-%-Quote ein Dorn im Auge. Dass es magische Zahlen in der Ökonomie nicht gibt, hätte aber auch vor Bekanntwerden des Excel-Fehlers klar sein müssen. Dazu ist Ökonomie zu komplex. Umgekehrt ist staatliche Verschuldung durch den Fehler keineswegs rehabilitiert. Selbst Rogoff-Kritiker Paul Krugman (den die Nachdenkseiten dankenswerterweise ins Deutsche übersetzt haben), gibt zu: „Es gibt …

„Geordneter“ Ausstieg aus der Eurozone? – Die wirtschaftliche Seite

„Macht die Forderung der Partei Sinn, oder handelt es sich um gefährliche Anti-Europa-Politik?“ Diese Frage zur Alternative für Deutschland (AfD) stellt Focus-Chefredakteur Jörg Quoos im heute erschienen Heft. Die angekündigte Analyse ist dann aber schwach und geht auf volkswirtschaftliche Fragen gar nicht ein. Darum hier im Blog meine Analyse als Ergänzung (nein besser als Ersatz) zur Focus-Titelgeschichte. Immerhin erläutert AfD-Vorsitzender Bernd Lucke im Focus-Interview sein Konzept für den Euroausstieg. Lucke möchte die jetzige Währungsunion durch einen Ausstieg der Südländer (einschließlich „wahrscheinlich“ Frankreichs) beenden. Dabei geht er von einer vier- bis fünfjährigen Übergangsphase aus, in der diese Länder neben dem Euro eine neue, eigene Währung parallel benutzen. Ob Deutschland ein solches Konzept politisch in der EU durchsetzen kann, habe ich mich bereits im Beitrag „‚Geordneter‘ Ausstieg aus der Eurozone? – Die politische Seite“ gefragt. Mit den heutigen EU-Institutionen schien mir das so gut wie unmöglich. Ergänzen möchte ich allerdings, dass sich Luckes Parallelwährungen automatisch vor Ort, auch ohne Segen aus Brüssel, entwickeln können. Wenn nämlich keine weiteren Hilfen an die Südschiene fließen, stehen die dortigen Staaten …

„Geordneter“ Ausstieg aus der Eurozone? – Die politische Seite

Sollte Deutschland aus der Eurozone aussteigen, wie es die „Alternative für Deutschland“ (AfD) fordert, wird das wohl nicht ganz so reibungslos ablaufen, wie das die Eurogegner darstellen. Trotzdem kein Grund, den Euroaustritt zu scheuen. Mit der Gründung der neuen Partei „Alternative für Deutschland“ und ihrem ersten großen Parteitag ist das Thema eines deutschen Ausstiegs aus der Eurozone wieder in den Medien. Stammleser dieses Blogs und Leser meines E-Books „Die ersten drei Jahre Eurokrise“ werden sich nicht wundern, dass ich das gut finde. Seit Beginn der Eurokrise bin ich dafür, dass Krisenländer aus der Eurozone ausscheiden. Seitdem EZB-Präsident Draghi erklärt hat, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern aufzukaufen, bin ich dafür, dass am besten gleich Deutschland aus der Eurozone austritt („Deutschland ist nun verpflichtet, die Eurozone zu verlassen“). Selbst George Soros und Wolfgang Münchau haben sich inzwischen die Forderung nach einem Euroaustritt Deutschlands zu eigen gemacht. Dabei teile ich übrigens ihre Analyse, dass mit Eurobonds die Währungsunion zu retten wäre. Der Preis eines Schuldensozialismus mithilfe von Eurobonds wäre allerdings für Europa und insbesondere für Deutschland langfristig gigantisch. …

Der eingeschränkte Sinn staatlicher Garantien

Die Bundesregierung muss einen Weg finden, ihre umfassende Garantie für Bankeinlagen einzuschränken. Mittlerweile ist die Szene Bestandteil eines Mythos: Angela Merkel und Peer Steinbrück treten am 5. Oktober 2008 gemeinsam vor die Kameras. Der damalige Finanzminister erklärt: Ich möchte gerne unterstreichen, dass wir in der Tat in der gemeinsamen Verantwortung, die wir in der Bundesregierung fühlen, dafür Sorge tragen wollen, dass die Sparerinnen und Sparer in Deutschland nicht befürchten müssen, einen Euro ihrer Einlagen zu verlieren. (Nachzulesen bei SPON) Die Sparer glaubten es. Und so wurde ein Ansturm auf die Banken schon im Keim erstickt. Die Frage, ob die Regierungsgarantie für Bankeinlagen im vollen Umfang noch heute gilt, wurde nach dem beschlossenen Schnitt bei zyprischen Bankeinlagen wieder aktuell. Auf Nachfrage beantwortete Regierungssprecher Seibert sie mit Ja. Ob er gut daran tat? Man kann sich ja auf den Standpunkt von Thomas Fricke stellen: „in einer Finanz- und Bankenkrise geht es darum, alles zu garantieren, was irgendwie zu wackeln beginnt.“ Bei einem vorübergehenden Liquiditätsengpass einer einzelnen Bank ist das auch nicht falsch. Ich frage mich aber, ob …

Ungleiche Vermögensverteilung in der Eurozone und seltsame Argumente

Nachdem schon Ende März einige Zahlen durchgesickert waren, gibt es die Studie der EZB zu Finanzen und Konsum der Haushalte seit zwei Tagen offiziell. Seitdem tobt die Diskussion auf den Wirtschaftsseiten und in den Wirtschaftsblogs. Nicht wenigen ist es ein großes Bedürfnis, die Deutschen reicher erscheinen zu lassen, als sie der EZB-Studie nach sind, darunter auch Blogger wie Egghat oder Jens Berger. Hierzu werden auch schon mal seltsame Argumente vorgebracht.

Fernbusse: Das Dilemma der Marktliberalisierung

Wettbewerb ist gut, doch fairer Wettbewerb wäre besser. Eine Meinung zum liberalisierten Fernbusmarkt. Bis Ende letzten Jahres waren Fernbuslinien innerhalb Deutschlands nicht erlaubt – nur in Richtung Berlin gab es historisch bedingt Ausnahmen. Nun sind sie möglich. Erforderlich ist allerdings ein Mindestabstand von 50 km zwischen den Haltestellen und eine amtliche Genehmigung. Justus Haucap lobt im ÖkonomenBlog der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft die Liberalisierung des Fernbusmarktes. Und tatsächlich hat sie schon jetzt zu mehr Wettbewerb geführt. Bald wird es wohl über 160 Fernbuslinien geben. Wettbewerb, das haben Ökonomen gelernt, ist gut. Er sorgt in der Regel für niedrigere Preise, bessere Qualität und Innovationen. Dass die Deutsche Bahn nun in allen ICE freies WLAN zum Standard machen will, führt Haucap auf den neuen Wettbewerb zurück. Die DB selbst würde dies allerdings bestreiten. Ob Wettbewerb in der Summe wirklich gut ist, hängt allerdings von den Rahmenbedingungen ab. Schlecht kann es sein, wenn einzelne Wettbewerber vom Staat subventioniert werden. Dann kann es passieren, dass die subventionierten Anbieter bessere Anbieter niederkonkurrieren. Wenn die Guten weichen müssen, ist das zum …

Der Wirtschaftswurm ist für den „comdirect finanzblog award“ nominiert.

Wie ich heute erfahren habe, ist der Wirtschaftswurm für den „comdirect finanzblog award“ nominiert. Neun Blogs wurden von der Jury für die Auszeichnung nominiert. Wer von den neun die vier Preise bekommt, wird am 6. Mai auf der re:publica bekannt gegeben. Insgesamt ist der Award mit 7.000 € dotiert. Weiteres kann man auf der Seite der Comdirect nachlesen.

Meine Zugriffsstatistik vom 1. Quartal 2013

Wieder mal ist ein Quartal um und damit steht traditionell ein Blick in meine Blogstatistiken auf dem Programm. In den ersten drei Monaten 2013 registrierte Google Analytics 26.798 Seitenaufrufe und 18.695 Besuche. Gegenüber dem vorhergehenden Quartal ist das ein Plus von 22,2% bei den Seitenaufrufen und ein Plus von sogar 29,1% bei den Besuchen. Das Niveau des Sommerquartals 2012 wurde damit fast wieder erreicht. Der Besuchereinbruch Ende 2012 hat sich als vorübergehende Delle erwiesen. Mein Klassiker „Wirtschaftswachstum mal langfristig“ war auch im letzten Quartal der Artikel, der am meisten aufgerufen wurde. Das ist allerdings auch etwas ärgerlich, denn von diesem 2 ½ Jahre alten Artikel gibt es inzwischen bereits die zweite aktualisierte Version mit neuen Zahlen. Die aktuelle Version schafft es aber bei Google bislang nicht an der alten Version vorbeizuziehen. Weitere Artikel, die häufig aufgerufen wurden, waren: Hans-Werner Sinn und die Target-Falle Der Fall Amazon – Wer ist verantwortlich? (Teil 1) Die Eine-Billion-Dollar-Münze Warum ich Keynesianer hasse Der Fall Amazon – Mein Resümee Zypern und Europa nach der Einigung Falsche Prognosen des IWFs – …

Ökonomenblogparade (ÖBP) im April: Spekulationsblasen

Wirtschafts- und Finanzblogger werden aufgerufen, im April über das Thema Spekulationsblasen zu schreiben. Die erste gut dokumentierte Spekulationsblase fand bereits in den 1630er Jahren in den Niederlanden statt. Auf dem Höhepunkt der Tulpenmanie wurden für eine Tulpenzwiebel der Sorte „Semper Augustus“ 10.000 Gulden geboten, so viel wie damals ein nobles Haus an einer Amsterdamer Gracht kostete. Bis heute sind Spekulationsblasen ein fast regelmäßig wiederkehrendes Phänomen. So erreichte die Dotcom-Blase im März 2000 ihren Höhepunkt. Aktien kleiner, junger Internetunternehmen wurden damals zu horrenden Preisen gehandelt. Der Chart des Indexes der New Yorker Technologiebörse Nasdaq dokumentiert die Preisblase anschaulich. Die nächste Blase platzte 2007. Dieses Mal betraf es den Häusermarkt. Während die Dotcom-Blase allerdings ein weltweites Phänomen war, betraf die Immobilienblase hauptsächlich nur die USA, Irland und Spanien. Wieder lässt sich die Preisblase am besten durch Charts zeigen: Das Platzen von Spekulationsblasen hat oft Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Sowohl nach der Dotcom-Blase als auch nach der Immobilienblase gab es eine schwere Rezession. Ja, die Immobilienblase mündete sogar in eine weltweite Finanzkrise, die bis heute nicht überwunden …

Ökonomen live: Schülerfragen zur Eurokrise

Um 20 Uhr beginnt unsere Diskussionsrunde „Ökonomen live“ mit dem Thema Schülerfragen zur Eurokrise. Das Youtube-Video wird auch hier eingebunden. Im Zweifelsfall muss man die Seite noch mal neu laden, damit die Übertragung startet. Auch heute verfolgen wir aufmerksam während der Sendung die Diskussion bei Twitter, die unter dem Kennwort #Ökonomenlive geführt wird.